Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1907)
- Date
- 1907-05-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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23. Mai 190T. Der Nr. 21, Sette 14. kleinmütige Geselle. Noch auf seinem Lager in der Kaserne konnte er den Gedanken lange nicht los werden, wie so mancher gute urwüchsige Kern-im rohen russischen Volke steckt, der bei anderen Verhältnissen und unter anderer Behandlung auch andere, ganz andere Früchte zeitigen müßte- 6. Kapitel. Eine gewisse Unruhe bemächtigte sich der Mannschaften, als mit dem Morgengrauen zum Appell geblasen wurde. Der Feind war offenbar in der lustigen Sonntagsnacht wesentlich vorgerückt, denn das Knallen und Knattern, das wie aus nächster Nähe kam, hatte manchen aus der weinseligen Schlaftrunkenheit aufgerüttelt. Mit Anbruch des Hellen Tages war aber wieder alles still geworden. Und da kein Befehl zum Ausmarsch erging, nahm wieder alles nach und nach seine gewöhnliche ruhige Gestalt an. Nach einem gesunden erfrischenden Schlafe ging Salam wohlgemut an seinen Dienst. Fast etwas voll der Kriegsfreude, von der Lust sich verdienstlich zu betätigen, spürte er heute, ob er auch sonst ohne Freude und ohne Hoffnung den Krieg mitmachte. Das Abenteuer von gestern hatte ihm etwas Mut und Vertrauen zu sich selber eingeflößt „Es könnte auch zum Handgenlellge und zllm Bajonettkampfe kommen," sagte der Regimentskommandeur, „und dann . . ." Dann . . . er hörte aber die weitere Instruktion nicht, er wußte schon, wie er dann seine Pflicht tun mußte. Nach Beendigung der gewöhnlichen Feldübung anl Vormittage hielt der Kommandeur eine kurze Ansprache, worin er dem Regimente einige AufklälUng über die strategische Situation gab und dann die Notwendigkeit einer Patrouille für die kommende Nacht betonte. „Es ist ein gefährlicher, aber dankbarer Auskunstsdienst, der mit Liebe und Sachkenntnis versehen werden muß," schloß der Vorgesetzte, „ich ernenne darum keinen und bitte diejenigen, die den nötigen Mut und die Fähigkeit in sich fühlen, freiwillig vor die Front zu treten." Ein Zucken und Räuspern ging durch die Reihen, dann blieb alles still. Endlich traten etwas zögernd fünf' Mann vor/ unter ihnen befaild sich auch Salam Chajimow. Der alte Offizier mllsterte sie von oben bis unten, dann sagte er weich und väterlich wohlwollend. „Habet Dank, liebe Kinder, für euer mutiges Vortreten! Wären die Truppen," erschaute vorwurfsvoll nach den Kolonnen, „nur aus solchem Material zusammengesügt, dann wäre der Sieg unser. Nun erfüllt, liebe Kinder, unerschrocken Euere Aufgabe. Wenn es gelingt, so habt Ihr unserer Sache einen großen Dienst geleistet und unserem Regimente Ehre gemacht und Ihr kommt dann als Unteroffiziere und mit Orden geschmückt zurück. Wie heißt Du, mein Sohn?" fragte er plötzlich, seine Aufmerksamkeit Salam zuwendend. „Salam Abramowitz Chajimow!" (Fortsetzung folgt.) Für dea Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschliesslich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen rltnellerWaren oder Sonstigeingaben rellgionsgesetzllchen Charakters auf Ihre Zuverlässigkeit zn prüfen. Für ein nettes häuslich erzogenes einer der ersten Familien Frankfurt a. M. mit einer Mitgift von 18-8« Mille Mk. ,md schöner Ausstattnng wird ,mecks Heirat ein mit schönem Einkommen u. in sicherer Stellung besindliche deiner oösonst veamter gesucht- Off. u. P. Z. 5686 au Hänfenstem St Bögler, A.-G., Frankfurt a. M. 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