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Der Israelit · 1907-06-06 · Heft 23 (6.6.1907) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 23 (6.6.1907)
Date
1907-06-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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lrtf-^^4!)U-i^'J^l!'»Ui-l!-V'1'1... -,11 1 . ,- -Ml ^,IJ JJU iu U.IM....I. , . .- Feuilleton-Beilage zu Nr. 25 des „Fsraelit". euilleton. Lvlscden Turcftt und Hoffnung. Erzählung aus dem russtsch-japanischen Krieg Ns von E. Schachuowitz in Eudingen. (Fortsetzung.) „Mit zwanzig Jahren kam ich zum Militär und wurde zu den Grenzjägern an der preußischen Grenze bei Burgen im Gouvernement Kowno geschickt. Es war ein Leben von vielen Plagen und ewigem Jagen, aber lustig ging es dort zuweilen her ..." Das Gesicht des Kranken zuckte plötzlich wie im tiefen Schmerze. Doch Wanuschka merkte es nicht und erzählte weiter: «„In diesem Grenzgebiete wohnen fast nur Juden, doch verkehrten wir mit ihnen nur selten. In die Stadt durften wir nur jeden zweiten Sonntag gehen. In der Schenke, wo wir uns dann betranken, war außer dem Wirte niemals ein Jude zu sehen, was uns schon mit großer Verachtung gegen sie erfüllte . . . Dann gingen wir in die jüdischen Kramläden, wo wir Ware kauften oder eintauschten. Die Kameraden sagten, es seien Schwindler und Heuchler und wollen uns betrügen, darum hielten wir uns schadlos und stahlen, was wir konnten. So leicht war es aber nicht immer. Oft ward es entdeckt und es kam zu Schlägereien. Wenn so eine elende Krämerseele einem einen Fünfpsünder an den Kopf warf, so spürte man es und man war für einige Zeit gezeichnet. Anzeigen brauchte man aber von diesen Leuten niemals zu befürchten und darum kamen wir im Großen und Ganzen gut aus." Wanuschka hielt Plötzlich inne. Er hatte das Gefühl, wieder jemand beleidigt zu haben und schaute dem Freunde unsicher ins Gesicht. Dieser lächelte aber vergnügt und bat, weiter zu erzählen. „Unser Dienst bestand im Auflauern von Schmugglern und Deserteuren, das heißt, solchen, die sich ohne Paß über die Grenze flüchten. Miserable -und schwere Arbeit bei Nacht und Sturm. Da gab es jede Nacht, an der der Mond schien, zu tun. „Aber," Wanuschka unterbrach sich, das schmerzerfüllte Gesicht des Verwundeten plötzlich wahrnehmend, „fehlt Dir wieder etwas? Ist der Verband auf?. Soll ich die Schwester holen?" „Nein, nichts- Schon vorüber! Werter!" „Ich konnte es niemals begreifen," setzte Wanuschka fort, „warum ich wegen eines Schuftes, der hinüber will, so die Nacht hindurch in einer Hecke frieren mußte, um ihm nachher die Jagd zu machen. Haben wir nicht Menschen genug im Zarenreiche? Aber was weiß so ein dummer kleinrussifcher Bauer wie ich von der Politik? sagtenmir die Kameraden. Man sagt Dir, lauere und jage, du tuest es, man heißt dich schießen, du legst an und schießt. Aber einmal, ich denke mein Lebtag daran, einmal wäre ich beinahe als Krüppel davon gekommen." „Wieso," bat Salam mit steigender Erregung. „Es war eine stockfinstere Nacht, wie die heutige etwa, der Iwan, der Teufel hole ihn, den Säufbold, brachte eine Meldung, etwas zu spät. Wir lagen auf der Lauer. Da waren sie schon. .Halt!" schrien wir, sie liefen wie die verscheuchten Rehe. Wir jagten, sie liefen noch verzweifelter. Wir schossen, da waren sie schon drüben und liefen noch immer. Nur einer konnte nicht recht vorwärts über den Graben. Er schien etwas schweres in der.Hand zu tragenich konnte in der Dunkelheit nicht unterscheiden, ob es ein Ballen Ware oder gar etwas lebendiges war. Hier, dachte ich die Hauptbeute und packte den Fliehenden, aber da bekam ich einen Händedruck, so ähnlich wie den Deinigen am letzten Sonntag, daß ich wild aufschrie und mir das Gewehr aus der Hand fiel. Die anderen eilten herbei und schlugen ihn nieder, aber seine Ware hatte er bereits über die Grenze geworfen. Ich hätte mir noch gern den Kerl mit den eisernen Klauen angesehen, aber „zurück auf deinen Posten!" schrie mich der Wachtmeister an und übergab den Bewußtlosen den Transportsoldaten. Aber," er hielt wieder an, den Kranken besorgt betrachtend, „hast Du wieder Schmerzen, oder Hab ich Dich beleidigt?" Salam wendete sich, sein Gesicht glühte im Fieber. Er hatte seinen Verfolger vor sich, als Freund an seinem Krankenbette. Darüber konnte kein Zweifel mehr herrschen. Mit fiebernden Augen betrachtete er den Jäger. War er sein Schicksal, der ihn von der Schwelle des Glückes entrissen und hierhergebracht? Konnte er dem Wanuschka, der nur bundlings seine Pflicht ausübte, zürnen? War nicht vielmehr in biesem merkwürdigen Zusammentreffen und Zusammenarbeiten der verschiedenen dunklen Mächte seines Schicksals ein wunderbarer Finger Gottes zu erblicken? Durfte er nach all dem die Hoffnung auf eine weitere günstige Einlenkung seines Geschickes aufgeben?" Salam verfiel in einen unruhigen Fieberschlaf. Wanuschka weckte ihn gegen Morgen, um von ihm Abschied zu nehmen. „Gute Besserung! Vielleicht auch auf Wiedersehen! . . ." Kapitel 8. Seit einigen Wochen befand sich Rosa Robenschein auf ihrem neuen Posten im neuen komfortabel eingerichteten jüdischen Spital in Kiew. Sie hatte den Kursus in Berlin mit Auszeichnung vollendetsie erwies sich schon in der Lehrreit als tüchtige Kraft und es fehlte nicht an Versuchen, sie der Lehranstalt zu erhalten, aber sie ließ sich in ihrem Plane nicht wankend machen. Es fiel ihr nicht schwer, sich in die neuen Verhältnisse, von denen sie oft genug Proben über die Grenze hinüber bekommen hatte, hinein» zuschicken. Sie konnte hier das Elend an der Quelle studieren, wobei sich ihr auch neue Gesichtspunkte eröffneten, von denen aus sie manches verstehen und beurteilen lernte. Sie wurde als „dre »e" mit einigem Mißtrauen ausgenommen. ald konnte sie dieses widerlegen, nicht durch Worte, sondern durch ihre eigne Art zu handeln. Bald Hütte sie alle Herzen gewonnen, nicht im Sturm, sondern mit ihrem stillen, aber eindringenden Wesen. Sie sprach nicht viel, was gerade in diesem Lande, wo wie immer in einer Periode des politischen Werdens viel geredet und phraseologisch philosophiert wird, sich sehr vorteilhaft ausnahm. „Unser Fräulein hört man nirgends kommen, aber sie ist überall da!" bemerkte der leitende Oberarzt Dr. Minkowski. Es ist eine Wohltat, dieses stets propere deutsche Mädchen mit ihrem genialen Auffassungsvermögen mit ihren leisen und flinken Fingern arbeiten zu sehen." „Jawohl," seufzte der jüngere Kollege, ein bekannter Demokratenführer, „wahre Kultur. Dort lernen sie es gründlichwären wir bei uns auch bald so weit!" Das Dienstpersonal fügte sich schweigend und willig ihren Anordnungen, dre sie nie befehlerisch traf, sondern mit eigener Hand vormachte und einleitete. Sie ließ sie den Segen einer guten Ordnung^ an sich selber spüren und sie folgten freudig. Doch am meisten verstand sie, die Liebe und das Vertrauen der Patienten zu erwerben, deren es in ersterer Zeit in der neuen Anstalt noch nicht viele gab. „Wenn ich die Oberin nur in meinem Zimmer sehe," beteuerte die arme Wöchnerin, „so ist es mir, als käme ein Engel herein, mir und dem Kinde Genesung zu bringen." „Ich mag keine Medizin," weinte die kleine Emmy im Kindersaal, „aber wenn es doch sein muß, so geben Sie es mir, liebes Fräulein!" „Hier noch eine Wolldecke, lieber Freund," rief sie lächelnd dem alten, immer frierenden Jankel im Bette zu. ,Mun gute Ruhe. Wenn Sie nachts wieder frieren, dann drücken Sie hier an den Knopf, Sie bekommen dann heißen Thee." „Gute Nacht und tausend Dank, liebe Oberschwester," krächzte Jankel. Sie hatte sich ohne ein Recht dazu zu haben, ohne Anspruch darauf zu machen und ohne Wert Für de« Reklamenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene» Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstige Angabe« religtonsgesetzliche« Charakters auf ihre Znverlüsstgkett z« prüfen. Kaisei* 6346) OfTenbacli a. H. Quelle „€tegen «lebt n. BheamatfanM bewikri11 ^Künstliche u. natürliche Mineralwasser =sttts Aepfelwei» ran Flaschenbier saas (6777) liefert frei inS Haus II. ATissenbaum, Frankfurt a. M., Ostendstr. 76. -—--Telephon 5441. —-j □ 4 Landeshuter st Leinen- und GeMId-Weberei F. V. Grünfeld Königl., Grossherzogi. u. Fürstlicher Hoflieferant Berlin W., lliprißtlÄnm 2M. Grösste Aaswal)! aller Wäscheartikel für den Hausbedarf. laizer Uttum. Preisliste mit Abbildungen sowie Kostenanschläge za Diensten. (795$) I U Tcd Bad nomburi o.tB. Hotel nnd Restaurant Harz. 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