Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1907)
- Date
- 1907-06-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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s. Juni 1907. Der Israelit. m Nr. 23. Seite 7 n"ii riTDy min nach altjüdischer Bäterart in ihrer Mitte eine Stätte zu bereitensolange darf sie den Streit darüber, ob sie dem Geiste unseres V'itt gerecht wird, denen überlaffen, die daran einen Gefallen finden, und ruhigen Muts das Urteil der Geschichte über diesen Streit abwarten. Göttingen, 28. Mai. Die hiesige Syna g o g e n g e n g e m e i n d e hat auf Grund der Bestimmungen des neuen Volksschnlgesetzes die Errichtung einer eigenen Elementarschule beschlossen. Zurzeit besteht hier nur eine jüdische Religionsschule. Neustadtgödens, 30. Mai. Die durch die Berufung unseres bisherigen Lehrers Wolkowski nach Königsberg vakant gewordene Stelle ander hiesigen jüdischen Volks schule darf nach der Entscheidung des Herrn Kultusministers wieder besetzt werden. Wegen geringer Schülerzahl war die Wiederbesetzung von der Aufsichtsbehörde in Frage gestellt worden. Durch eine an das Kultusministerium gerichtete eindringliche Vorstellung des Herrn Landrabbiners Dr. L ö b in Emden ist die günstige Entscheidung erfolgt und der Fortbestand unserer öffentlichen jüdischenVolksschule dadurch gesichert. Oberrabbiner Dr. Seildienfeld. (Von unserem Korrespondenten) Posen, 31. Mai. Der Nestor der gesetzestreuen Rabbiner Deutschlands, unser Gemeinderabbiner, Herr Dr. W. F e i l ch e n f e l d, ist am vergangenen Dienstag, 15. Siwan, 80 Jahre alt geworden. Seine hohen Verdienste und seine, zumal in unserer Provinz, doppelt dankenswerte Wirksamkeit für die Erhaltung des gesetzestreuen Judentums ist in diesen Blättern schon oft, so z. B. bei Gelegenheit seines siebzigsten Geburtstages, seines Amtsjubiläums und auch sonst, eingehend gewürdigt worden, sodaß wir uns diesmal mit einer kurzen Berichterstattung über die ihm erwiesenen Huldigungen begnügen können. Aus ausdrücklichen Wunsch des Herrn Rabbiners war freilich von größeren Festlichkeiten Abstand genommen worden, aber dennoch ließen es sich die hiesigen Gemeindebehörden und Wohltätigkeitsanstalten nicht nehmen, ihre Glückwünsche darzubringen. In dem durch Topfgewächse und zahlreiche Blumenspenden festlich geschmückten Hause fanden sich vom frühen Morgen bis zum späten Abend nunnterbrochen die Besucher ein, und Glückwunschschreiben und Depeschen langten in unübersehbarer Menge an. Bewunderungswürdig war die herzerfreuende geistige und körperliche Frische, mit der unser Rabbiner die ihm dargebrachten Ovationen entgegennahm und in der ihm eigenen Bescheidenheit und gemessenen Würde auf alle Ansprachen erwiderte: wer es nicht wußte, der hätte nicht ahnen können, daß ein 80 jähriger Greis vor ihm stand. — Als erste Gratulanten stellten sich die Mitglieder des Vorstandes ein, der durch seinen Vorsitzenden, Herrn S. Schönlank, mit den innigsten Segenswünschen in einer prachtvollen Ledermappe künstlerisch ausgesührte Photographien der demnächst abzubrechenden alten Synagogen überreichen ließ. Ihnen folgten die Repräsentanten unter Führung des Herrn Manasse Werner, welcher der Hoffnung Ausdruck gab, daß noch viele Jahrzehnte wie seit 35 Jahren der Herr Rabbiner ihnen voranschreiten möge, dem sie treue Gefolgschaft gelobten. Nun kamen alle die zahlreichen Vereine und Körperschaften zu Worte, deren Vorständen der Gefeierte angehört, der „Verband der Synagogengemeinden der Provinz Posen", der Armen-Hilfsverein, der Darlehensverein, das Beth Schlomoh, der Jünglingsverein Leschaun Limmudim, die Schaß Chewrah, die Chewra Kadischa und viele andere. Um die Mittagszeit erschien der Herr Polizeipräsident, um Namens der Königl. Regierung Glückwünsche zu überbringen und zugleich als Zeichen der Königl. Gnade den Roten Adlerorden zu überreichen. Am Nachmittag wurde ein von Frl..Caro gedichtetes undFrl. Krause einftudiertes Festspiel nebst Reigen von den Schülerinnen der ersten Mädchenklaffe der Religionsschule aufgeführt und vielleicht kam bei keiner Veranstaltung des Tages die große Liebe und Verehrung, deren der Jubilar sich bei Groß und Klein erfreut, so innig zum Ausdruck als i bei diesem Spiele, während bessert Schülerinnen und Lehrer von tiefster Rührurrg ergriffen waren. Hiernach ließ die Alliance israelite universelle dem langjährigen Vorsitzenden ihres Lokalkomitees nebst einem Festgeschenk eine Adresse überreichen, die Herr Stadtrat Elkeles vorlas. Dann kamen verschiedene auswärtige Gratulanten zu Wort. Die Herren Rabbiner Dr. Königsberg er und Silberberg überbrachten eine von ihnen und mehreren anderen Schülern des Herrn Dr. F. veranstaltete Festschrift, die demnächst im Buchhandel erscheinen wird. Dann ließ das Rabbinerseminar zu Berlin durch den Mund seines Dozenten, Herrn Dr. I. Wohlgemuth, den Gefühlen der Dankbarkeit Ausdruck verleihen für das Vorbild der Pstichttreue, der Gottesliebe und der allzeit nrannhaft aufrechten Gesinnung, womit der Jubilar durch sein Leben und Wirken den Schülern der Anstalt als ein leuchtendes Beispiel vorangeht. Den Abschluß der offiziellen Deputationen bildeten die Grüße, die Namens der „Vereinig ung der gesetzestreuen Rabbiner Deutschlands" Herr Dr. Meier Hildesheimer aus Berlin ihrem Ehrenvorsitzenden überbrachte, der in unermüdlicher Wirksamkeit für die Interessen der Vereinigung ihr Pfadfinder und Wegweiser gewesen. — Im Namen der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" in Frankfurt a. M. hatte Herr Rabbiner Dr. Breuer dem Jubilar telegraphisch die besten Glückwünsche übermittelt. Mögen dem verehrten Manne und seiner wackeren Lebensgefährtin noch viele Jahre ungetrübten Glückes beschieden sein. rcPtto paia' Tiy! Aus Süddeutsch!and, 4. Juni. Wie ich eben in einer jüdischen Zeitung einer Notiz aus Berlin entnehme, soll die beabsichtigte Herausgabe eines „Gedenkbuches" anläßlich des hundertsten Geburtstages des großen Würzburger Raw S. B. Bamberger V'ST auf Anraten von dessen Sohn, Rabbiner Nathan Bamberger in Würzburg, unterbleiben. Ich gestatte mir als ehemaliger Schüler jenes großen Mannes, als der ich das unschätzbare Glück hatte, mehrere Jahre in seiner Nähe zu weilen, zu dieser Notiz folgendes zu bemerken: Wer die große Bescheidenheit, die unvergleichliche Selbstlosigkeit, die beispiellose Uneigennützigkeit meines Rabbi zu würdigen verstand, der muß wahrlich behaupten, daß er selbst ^jede Verherrlichung seines Namens, jede'Auszeichnung seiner Person mit aller Aufrichtigkeit zurückwies, daher auch die beabsichtigte Ehrung für den 100. Geburtstag entschieden nicht in seinem Sinn gewesen wäre. Davon abgesehen aber sind doch wohl die schönsten und erhebendsten Ehrungen seines Namens, die wohltuendsten und geeignetsten Erinnerungen an den hundertsten Geburtstag dieses Mannes die Monumente, die er sich selbst durch seine unermüdliche Tätigkeit für n"Zl nnaj; min gesetzt hat. Betrachten wir nur seine Werke: das älteste, ipy rvzi*? nvoK jd [tft bereits in acht Auflagen erschienen und durch 2 8 0 0 0 Exemplare in allen Weltteilen bekannt und eingeführt, und welcher '1" hierdurch erzielt wird, läßt sich kaum schildern. Das gleiche Verhältnis ist auch bei seinen übrigen allbekannten und berühmten Werken mio ,D'W nifcV» 'iM, vm ^m, D'p^n '2 n»*o tmp ,v'n2is^ nnötf wahrzunehmen. Welche Quelle von Wissen und Weisheit bieten uns seine Anmerkungen in der Vvin-Uebersetzung der orth. isr. Bibelanstalt. Welchen tief belehrenden Eindruck machten seine z. Z. im „Israelit" veröffentlichten Abhandlungen, betitelt: mntt iVplw BHpn. Aber nicht nur auf literarischem Gebiete bleibt sein.Name unvergeßlich, sondern'auch durch sein schöpferisches Wirken?7rn roiD? leuchtet er immerwährend als Glanzstern erster Größe. Was leistete Rabbi Seligmann Bär Banlberger durch seine mT’’, in welcher so viele hervorragendende Rabbiner ihre Ausbildung empfingen, mit welch väterlicher Liebe und aufopfernder Hingebung jorgte er für jeden einzelnen der Schüler uud wie stand er jedem mit Rat und Tat zur Seite. Tausende von wurden von allen Weltgegenden an ihn gerichtet, die er sämtlich in ausführlicher Behandlung schriftlich beantwortete. Wie segensreich wirkt er heute noch durch das von ihm gegründete und bis zu feinem Lebensende geleitete, jüdische Seminar, dessen Lehrer weit über Deutschlands Grenzen hinaus in Aemter berufen wurden. Was er auf dem Gebiete von mSon npnx DHDn geleistet, insbesondere für die Armen in p"ntt läßt sich mit Worten kaum wiedergeben. Ich möchte bei dieser Gelegenheit eine interessante Stelle aus der Vorrede der von dem Sohne des großen Mannes, Herrn Distriksrabbiner Nathan Bamberger, kürzlich herausgegebenen Schrift "Vip^ n^n erwähnen. Da heißt es nämlich, daß Rabbi S. B. Bamberger S"2T am Freitag, den 5. Marcheschwan 55« 8 geboren wurde und nach dem Werke '»in rvnVin ist am Sabbath, den 6. Marcheschwan 5568, einer der hervorragendsten '»in Rabbi 'DTiD pmr, der sich ebenso durch Frömmigkeit und Gelehrsamkeit wie durch Bescheidenheit auszeichnete, gestorben. So lehrt der Talmud in Kiduschin: nnr< pnx bv itsw nypi? abv "»y inn pnx bv itpotp nmr. hrty p' imir Breslau, 4. Mai. Wir konnten bereits in voriger Nummer mitteilen, daß die Handelskammer zu Breslau sich in einem dem Magistrat erstatteten Gutachten gegen die von den Handlungsgehilfen erstrebte Erweiterung der Sonutapsruhe ausgesprochen hat. Aus den. jetzt veröffentlichten Wortlaut des Gutachtens ergibt sich, daß die Handelskammer bei ihrer Entschließung bis zu einem gewissen Grade durch die Rücksicht auf die gesetzestreuen Kaufleute mitbestimmt worden ist. Es heißt darüber in dem Gutachten wie folgt: „Berücksichtigung erheischen endlich auch diejenigen Klaffen der Kaufmannschaft, welche aus religiöser Ueberzeugung den Sabbath heiligen und an diesem Tage ihre Geschäfte geschlossen halten. Sie müssen zum Ersatz dafür, wenn anders ihnen nicht zugemutet werden sollte, ihre Ueberzeugung zum Opfer zu bringen, im Interesse der Aufrechterhaltung ihres Betriebes, den eine zweitägige Unterbrechung gefährden würde, am Sonntag wenigstens einige Stunden Arbeitszeit haben, und die Zahl und Bedeutung dieser Firmen ist, wie eine uns unterbreitete Maffeneingabe zeigt, hierorts durchaus nicht gering." Man wird es in allen geetzestreuen Kreisen mit aufrichtiger Dankbarkeit iegrüßen, daß die Breslauer Handelskammer vorurteilslos und gerecht genug war, die gefährdeten Interessen der Minorität bei ihren Erwägungungen mit zu berücksichtigen und die Breslauer Ortsgruppe des „Verbandes der Sabliathfreunde", die es unternahm, die Behörde über die Sachlage aufzuklären, darf mit diesem vorläufigen Erfolge zufrieden sein. Schweidnitz, 3. Juni. Die hiesige Stadtverordnetenversammlung hatte sich in ihrer Sitzung vom 31. Mai mit einem Antrag auf Erlaß eines Schächtverbotesfür den Schlacht- Hof zu befassen. Nach einer lebhaften Debatte beschloß die Versammlung, den Magistrat um Untersagung des Schächtens im Schlachthof zu ersuchen. — Ein in Bunzlau voriges Jahr erlassenes gleiches Verbot ist vor einigen Monaten auf eine Eingabe des dortigen Synagogenvorstandes durch Anweisung des Ministers des Innern wieder aufgehoben worden. Das