Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1907)
- Date
- 1907-05-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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«fette 12. Der JSn ütt. Nr. 32 30 Mat 1907. Nr. Ortsname Fami lien Seelen Kinder Rabbinat Bemerkungen 1 Aschaffenburg 130 «00 30 Aschaffenburg 2 Miltenberg 20 100 12 tt 3 Kleinsteinach 25 110 20 Burgpreppach 4 Königshofen i. G. 28 110 15 // Stetig wachsende Gemeinde 5 Hammelburg 30 140 20 Kissingen 6 Kisstngen 90 300 40 ff War früher Elementarschule 7- Mellrichstadt . 33 160 25 Stetig wachsende Gemeinde 8 Neustadt a. d. Saale 65 30' 20 tt tf ff tt 9 Auv 20 iro 20 Kitzingen 10 Kitzingen 100 450 50 ff 11 Marktbreit 50 250 35 12 Gerolzhofen 25 120 25 Schweinfurt 13 Haßfurt 18 ICO 15 9t 14 Schwanfeld 28 120 12 ft Die Kinderzahl steigt 15 Schweinfurt 100 400 30 ff 16 Teilhcim 30 100 12 tt 17 Westheim b. Staßfurt 20 80 20 18 DetNlbach 20 100 16 Würzburg 19 Laudenbach 30 120 20 ft 20 Würzburg 600 3000 120 9t AuS den anderen Kreisen Bayerns kämen noch folgende Orte in Betracht: A. Oberboyern: 1 München, vielleicht auch 2. Ingolstadt. 6. Pialz: 3. Dürkheim, 4. Frankenthial, 5. Grünstadt, 6. Kaiserslautern, 7. Landau, 8. Zwebrücken. C. Oberpfalz: 9. Amberg. D. Oberfranken: 10. Bamberg, 11. Forchheim, 12. Bayreuth, 13. Cham, 14. Lichterfels. E. Mittelfranken. 15. Berolzheim, 16. Feuchtwangen, 17. Rothenburg a. Tauber, 18. Neustadt a. Aisch, 19. Fürth, 20. Windsheim, 21. Nürnberg, 22. Erlangen, 23. Georgengemünd, 24. Schwabach. F. Schwaben: 23. Augsburg, 26. Nördlingen. In diesen 2V Gemeinden könnten mindestens 45 Lehrkräfte Verwendung finden. Die stat. Angaben beruhen zum größeren Teil auf ziemlich genauer Kenntnis der einschl. Verhältnisse; zum kleineren Teil mußten die Angaben des stat. Jahrbuches genügen. Sollte also bez. der einen oder anderen Gemeinde ein Fehler sich eingeschtichen haben, demzufolge die betr. Gemeinde hier ausgeschieden werden müßte, so sind immer noch genug Gelegenheiten zu neuen Elementarschulen vorhanden. Und wenn nur in Unterfrunken. in 10 Fällen ein Erfolg erreicht würde, so wäre schon dies als ein riesiger Schritt zum Besseren, ein Emporschnellen der Zahl unserer (ca, 20) Elementarschulen, um 50 Proz. mit hoher Freude zu begrüßen, ein Lichtblick im trüben Dunkel der Aussichten für den jüdischen Lehrerstand.. Die „Lehrerfreund.lichkeit" wird ja heutzutage von allen Seiten so sehr betont, daß es wahrscheinlich nur der Anregung bedarf, daß Nur ein gangbarer Weg gezeigt zu werden braucht, um entsprechende Taten zu zeitigen. Darum nun, Ihr Lehrerfreunde und Förderer des Judentums alle, frisch ans Werk: „Jüdische Elementarschulen" sei die Losung! Nachwort der Schriftleitung: Für noch wünschenswerter halten wir es, wenn die Lehrer in den einzelnen Gemeinden sich nicht auf ihre Freunde und auf die „Förderer des Judentums" verlassen, sondern die Sache selbst in die Hand nehmen, indem sie vor allem die Gemeindemitglieder einzeln zu gewinnen suchen und indem sie alle nötigen Schritte selbst tun. Tna res agitur, das muß sich jeder Lehrer sagen und danach handeln!^ Am die Bayrischen Kollegen. Eine Anregung. ($uf der Tagesordnung unserer diesiäl Versammlung steht die Frage betr. die Notwendigkeit der Umgestaltung des hebräischen Unterrichts, namentlich auf dem Gebiete des Uebersetzens. Das Thema ist ein so wichttges und alle Lehrerherzen so tief bewegendes, daß wohl aus diesem Grunde die Vereinsleitung — entgegen ihrer sonstigen Gepflogenheit! — uns dasselbe schon im Januar zur Erwägung empfahl. Ich möchte nun diejenigen Kollegen, die mit der bisherigen Art und Weise des Uebersetzens nicht mehr einverstanden sind — und das wird wohl die große Mehrzahl sein — und die sich gleichzeitig als Freunde der sogenannten „Sprachmethode" bekennen — das ist wahrscheinlich die Minderzahl — bitten, sich mit dieser Methode bis zum Versammlungstermin vertraut zu machen, damit eine gründliche Aussprache erfolgen kann. Ich bin nämlich mit Koll. Drießen-Karlsruhe der Meinung, daß der Nnterrichtsbetrieb nach dieser Methode ein durchaus gewinnbringender und dabei Lehrer und Schüler viel mehr befriedigender ist als der bisher eingeschlagene Weg. Zum Studium dürften folgende Lehrbücher zu empfehlen sein: 1. rvn nfiBf I. und II. (Riga, Ernst Plates) verfaßt von Fischmann und Liebermann; 2. fprPB? und zwar: mion ->LO I. und II. und ILO I. und II. (Warschau-Schuldberg). Der dort eingehaltene Unterrichtsgang könnte uns bei entsprechender Umgestaltung und Anpassung an unsere Schulverhältnisse ganz gut als Wegweiser dienen. Studieren wir! N. Blatt, Obbach. eomspondenren u. Nachrichten. Friedberg, 23. Mai. Am 21. und 22. Mai tagte hier die Vertreter- und Hauptversammlung des Hess. Landeslehrervereins. Sie war insofern von besonderer Bedeutung, als der Obmann des Vereins, „Vater Backes", wie er häufig in Hessen genannt wurde, nach 25jähriger äußerst segensreicher Tätigkeit den Vorsitz niederlegte. Es ist hier nicht der Ort, über das zu berichten, was er als Obmann des Landeslehrervereins gewirkt und erreicht hat. Die hohe Verehrung, deren er sich bei seinen Standes genossen in Hessen erfreut — sein Bild fehlt in keiner Lehrerfamilie — legt beredtes Zeugnis dafür ab. Aber es wäre Undankbarkeit, wollten wir anläßlich seines Scheidens nicht jener Dienste gedenken, die er den jüdischen Religionslehrern Hessens geleistet hat. Diese hatten durch wiederholte Eingaben bei dem Ministerium und den maßgebenden Persönlichkeiten durch mehr als 12 Jahre vergebens eine Besserung ihrer Lage angestrebt,' über mehr als Versprechungen kamen sie nicht hinaus. Angeregt durch unseren Kollegen Herrn Lebermann- Darmstadt, nahm sich Obmann Backes, der zu jener Zeit noch Mitglied der 2. Hess. Kammer war, mit großem Eifer unserer Sache an. Er berief die Vorstände der beiden Hess. jüd. Lehrervereine nach Darmstadt, um sich gründlich über alle einschlägigen Verhältnisse zu informieren und brachte dann den bekannten Antrag Backes ein, der den Stein ins Rollen brachte und die Regierung veranlaßte, die Regelung unserer Verhältnisse in Angriff zu nehmen. Schon heute ist mit dem Institut der ungeprüften Lehrer gründlich aufgeräumt, willkürliche Entlassung des Lehrers, die früher an der Tagesordnung war, ist schon heute unmöglich, und eine hübsche Anzahl von Religionslehrern hat ihre definitive Anstellung mit dem Rechte der Bolksschullehrer erlangt. Außerdem hat die Hess. Regierung den Landständen den bekannten Organisattonsentwurf vorgelegt, der — wie wenig er auch sonst annehmbar erscheint — im dritten Abschnitt die Verhältnisse der jüdischen Religionslehrer in einer- Weise regelt, welche die Erwartungen der Lehrer bei Weitem übertroffen hat. Was auch das Schicksal des ganzen Entwurfs sein mag, darin sind alle Parteien einig, daß die Bestimmungen, so weit sie die Lehrer betreffen, Gesetz werden müssen. Gelegentlich seines 50jährigen Amtsjubiläums bei der sogenannten Backesfeier in Darmstadt, wurden dem Jubilar seitens der jüdischen Lehrer Hessens die Gefühle tiefer Dankbarkeit bereits zum Ausdrucke gebracht. Anläßlich seines Ausscheidens aus dem Vorstande wurden dem scheidenden Obmann wiederum Ehrenbezeugungen aller Art zuteil. Lehrer Ehrmann - Friedberg benutzte die Gelegenheit, um auch hier dessen dankbar zu gedenken, was Backes für uns getan hat, indem er seinerseits das Gelöbnis ablegte, daß die jüdischen Lehrer Hessens allezeit treu zum Landeslehrerverein stehen würden. Jugendschristen. Geschichten aus dem jüdischen Volksleben. Ein Festgeschenk für die israelitische Jugend von Eduard Kulke. Mit 6 Alberttypien nach Zeichnungen von Leopold Schauer. Verlag von I. F. Richter, Hamburg. Hegbüsche nennt der Landmaun jene Strohbunde, die er an einer Stange als Warnungszeichcn an Pfaden ausstellt, damit fie von Unbefugten nicht betreten werden. In der Jugendfchriftcn-Literatur sind solche Hegbüsche auch häufig nötig als Warnung vor geringwertigen Erzeugnissen auf diesem Gebiete. Als Schreiber dieses vor mehreren Jahren einen Buchhändler bat, ihn einige empfehlenswerte Jugendschriften vorzulegen, die man als Prämie an Schulkinder verteilen könne, da empfing er auch das obengenannte Buch. Die äußere Ausstattung, war eine für jüdische Bücher recht gediegene und da Leopold Kompert in einem als Vorwort dienenden Briefe an den Verfasser von den Erzählungen rühmte, daß sie eine Jülle lebenswahrer und lebensabgrlauschter Gestalten enthielten, so nahm ich keinen Anstand das Buch zu kaufen. Ich habe es nicht als Prämie abgegeben, sondern für mich behalten, denn es ist trotz Kompert als Jugendlektüre ganz und gar ungeeignet, was aber nicht so viel heißen soll, daß es für Erwachsene empfehlenswert wäre. Es enthält vier Erzählungen:' Alt-Eifik wird tänzerig, der Kunstenmachcr, ein Schnorrerkind und die Juden-Christel. Die beiden Letzteren find ihrer ganzen Tendenz nach direkt unjüdisch und das nicht bloß vom Standpunkt des gesctzestreuen Juden aus. Der Inhalt ist bei allen recht uninteressant, die Sprache teilweise unbeholfen und nicht frei von Härten. Da wo Kulke den jüdisch-deutschen Dialekt anwendet — und er rut eshäufiger als gerade nötig — merkt man sofort, daß er ihn mcht beherrscht, denn er nimmt ftch stellenwe.se auswie das Mauscheln der Antisermten. Ja, auch die gemeinen Ausdrücke fehlen nicht, wie beispielsweise „im Schnorrerkind" Seite 66 Zeile 2. Kompert ist tot und ich kann mich wegen seiner Empfehlung nicht mehr an ihn haltenaber dem Buchhändler verzeihe ich es noch heute nicht, daß er mir das- Buch emp'ohlen hat. N. TchulberichK Der Iah esbericht über die Religionsschule der Adas;- Israel in Königsberg i. Pr. erstattet von dem Dirigenten, Herrn Rabbiner Dr. Liebermann liegt üns vor. Wir haben schon im vorigen Jahre hervörgehoben daß die Anstalt einere cht leistungsfähige ist und daß die erzielten Resultate alle Anerkennung verdienen. Diesen Eindruck gewinnt: man auch aus dem diesjährigen Bericht. Sie zählte im abgelaufenen Schuljahre 110 Schüler in 14 Klassen mit 4 Lehrkräften, auf eine Klasse kommen also knapp 8- Schüler. Wir stehen den dortigen Verhältnissen zu fern, um uns eine Kritik erlauben zu können, es will uns aber scheinen, als ob es ratsam wäre, Knaben- und Mädchenklassen zu kombinieren, bis der Unterricht iw Mischnah resp. Chai Odom beginnt, was ja erst in Klaffe II der Fall istdadurch würden zwei Claffen wegfallen. Ebenso halten wir den neu eingeführten Anfängerkurs für noch nicht eingeschulte d. h. noch nicht schulpflichtige Kinder für keinen Fortschritt. Wohl mag es bei einzelnen hervorragend begabten Kindern zulässig erscheinen, mit dem hebräischen Lesen vor dem schulpflichtigen Alter zu beginnen, mit einer Klasse wird man ' bei vorzeitigem Beginn kaum mehr erzielen, als wenn man die Zeit abwartet, wo die Kinder die Schule besuchen, oder sogar bis fie die deutschen Buchstaben kennen. Die jüdischen Stadtkinder verfügen wahrlich über keinen solchen Ueberschuß an phyfischer Kraft, als daß. man es wagen könnte, ihnen zuzumuten, was erfahrene Pädagogen und Mediziner als gesundheitsschädlich bezeichnen. Wohl handelt es fich nur um einige Stunden wöchentlich — und das mildert ja die Sache ganz bedeutend — und doch halten wir diesen Unterricht für eine Berfrühung, wären aber dem Herrn Dirigenten sehr dankbar, wenn er einmal gelegentlich über seine Ersah?- rungen auf diesem Gebiete berichten würde.