Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1907-05-30 · Heft 22 (30.5.1907) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 22 (30.5.1907)
Date
1907-05-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449244-2449267--63515-2506064
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

WMMMMW 80. Mai 1807._ und durchleuchtet, der ganze große Volksorganismus jedem Sturme, jeder Anfechtung von außen siegreich zu widerstehen wisse. , Darum thronte inmitten der lagernden Stämme wie die Seele im Körper dieGotteslade mit dem Gesetze — und — 2'2v — geordnet und gegliedert, das Gottesgesetz umkreisend, formten sich die Heerscharen des jüdischen Volkes schon dem äußeren Anblick nach zu dem was ihre einzige welthistorische Lebensbestimmung sein sollte: zum Gefäße und zum Träger des Sinai Wortes! Aufhorchend und lernend sollte sich Israel zur Höhe dieser durch seine Lagerordnung laut gepredigten Lebensbestimmung emporringen. — Und nun? Ein Jahr war verstrichen, seit es die hohe Schule seines Völkerdaseins betreten hatte — und siehe, da zum ersten Male die Wanderung beginnt, da es gilt, die Thora umfangend und umkreisend sie hindurchzutragen durch die Wüste — da verläßt die Lade ihre Ruhestätte inmitten der Volkslager, an Judas, an Rubens Fahnen vorbei, zieht sie fort, fort, drei Tagereisen voran in die Wüste — und seiner Seele beraubt, folgt das jüdische Volk in langen Wanderzügen der Fliehenden, aufs neue seine Seele zu suchen. Da erhebt sich der Führer, der Mann Gottes, und in die Zeitenfernen schauend, die sich seinem Blicke entschleiern, schenkt er seinem Volke als Leitfaden für den Zug durch die Jahrtausende in zwei Sätzen — ein ganzes Buch: „Wenn die Lade aufbricht aus der Mitte des Lagers und — wie mit einem Ruck — dem der „Schule entlaufenden" jüdischen Volke seine natürliche Mission als Träger der Thora entschwindet, dann erhebt sich Gott selbst in seiner furchtbaren Allgewalt, und, hinwegschreitend über seine entfremdeten Söhne, tritt er als Kriegsmann ein in die Geschichte, bis — nicht vor Israel dann — bis von Ihm, dem zukunftgestaltenden Gotte der Menschheit, die Feinde und die Hasser zerstieben und vergehn." Wenn aber dann, im Sturmwind der Zeiten, das preisgegebene, seelenberaubte Judenvolk doch endlich wieder zur Besinnung kommt, dann „kehrt sie endlich heim, die jüdische Volksseele geht „sanft zur Rast" inmitten Der JSraeltt. der jüdischen Lager und jubelnd begrüßt dann des Sehers Mund die Zehntausendmal Tausende des jüdische Heerbanns. 'lüto NN221 ". 7«^' rrQzn 'n nzw Das ist das Geheimnis der jüdischen Geschichte von Anbeginn an in alle Zukunft: Israels Gesetz ist die Seele des jüdischen Volkes, aber diese Seele flieht und lebt weiter, mag auch der Körper sich ihrer als lästiger Bürde entäußert haben. Sie lebt und — sie kehrt wieder. Heil Denen, deren Auge chn schauen wird, den großen gesegneten Tag, da Israels Myriaden in stolzer männlicher Kraft, gesättigt mit allem, was am Baume der Kultur gereift, sich wiederum 2'2D “U3D um die alte Bundeslade vom Sinai scharen und aus jedem jüdischen Auge leuchtend die fröhliche Botschaft blitzt: „Gott ist heimgekehrt in die Zehntausendmal Tausende Israels." var Oebewuch Oes badischen Oberrats in der Schule. Bon einem praktischen Schulmann. Unser Artikel in Nr. 2 des „Israelit" über die Unbrauchbarkeit des badischen Reformgebetbuchs für Schulzwecke hat in den Nummern 16. .und 17 der „Blätter für Erziehung und Unterricht" eine umfangreiche Entgegnung seitens eines „badischen Schulmanns" erfahren. Wenn wir uns dadurch veranlaßt sehen, nochmals auf unser Thema zurückzukommen, so geschieht es nicht zu dem Zwecke, die verschiedenen Ausfälle und hämischen Bemerkungen unsres Gegners zurückzuweisen. Die Form ist ja Geschmackssache. Wenn es beispielsweise dem „badischen Schulmann" gefällt, die von uns unter Berücksichtigung des süddeutschen Sprachgebrauches eingeflochtene Bemerkung, die Sprache sei „nicht ganz einwandfrei" (s. übrigens auch Wustmann, Seite 261, 12 ff.), mit den Worten wiederzugeben: „Die Bearbeiter des Gebetbuches des Oberrats können nicht richtig deutsch schreiben," so beweist dies eben nur, daß sein Geschmack anders als der unsrige ist. Wir hoffen dagegen auf Grund der Darlegungen des „badischen Schulmanns" Nachweisen zu können, daß unsre Beurteilung des Gebetbuches tatsächlich eine objektive war, und daß auch von „reformatorischer" Seite dies Buch als Schulbuch abgelehnt werden muß. Wir hatten in unserm früheren Artikel die _Seite 8. Rr. 28 gute Ausstattung des badischen Gebetbuches anerkannt, aber bemängelt, daß sich die Stellen, die vom hergebrachten Texte abweichen, auch äußerlich durch verschiedenen Druck deutlich abheben, B. Seite 106, und daß die Keduschah in der egel sehr klein gedruckt sei. Da der Anwalt des Oberrats für die erste Beanstandung „nicht den geringsten Anhaltspunkt" sinden kann, so bitten wir die Besitzer des Buches, gefälligst den Schluß vor D'Dan 7V, Seite 106, und den Anfang von rat? n32n, Seite 238, aufzuschlagen, und sie werden sofort erkennen, daß wir unsre Behauptung nicht aus den Fingern gesogen hatten. Was aber den kleinen Druck der Keduschah betreffe, so sei dieser — bis zum vorigen Jahre in allen Rödelheimer Ausgaben sestgehalten worden und zwar mit Recht. Trotzdem schreibt der Herr gleich im nächsten Satze: „Allerdings würden hierfür beffer die größeren Pettttypen (Garmond?) verwendet worden sein." Nun also! Diese Art des eignen Widerspruchs ist symptomatisch für den ganzen Artikel in den ,Hl. f. E. u. IX." In dem Hauptteile, der sich mit der Verwendbarkeit des Buches für den Uebersetzungsunterricht besaßt, belehrt uns der Verfaffer zunächst dahin, daß das -Gebetbuch an sich überhaupt kein „Schulbuch", kein ,^8uch für Kinder im elementarschulpflichtigen Alter" sei, da unsere hebräischen Gebete und Psalmen doch nicht für Kinder, sondern für Erwachsene verfaßt seien. Auch könnten „nur verhältnismäßig wenige Stücke dem Verständnis von Kindern im Alter bis zu 14 Jahren völlig erschlaffen werden". Mithin: Das Gebetbuch ist kein Schulbuch. — Einige Reihen weiter: „Selbstverständlich muß das Kind während der Schulzeit mit dem Gebetbuch und dem Gottesdienst verttaut gemacht werden." Folglich: Das Gebetbuch ist dennoch zugleich Schulbuch. — Ferner: „Die seelische Befriedigung der Erwachsenen — nicht die der Kinder — ist daher das Ziel, welches in dem Gebetbuche des Oberrats die dem hebräischen Texte gegenübergestellte deutsche Uebertragung vor allem im Auge hat." Resultat: DieUebersetzung desOberrats ist nicht für die Schule bestimmt. Und endlich nach Anführung großer Zitate von Bleichrode, Hirsch und Wohlgemuth kommt der Haupttrumpf: „Uebrigens ist speziell auf das Gebetbuch des Oberrats die Probe von einem wirklich (!) praktischen Schulmann, einem anerkannt vortrefflichen Lehrer, schon gemacht worden. Er schreivt darüber: „Ich mußte mich vorerst daraus beschränken, den Schülern nach der Durcharbeitung eines Abschnittes jeweils die Uebersetzung aus dem neuen Gebetbuch vorzulesen, und konnte schon aus dem Gesichtsausdruck der Schüler ersehen, welch einen brachte einen Blies von meiner Schwester in Amerika. Seit einigen Jahren ist fie gestorben, da hat das auch aufgehört. Sonst wüßte ich nicht, baß noch je ein Fremder unS hier besucht hat. Eisenbahnarbeiter die von Zeit zu Zeit auf der Strecke beschäst gt find, auch Jnspekttonsbeamte, die hier und da Umschau halten, verirren sich nach Jahr und Tag einmal in unsere Hütte, aber sonst wüßte ich nicht, daß je Jemand zu uns gekommen wäre." . Du vergißt ganz den Fremden, der vor zwei Jahren da war," bemerkte die Frau fich in ihrer Flickarbeit unterbrechend. „Du hast Recht," sagte der Bahnwärter, „das war ein eigenartiger Besuch. Aber ich habe ihn hier nie zu Gesicht bekommen, weil ich gerade dienstlich abwesend war. Das müffen wir dem Herrn einmal erzählen." Als er eben beginnen wollte, meldete die Stgnalstange die Ankunft des Kurterzuges. Herr Weber ttat auf seinen Posten - der Zug sauste wenige Minuten nachher vorbei, von unferm Bahnwärter mit strammer Haltung und den vorgeschriebenen Honneurs begrüßt. Inzwischen hatte Frau Lea Weber bereits die Erzählung der Geschichte begonnen. Es ist diejenige, die ich Dir heute Mittag versprochen habe, und die ich Dir nun nicht nach dem Wortlaut der. Erzählerin wiedergebe, sondern noch der Art und Weise, wie ich fie aufgefatzt und im Gedächtnis bewahrt habe. III. Herr Weber und Frau saßen an einem langen Sommer Nachmittag vor ihrem Bahnhäuschen. Frau Weber hatte in ihrem kleinen Garten an der Böschung deS Bahndammes heute Bohnen gepflückt, die fie jetzt zu einem Gemüse herrichtete, während ihr Mann aus einem vierzehn Tage alten ZettungSblatt, das fich wer weiß wie hierher verirrt hatte, die neuesten Nachrichten vorlas. Da sehen fie den Briefträger zu ihnen heraufkeuchen. „So lange hat uns Dolce noch nie auf Briefe warten lasten;" bemerkte der Bahnwärteres ist geoiß schon ein halbes Jahr her, seitdem fie nicht geschrieben hat." — „Geh' dem alten Mann entgegen," sagte die Frau, „damit er den steilen Abhang nicht herauf klettern muß. Dir fällt es leichter als ihm. Nimm ihm ein Paar Stache.beeren mit, die werden ihm in der Hitze wohl tun." — Herr Weber entsprach sofort diesem Wunsche, zumal es ihn drängte möglichst bald den Brief zu haben. Aber er war nicht von Amerikaer war von dem Bürgermeister-Amt Imst. Ec erbrach den Brief noch bevor er das Wärterhäuschen erreichte, und erbleichte beim Durchlesen. Seine Schwester war gestorben und die zuständige Behörde in Baltimore hatte dem Bürgermeister-Amt zur Mitteilung an Jakob Weber, Bahnwärter berichtet, baß die unverehelichte Dolce Weber ihren Bruder zum Erben ihres Vermögens eingesetzt habe, das sich nach Abzug aller Kosten auf Viertausend zweihundert Dollar belief. Diese Summe lag in der Bürgermeisterei zur Auszahlung bereit und Weber wurde aufgefordert sie dort in Empfang zu nehmen. „Was schreibt Dolce? ' rief die Frau entgegen. „Dolce schreibt gar nicht- Boruch Dajan Hoemmes!" Frau Weber konnte nicht lesen und schreiben. Sie ließ fich von ihrem Manne nun berichten, um was es sich handelt. Dann sprach auch sie den Segensfpruch und sagte: „Du mußt jetzt die sieben Trauertage halten, wie wird das bei Deinem Dienst möglich sein?" „ES find schon mehr als dreißig Tage sett dem Tode verflossen," entgegnete der Mann. „Ich brauche deshalb nur eine Stunde lang Trauer zu haltenwas ich sofort tun willich muß erst in zwei Stunden meinen Rundgang antteten." Sr zog die Schuhe aus, riß einen Riß in den Rock und setzte sich zu Boden, auf die Schwelle des Häuschens. Als er fich wieder erhoben hatte, meinte Lea, fie müßten jetzt auch den Segensspruch beim Empfana einer guten Nachricht sprechen, nachdem die Verblichene Schwester ihr ganzes Vermögen ihnen hinterlasten habe. Sie wußten nicht, wie viel Gulden 4,200 Dollars ausmachen, bei der Abholung des Geldes wollten fie fich deshalb erkundigen und dann ihre Entschließungen für die Zukunft treffen. In drei Tagen hatte er Vormittags freida wollte er nach Imst und das Geld auf der Bürgermeisterei in Empfang nehmen. Genau um dieselbe Stunde, in welcher Jakob Weber um den Tod seiner Schwester trauerte, vollzog fich in Reichenhall, mitten in der Hochsaison, ein sensationelles Ereignis. Am hellen Tage wurde in einem in der Hauptstraße gelegenen Hause ein Raubmord von zwei Einbrechern verübt. Dieselben gingen ins Haus, schlossen die Haustüre von innen und wollten dann die Wertsachen sich aneignen. Der eine schoß drei Personen nieder, die sich den Raubmördern widersetzen und nach Hilfe rufen wollten. Dadurch eingeschüchtert verhielten fich die Longen ruhig. Sie fernerhin ruhig zu halten war die Aufgabe des zweiten Einbrechers, während der erstere im Parterre das Geld und alle sonst aufgestöberten Wettsachen zusammenraffte. Der andere halte die sämtlichen übrigen Insassen in ein Zimmer des ersten Stockes zusammengepferchtes waren lauter Damen, die er sämtlich zu erschießen drohte, falls fie einen Ruf ausstoßen oder einen Schritt zum Fenster wagen. Als eine es trotzdem versuchte gab der Eindringling einen Schuß ab, aber nicht nach den Damen, sondern in den Spiegel, der Kirrend auf den Boden fiel. Dieser Schuß hatte die der Freiheit beraubten Damen, derart etngeschüchtert, daß der Raubmörder im Parterre unbehelligt seinen Raub vollziehen konnte. Die Schüsse hatten jedoch die Aufmerksamkett der Vorübergehenden auf baS Haus gelenkt. Ein Polizist, der etntteten wollte, fand die Haustüre ge- ^-^TTafrYtfrf-T i~

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.