Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1907)
- Date
- 1907-05-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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weisen, dem Leckren hingegen den kühl wägenden -BW-nd, das adstrahiecknde und peDMerWe DenWermimen. In der Tat nennen wir den Gottesdienst „272V N712Z-^', einen Dienst mit dem Herzen. Wie wir gesehen, hat jedoch auch der Kops seine wohlbemejsene Arbeit dädei zu leisten. Die Gefühle de- Herzens, die Regungen des Gemütes werden stoirk veeinfiußt' von den Pysttiben Kenntnissen, die man sich im Schrifttum erworben. Aber auch umgekehrt! Düs Ltckren beschäftigt nicht lediglich des Juden Kopf, Mün lernt auch mit dem Herzen! l'm 12Ä by . . . on2in „die Worte, welche ich dir beute gebiete, seien auf deinem Herzen." 32237 ... VNVVI „Nehmet diese meine Wocke auf euer Herz." (5. B. M.) Das Gebot Gottes ist nicht nur .D’J'y rnw, eine Leuchte für die Äugen, es erfreut auch das He^, 2^> 'novo. Man muß es selbst empfunden haben, um die Wahrheit dieser Behauptung zu verstehen. Belehrung und Erbauung zugleich, Erleuchtung, Trost und Erquickung gewährt das Thoralernen. Dem Trauernden ist das Forschen im Gottesgesetze untersagt. Der Jeschiwo-Bachur erträgt im tochgefühl der Thorafreude Hunger, trapazen und Entbehrungen. Die unfreiwillige Askese macht ihn nicht zum dusteren Pessimisten, ja er hat noch Raum in seiner Brust für recht guten Mutterwitz! Ihm fitzt oft der Schalk im Rücken. Wäre das möglich, wenn nur der -kalte Verstand vorherrschte? Unmittelbar gemütanregend wirtt die midraschische Auslegung, die Agada, deren duftige, farbenprangende Blüten überöckl eingestreut find unter die spröde Mate-ie des Talmud. Selbst der bekannte „Singsang" beim Lernen soll nach R. Jochanans Meinung nicht fehlen: '131 nnyi n>2 «npn pni' 'i 7v« wer ohne Betonung liest und ohne „Singen' lernt, auf den scheint der Bers gemünzt: „Ich gab ihnen Gesetze, die nicht gut erscheinen re." Der traditionelle Lern-Nigun dient also nicht nur mnemotechnischen Zwecken, er gilt auch als tuchen des freudig miterregten Herzens. Im atteshause liebt der Jude nicht eine Kirchenstille, schon mit Rücksicht auf manche vernehmbar laut zu rezipierende Gebete, (nw, MV). Und im Lehrhause wird nicht studiert, sondern .gelernt', d. h. es herrscht ein herzlicher ungezwungener Ton, kurzum eine Gemütlichkeit wie in einem frohgefelligen Kreise. Das liegt in der Natur des Lernens selbst. Auch in rein äußerlichen Dingen tritt das Ungezwungene, Gemüttiche in Erscheinung. Man verschmäht es nicht, im Bes-Hamidrasch kleine Erquickungen zu sich zu nehmen. Ein Schlaf, über Talmuofolianten gebeugt, soll nach der Behauptung Lernbestissener besonders süß sein.*) Auch der'' Minderbegabte, der Vielbeschäftigte findet und; e m ^findet beim Leckren innere Befriedigung, Her^enslaoung. Mqn hat ihm gesagt, es sei gleich, was er lernt und wieviel er absolvierch er müsse nur mit ganzem Herzen — NYV7 — lernen. Ja, schon der persKnssche Aufenthalt bei Lernenden ist löblich und lohnend. "i3V) (N2'7N. So ließe sich noch manches andere anführen zum Beweise, daß beim Thorastudium Kopf und Herz Zusammenarbeiten wie heim Gebete. Denken wir noch an die minn n373, an die Gebete vor und nqch dem Lernen, an das Lern-V^P, so ist wohl der Ausspruch gerechtfertigt: Wenn der Jude betet, so lernt er, und wenn er lernt, so betet er. Einmal erlebte das Judentum die eigentüniliche Erscheinung, daß man den Schwerpunkt zu Gunsten der rniiv und znm Nachteil der nun verschob. Es geschah durch das Auftreten des Chasidismus, dessen Anfänge sich auf mehr als 25Ö Jahre zurückverfolgen lassen und dem heute noch Taufende unserer Brüder in Rußland und Galizien huldigen. Als Hauptmotiv der Bewegung wird der Umstand erkannt, dqß man sich von der rein abstrahierenden B.erst andestätig' keit, besonders beim Talmudstudium, wenig angezogen fühlte. Daher suchte man die größere Befriedigung im Gebete, bei dem das Gefühl vorzuherrschen hat. Der Chasid steigert beim Gebete die Geftthlstätigkeit bis zur Ekstase. (M2^7N,1) Der Chasidismus nahm sogar, eine feindselige Stellung gegen den Talmud ein und setzte sich nicht.selten über halachische Grundsätze hinweg. Das rief viele Gegner, Misnagdim genannt, auf den Plan, darunter keinen geckngeren als den „Gaon von Wilna". Es galt, das rechte Verhältnis wieder herzustellen zwischen Thauro nnd Awaudo, zwischen „Lernen" und „Oren" im weitesten Sinne des Wortes. Auf die Dauer und ohne bedenkliche Konsequenzen kann man Beides nicht trennen. Die harmonische Verbindung der so innig verwandten Geistestättgkeiten wird uns im Talmud (Moed Koton 29«) warm ans Herz gelegt mit folgendem schönen Ausspruch: tmon rvo*? noarn n'2v arm br "ib n 7v« 7U'3V.-i las *?2pDi roir noasn w2^ tmon ri'2vi W Vnö 12V Sowttr; „R. Levi'pflegte zu sagen: Wer vom Lehrhaus aus in die Synagoge geht und von dieser ins Lehrhaus, der ist würdig *) Das war schon zur talmudischen Zeit so. mq-| gestattet Lehrern und Schülern die „andrrweittge Benützung" des V77QN rP2, da es *o"n das "pyi nennt- Raschi hiezu: 727 blb KID Okl^V >dS - Ein anderer rühmt sich, weder „scsten noch leichten Schlaf" dort gehalten zu haben. Demnach kam dies öfters vor. des Anblickes der himmlischen Majestät; henn ft ist's gesagt: Sie schreiten von Kraft zu 5kraft, sind ansichtig des Gottes von Zion." Möchte man auch für unsere Zeit daraus die Nutzanwendung ziehen! Es würde vieles anders sein in Schule, Gemeinde und Hans. vle ÄomSge Lrich WWMU. Bon Dr. I. Wohlgemuth in Berlin. (Fortsetzung). Der Entwicklungsgedanke ist so wenig mit der Bibel in Widerspruch, daß wir vielmehr sagen könnten: er wird von der Schilderung der Bibel gefordert. Verweilen wir ein wenig bei diesem Gedanken!') „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde", so beginnt die Bibel und erklärt damit nachdrücklichst die Allmacht Gottes, seine Gewalt über die Materie. Er spricht und es wird, d. h. Sein Wille oder Sein Gedanke ruft widerstandslos alles ins Dasein. Warum, so fragen wir nun, das Sechstagewerk? Warum trat nicht hurch ein einziges Schöpfungswort die Gesamtheit aller Wesen, die Welt auf der letzten durch die Schöpfung erreichten Stufe mit einem Schlage ins Dasein? Weil eben nach der Bibel zwar Gott allmächtig ist, Er aber doch, in Selbstbeschränkung, der Materie eine relative Selbständigkeit verliehen hat.-» Eine relative Selbständigkeit, denn Gott bleibt absoluter Herr der Matecke, Er erhält, Er trägt die Welt. Dennoch kann man sagen: Gott hat nicht so sehr — nachdem er die Materie ins Leben rief — die einzelnen Stufen der Welt geschaffen, sondern auf Sein Geheiß hat die Matecke sich in sechs Tagewerken entwickelt. Ohne das „Werde" Gattes freilich könnte die Natur sich nicht zu einer höheren Stufe erheben, aber auch Gott schafft bei jeder Stufe i) Man vgl. zum folgenden: Theodor Zollmann „Bibel und Natur in der.Harmonie ihrer Offenbarungen" 3. Auflage. 1872. Das Buch ist zwar veraltet, da es gegen längst gestürzte Götzen des Materialismus wie Büchner und Bogt ankümpst, enthält aber doch noch heute brauchbare Ideen. Ersteht freilich auf dem Standpmckt der „idealen" Auffassung des Gchöpfungsllertchtes, nach dem eS sich in der Bibel nicht um eine Schilderung realer Ereign ffe handelt, sondern um eine Darstellung von sechs göttlichen Gedanken als sechs Hauptmomente derSchöpfung, ohne daß diese Gedanken gerade in aufeinanderfolgenden Perioden sich verwiri lichten. Eine Auffassung, der wir uns nach dem früher Bemerkten ebensowenig anschließen können, wie der rein religionsgeschichllichen der modernen liberalen Btbelexegeten. *) Einen ähnlichen Gedanken spricht bet schöne Midrasch aus, den auch Raschi zu Gen. 1,26 bringt: 27« 7TO2 12 i«3p ino^ rp"pn btt? imamafl.. Das gab ich aber nicht zu und meinte sie hielten schon noch oiS unten im Ort. Dort hätte man schon mehr als einen abgeriffenen Touristen gesehen. Aber ich setzte mich, nachdem meine Menschwerdung fich vollzogen hatte, mit dem biederen Ehepaare ein Stündchen auf die Holzbank vor ihrem Häuschen und ließ mir von ihnen erzählen. E S war nicht nur die herzliche Gastlichkeit und t ie selbstlose Hilfsbereitschaft, die Mich zu Len Leuten zog, fie hatten auch sonst in ihrem Reden und Sckweigen, ihrem Tun und Lasten etwas, was mich überaus sympathisch armutete, ohne daß ich mir darüber Rechenschaft gtben konnte. Als unsere Unterhaltung einen Augenblick stockte, sagte plötzlich die Frau zu mir: ),Wissen Sie vielleicht wann wir den zwölften Elul haben? Es ist der Jahrzeittag um meine Mütttr, gesegnet sei ihr Andenken." Ich blickte die Fraxerin erstaunt an. Weder ihr noch ihrem Mann hatte ich angemerkt, daß fie Juden waren; in Tirol findet man fie sonst nur sehr spärlich, abcr ein jüdisches Bahnwärterpaar, das fich nach dem 12. Elul erkundigt, das war mir was neues. „Woher wtffen Sie denn, daß ich Jude bin?" fragte ich meine Wirte. »Sie könne ns nicht wohl verleugnen," erwiderte lächelnd der Bahnwärter. „Aller Haß Sie ein Jude find, der vielleicht ein Luach (jüdischer Aalenter) in der Tasche oder Lar im Kopf hat, haben wir deshalb vermutet, wen wir Ihre ZiziS sahen, als Sie vorhin. Toilette machten." Unwillkürlich rücktrn wir näher zusammen und run ging das Erzählen erst recht los, besonders als ich ihnen nicht nur mit dem gewünschten Datum dienen konnte, sondern ihnen auch noch noch einen Luach verehrte. Ich erfuhr nun, daß der Erzähler Jakob Weber und seine Frau Lea hieß : fie war eine geborene Trattrer) Wde stammten a«S streng rellglöseNFamiUen und waren tn UMrn geboren und erzogen. Wie fie sich gesunden, fich verheiratet und dann den Entschluß faßten in dieser Wildniß abgeschieden von jedem Berkehr mit Glaubensgenossen ivl leben, das verdiente eine Darstellung für sich, die ich aber heute nicht geben will. Seit zweiundzwanzig Jahren waren fie verheiratet) zweiundzwanzig Jahren hatte Weber in Folge seiner amen Führung beim Militär eine Steve bet der Eisenbahn erhalten. Zuerst lebten fie in einer kleinen jüdischen Gemeinde. Aber seit zwölf Jahren sind sie in diese n eliferne Waldgegend versetzt. Roschhaschono und Jom Kippur fahren fie gewöhnlich in die nächste jüdische Gemeinde, noch Hohenems. Bon dort beziehen sie während der W.nterzeit auch hier und da Fleischspeisen. Aber len ganzen Son mer, ja den größten Teil des Jahres muffen fie auf jede Fleischkost verzichten, ohne dcß es ihnen trgendtvte schwer fiele, wie fie mir wiederholt versicherten. Sie zeigten mir ihre Bibliothek, Chumoschim, D achsorim, Zeeno Urenno und Mnauras Hamoaur, auf meine Frage, wie fie in der Abgeschiedenheit von allen Menschen oie Zeit verbringen. „Das ist unsere Unterhaltung in den langen Winterabenden. Im Sommer geht « eine Frau fast täglich in die Stadt um Bedarf einzukaufen. Mich nötigt der Bahndienst täglich die Bahnstrecke in der Länge von zwei Stünden zweimal zu gehen) das sind acht Stunden jeden Tag) also sehlis mir euch nicht an Bewegung. Soweit wären wir ganz zufrieden." Dortsetzung folgt). (Das Hubttöizm des British Museum.) Das BxitM Museum tn London feiert demnächst das 50jährige JBiÜmm der Eiöffnung seiner Siudttrrüyme. Diese Gelegenheit benutzt die Jewish Chronicle zu einem Rückb.ick auf die Entwicklung der hebräisthen BWUychxk des WuseümS. 8ÜS das Museum im ZWre 17SS dkin Publikum zum ersten Male zugänglich geryacht wurde, Wand sich nur ein HebrSWeS Pych in der Sammlung, das war die Ebitto ptincepS des Talmud, die zu der von König Gregor II. dem Museum geschenkten KönialtchrU Bibl'othek gehörte. Dennoch genügte damals vielleicht Jte* Bestand an hebräischer L ter tur, denn die Zahl der Benutzer des Must ums überstieg nicht die Zahl fünf im Monat. Aber das Institut erwarb bald zahlreiche Manuskripte, die C loane-'und die Harleh-Sammlung, die mit ihren mehr als hundert Bänden den Kern her Bibliothek bildeten. Die erste Erwerbung gedruckter hebräischer Bücher datiert aus dem Jahre 1759; damals schenkte nämlich ein jüdischer Kausnrann, Salomon da Costa, der aus Holland cingewanöert war, dem Museum 180 Bände, worunter sich einige wertvolle Werke der rabbinischen Literatur befanden. Im Laufe der nächsten £9 Jahre wuchs die Zahl der hebräischen Bücher auf etwa 600 an. Im Jahre 1848 kamen durch Ankauf 4420 Bände aus der berühmten Sammlung H.J. Michaels von Hamburg dazu. 1867 erreichte die Zahl der hebräischen Bücher die Zahl 10.000. Auch die Manuskriptensamm lung war inzwischen l edeutenb gl wachsen. Sie war durch Uebe,Weisungen aus der Allen Königlichm Bibliothek, die Sammln g von Joseph Mmanzi, die Landsdowne , Egerton-, die Rich und Rezzi-Sammlung bereichert wordrn. Zwischen 187? und.1883 wurde emem gewissen M. W. Schavira eine beträchtliche Zahl von Manuskripten abgekaust, wovon mehrere aus Atmen stammten. Im Jahre 1883 bot dieser dem Museum fiir die bescheidene Summe von 1 Million Pfund mehrere Lebcrbände an, die in alteriüo.l chen hebräischen Charakteren, Bariattonen der Reden Moses in Deuteropomiunl enthielten und angeblich in einex moabitkschen Höhte ge sunden worden waren. Es stellte fich aller fchlletzllch heraus, daß man eS mit Fälschungen zu ttm hatte. Schapira, ein getaufter Jude, beging in Rolterdam Sttbst «und. Die letze große Acquifitton an Manustttpten war die auS ller Genizah in Catro. Wi- ,