Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1907)
- Date
- 1907-06-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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mm Ausflüge in die Umgegend unternommen. Alles in allem eine würdige Feier des Festes, an dem Israel am Sinai die rmn empfing, an dem die auch des Christen Ehrfurcht weckenden zehn Worte jedes jüdisch fühlende Herz erschauern machen. Welche Verhöhnung alles dessen, was Juden hellig sein soll! Und dieser Turnerverbano hat noch obenorein die Stirn, die jüdische Presse um Berichterstattung über sein trauriges Treiben zu ersuchen! Sollten in den zur „Jüdischen Turnerschaft" gehörigen Vereinen auch gesetzestreue Juden Mitglieder sein, so wissen sie hoffentlich, was sie nun zu tun haben. Die Ruflöfung der niffifdien Reidisfluma in Sicht. Die Auflösung der russischen Reichsduma scheint nur noch eine Frage von Tagen zu sein. Daß sie in aller Kürze erfolgt, ist ziemlich sicher. In letzter Zeit haben sich mehr und mehr Anzeichen dafür bemerkbar gemacht, daß die unverantwortlichen Ratgeber der Autokratie wieder Oberwasser bekamen. Verschiedene Persönlichkeiten, die jüngst nach Zarskoje Selo berufen wurden, machen das sehr wahrscheinlich. Damit hängt es denn wohl auch zusammen, daß die Duma nach Hause geschickt werden soll, weil sie ein paar Vorlagen der Regierung auf Verschärfung der Gesetze zur Bekämpfung der Revolutionäre abgelehnt hat. Die Frage der jüdischen Gleichberechtigung kann danach wieder als auf unbestimmte Zeit vertagt angesehen werden. Zu einem Resultat wäre es freilich jetzt damit .ohnedies nicht gekommen,' denn die Regierung, die nun einmal die Emanzipation der Juden nicht wollte und der die fadenscheinigsten Vorwände dabei gut genug waren, hätte einem Beschluß der Duma den Juden die Gleichberechtigung zu gewähren niemals ihre Zustimmung gegeben. Wenn jetzt nur Herr Stolypin, der ja «M guten Willen hierzu zu haben scheint, gegenüber den dunklen Mächten, die oben ihr Wesen treiben, auch die Macht behält, Judenexzesse zu verhindern. Die dumalose Zeit wird in jedem Fall für unsere Brüder im Osten doppelt gefährlich sein. Kleines Feuilleton. Dem Jngendlebrer. Herrn Oberrabbiner Dr. Feilchenfeld in Posen zum 80. Geburtstag.*) Die teuren Bilder aus den Jugendtagen. Die wir auf unseres Lebens Wanderschaft In wohlgeborgenem Gewahrsam tragen, Sie leuchten uns in immer gleicher Kraft, ES wird mir leicht, die Blätter aufzuschlagen, Denn meine alte Liebe und Verehrung Erwuchs aus gern empfangener Belehrung. Me viele Worte sind mir noch lebendig Aus unvergeßlich schönem Unterricht, Wie gerne und wie dankerfüllt verwend ich So manch Erläutern voller Glanz und Licht, Und einen treuen Gruß der Kindheit send ich. Der warm aus einem Mutterherzen spricht, DaS sich entsinnt in froh bewußter Klarheit, So mancher später erst erkannten Wahrheit. So viele lange Jahre auch verronnen, Seit ich, ein junges Kind, zur Schule ging *) Einer unserer Mitarbeiter stellt uns die nachfolgenden Berse zur Versümmg, die eine dankbare Schülerin des greisen bllars, Frau Bankdirektor Georg Marx in Königsberg, ihrem gendlehrer gewidmet und die wrr im Hinblick auf den starken mmuuaSgehalt m;t freundlicher Genehmigung der Berfasierin hrer zum Abdruck bringen. ISättche „AetiBerucMtettett 44 Bon Dr. Raphael Breuer. Wir sind uns in den letzten Jahren etwas näher gekommen. Dank einer erfreulichen Erstarkung des jüdischen Bewußtseins, die zu L0 Prozent dem Antisemitismus zugeschrieben werden muß, ist das Judentum des östlichen Europa dem des westlichen um ein beträchtliches nähergerückt, und wo vor einem halben Menschenalter ein bedauer licher Antagonismus die Sympathien von einander ferngehalten, herrscht heute ein humanes Streben nach innigem Verständnis und liebendem Begreifen, der aufrichtigeWunsch.Gefühlsregungen zu beseitigen, die der gebildete Jude des Westens mit dem Antisemitismus gemeinsam hatte. Der un. gepflegte Bart eines polnischen Juden war vor einem Jahrzehnt jedem grünen Jungen ein will kommener Anlaß, über den diskreditierenden Ein fluß des polnischen Judentums sein Votum abzugeben. Wenn der Zufall in der Elektrischen einen in die Nachbarschaft eines kastanbekleideten Bruders brachte, lächelte man verlegen und suchte ' durch allerhand Mittelchen Wagenlenker und Mitreisende von dem Nichtbestehen einer intimeren Beziehung zu überzeugen. Wir haben uns in den letzten Jahren in dieser Hinsicht, wenn auch nicht viel, so doch etwas gebessert. Es ist heute modern, in den unausgekämmten Bartzipfeln eines durchreisenden Polen die malerische Unordnung weltentlegener Kulturen zu sehen und über die Indignation, mit der man allenthalben dem wandernden Elend begegnet, sich als über ein nationales Unglück zu entrüsten. Ob diese Mode, die einer über das gebotene Maß hinausgeübten Betätigung des rvrwn kVi DDtftn nKS iL'pn kV *ppr ntes nK tolerantes Verständnis entgegenzubringen befiehlt, zu einer ähnlich gewissenhaften Erfüllung eines ausdrücklichen göttlichen Gebotes auf unserer Seite führen wird, steht noch zu erwarten. Besser und deutlicher als durch die blauweiße, sternbesäte Trikolore dürste sich allenfalls das jüdische Bewußtsein manifestieren, wenn auf den jüdischen Gesichtern, sofort, im ersten Moment jedem Betrachter unzweideutig sichtbar, als gemeinsames nationales Abzeichen die Verwirklichung von ls/'pn kV und rmtpn kV sich ausprägte. Wallende Bärte und flatternde Stirnlocken als Signatur moderner Nationaljuden — vielleicht erleben wir noch das interessante Ereignis. Zunächst wird noch mancher begeisterte Bekenner des Baseler Programms in dem Gebote der Thora „die Ecke eures Haupthaares sollt ihr nicht abrunden, und die Ecke Deines Bartes sollst Und aus der Gotteslebre heil'gem Bronnen Der Weisung warmes, ernstes Wort empfing. Ich habe immer mich der Zeit entsonnen, Da ich an meines Lehrers Lippen hing, In vielen unvergeßlich schönen Stunden, Die im Gemüte Dauer mir gefunden. Drum bring ich heute zu des Festes Weihe, Als kleines Scherflein, meiner Liebe Wort, Dem echt Empfinden vollen Wert verleihe Und recht Erklingen auch am rechten Ort. Was durch der Lebensjahre lange Reihe Sich lebend mir erhalten fort und fort, Das danket Dir die treue Jugendpflege Zu ernstem Forschen nach dem rechten Wege. Zu glauben lehrtest Du und zu erkennen, Mit unbeirrter stiller Zuversicht, In fester Folge lernten wir zu nennen Das echte Maß der vorgeschrieb'nen Pflicht: Das Mindere vom Wichtigen zu trennen Und Freudigkeit zu finden im Verzicht, Gabst Du in woblgewählten Psalmenworten UnS Führer an zu des Gedankens Pforten. Und wie ich heute auszuführen ziele, Was mir der Herbst zur Reife erst gebracht, So möchte ich nur Eine sein für Biele, Die ebenso des Lehrers stels gedacht. Ein heller Sonnenschein der Freude spiele Um Deinen Mund, von meinem Lied entfacht, In welchem Du gewiß doch gern gelesen. Daß Deine Arbeit nicht umsonst gewesen. du Nicht glattscheren" wellet eine kulturhistorisch bemerkenswerte Anordnung eines schrullenhaften Gesetzgebers erkennen und in der Behandlung seiner Haupt- und Gepchtshaare nicht das alte Testament, sondern den Geschmack seines Leibfriseurs mitreden lassen. Zwar steht das Verbot des Rafierens in einer und derselben Sidra und ist mit gleichbedeutsamem Ernste und gleichwiegendem Anspruch auf Erfüllung ausgesprochen, wie die Vorschrift „Räche dich nicht und grolle nicht den Söhnen deines Volkes und liebe deines Nächsten Wohl wie deines," und sollte man doch meinen, daß, wenn ein paar Verse vorher Aussprüche der höchsten Sittlichkeit sich die moralische Energie eines Volkes wenden, an dieses Volk durchaus nicht berechtigt sei, ein Gebot, weil dessen tiefster Grund sich nicht sofort jedem Dutzendverstand offenbart, als unbegreiflich, unerfüllbar und als unverbindlich wegzuschieben. Enthielte die Thora weiter nichts als hübsche Betrachtungen über Gegenstände yon allgemeinphilosophischem Interesse, unsere Apologeten hätten es leicht, sie in das Bewußtsein einer allem Jüdischen absterbenden Generation hineinzutradieren. So aber enthält dieses Gesetzbuch neben den populären Verordnungen des Dekalogs auch Vorschriften über die Art und Wesse der Haarbehandlung, und sofort geht das apologetische Interesse mit diskreter Schonung zur Betrachtung derjenigen Partien der Bibel über, die dem Geschmack des europäischen Publikums entsprechender liegen. Der Mensch hat ein Recht auf sein Antlitz. Mit Zuhülfenahme des Arms der strafenden Gerechtigkeit tritt er z. Z. sogar dem harmlosen Spiel oes Amateurphotographen entgegen, wenn dieser die Züge seines Angesichts dem Schicksal einer unerwünschten Unsterblichkeit überantworten möchte. Ist es darum verwunderlich, wenn der moderne Mensch sein Recht auf sein Antlitz mich gegenüber demjenigen betont, der aus seiner Eigenschaft als Schöpfer und Gesetzgeber heraus seinem Geschöpf gebietet, Seinem Wunsche gemäß, auch die äußere Erscheinung seiner Persönlichkeit zu gestalten! Wenn von bibelkritischer Seite bei Besprechung des göttlichen Rasierverbotes auf fremde Völkerschaften hingeschaut und zur Illustration der biblischen Stelle ein Wort des Plinius angezogen wird, der von den Arabern berichtet: barba abr&bitur, praeterquam in snperiore labro, aliis et haec intonsa, so dürfte dabei mit Nichtachtung der mündlichen Lehre die Bestimmung übersehen, sein, daß nur nnntpn 12 tern? mVa verboten ist. Wir haben es hier, wie bei jeder anderen Thoravorschrift auch, nicht mit einer nationalen Aeußerlichkeit, sondern einem göttlichen Pflichtaebote zu tun, das mit gleicher Dringlichkeit oes Anspruchs Zedolto llarrtt Mimover. Bon Judaeus. (Forssetzung.) MS er in Imst auSgesttegen war, warf er beim Passieren beS Wartesaals einen Blick in den Spiegel. Er mußte unwillkürlich lächeln, denn er hatte fich selber nicht wieder erkannt. Einen Augenblick schwanke er, ob er die lästige bmckle Brille nicht in die Tasche stecken solle, aber schließlich siegte die Borficht und er ließ sie an ihrer Stelle. Er schlendette durch die Stabt und ttat in das Gasthaus zum Löwen, denn ein zweites Schild belehrte ihn, daß der Besitzer beS Gasthauses auch der Bürgermeister beS Ortes war. Ein Bürgermeister, der zugleich Gastwirt ist, sagte sich der Flüchtling, wirb baS Gafttecht durch keine Verhaftung verlchen. ES war gegen 10 Uhr Morgens. In der WirtSstube 'aßen ein ehrbarer Küfermeister . und fein Nachbar, der vowenanrr cse,euicyafr reinere. m» oer remgetictoetc junge Mann eintrat, kam ihm der Herr Bürgermeister sehr hilfsbereit entgegen, nahm ihm seinem Rucksack und Alpstock ab und ersuchte den Gast, eS fich recht bequem zu machen. — Der Gast bestellte ein Frühstück und hörte, während dasselbe hergerichtet wurde, der Unterhammg der Stammgäste zu. Dieselben hatten das neueste „Amtsblatt" vor fich liegen, das eine Fülle von Neuigkeiten zu enthalten schien. „Die tausend Mark möchst' wohl gern verdienen Glaub' Dir'S, aber so leicht machen'S die Spitzbuben einem nit," sagte der Frchrmqnn zu feinem Zechoruder. Dann fich an den sein Frühstück erwartenden Touristen wendend, fragte denselben: lauf st irgend aber ii heit b« und r stehen gericht uichteri T VVs 1a furcht, eines das G Barte schon druck dessen klängt mit dt von Lippei nicht seinen zwei giositc keiner Gesetz tig, e auch ihr i Gesstt sür f ein und los a lut frevle imn < Wano präge ihn a licher Mam stimm zufaff göttlik vermc Rauba >das G dieser 1 entgeg, I steht!" D > wachte , »A s nichts „Wo Tourif fA dieser. c - m [irrt b und « iZechbr lamme « sein fl j Reifln dieS taufend Mark zu verdienen. ist ejn