Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1907)
- Date
- 1907-05-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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kyMüerkd einen Augenblick seine Gedanken Dtte — der Weg führt nicht zum Siege.. . . Soviel ist jedem, trotz dem tiefen Dunkel, in dem man den einzelnen Soldaten wandeln läßt, bekannt. Aber der blutige Weg wird sich gleichsam wieder eröffnen, nicht hier, sondern in der enttäuschten Heimat, als Echo, als Rückwirkung, und er führt unwiderstehlich in die bessere Zeit für uns alle hinüber. Für alle? Auch für ihn? Wird er nicht bei der nahenden Entscheidung zu den ersten Schlachtopfern gehören? Und wenn er, was kaum zu glauben, auch unversehrt davon kommt, wollte er dann in der Heimat, und hätte sie sich in ein Paradies verwandelt, verbleiben? Warum konnte er nicht, wie die Kameraden, sorglos und fröhlich dahinleben? Mechanisch griff er nach seiner Portefeuille und entnahm ihr ein kleines rosa Kärtchen und betrachtete die darauf mit zitternder, aber zierlicher Hand gekritzelten Worte: „Zum ewigen Andenken an finstere Stunden der Gefahr. Auf freudiges Wiedersehen in besseren Zeiten. Rahel." Diese finsteren Stunden der Gefahr waren nun ihm' wieder genaht und nichts, was diese nur mit dem kleinsten Schein beleuchtet, nicht einmal die Hoffnung. Denn wie sollen die besseren Zeiten kommen? Und selbst wenn sie kämen, wo soll er das verlorene Lebensglück suchen und finden, da chm jede Adresse, jeder Anhaltspunkt fehlt? Schwere Schritte und roh lachende Stimmen in der Nähe rüttelten Salam aus seinem Traume auf. Aus der Böschung entwickelten sich einige Schatten heraus, die in der Bewegung immer länger und wankender wurden. Bald sah er deutlich einige schwankende Soldatengestalten. Die Helden von Mulden, die sich zu einem kleinen Nachtrenkontre vereinigt uno bereits des Guten zu viel genossen hatten . Während die anderen singend und lachend weiter marschierten, blieb der eine, ein baumlanger, frischer Bursche mit lüsternen Augen etwas zuttick und erblickte den einsamen Salam. „Nun, Bruderherz, ganz allein? So kleines Abeüteuer! Kommt sie, kommt sie nicht! Soll ich mit Dir Watten? He, Infanterist!" Salam betrachtete einen AugeMick den Zudringlichen schweigend. In seiner unsicheren Haltung verriet er doch eine gewssse militättsche Gewandtheit, und in dem rot aufgeounsenen Gesichte blitzten kleine, lauernde Augen, wie die eirres Wolfes. „He, Kamerad, hörst nicht? Kommt die Kleine bald? Soll ich mit Dir watten?" wiederholte der Soldat. Seine Beine schlotterten und. die Sprache war lallend, aber die kleinen Augen schauten zynisch und drohend. Salam beschloß, alle Händel zu vermeiden und antwottete ruhig: „Ich erwarte hier keinen und brauche keine Kompagnons." Aber der Betrunkene ließ sich nicht abweisen. „Schaut nur da. Ist er vielleicht adelig? Warum so stolz, so heimlich? Wie sagte doch heute der Batuska (Geistlicher) in der Feldpredigt? Seid Brüder, seid einig —, der Teufel hole ihr: in die gelbe Seligkeit, den Schuft, den Knauser,' ich trug ihm den schwarzen Kasten zum steilen Hügel hinauf, wofür er mir den Segen erteilte — aber keinen Schnaps — gehört nicht dazu! — Aber ist das einig? ist das Bruderpflicht? He, Kamerad!" Salam konnte kaum ein Lächeln unterdrücken lmd rnurmelte halb für sich, sich gleichgiltig erhebend: . ,Menn der Geistliche es vermeidet, das Laster zu fördern, durch das Ihr das Vaterland bereits an den Rand des Verderbens gebracht, so ist es recht und vernünfttg von ihm." Der Soldat hätte und verstand nur halb, aber er lachte höhnisch: „He he he! Auch so ein Pfaffe, ein Skopter, ein Moralprediger, oder sonst ein Hungerleider Wqnka! Karntzki! WMNnow i" er den Freunden aus. „Wo steckt Ihr enn? Kömmt her, es ist lustig. Da ist ein verkappter Pope, aber kein betrunkener." Die Freunde waren aber, ohne von ihrem Kumpan Nottz zu nehmen, längst verschwunden und auch Salam wollte sich, die Anrempelungen des Raufboldes ignorierend, entfernen. Dieser aber ergriff ihn jetzt an beiden Armen, um ihn gewaltsam zurückzuhalten. „Du . . . bleibst da! . . . oder bist etwa kein Soldat? He! Glaube's gar?" er schaute mit den kleinen blinkenden Augen dem Gegner scharf ins Gesicht, „bist kein echter Soldat jetzt weiß ich es . . . bist ein Jud! Kenne die Bande . . . habe unter ihnen lang genug gelebt. Bist . . . bist ein feiger Jud!" Bei Salam regte sich etwas. Aber die möglichen Folgen eines Raufhandels bedenkend blieb er ruhig^ Mit fester Hand machte er sich vom Trunkenbolde los, der nach hinten wackelte unb suchte weiter zu gehen. Der wilde Geselle brach plötzlich in ein Freu dengeheul aus: „Prächtiges Billet, allerliebst, das behalt nun ich, das Liebeszeichen, bleib nun hier damit, werde ihr besser gefallen als der S - - jud da!" Dies veranlaßte Salam, sich umzuwenden und wurde erst mit Entsetzen gewahr, daß er beim Stoßen und Ringen das rosa Kärtchen fallen ließ, dessen sich nun der Raufbold bemächttgen wollte. „Laß das, Du . . .", rief Salam, dessen airgehäufter Zorn sich zu entfesseln begann, „laß es, sage ich, es ist mein Eigentum?" Als aber der Angerufene darauf nur mit höhnischem Lachen erwiderte, so packte ihn Salam Mit der Linken an den Handgelenken, während die Rechte das Seitengewehr parat machte. Das letztere war aber nicht mehr nötig, denn der Anaepackte schrie im wilden Schmerze auf und ließ oas Kärtchen fallen. Die Wut hatte sich aber einmal losgebrochen. Salam hielt immer noch sein Opfer fest und schaute ihm in die kleinen von Haß und Schmerz erfüllten Augen. „Laß ab," schtte dieser, „das find Eisenklammern. Laß ab, mein Kamerad! Genug, sage ich, meine Hände sind zermalmt!" Mit überlegener und verächtlicher Ruhe schaute Salam nochmals den Hilflosen an. „Es sind keine Eisenklammern, sondern Judenhände," sagte er dann, „die im Dienste des Vaterlandes' den. anderen nicht nachsteheu. Jetzt weißt es. Und nun geh' Deine Wege!" Der Befreite schien jetzt ganz nüchtern; sein Oberkörper bekam festere Haltung. Er bettachtete seine roten wunden Hände nach allen Seiten und sah dann mit großer Ehrfurcht und Verwunderung zu seinem Gegner hinauf. Sein Ton bekam Plötzlich etwas weiches und vettrauliches. „Weißt Du, lieber Kamerad, Hände wie Deine muß man schätzen. Ein Griff! Kreuzsakrament!" Er bettachtete wieder seine Hände. „Verstehe mich auf so was, aber so hat mich noch keiner angepackt, einmal wohl, aber nicht hier. Ich glaubte damals dem Teufel in die Klauen geraten zu seinheute könnte ich es ebenfalls glauben, wenn nicht der I . . nein verzeih' der . . . na, wie denn, der Infanterist^ vom — er bettachtete genau die Nummer — vom Regiment vor mir stand. Das nenne ich mir Fäuste, ganz wie damals. Soll ich es Dir erzählen, lieber Freund?" Salam verspütte keine Lust, die Abenteuer des so seltsamen neuen Freundes zu erfahren und wollte, nachdem er das Billet ruhig einlesteckt, sich mit kurzem Gruße entfernen. Der Soldat stellte sich ihm aber nochmals in den Weg und reichte ihm unter bittenden, fast unterwürfigen Blicken die^ Hand. „Was?" sagte er, „so scheiden von einem Freude, nach solcher Bekanntschaft? ... Ich nn der Iwan Pettik aus dem zweiten Jägerbataillon. Der Wanuschka genannt. Kannst auf ihn rechnen! Nun, auf gute Freundschaft?" Salam konnte nicht umhin, den warmen Händedruck zu erwidern. Dann ging er einsam weiter. In feinem Versuche, an die früheren .Gedanken wieder anzuknüpfen, stand nun, er wußte nicht wie, Wanuschka hindernd dazwischen. Der wilde, rauflustige, aber auch tteue und Für de« Neklamentett ist die Aebattto« nicht veeantwortlich; insbesondere ist es ansfchlietzlich Tnche der Leser, die i« Reklanreteil enthaltene« GnrPfeWlnngen ritueller Ware« oder sonstige Angaben liche» Charakters ans ihre AnderlSfstgßeit a« prüken. Kaiser . Friedrich Quelle 6346) - OfTeubaeh ». M. -~~ »Kefen Gicht u. Kkeueatiunu hnwihrt “ Natürlicher liliier Saierftriii diätetisches Tafelwasser erfrischend - wohlsehmeckend - reine nafurffilliina In'/, u.Sl. überall erftMcfc Hauptniederlage in (AlSH Frankfurt a.M.bei H. Kölsch Nschf., Ktlleft n Künstliche u. natürliche Mineralwaffer ------ Aepfelwei« =rss Flaschenbier (6777) liefert frei ins Haus m. Wlesenbaum, Frankfurt a. M., Ostendstr. 76. -— Telephon 5441.- J D i Lande shuter st Leinen- und Gefeild »Weberei F. V. Grünfeld Königl., Grossherzogi. o. Fürstlicher Hoflieferant Berlin W., UWimlnw 21-2. 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Nun schreib ihr, sie soll wenigstens jetzt sofort Fays ächte Sodener gebrauchen, damit sie die Geschichte bald wieder los wird. — FayS ächte Sodener kaust man für 85 Pfg, in jeder Apotheke. Drogen- oder Mineralwafierbandlnng, hüte sich aber vor Nachabmnngen. -■3 1 4 •v* u -i*