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Der Israelit · 1907-05-23 · Heft 21 (23.5.1907) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 21 (23.5.1907)
Date
1907-05-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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S8' Mar «m. Der 9-raeltt. nichts Neues, die Materie ist von vornherein auf die ganze Entwicklung bis zur höchsten Stufe hin angelegt. Daß die Materie von vornherein auf die ganze Entwicklung angelegt war, ist ein Gedanke, der im Midrasch mehrfach zum Ausdruck kommt und den auch Raschi in seinem Kommentar zu Gen. 1,14. 1,24. 2,5. vertritt. Die erste Stelle, die aus Bereschith Rabba stammt, lautet: □2'Vy ms 'p'2**>2i ix-o: fitwn ovo :mtm 'm 1x22: ipxi d’öw onbio *?2 pi yp22 mVnnV vfy -1T221T DV2 Z-2P1 22X1 2nX 621 flBfX2 01'2 oxi DmnnVin 012">^ 2'2172 ox 210217 wn monVin 01221? pxrv „Wie die Himmelskörper bereits am ersten Tage geschaffen waren und am vierten Tage an: Firmament befestigt wurden, so alles, was dem Himmel und der Erde entsprang: es war am ersten Tage geschaffen und konsolidierte sich au dem Tage, an dem das Geheiß Gottes ergin An der zweiten Stelle bemerkt Raschi zu te.u Verse: „Und Gott sprach: Die Erde bringe lebende Tiere hervor nach ihrer Art, Vieh und Gewürm und Gewild des Landes nach seiner Art": pBTKi di'2X22J *72217 wnw xin pxn «sin'' DX'XinV X*7X 12271:2 x1?! „Die Erde bringe hervor", das bestätigt unsere obige Erklärung, daß alles schon am ersten Tage erschaffen war und es nur nötig war, es hervorzubringen". Wir sagen in unserer Sprache: Der Keim, die Anlage war schon vorhanden und harrte nur der Entwicklung, die auf Gottes Geheiß sich vollzog. Wenn es gestattet ist, hier „den großen Gedanken der Schöpfung noch einmal zu denken", so möchte uns folgende Darstellung angemessen erscheinen: 1221 ino nrvn pxm: Damit ist die Gestaltlosigkeit der Nrmaterie ausgedrückt, etwa „der Zustand, beji die heutige Naturwissenschaft sich als Gasform der Elemente vorstellt, also der Zustand, in dem die Elemente isoliert für sich dastehen, noch nicht aufeinander wirken, obgleich sie bereits die Eigenschaften und Kräfte besitzen, aus denen sich die zukünftige Weltgestaltung entwickeln soll."') Das hindert nicht, daß dieselbe gestaltlose Urmaterie, die doch wiederum den Keim aller Gestaltung in sich enthält, auch mit D'2 bezeichnet, o'2n 'IS nsmo '7X mm und der Geist Gottes, d. h. der schöpferische Wille Gottes über ihr schwebend gedacht wird.^) In diese Urmaterie kommt auf Gottes Schöpferwort das Licht. Daß dieses Licht nicht das Licht der Sonne, sondern ein Ausdruck für eine gewisse Kraft ist, braucht heute nicht mehr hervorgehoben zu werden. Auch diejenigen, die die Schöpfungsurkunde von religionsges^yichtlichem Gesichtspunkt aus betrachten, denken viel zu groß von dem vermeintlichen Verfasser, als daß ste *) Vgl. denselben Gedanken bei Sforno in aristotelischem Gewände: no*»n ix- 0x2277 pan 101x1 miwoo 2217121 ino *np:>n 1117x2 2020' 222112 jwmn iON^> niM mn nb asm '2 1.22 mnpan 01217 b^b 22117x2 no*»n um 02a 2217 *>obiT 22222 0*»222D2. 4) Vgl. die Stelle in Kusart IV, 25 (wir bringen ste nach Mendelssohns Kommentar zu Gen. 1, 2 der ste etwas verdeutlicht hat): 2D121 21vH 2J2 DH □'DH XI,21 ,dvnonn dtoh 01212' bob pjOiVOO jnwnn 2212 1222' bxn fern ,222 O'2v22 bl 01217 ^12 012172 ba na 12V22 21U2 217X 'O2 12 X'7VQ1 101X ^2 X2222 P17X22 22122 2'217 221122 ',201 .^1O2 012172 ^2 ^12 ^2X 12*6202 ^>X 01X22 22171 012'X OX 12 10121 1*6y F]22D *>p6x P221 ,1221 120 211 11'O2 0'Q2 D7 '72122 2222 01221 67122 222 012172 110V Hb 2'22 12 27 X1217 22 bl '2 21X2 27 11D2 OX 2*>221V1 0'P12 0217 'O^> 1'p^2 bj2 7222 01^170 Olbl7O 12 22X^22 01^170 ^222 1211 2021202 12 bl7D*> 2*12222 2*>22 021202 1221721.7222 1227*»V 22 217,70' s2 '22X 1210 OX 2"7'1 7222 0wp026- Wenn wir diese Darstellung wieder ihres aristotelischen Gewandes entkleiden, so haben wir die oben gegebene Erklärung. Bor allem ist deutlich, daß O'v mit 1221 120 identifiziert und als die Urmaterie gefaßt wird und ferner daß die Gesamtheit der Dinge in ihr 222 dem Kejime nach liegen soll, um durch ^X 212 zur Wirklichkeit!?71D2 zuKverden. von ihm glaubten, er habe sich eines so groben Fehlers schuldig gemacht und zuerst das Licht und erst am vierten Tage die Sonne erschaffen lassen. Der Lichtträger heißt 21x2, dagegen 21X bedeutet das diffuse Licht mit allen seinen Energien und Kräften. Welcher Art diese Kräfte waren, ob das, was nach dem Stande der heutigen Wissenschaft . als Licht, Elektrizität und Wärme angesehen wird, oder ob noch andere Kräfte in ihm enthalten waren, das ist uns verborgen und wird uns immer verborgen bleiben, da wir in der jetzigen Welt leben, das Licht nur als von den Himmelskörpern stammend kennen und eine Vorstellung von Dingen, die völlig außer unserer Erfahrung liegen, nicht zu vollziehen vermögen. Geling, in die Nrmaterie trat mit dem Licht die bewegende rmd die belebende Kraft. Die Urniaterie wird batut im zweiter: Tagewerk geschieden in die Wasser unter der Ausdehnung rrrrd die Wasser über der Ausdehnung. Wiederum ist unter den „Wassern" hier oie Urrnaterie zu aerstehen. Von der Erde werden die „oberen Wasser" losgelöst, aber die Erde ist noch nicht Festland, sondern „Wasser", in dem das Erdreich elementar enthalten ist. „Die oberen Wasser" sind der Bestandteil der Urmaterie, aus dem später die Himmelskörper sich bilden. In „den unteren Wassern" scheidet sich dann im dritten Tagewerk das feste von dem flüssigen, und das Festland erhält sein charakteristisches Gepräge: die Flora. Die „oberell Wasser" werden im vierten Tagewerk zu den Himmelskörpern gebildet. Im fünften Tagewerk werden die Wasser- und Lufttiere und zwar iu dieser Reihenfolge geschaffen, am sechsten dann die Landtiere und der seiner leiblichen Beschaffenheit diesen am nächsten stehende Mensch. Das ist in großen Zügen der Inhalt der Schöpfungsgeschichte, der mit den Ergebnissen der Naturwissenschaft zum Vergleiche steht. Alles andere ist anthropomorphische Hülle. Denn auch wir sind der Meinung, daß die Bibel religiöse- Belehrrlng geben und nicht ein naturwissenschaftliches System übermitteln will. 2210 2222 22X '22 pt7^2, .in menschlicher Sprache und nach menschlicher Vorstellullg spricht sie zu uns. Daher begleitet sie z. B. die Loslösung des Bestandteiles der Urmaterie, der zur Bildung der Erde dient, von dem andern, aus dem die Himmelskörper geschaffen werden, mit den Worten: ypnn ox D'p*?x wjm „Und Gott machte die Ausdehnung" und ferner: „Und Gott nannte die Ausdehnung Himmel". Man vergißt völlig, welche Wendungen auch sonst in der Bibel von Gott gebraucht werden, und wie diese über die durch die Unvollkommenheit des Menschen geforderte anthropomorphische Ausdrucksweise weit hinausgehen?) Heißt es doch z. B.: 2X17' 2'2X2, 12X2 17X usw. Es wird geftagt: „Warum schläfst Du?!" usw. — Daher wird das Tagewerk der Schöpfung eben als „Tagewerk" bezeichnet, obwohl schon aus Gründen der Exegese angenommen werden muß, daß es sich um Schöpfungsperioden handelt?) Daher werden die 8) Mit diesen Bemerkungen stellen wir uns natürlich nicht in Widerspruch zu unsercn obigen Ausführungen, in denen wir den Unterschied zwischen den Anthropomorphismen ui d der Darstellung der Schöpfungsgeschichte betonten. Dem Inhalt rach, in den großen Zügen, gibt die Bibel uns eine Darstellung des realen Geschehens. *) Es ist ganz unmöglich im Rahmen dieser Aufsätze die Fragen erschöpfend zu behandeln und gar mit einem wissenschaftlichen Apparat zu dienen. Ich möchte aber doch nicht in den Verdacht kommen, die Schöpfungsgeschichte so philiströs und kleinlich behandelt zu haben, wie es von manchen wohlmeinenden Exegeten geschieht. ES sei daher bemerkt, daß diese Schöpfungsperioben nicht gerade ein Jahrtausend währen müssen, weil es „Gottestage" find und es im Ps. 90, 4 heißt: „denn tausend Jahre find in deinen Augen wie der gestrige Tag, wenn er vorüber ist, und wie eine Wache in der Nacht". Werben doch die „tausend Jahre ' mit einer „Wache in der Nacht" d. h. also mit mit dem Sechstel eines 24stündigen Tages vertlichen, ja ste werden zusammengestellt mit dem „gestrigen Äge, wenn er vorüber ist", d. h. mit einem verschwindend kleinen Zeitraum, wie der verfloffene Tag im Gedächtnis deS Menschen lebt. Daß in dm Tagm der Schöpfung „Gottestage" zu sehen find, nimmt auch Rudolf Schmib Rr . 21. 'Sehe 5 D Sonne, der Mond und die Sterne an das Him- J melsgewölbe gesetzt: „zu scheiden zwischen Tag und I Nacht und daß sie zu Zeichen sein sollen, zu Zeiten, j zu Tagen und zu Jahren." Denn mögen die j Himmelskörper, mag das Planetensystem im? Haushalt der 'Natur welchen Zwecken immer * dienen, der wesentlichste und der, der für die 5 Schöpfungsgeschichte und ihren religiösen Inhalt | allein in Betracht kommt, ist der Zweck, der in I Beziehung zur Erde und zu dem Menschen steht.; Daß wir mit dieser Betrachtungsweise aus j dem richtigen Wege sind, und daß es daher völlig | verfehlt ist, aus dem einzelnen Wort Schlüffe? irgend welcher Art ziehen zu wollen, zeigt ja j auch eine einfache Ueberlegung. Wir fragten ’ oben: Wozu das Sechstagewerk? Warum trat die ganze Welt nicht durch ein einziges Schöpfer-;j wert urplötzlich ins Dasein? und gaben zur | Antwort: Weil Gott der Materie eine gewiffe J Selbständigkeit verliehen hat und ihr in der | Selbständigkeit die Entwicklung überließ. Wir 1 können aber weiter ftagerr: Wozu die Schil- J derung dieses Tagewerkes? Wenn es über allen 1 Zweifel erhaben ist, daß die Bibel nicht naturj wissenschaftliche Belehrung geben will, so erscheint doch alle Einzelschilderung, die über den einen | Satz: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde" hinausgeht, als überflüssig. Die Anwort - ist auch hier nicht schwer. Eine Reihe von reli- | giösen Wahrheiten werden uns durch die Schil- 1 derung der Schöpfungsgeschichte gegeben7) Zu- , erst: der allgemeine Satz: „Gott hat Himmel und Erde gejchaffen" wird zwar nicht vervoll- | ständigt, aber doch veranschaulicht durch die Auf- | zählung des Einzelnen. Wir hören: Gott ist es, " i der den Himmel mit der Sonne, den Mond und 1 ben Sternen geschmückt, &ott, der geboten hat, J die Erde solle Kräuter und Bäume hervorsprießen | lassen nach ihrer Art, d. h. von verschiedenerlei J Arten und zwar Kräuter und Bäume, die Frucht tragen, die sich also fortpflanzen konnten und von | denen die Kräuter rmd Bäume abstammen, die f wir jetzt sehen. Gott ist es, der die Tiere im I Wasser, in der Luft und aus dem Lande geschaffen J hat und der ihnen den Segen gegeben: Seid | fruchtbar und mehret euch, und rvenn die Tiere, die jetzt leben, nicht unmittelbar von Gott ge- - j schaffen sind, so haben sie doch von den Tieren,? die Gott zuerst geschafferr, in der Gott gewollten 1 und angeordneten Weise ihren Ursprung, sind also auch als Geschöpfe Gottes zu bezeichnen. \ Der 104. Psalm, alle Naturschilderungen der j Bibel begnügen sich nicht mit dem einfachen Satze: J „Wie groß sind Deine Werke, Gott!" sie ver- | weilen bei diesem Gedanken, malen ihn aus, um? durch bie Fülle der Bilder dem Gedanken Leben f und Kraft und Wirksamkeit zu verleihen. Ein A Zweites ist: Nach den einzelnen Tagewerken wird bemerkt,' „Und Gott sah, daß es gut war." Da- § mit soll nicht nur gesagt werden, daß die Welt, * wie sie durch Gottes Willen ins Dasein trat, auch so beschaffen war, wie Gott es wollte. Das ist eigentlich selbstverständlich?) Vielmehr soll | hier schon der Gedanke betont werden, der in der | Bibel später so häufig wiederkehrt, daß aus * „Das nalurwissl nschastlicheGlaubent bekenntnis eines Theologen" 1906 S. 28 ff. an, der sonst auf dem Wellhausen- | chen Standpunkt sieht, und zwar nur aus Gründen einer 1 richtigen Exegese. Auf das wertvolle Buch von Schmid kommen wir noch zurück. ) 7) Bgl. zum Folgenden DHeinrichl Reusch „Bibel und; Natur" 4. Auflage 1876. \ 8) Trotzt em wir hier nur die aUgemeinen Gestühls- ] punkte darlegen wollen, lönnen w.r dcch nicht die Be- ] merkung unterdrücken, daß auch die stete Widerkehr der Worte: „Und Gott sah, daß es gut war" für unsere obige , Darstellung spricht, daß ter Materie eire relative Selbständigkeit für die Entwicklung der in fie gelegten Keime von-Gott verliehen wurde. Wenn Gottes Geheiß der einzige Faktor war, dann ist der Zusatz: „und Gott sah, daß es gut war" in der Tat überflüssig. Anders, wenn die Materie ben in ihr gelegten Keim entwickelte, dann - wird der Abschluß der EMwickelung, die Tatsache, daß die J Entwicklung zu dem von Gott gewünschten Ziele gelangt ■ ist, durch dieses Urteil Gottes gekennzeichnet. Jetzt wird J es auch klar, warum nach dem zweiten Tagewerk dieser Zusatz fehlt. Die Scheidung der Urmaterie in die für die Erde und die für die Himmelskörper bestimmen \ Mafien bedeutet ja eine durchaus vorbereitende Stufe und keinen Abschluß.!? M 'maäa

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