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Der Israelit · 1907-06-06 · Heft 23 (6.6.1907) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 23 (6.6.1907)
Date
1907-06-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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6. Mit 1007. Der Israelin Seite S Nr. 23. rh ^212 t nrviK rfry:. Dieses Wort wird uns Ausdauer^ Kraft und Mut verleihen und uns zum Sieg führen! Korrespondenzen und Eachrichten. Deutsch esReictz. Berlin, 2. Juni. Die Organifationsfreunde sind eifrig am Werke. lieber die Tätigkeit, die der Gemeindebund und der Verband der deutschen Judeu dem nach dem Fiasko des des Rosinschen Projektes aufgetauchten neuen Entwurf einer Gesamtorganisation der preußischen Juden gewidmet haben, machen jetzt die Mitteilungen des Gemeinbundes folgendes rund: Die mit der Ausarbeitung eines Srganisationsgesetzes betraute. aus Mitgliedern des D.-J. G.-B. und des Verbandes der deutscheu Juden, sowie auS Vertretern der Hauptgemeindender neupreußischen Provinzen zusammengesetzte Kommission hat in der Zeit von Mitte November 1906 bis Ende Mai 1907 in nicht weniger als 15 Sitzungen die erste Lesung des Gesetzes nahezu beendigt. Dem großen Pflichteifer des großen Teiles der Konimissionsmitglieder ist eS zu verdanken. daß der General-Referent in der Lage sein wird, während der Sommerferien die Ergebnisie der umfangreichen Beratungen für die zweite Lesung fertig zu stellen. Diese wird alsdann unverzüglich und unter besonderer Berücksichtigung der für bie Teiluak.me der auswärtigen Mitglieder passenden Zeit vor sich gehen. Es sei noch bemerkt, daß Herr Justiz rat Cohn aus der Kommission ausgeschirden und an seine Stelle Herr Emil Cohn eingetreten ist. Als Vertreter des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde Wiesbaden hat Herr Justizrat Dr. Seligsohn und als Vertreter der Gemeinde Kiel Herr Dr. med. Jacob die Wahl in die Kommission angenommen. Für uns gilt gegenüber diesem fürsorglichen Wirken die Parole: Bereit sein ist alle s. Berlin, 2. Juni. Am Sonntag, 2. Juni hat im Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde unter dem Vorsitz des Herrn Geheimrat Goldberger die sehr zahlreich besuchte Generalversammlung des Lokalkomittees Berlin der Alliance Israelit« Universelle statt- und mißachtet wurde, hier einmal von einem Nichttuden, von einem pädagogischen Praktiker, von einem Manne, der gegen den Verdacht orthodoxer Rückständigkeit geschützt ist, geboten wurde. Möge sie recht viel Beachtung und Beherzigung finden! _____ („Der gemässigte Israelit" ) Der Ausdruck, so schreibt die Prager Bohemia, erinnert ein wenig an die Mitteilung, welche die Gattin eines Kanntbalenhäuptlings ihrem hungrig nach Hause kommenden Manne machte: „In der Ofenröhre steht noch etwas kalter Missionär." Gemäßigter Israelit, das ist die neueste Erfindung auf dem Gebiete der politischen Ethymologie und soll irgend eine bisher unbekannte Parleirichtung vezeichnen, von deren Existenz die zunächst Gemeinten, nämlich die Juden zu ihrem heiteren Erstaunen erst jetzt erfahren haben. Die Wahlbulletins meldeten, so lesen wir im . Extrabl.", aus Tarnopol die Niederlage eines ReichsratSkandidaten, an besten Namen eingeklammert die Bemerkung gefügt war: (Gemäßigter Israelit). WaS der Wahlberichterstatter sich unter einem gemäßigten Jsraeliten in Tarnopol vorstellen mag, darüber ist nichts näheres bekannt. Eine alte Anekdote erzählt von „wilden Juden'', als deren Gegenstück bie einschichtige Tarnopoler Parteischattierung schwerliltch gelten kann. Ein gemäßigter JSraeltt ist vielleicht derjenige Zionist, der fern von Jerusalem ruhig in Europa bleibt. Möglicherweise ist dem Kandidaten einmal in einer WählerverfammluNa daS Wort „Mäßigen Sie sich!" zugexufen worden und er hat dies fo beherzigt, daß er daraus ein neues politisches Glaubensbekenntnis für sich prägte. Der betreffende Kandidat ist leider nicht gewählt worden, und so vkivt den» die Frage, was man sich unter einem gEäßtgten Israeliten vorzustellen hat, bis auf weiteres etNeS dtt Viclen ungelösten Probleme des österreichischen Berfaffungslebens. gefunden. Der Geschäftsführer Herr M. A. Klausner erstattete den Jahresbericht, der ein Bild der Tätigkeit der Berliner Abteilung sowie des Deutschen Bureaus und der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft bot. Die Alliance hat im Jahre 1906 für die von ihr in drei Erdteilen unterhaltenen nnd geförderten Knaben- und Mädchenschulen und Lehrlingsanstalten einschließlich Ackerbauschulen 1 481027 Francs ausgegeben, außerdem für die Präparandenanstalt, die zu dem Lehrerseminar für die Orientschulen gehört, einen Betrag von 100 274 Frcs., endlich für die Errichtung von Bauten 76 490 Frcs., insgesammt also 1 062 791 Frcs. Diese Ausgaben haben durch die regelmäßigen Einnahmen, aus den Zinsen der Stiftungskapitalien und aus derr Beiträgen von Mitgliedern und Freunden, volle Deckung gefunden. Die Einnahmen bezifferten sich auf 1613 789 Frcs. Darüber hinaus hat die Alliance Israelite Universelle für die durch die Statuten vorgesehene Unterstützungstätigkeit über 17* Millionen Francs aufgewendet/ die in besonderen Spenden eingingen. Der Gesamtaufwand der Alliance Israelite Universelle für ihr Hilfswerk hat somit im vorigen Jahr an 3200000 Frcs. betragen. Die Zahl der Mitglieder der Alliance Israelite Universelle beträgt 30000, hiervon in Deutschland ungefähr 13000. Berlin, 3. Juni. Wir erhalten vom Hilfsverein der Deutschen Juden die nachstehende Mitteilung: Am 27. Mai hat in Jassy eine Sitzung des rumänischen Zentralkomitees stattgefunden, das auf der Wiener Konferenz vom 5. Mai durch gemeinsamen Beschluß der dort vertretenen Organisation als rumänische Zentrale für die Hilfsaktion eingesetzt worden ist. In dieser Sitzung, an der Vertreter der verschiedenen heimgesuchten rumänischen Gebiete teilgenommen haben, wurde der Verteilungsplan des Hilfsv'"rks im einzelnen gründlich durchberaten. Es )iul) ,ür die folgenden Städte der verschiedenen Rayons — die durch Spezialkomitees vertreten sind — Bewilligungen festgesetzt worden: Im Bezirk Bukarest erhalten Entschädigungen die Ortschaften Alexandria, Buzen, Pancin, Joesti, Covorului, R. Sarat. Das Grenzkomitee von S u e z a w a hat die Hilfeleistung zu übernehmen u. a. für die Städte Burdujeni, Bucacea; das Comite Jassy für den Distrikt Jassy, Bivolari, Tsiganast, Podul Jloi, T. Frumos, Cotuon, Badene, Belecesti. Im Distrikt Vaslui werden üon dem Jassyer Comite versorgt die Geplünderten in Ponngefti, Negresti, Codoesti, Falcin, PlopanaCestesti, Vaslniim Bezirk Roman: Bacesti, Bulusi-Reznow-Bezuni, Lespezi, Budesti und eine Reihe ganz kleiner Ortschaften. Bezüglich der Hilfeleistungen im Bezirk Botosani, die in großem Maße sich als nötig erweisen, sind die näheren Festsetzungen betreffend die einzelnen zu berücksichtigenden Ortschaften noch nicht endgültig getroffen worden. Dem Jassyer Komitee ist noch eine kleine Reserve belassen worden,.um eventuell noch eingreifen zu können, in Fällen, wo sich weitere Hilfe als notwendig erweisen sollte. Aus dieser — noch nicht einmal vollständigen — Zusammenstellung geschädigter Orte ist zu ersehen, in welch großem Umfange Pogrom in Rumänien stattgefunden haben. Es bleibt noch die Aufgabe zu erfüllen, für eine sehr erhebliche Anzahl Familien — ca. 500 — Sorge zu treffen, die durch die hinlänglich bekannte Ausweisungspalitik der rumänischen Regierung gezwungen sind, die Dörfer zu verlassen und in rumänischen Städte auswandern, wo sie nunmehr aller Hilfsmittel beraubt, sich in üngewissester und elendester Lage besinden. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hak erklärt, daß er auch an dieser Aktion teilzunehmen bereit ist. Bisher sind für Rumänien insgesamt über. 7« Million Mark zur Verausgabung gelangt. Aus einem Briefe von Jakob H. Schiff in N^y- Aort an den Hufsverem geht hervor, haß W rumänische Komitee in New-Uork, das auch an der Hilfeleistung für die verfolgien Landsleute in reichstem Maße teilnahm, sich aufgelöst hat. Berlin, 4. Juni. HerrDr. Ed. Biberfeld schreibt uns: In ihrer letzten Nummer bringt die „Jüdische Messe" aus der Feder ihres Berichterstatters eine Mitteilung über meine Interpellation in Sachen Logenjubiläum, die, ahne es auszusprechen, offensichtlich meine Berichterstattung über diesen Gegenstand im „Israelit" (Nummer 21) zu ergänzen bestimmt ist. Wie es aber mit dieser „Ergänzung" bestellt ist, mag danach beurteilt werden, daß mir bei der Begründung der Interpellation die Aeußerung in den Mund gelegt wird, „nachdem man aus der Hauptgemeinde ausgetreten sei, dürften die Vertreter der Gemeinde auch an keinem Akte irgend einer Vereinigung teilnehmen, bei welchem Vertreter der verschiedensten, auch die der unserigen entgegengesetzten religiösen Richtung beteiligt seien." Es braucht kaum gesägt zu werden, daß diese Darstellung nur eine Karrikatur des von mir ausgesprochenen Gedankens wiedergibt. Was mit der von dem Herrn Berichterstatter der „Jüd. Pr." beliebten Darstellung beabsichtigt wird, ist klares sollte meinem Standpunkte das Stigma allerkleinlichsten Banausentums angeheftet werden. Dieser unberechtigte Vorwurf berührt mich furchtbar wenigumso weniger, als ich mit meiner Auffassung mich in.bester Gesellschaft befinde. Sie wird nämlich von dem Berliner Rabbiner-Seminar geteilt, welches seinen Dören ten, zudenenHerr Prof. Barth und oerHerrHerausgeber der „Jüd. Presse" gehören, verbietet Mitglied der Loge zu sein. Wäre die Loge in der Tat nur die Verkörperung der echtjüdischen Wohltätigkeitsübung, als welche sie mir gegenüber so beredt gefeiert wurde und nichts Anderes, so wäre dieser Abwehrstandpunkt des Berliner Rabbiner-Seminars ihr gegenüber doch auch gerade kein kleines Banausentum! In diesem Zusammenhänge sei auch gleich sestgeftellt, daß der Berichterstatter der „Jüd. Pr." zwar mitzuteilen weiß, daß „mit Genehmigung Israel Hildesheimers V'xt sein Sohn jahrelang Mitglied der Loge gewesen ist-" aber hinzuzufügen vergißt, daß Herr Dr. Hirsch Hildesheim — um den es sich hierbei handelt — s. Z. um religiöser Unstimmigkeiten willen aus der Loge ausgetreten ist. — Dem Herrn Berichterstatter war aber die Hauptsache offenbar die ausführliche Wiedergabe des Teils aus der Rede des Herrn Prof. Barth, in welchem Israel Hildesheim V'ST als Eideshelfer für diejenige Richtung im Kreise unserer religiösen Gesinnungsgenossen aufgerufen wird, die ein Fraternisieren mit der Neologie für gut und angebracht hält Hier bekenne ich mich schuldigich habe in der Tat diesen Passus in meiner Berichterstattung unterdrückt, wie ich es auch in der Debatte ausdrücklich abgelehnt hatte, auf diesen Punkt einzugehen. Aber ich zweifle keinen Augenblick, daß die Leser der „Jüd. Pr." ebenso wie die des „Israelit" die Gründe richtig zu würdigen wissen, die dieses Opfer von mir erzwangen. Es ist ein Opferdenn es wäre mir an der Hand handschriftlichen Materials ein Leichtes gewesen, die Angriffe der Gegenseite zu parieren. Aber das Andenken meines V'ütt 'y* steht mir zu hoch, um hinter ihm Deckung zu suchen und seine verklärte Lichtgestalt in den Streit der Parteien hineinzuzerren. Und so groß auch die Versuchung sein mag, die Herausforderung, die hier nicht nur mir, sondern unserer ganzen Repräsentantenversammlung vor der breitesten Oeffentlichkeit ins Gesicht geschleudert wurde, gebührend zurückzuweisen - so weiß ich mich doch eins nicht mit diesen Männern allein, sondern mit fast der ganzen Adaß Jisroel, wenn ich auch dieser Provokation gegenüber schweige. Und ich meine: solange unsere Adaß Jisroel sich bestrebt, durch die Tat dem schier unerreichbaren Borbilde Israel Hildesheimers V'XT nachzuleben, mit dem mn&v nirnplrch, der sein ganzes Sei« durchströmte, auch sichnachUräften zu erfüllen

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