Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1907)
- Date
- 1907-06-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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6. J«Nt LSyr. , WWWMMGMWWWWAWßMW^u igjapp^ig«^« Der Mraelit. Nr. 33. Seite 5 Erwachen und Zustchfelberkvmmen des Geistigen im Menschen, weil Psychisches und Geistiges selber sich nicht „erklärt" aus physiologischen Prozessen oder aus Quantität oder Qualität der nervösen Struktur. — In diesen Ausführungen ist deutlich genug gezeigt, daß wir durch die Tatsachen, die uns die Entwicklungslehre bietet, wohl zur Annahme einer ideellen Verwandtschaft zwischen allen Wesen gelangen müssen, nichtaberzudereiner ratsächlichen Abstammung, einer wirklichen Descendenz. Und wenn auch wir mit dem Verfasser annehmen sollten, daß der ideellen Verwandtschaft eine tatsächliche Entwickelung entspricht, so werden wir doch andererseits diese Entwicklung auf die Zeit innerhalb der einzelnen Schöpfungsperioden beschränken und die Anknüpfung des einen Entwicklungsprozesses an den vorhergehenden uns in der Form vorstellen können, wie sie der biblischen Schöpfungsgeschichte entspricht. — Nebenbei sei nur bemertt, daß die Entwicklungslehre eines Aristoteles und anderer, „in deren Schule die fromme Weltanckcht sich gewöhnt hat", auch die Auffassung der jüdischen Religionsphilosophie seit Maimonides ist. Wir erinnern nur an Ausdrücke wie N72 und Sy£2* (Fortsetzung folgt.) Durch Kumpf zum Sieg. Von Dr. H. Sänger in Mergentheim. Zehn Männer waren es, welche unser Volk an der Grenze des heiligen Landes in folgenschwere Erregung versetzten, die ihm einen so abschreckenden Bericht vom gelobten Lande gaben, daß es, nachdem es doch die Wüste durchwandert und hinter sich hatte, die Wüste, welche zwischen ihm und dem Lande seines Sklaventums lag, daß es in diesem Augenblicke voll Angst und Schrecken in die verzweiflungsvollen Worte ausbrach 12ND 1*? ntn -Q1Q2 1K "§182 12ND iS „wären wir doch gestorben im Lande Mizrajim, oder wären wir doch in dieser Wüste gestorben!" Nur zwei Männer traten diesen Zehn und dem ganzen Volke entgegen und sprachen: nSy2 nSj? nS-7212 S^' '2 nrm Wi’i „wir können hinausziehen und es in Besitz nehmen, denn wir werden es bewältigen", während jene Zehn, die mit ihnen das Land durchwandert, riefen S212 kS udd kid prn '2 Dyn?K mSyS „wir können nicht hinaufziehen zu dem Volk, denn es ist stärker als wir!" Erst als Gott dem Volke das Urteil verkündete, wollte es hinaufziehen. Moscheh aber sprach: „Warum wollt ihr den Befehl Gottes übertreten? Es wird doch nicht gelingen " Der Unterschied in der Auffaffung und Beurteilung des Gesehenen und Erkundeten, wie er hier zum Ausdruck kommt, besteht darin, daß die zwei Kundschafter Josua und Kaleb nur das verheißene, ersehnte gelobte Land sahen, das Endziel ihrer Wanderung, die Ruhestätte und das Erbe, wo sie endlich wohnen, ruhig, ftei und unabhängig ihrer hohen Aufgabe leben konnten. Die zehn anderen sahen nur das zahlreiche, mächtige Volk, das Riesengeschlecht, in dessen Augen, wie sie sagten, sie wie Heuschrecken aussahen und selbst sich vorkamen. Die Einen sahen in die Zukunft, die Anderen nur in die Gegenwart. Wir Menschen alle ersehnen ein gelobtes Land, wo wir Ruhe und Glück finden, wo wir Lohn und Ziel unserer Tätigkeit findend heiter und sorglos leben können. Selbstverständlich ist es, daß, wenn diese Auffaffung vom Leben nicht Traum bleiben soll, der Lebenskampf ausgenommen werden muß, daß Ruhe und Glück verdient sein wollen. Im Leben fast jedes Einzelnen bestätigt und wiederholt sich das immerfort. Und nur das ist Glück und befriedigt den Menschen, was er sich fleißig und redlich erkämpft hat. Dadurch steigt er selbst aufwärts, lernt er sich und das Erworbene undErrungene höher schätzen *nS *?2i: S2' '2 nmK wn nSy2 nSy Wer aber durch den Gedanken an die Kämpfe und Widerwärtigkeiten sich zurückschrecken läßt, wer jede Mühe und jede Entbehrung meidet, auch wenn das schöne Land verlockend winkt, wer feige ist, aber seine Unfähigkeit nicht eingestehen will: der entstellt die wahre Sachlage, der sieht, der will in seiner Angst übernatürliche Dinge sehen, vergrößert ins Ungeheuerliche die Tatsachen, sieht sich klein, sehr klein und schwach und redet sich ein, mit Riesenmächten kämpfen zu sollen, in deren Augen er so unendlich gering erscheint. So verhält es sich heute noch mit unserem Volke. Eine hohe, schöne, beglückende Ausgabe ist uns gestellt. Hinauf sollen wir alle ziehen. Mit Joftra und Kaleb, die das Land erkundet haben, sollen und können wir rufen: nSy2 nSy nS *?212 Si2' '2 nnw wn. Wenn wir hinaufstreben wollen, werden wir es besitzen, denn wir können es bezwingen. Wer seiner oben, hoch liegenden Jisroel-Aufgabe, den jüdischen Lebensboden zu erwerben, zu besitzen, zu erhalten, wer dieser Ausgabe gerecht werden will, der kann es auch heute, m u tz es auch heute noch können. Kämpfe natürlich haben wir zu bestehen, Kämpfe mit uns selbst, Kämpfe mit äußeren Verhältnissen, Kämpfe, die uns in feindlicher Absicht aufgedrängt werden. Aber, wie überall, ist das ernste Wollen, die Entschlossenheit, der Mut für die hohe und große Sache einzustehen, schon der halbe Sieg und erleichtert den Kampf, verringert die Gefahr, und der Feind erscheint dann in ganz einfacher natürlicher Größe. Wir haben es ja gesehen, und sehen es auch heute, daß Tausende und Abertausende unter den erschwerendsten Umständen als Sk"W '22, oder wie man sich lieber ausdrückt, als gesetzestreue Juden leben können. Nebrigens, wo war die Zeit, in der es nicht erschwerende Umstände gegeben, seitdem wir im mS? leben?! Wenn man fteilich nur auf den Gegner sieht, das gelobte Land, die heiliggroße Aufgabe unseres Volkes aber außer Acht läßt/ wenn man nur die Schwere der Kämpfe, die große Menge von Schwierigkeiten ins Auge faßt, die besonderen Verhältnisse unserer Zeit, unsere Stellung und Lage: dann erscheinen uns diese Kämpfe, diese Schwierigkeiten in ganz riesigen Verhältnissen/ wir dünken uns klein wie die Heuschrecken vor den Augen des heutigen Riesengeschlechtes, das in Wissenschaft und Kunst und Industrie so riesengewaltige Fortschritte aufzuweisen hat. Ermattet sinken da die Flügel des modernen Judentums / es hat und fühlt nichts an sich von jenen Adlerfittigen, die einst unser Volk so sicher dahintrugen über die mächtigen Völker der alten Zeit/ es fühlt nichts mehr in sich von jener unbezwinglichen Begeisterung, die die Väter beseelte/ es fühlt sich klein, unscheinbar, verächtlich klein und unbedeutend / glaubt, daß es so auch in den Augen des Riesengeschlechtes der Neuzeit erscheine und vermeint dann vor einer Macht der Verhältnisse sich beugen zu müssen, wo doch nur die eigene Schwachheit ist. m-i "»dk1? "inn VKi Sk iSyn ">p22 iD'2Vi UK&n '2 '"i idk "hpk Dipon Sk 12'Syi. Wohl brach ein Morgen, ein Erwachen an, wohl kam man zum Bewußtsein, daß man im Begriffe stand, sich selbst in den Augen der Völker herabzuwürdigen, selbst die Axt an den Stamm zu legen, mit dem man verwachsen war. Man wollte wieder „Jude" sein, aber ohne die nun, ohne Moschehs und Gottes Lehre als Führer. iSyn Sk „ziehet nicht hinauf!" D22ip2 'n f'K '2 „da doch der Ewige nicht in Eurer Mitte ist" D2'2'1K '2bS 1S22N kSv damit Ihr nicht geschlagen werdet von Euren Feinden." So ruft ihnen Moscheh zu. Wenn man heute die Bestrebungen des modernen, sich „liberal" nennenden Judentums mit ernstem Auge überblickt, so wird man unwillkürlich zu diesem Vergleiche mit den damaligen Vorgängen in der Wüste hingerissen. Für uns aber bleibe, ganz besonders in dieser Zeit, das Wort Josua's und Kaleb's die Richtschnur nSy so, ist aber mit vollstem Recht und im brutalsten Sinne des Wortes, die edle „Rinnsteinkunst" — Hyans, Ostwaids und anderer „Größen". Und nun kommt aus den Gegenden der „entlegenen Kulturen" ein bahnbrechendes Genie, ein dunkelerhellendes Talent/ es weiß nicht nur auf einer Saite die Laute zu zu schlagen, sondern alle Register der Töne mit gleicher Meisterschaft zu stehen, Heimatskunst und Rtnnsteinkunst, die in den anderen Dichtern der Mode sich kaum schüchtern berühren, sind hier zu überwältigender Ausdruckseinheit verschmolzen/ und dieser Größte der Großen ist ein Jude, mit einem Namen ausgestattet, der keine Zweideutigkeit gestattet/ und Jung-Jsrael sollte dem Held, dem Befreier nicht zujubeln, in diesem traurigen Jubel nicht den allerletzten Befinnungsrest verlieren?! Und ein Weiteres: die jungjüdische Aspiration sah mit vollstem Recht von jeher ihren Todfeind nicht sowohl in dem von ihr mit soviel Pathos bekämpften Affimilantenrum, deffen Ideenarmut ste vielmehr als Folie ihres Gedankenüberschwanges wohl zu schätzen und zu nutzen stets verstand. Rein, im R e l i g i o n s jubentum sah sie und steht sie den wahren Feind / denn an der religiösen Idee gemessen erscheint ihr Ideal so furchtbar nichtssagend und klein, gegenüber seiner Menschen und Zetten überdauernden, überragenden wahren GotteSgröße ttitt die ephemere Bedeutung ihrer Gedankenwelt in unerbittlicher Kraßheit zu Tage. Nicht Privatsache ist dem Nationaljudentum darum die jüdische Religion, sondern Gegenstand intmsivm, echten, notdürftig verhüllten Hasses/ dort ragt, das wissen oder ahnen ste, der Fels, an mm ihr swlzeS Schiff früher oder später zerschellen wird. Und ste sollten nicht jubeln, wenn dem gehrten Talmudjudentum ein Eselstritt versetzt, seinen Trägern Jesuitenmoral, seinen Verehrern Zuhältereigenschaften angedtchtet werden? Um so Heller hebt sich dann von diesem Nachtstück die lückenlose Logik, die hehre Lauterkeit und die opferwillige Gefinnungstreue des Nationaljudentums ab, in dessen Reihen keine Tummköpse und keine Lumpen, keine Heuchelei und keine Geschästsgefinnung, kein Betrogener und keine Betrüger zu finden find, sondern nur Gedanken und Strebungen, die lauf der Menschheit Höhen stehen und des Lebens Niederungen verachten, wo noch Wahrheit lebt und Wahrheit bas Szepter führt in allen Dingen und Lagen des Lebens, wo allein Freiheit herrscht der Tat. und des Gedankens und kein Gegner um seiner Gesinnung willen verketzert wird. . . Doch genug davon! DaS treffendste Wort für dieses Treiben hat in der „Arena" P r e s b e r gefunden mit einem Zitat aus Goethes Recenfion der „Gedichte eines polnischen Juden" (in den Frankfurter Gelehrten Anzeigen), es lautet: „Es ist recht löblich ein polnischer Jude zu sein, der Handelschaft zu entsagen, fich den Musen weihen, Deutsch lernen, Liederchen ründen. Wenn man aber in allem zusammen nicht mehr leistet, als ein christlicher Etudiant en belles lettres auch, so ist es, deucht uns, übel getan mit seiner Judenschaft ein Aussehen zu machen." Uns deucht, das Zitat ist so übel eben nicht. Ein treffendes Wort sprach jüngst auch in einer Sitzung der hiesigen Gymnasiallehrer-Gesellschaft Herr Professor E. Böhm über das viel mißbrauchte Wort: „mens sana in sano corpore (gesunder Geist wohnt in gesundem Körper)." Er wies nach, daß der dem Worte gewöhnlich unterlegte Sinn, daß nur in gesundem eine gesunde Seele wohne, in dasselbe nur batneingetragen werden konnte, weil man auch in £en Kreisen dm ganzen Satz, von dem das nur einen Teil bildet (in der 10. Satire des l) nicht kmnt. Rur für die Naturvölker sei die esundheit das höchste Gut, die Kulturvölker hätten andere Ideale. Geistig hochstehmde Menschm aller Zettm und Völker seien oft krank ober mit Gebrechm behaftet gewesen: Homer, MUton, Hieronymus Lorm (blind), Napoleon l. (Epileptiker), Schiller, Helen Keller u. v. A. Auch Carlyle betonte stark die Möglichkeit einer gesunden Seele in schmutziger Mansarde, fadenscheinigem Rock oder krankem Körper. Jedenfalls könne man nicht in Bezug auf körperliche oder geistige Gesundheit einfach schließen: je mehr, desto mehr/ Athleten seien keine Geisteshelden. Ja, es könnte allzu robuste Gesundheit zur Vernachlässigung der seelischen Kräfte führen. Daher sei umgekehrt die mens sana oft die Vorbedingung für das corpus sanum, da Unkeuschheit, Mangel an Arbeitsfteudigkeit, Zügellosigkeit im Trinken viele ins Verderben stürzen. Die übertriebene Wertschätzung der körperlichen Gesundheit führe auch zu ganz verkehrten Kurm, welche vielfach die Menschen erst wirklich krank machen/ auch das Turnen in Hallen und zwischen den wissenschaftlichen Stunden sei nach ärztlichen Autoritäten verkehrt. Eine verständige Hygiene sei natürlich nicht zu verachten/ aber viel wichtiger sei es, dem Volke und der Jugend zu predigm: Trachtet am ersten nach einer gesunden Seele, dann wird die Gesundheit des Leibes nicht ausbleiben, wenigstens nicht, soweit die Seele ihrer bedarf. Nur auf die seelische Gesundheit ziele auch in jmer Satire des Juvenal der ganze Schlußpassus, mit dessen Verlesung der Vortragende endigte. — Warum ich über dieses Thema hier berichte? Weil auch in unseren Kreisen selten ein Wort soviel angewendet und soviel mißbraucht wurde, wie gerade dieses Wort. Ich denk dabet nicht an das „Muskeljudentum" des Herrn Rordau, sondern an die vielen Verkürzungen und Schmälerungen, die sich das Thorastubium, die sich die Beschäftigung mit Angelegmheitm beS die fich sogar die Ausübung der DVn niüD jmem mißpefttandenen, unwahren «riom zu Liebe haben gefallftr 'Mftr müssen. ES rst hocherfreulich, daß die Aufklärung ttr diesem Punkte, die, wmn sie von berufmer, jüdischer Stelle aus gegeben wurde, verlach.