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Der Israelit · 1907-05-30 · Heft 22 (30.5.1907) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 22 (30.5.1907)
Date
1907-05-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Mette 4. Rr. 22. __ Mchtigen Eindruck das Borgklesene auf sie machte. Roch nachhaltiger wird dieser Eindruck werden, wenn im nächsten Schuljahre die Kinder mit Zustimmung der Eltern das neue Gebetbuch in Händen haben und mit- und Nachlesen könnendenn das Große in diesem Buche besteht ja darin, haß man auch den deutschen Text immer und immer wieder lesen kann, ohne übersättigt zu werden." Wir müffen bekennen: Was dieser Herr schreibt, imponiert uns, und wir sind ihm dankbar dafür, daß er uns gegen den uns zwischen den Zeilen gemachten Borwurf des „badischen Schulmanns" verteidigt, als ob für die Art der Beurteilung des Buches nicht unsere pädagogische Ueberzeugung, sondern unser religiöser Standpunkt richtunggebend gewesen sei. Also ein „wirklich" praktischer Schulmann, ein anerkannt vortrefflicher Lehrer, bekennt, daß er sich darauf beschränken mußte, „den Schülern nach der Durcharbeitung eines Abschnitts jeweils die Uebersetzung aus dem neuen Gebetbuch vorzulesen." In diesen Worten ist so deutlich ausesprochen, daß das badische Gebetbuch ein Schulbuch ist, daß wir uns nur wundern müssen, daß unser verehrter Gegner sie auch noch zitiert. Unsere Verwunderung steigert sich noch, wenn er, der in seinem Artikel betont, daß das Ziel, welches in dem Gebetbuche des Oberrats die dem hebräischen Texte gegenübergestellte deutsche Uebersetzung vor allem im Auge hat, die seelische Befriedigung der Erwachsenen — nicht die der Kinder sei, da diese „den größten Teil unse er Gebete und Psalmen mit Andacht zu beten überhaupt nicht imstande" seien, sich auf einen Lehrer beruft, der schon „aus dem Gesichtsausdruck der Schüler ersehen konnte, welch einen mächtigen Eindruck das Borgelesene auf sie machte." Aber am gelungensten ist entschieden der letzte Passus des Schriftstückes, der Zeugnis geben soll von der „Probe, die schon geylacht worden": „Noch nachhaltiger wird dieser Eindruck werden!" Diese Zukunftsmusik tönt so laut und überzeugend, spricht so beweiskräftig dafür, daß der doch gewiß dem Oberrat wohlwollende Herr nichts mit dem Buche anzufangen wußte, weder im Uebersetzungs-, noch im Religionsunterrichte, daß sich jedes weitere Wort erübrigt. Nicht versagen aber können wir uns, bei dieser Gelegenheit die Uebersetzung von 07iy rontf die der „badische Schulmann" als Schulgebet empfiehlt, aus dem Gebetbuche des Oberrats wörtlich anzuführen (S. 175); „Treuer und huldreicher Gott! Zu jeglicher Tageszeit gedenken wir deiner unendlichen Liebe fiir Israel, daß du es durch das Licht deiner Lehre und durch die Segenskraft deiner Gebote so reich begnadet hast, freudig versenken wir uns in das Gotteswort, wenn wir uns niederlegen und wenn wir aufflehen. Mögen deine Lehren und Gebote unserm Geist und Herzen Nahrung spenden allezeit. Denn in ihnen ruht unser Leben und die Dauer unsrer Tage. Deine Liebe aber, o Herr, bleibe bei uns in alle Ewigkeit und stärke uns, daß wir in Treue stehen zu dem Bekenntnis: „Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig!" Man beachte genau die Sprache dieses Stückes, das gewiß, um als Schulgebet empfohlen werden zu können, eines der einfachsten und leichtesten des Buches sein dürfte, und vergleiche damit den in angezogenem Artikel von unserm Gegner betonten Grundsatz, „der Unterricht im Gebetbuche" müsse „dem kindlichen Alter entsprechend erteilt", und das Kind dürfe nicht „mit ihm unverständlichen Begriffen und Vorstellungen gequält" werden. Wenn etwas uns bestärken kann in unsrer Ansicht über die Eigenschaften einer guten Uebersetzung zum Gebrauche für Kinder, so sind es gerade die Ausführungen unsres Gegners. Die Darlegungen Dr. Wohlgemuths überträgt er auf Verhältnisse, die diesem Herrn sicher ganz fern lagen. Unsere Schulkinder — die in Dingshausen, aber auch die in Karlsruhe — werden während der Zeit, in der sie hebräischen Religionsunterricht erhalten, überhaupt nicht dahin gelang n, eine elegante Uebersetzung liefern zu können. Wir sind schon so reich an Erfahrungen auf diesem Gebiete, daß wir ohneUeber- - Hebung behaupten können, diese Materie doch auch zu kennen. Unsere Schüler verlangen Haus-' k o st, und für sie ist nur das einfachste einfach genug. Es scheint ja, daß dem „badischen Schulmann" alle vorhandenen Uebersetzungen mit Ausnahme der des Oberrats als „Eselsbrücken" gelten. Wir erinnern uns, diese Bezeichnung zum erstenmale von einem Lehrer gehört zu haben, der — er hatte natürlich sofort bei Antritt seiner Stelle die bisher benutzte Uebersetzung abgeschafft — schließlich den Kindern die Uebersetzung diktierte. Nun hatte er es gewonnen, er besaß jetzt — eine geschriebene Eselsbrücke. In der Schule selbst bedürfen wir allerdings keines Uebersetzungsbnches, das Vorhandensein einer Uebersetzung in dem hebräischen Buche ist sogar sehr störend, was uns ja auch der „badische Schulmann" nicht bestritten hat. Aber alle Lehrer, die sich nicht damit begnügen, einige Paradestückchen einzudrillen, sondern ihre Aufgabe darin sehen, ihren Schülern das ganze Gebetbuch zu. erschließen, stimmen wohl darin überein, daß eine u örtliche Uebersetzung zur E i n p r ä g u n g und Wiederholung des Erlernten nnenibehrlich ist. so. Wat mr ' . .. . 1 v.....j j Im übrigen können wir überhaupt nicht zugeben, daß die vorwürfige Uebersetzung bezüglich der Klarheit des Ausdrucks und der Treue der sinngemäßen Wiedergabe den Vorzug vor der wörtlichen verdiene. Zu den Beispielen, an denen wir in unserem Artikel nachgewiesen haben, daß man oft aus der deutschen Uebertragung noch nicht einmal erkennen kann, um welches Gebet es sich handelt, wollen wir nur noch zwei hinzufügen, die wir zufällig aufgeschlagen haben. Seite 205 ist unmiüS IW übersetzt: „Deine Gnade walte über unsrer Sabbathfeier!" Ist diese Uebersetzung wirklich klarer als die wörtliche? Ferner Seite 502 der Segeusspruch n*?n : „Du hast uns geboten, von dem Unsrigen den Armen und Dürftigen zu geben. Daran gemahne mich diese sinnbildliche Handlung!" Ist das wirklich sinngemäß? — Aeußerst schwach ist auch die Entgegnung bezügl ch der Verwendbarkeit des Buches für den systematischen Religionsunterricht. Sie enthält ein Inhaltsverzeichnis des Abschnitts „Gebote und Lehren" und beweist gerade dadurch unsre Behauptung, daß es sich darin fast nur um abstrakte Lehren, handelt, die auf Kinder keinen Eindruck machen, um ethische Gebote, die heute Gemeingut aller Religionen sind, und daß fast alle Vorschriften fehlen, die sich auf religiöse Uebungen beziehen. Wir lassen darum das Verzeichnis folgen: 1. Einzigkeit Gottes. Israels Religion, eine Religion der Erkenntnis und der Tat. 2. Gott der liebende Pater der Menschen. Unmittelbarkeit ihres Verhältnisses zu Gott. 3. Israels Gott der Gott der Sittlichkeit. 4. Gottesebenbtldlichkeit der Menschenseele. Will nsfreiheit und Berantwortl>chkeit. 5. Geistes- und Gewissensfreiheit. 6. Sünde und Buße. 7. Unsterblichkeit der Menschenseele. 8. Selbstbescheidung des Menschen und Ergebung in Gottes unerforschliche Weltordnung. 9. Die rechte Gottesverehrung. 10. Lebenserhaltung und Lebensförderung, der gottgewollte Grund aller Gebote. 11. Achtung des Lebens in der Tier- und Pflanzenwelt. 12. Arbeit, die Aufgabe u d das Glück des Menschen. 13. Lebensgüter. Lebensfreude 14. Re nheit des Körpers und der Seele. Schamhaftigkeit. Keuschh it. Mäßigkeit. 15. Wahrl eitsliebe. Geradheit. Bescheidenheit. Sanftmut. Dankbarkeit. 16. Familiensinn. Familientreue. 17. Nächstenliebe a. Gerechtigkeit, Redlichkeit, b. „Liebe deinen Nach en tu e dich selbst!" c. Achtung vor des Nächst n Ehre. d. Wohltäligleit. e. Versöhnlichkeit, Friedfertigkeit, f. Feindeslteoe. 18. Soziale Verantwortlichkeit. Sch tz des Schwachen. 19. Fürsorge für den Unterricht und die Erziehung der Jugend. 20. Treue gegen Staat und Gemeinde. 21. Treue gegen das Staatsoberhaupt und die Obrigkeit. 22. Israel als Gesamtheit. S.ine Stellung und Aufgabe, sein Trost und seine Hoffnung. 23, Verhalten gegenüber anderen Relig onen. Wir fragen: Warum fehlen die Abschnitte Sabbathheiligmlg, Speisegesetze, Gedenkzeichen? Oder finden sich vielleicht nur für diese Verschlossen, was den Verdacht, daß hier etwas Ungehöriges Vorgehen müffe, noch bestärtte. Auf einm gellenden Pfiff deS Polizisten fanden sich sofort aus den Nachbarstraßen noch drei andere Genossen ein. Dies beobachtete der Eindringling vom ersten Stocke aus und ergriff durch bas Hinterhaus die Flucht auf dm Hof und von da in's Freie) während der im Parterre beschäftigte Komplize von der eindringenden Polizei dingfest gemacht wurde. Bon dem zweiten war jedoch k ine Spur auftufinden und dieser Umstand war es, der die z hlreichen Fremden außer dem Vorgang an und für sich in hochgradige Aufregung versetzte. Man wußte, daß ein tollkühner Raubmörder in Reichenhall frei umherging,' der am Hellen Tage nicht vor Raub und Mord zuri ckschreckte! Alle Beam'en, das Publikum und die Messe wetteiferten in Bemühungen, den gefährlichen Einbrecher aufzufinden, aber alles war erfolglos. Der Verhaftete stellte die Sache so dar, als ob sein entwichener Genosse der eigent- 3i Anstifter des ganzen Untemehmens gewesen wäre, er auch der Mörder der drtt Personen sei, die ihr en bei dem Ueberfall einbüßten, daß er selber aber nur ein unschuldiges Opfer sei. DaS war aber auch alles, was von dem Verhafteten zu erfahren war. Name, ckunft und die Beziehungm zwischen ihm und dem twichenen warm nicht von ihm herauszubekommen) er .auptete, baß ihm baS alles selber unbekannt sei, baßer 'erst kurze Zeit vorher mit seinem Genoffen zusammenactroffen sei, und daß sie sich beide gegenseitig nicht näher rannen. Es wurde nun im Gegensatz zu dieser Aussage festgestellr, daß der Verhaftete der Mörder der drei Personen war, daß er die Seele des ganzen Attentats gewesen sein wußte uno sicher von dem Entwichenen mehr wußte als er aNMgebm fiir gut fand, Alle Drohungen und Gerzen konnten den Mörder nicht belpeam, über dm r mehr äusziMgm Her PerpMete wurde zum UM verurteilt und auch später hingerichter. Man schob auch die Hinrichtung hinaus, immer in der Hoffnung noch von dem Verurteilten Angaben zu erlangm, die zur Auffindung seines Gmossm führen könnten. Dieser war in Wirklichkeit nicht in Reichenhall geblieben) er wußte, daß das Pflaster dort für ihn zu heiß war und daß er ntch.s besseres t..n konnte, als möglichst bald und möglichst weit von dort fort zu kommen. Er sagte sich aber auch, daß die von ihm Bedrohten der P lt ei sein genaues Signalement mitgeteilt haben werden und daß man ihn zunächst nur den Bahnhöfen suchen werde. Er ging ihnen deshalb in großem Umkreise aus dem Weg und richtete seine Schritte nach der n chsten Station. Dort stieg er, ohne ein Billet am Schalter zu nehmen, in den nach Innsbruck führenden Zug ein, sagte dem Schaffner, daß er erst vor Eintreffen les Zuges am Bahnhof angekommen sei und deshalb feto Billet nehmen konnte. Er ersuchte d n Schaffner ihm ein Bi >et bis Mvrgel zu nehmen. Dort stieg er aus und kaufte sich einen grauen Touristenanzug mit Rucksack und Bergstock sowie eine dunkle Brille, nahm sich seinen Schnurroatt ab und fuhr mir dem nächsten Zug w iter in der Richtung nach Lanbeck, denn es war ihm vor allem darum zu tu», hie Schweiz zu erreichen. Der neue Anzug und die bisherige Reise hatten abe seine Baarmittel derart in Anspruch genommen, daß er zunächst nur bis rach Imst fahren konnte. Dort mußte er Halt machen und zusehen sich auf irgend eine Weile Geld zu verschaffen. (Fortsetzung folgt.) Zar Juden von Msinr. Mainz, 29. War. Wt 7. März dS. IS. hat map. qm WWen Neubau hahier Stein e mit heb r ä i sch en IN» s ch r i f t e n gefunden, die inbezug auf die ftüher aus diesem Platze befindliche Synagogen und bas jüdische Lehrhaus (sog. I denschule) neue Tatsachen zu enthüllen geeignet sind. Un>er rühmltchst bekannter Typologe Heinrich Walla.r ist s. eben damit beschäftigt, hon den Steinen Matritzen anzu erti .en, um sie den Fachgelehrten vorzuleaen. Bis dahin muß ein abschließendes Urteil über die Bedeutung des Fundes zurückgehallen werden. Soviel erscheint aber auch dem d r hebräischen Sprache kundigen Laien ersichtlich, daß es sich hier wahrscheinlich bei dem einen Stein um die Gedenktafel der Güster des Gottesha ses, bei den anderen um eine solche bei Erneuerung des Baues bezw. beim Umbau handelt. ES dürste darin von der Errichtung deS Baues und von der dafür stattgehabten Geldsammlung und-spende die Rede sein. In Bezug auf Namen wollte es uns scheinen, a s ob von einem Manne namms Ben Zion, Sohn des Abraham, und von einem Jacob die Rede sei. Der Schrift nach gehört der eine Stein der zwetten Hälfte des 11. Jahrhun ertS an (vergl. Wallau, in der Festschrift Schneider: .Frühe Formen der semitisch-griechischen Buchstabenschrift re.," wo die Schrift aus dem Jahre 1080 aus Ma nz auf der beigegebenen Tafel ganz gcnau mit der Schritt des gefundenen Steines übereinstimmt), die Schrift des zweiten Steines unterscheidet sich nur wenig von der jetzt gebräuchlichen hebräischen Quadratschrift, scheint aber aus dem ersten Drittel des 16. Jahr: underts zu stammen, denn besondere Eigenart n der Schrift zeigen A hnlichkeit mit einer im Jöchre 1586 in Prag gedruckten illustrieren Haggadah) nach anderer Ansicht ist der zweite Stein noch bedeutend älter als der erster diese Ansicht führt an, daß im ersten Drittel des 10. Jahrhuntzett^_ hin keine Hrpen

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