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Der Israelit · 1907-05-16 · Heft 20 (16.5.1907) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 20 (16.5.1907)
Date
1907-05-16
Page
– (sequence 18)
Language
German
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I& Ar. 20 16 Müt Ek': & meinde buchte. Nicht nur Antwerpen hat ihm unendlich viel zu verdanken, sondern hauptsächlich Palästina ist es, wo er in segensreichster Weise wirkte, und das er, von heißer Liebe zur jüdischen Heimat durchglüht, so oft besucht hat. An ihm Wnnten sie sich alle ein Borbild echten Judentums nehmen. Wenn die Diamanthändler und -Fabrikanten fast alle Juden sind, sind es die Diamantarbeiter nur zum kleineren Teil. Unter Diamantarbeitern muß man sich aber Leute vorstellen, die finanziell beffer gestellt sind, als viele, vielleicht die meisten Prokuristen, Disponenten u. s. w. in hiesigen kaufmännischen Betrieben und auch besser als manche Kaufleute in Deutschland. Vorzugsweise gilt das von den sogen. Cleaver, die die schwierigste Kunst betreiben, den Diamant kunstgerecht zu zerteilen, und die in der Mehrzahl Juden sind. Fast alle diese Arbeiter gehören zu dem großen „Bund", einer unabhängig von politischen Parteien gebildeten Bereinigung mit lediglich wirtschaftlichen Zwecken. Eine solche Vereinigung, natürlich in kleinerem Maßstabe, täte auch den hiesigen kaufmännischen Angestellten iu den am Schabbos geschloffenen Geschäften sehr not. Man spricht in diesen Kreisen lebhaft von den Bestrebungen des Verbandes der Sabbathfreunde, von dem man in letzter Zeit viel Rühmenswertes gehört. Man hat Mch Hem Gedanken, eine MistSgruppe des Verbandes der Sabbathfreunde zu'gründen feste Form zu geben versucht. Hoffentlich verwirklicht .sich dieser Gedanke in nächster Zeit. Dieser Tage hatte ich Gelegenheit am Hafen einige jüdische Arbeiter zu sprechen, die mir erzfihtten, daß ungefähr einige zwanzig von ihnen dm Sabbath nicht aMeiten. Sie sind vor langen Jichren hierherauS gewandert und haben, da sie sHließlich nichts, besseres fanden, als Dockarbeiter Stellung gefunden. Die Leute arbeiten schwer, aber wie sie mir sagen, sind sie trotzdem zufrieden mit ihrem Berufe, stehen mit ihren christlichen Kollegen in bestem Einvernehmen, und vor allem, sie haben es durchgesetzt, daß sie ihren Sabbath halten können. An ihnen dürften sich die Diamanthändler und -Arbeiter ein Beispiel nehmen. Uermiscbtes. Vresl««, 12. Mai. Das Drama „Wahn" von gab Scheret, einem Königsberger Redakteur, das Direktor;el für sein Breslauer Sommergastfpiel erworben e, ist vom Kgl. Polizeipräsidium aus „Grünoen öffentlicher Ordmrytz" verboten worden. Das Drama behandelt in ernster Weise die Frage des Ritualmordes und zeigt, anklin^end an wirkliche Geschehnisse, wie eine neutrale Bevölkerung durch antisemitische Agitatoren in dm Wahn des BluWirchens Hineingetrieben wird. Die „Kvnigsberger Hartungsche Zeitung" spricht fich in einem Leitartikel zu diesem Verbot folgendermaßen auS: „Das Drama behandelt den Rituaunord in Anknüpfung an bekannte, nunmehr schon einige Jahre zurückliegende Vorgänge. Mt voller Abficht hat der Verfasser in einem Sorfpiel die Schuldfrage entschieden, indem er einen Tierarzt die Mordtat in begreiflichem Affekt als Retter seiner Ehre begehen läßt. Dmn das Drama sollte kein Kriminal- und SensattonSstück werben. Wir sehm in den folgenden vier Aktm, wie geschürt durch ein skrupelloses armsemitisches Demagogentum, das seine Motive aus den niedrigsten Geschäftsinteressen schöpft, eine ruhige, friedliebende Bevölkerung unter Benutzung dieser Mordtat in die Suggestion des Ritualmordeö hineingetrieben wird, und wir sehm, wie dem blutigen Wahn der Frieden und dos Leben Unschuldiger zum Opfer fallen. Es ist ein tragisches, den Menschenfreund tief ergreifmdes Bild, daS wir schauen, BorAnge, die mit künstlerischen Mitteln in kraftvoll packender Handlung dem Verstände und dem Hemm nahe gebracht werden. Eine schneidende Sprache spricht aus dem Dracha, gerichtet gegen jme BolkSverführer, die an dem Feuer, das fie mit der Brandfackel des RaffmhasseS entzünden, ihr fettes Parteisüppchen kochm. Ihr trauriges Gewerbe wird allerdings schonungslos gebrandmarkt, dm bravm Männern von der „Bürgerzeitung", die die antisemittsche Nebenuntersuchnng führm, wird die Maske ohne Erbarmm vom Gesicht gezerrt. Aber find das etwa Gründe, die es verbieten, ein solches Drama zur Aufführung zu bringen? Steht die Breslauer Zmfur etwa nicht auf dem Boden, daß das Blutmarchm ein Bervrechm an dem gesunden Sinne und an der milwr der Mannschheit ist? Hält die Breslauer Zensur es nicht mit uns für erwünscht, daß auch einmal durch die Unmittelbarkeit der Anschauung, wie fie ein ernstes Drama gewährt, gegen diesm Rückstand aus dem Mittelatter besonders wirksam ongekämpft wird?".. Berlin, 13. Mai. Eine hochherzige Zuwendung ist dem Hilfsverein der Deutfchm Juden aus dem Nachlaß «teil geworden - seine Vereins 10.000 Mark des Herrn Julius B l e i ch r ö d e r Erben haben für die Zwecke des zur Verfügung gestellt. Pose«, 13. Mai. Die verwitwete Frau Rittergutsbefitzer Rohr- Lanzguhle hat zum Zwecke der Errichtung eines den neuzeitlichen Anforderungen entsprechenden jüdischen Krankenhauses in B 0 jan 0 w 0 ein namhaftes Kapttal unter der Bedingung gestiftet, daß mit dem Bau desselben im Jahre 1907 begonnen wird. Das hiesige jüdische Krankenhaus und Siechmhaus ist ebenfalls eine Stiftung der Familie Rohr. Die Baukosten find ausschließlich des Baugrunds auf 43 000 Mark veranschlagt. Es sind 6 Krankenzimmer mit 24 Betten für den Neubau vorgesehen. Jerusalem, 27. April. Eine Wollwäscherei wurde von einer Lodzer Firma, Richard Zemach & Co., in Palästina eröffnet. Sie hat für diesen Zweck in Rischon-Le-Zion ein Gebäude gemietet und bestellte in der Fabrik von Stein in Jaffa die notwendigen Maschinen. llereinslvrren. Frankfurt a. M., 11. Mai. Am 9. d. M. fand hier unter zahlreicher Beteiligung der Mitglieder die Generalversammlung der „Iüd. Lit. Gesellschaft statt.' Der Vorsitzende, Herr Direktor Dr. Gerson Lange, eröffnete die Versammlung mit der Mitteilung, daß Herr Rabb. Dr. Bamberger-Hanau, der den vor Eintritt in die Tagesordnung zu haltenden wiffenschaftlichen Vortrag übernommen hatte, durch einaetretene Trauer am Erscheinen verhindert seider Bortrag, der das Thema „Pharisäer und Sadducäer in ihren Beziehungen zu Alexander Jannai und Salome" behandelt, werde aber mit dem Rechenschaftsberichte den Mitgliedern gedruckt zugehen. Für Herrn Di?. Bamberger sprang Herr Rabb. Dr. Bon bi -Mainz ein. Herr Dr. Bondi erörterte in seinen einstündigen Ausführungen über „Simon den Gerechten", auf Grund der Halevy'schen Forschung mit ausgezeichneter Sachkenntnis die einschlägige Literatur und wies nach, daß erst Halevy Klarheit über die Person und die Zeit dieses großen Mannes geschaffen hat. Es würde den Rahmen eines Berichtes übersteigen, wenn wir auch nur auszugsweise den Gedankengang d?s gehaltvollen Bortrages, wiedergeben würden, wir hoffen aber, daß der Redner fich entschließen wird, ihn dem Drucke zu übergebm und auf diese Weise weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Nach dem mit Beifall aufgenommenen Bortrag erstattete der Vorfitzende den Rechenschaftsbericht, dem wir folgendes entnehmen. Die „Jüd. Lil. Gesellschaft" erfreut sich eines stetigen Wachstums ihrer Mitglieberzahl, in mehreren größeren Städten Deutschlands sind Lokalkomite s in der Bildung begriffen. Auf Anregung des Vorstandes des »Bundes gesetzestreuer Lehrer" beschloß der Vorstand den Beitrag für. die Mitglieder des Bundes auf 5 Mk. zu ermäßigen; daraufhin find biete Lehrer beigetreten. Die Veröffentlichungen der Gesellschaft fanden den Beifall der wiffenschaftlichen Welt, und sogar die grundsätzlichen Gegner sprechen mit Achtung von ihnen, mehrere größere auf Kosten des Vereins herauszugebende Arbeiten werden bald erscheinen. Der Kassier, Herr Jos. Rothschild, erstattete hierauf den Kassenbericht, wonach 1800 Mk. Ueberschuß bleiben, jedoch sind die Kosten für das bereits erschienene vierte Jahrbuch dabei noch nicht berücksichtigt. Nachdem der Verwaltung Decharge erteilt worden war, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Leipzig, 13. Mai. Zur Pflege jüdischen WiffenS wurde hier ein Verein „MekorChajim" gegründet. terr Rabb. Dr. Carlebach trägt zweimal wöchentlich humesch mit Raschi, Dinim nach Chaje-Odom und Pirke-Owaus mtt Bartinora vor. Der junge Verein zählt bereits ca. 30 Mitglieder, die durch eifrigen Besuch der Schiurim beredtes Zeugnis dafür ablegen, daß auch in Leipzigs jüdischer Jugend für Thorasiudium reges Interesse herrscht. Das Bereinslokal befindet sich Keilsttaße 4. Erster Vorsitzender ist Herr G. Nathansen, Neumarkt. 3. Personalien. Frankfurt a. M., 10. Mai. Fräulein Lina Gottlieb, Lehrerin an der höheren Töchterschule der Israelitischen Religionsgesellschaft, die durch ihr unerschrockenes und besonnenes Eingreifen ein dreijähriges Mädchen vor dem Ueberfahrenwerden durch einen elektrischen Straßenbahnwagen gerettet hat, ist durch die Verleihung der Rettungsmedaile ausgezeichnet worden. Frankfurt a. M., 15 Mai. Frau Zerline Klein geb. Bamberger, Gattin des Herrn Jules Klein in Bischheim i. Elf., ist vergangene Woche dabingegangen. Es war kein kleiner Kreis, den diese Kunde tief im Innersten erschütterte. Denn weit über das Weichbild des Ortes hinaus ist das Haus bekannt, wo die Verblichene etwa 8 Jahren ihres hohen Berufes als jüdische Hausfrau waltete, toten ’nö mtoy □nb'l nnm war allezeit ihre Devise, ihr Haus war ihre Welt. So bewährte fie fich als echte Tochter des Stammes vfo, dessen hoher Beruf einst die Pflege des Heiligtums gewesen, ihr HauS war ihr zum Heiligtum, zu einem p&D geworden, wo sie in aller Zurückgezogenheit als Priesterin waltete, getreu dem hehren Borbtlde, daS fie in ihrem Elternhause genossen. Es war ein imposanter Zug, der den irdischen Resten der Berstorbmen die letzte Ehre erwies. Bon wetther waren die Freunde und Verwandten herbeigeeilt, um ihr dm Tribut der Liebe und Verehrung zu zollm, dessen fie sich im Leben so würdig erwiesen. Im Trauerhause entwar Herr Rabbiner Dr. Wolf, Bifchheim in warmen Worten ein Lebensbild der Verstorbenen und auf dem verlieh der älteste Bruder, Herr Rabb. Dr. Bamberger, Hanau in ergreifender Weise den schmerzlichen Empfindoungen Ausdruck, die das Herz aller Betelligten ourchzitterten. . rfSJttn Frerburg, 5. Mai. Am Lag beomer ist hier Frau Rosa Dreyfuß, geb. Hirfchberger, im Alter von erst 35 Jahren von hinnen gerufen wordm. Ihr menschenfreundliche Gesinnung, ihre Wohttätigkeit erwarb ihr die Wertschätzung aller, die fie kanntm. Das bewies auch die starke Beteiligung, die man bei ihrem Leichenbegängnis wahrnehmen konnte. n"2Sn- Rheiubischofsheim. 10. Mai. Am 2. Juni d. I. werden es 25 Jahre, daß Herr D. Levi als Lehrer und Kantor in unserer Gemeinde tätig ist. Durch seine pädagogischen Leistungen und durch seine trefflichen Eigenschaften hat er fich die Liebe und Achtung der ganzen Gemeinde und aller, die ihn kennm, in hohem Grade erworben. Man beabsichtigt, das 25jährige Ortsjubiläum des verdientm Mannes in der Gemeinde festlich zu begehen. Czernowip. Im Sanatorium Fürth in Wien ist vor kurzem der Bürgermeister von Czernowitz, Dr. Eduard Reiß, gestorben. inderecke. Reichtum ift noch nicht mies. Eine wahre Geschichte. Bor fünf Jahren hatte ich an einem Samstag einen würdigen Aurach, einen „Gast." So nennt die jüdische Liebe die Armen ihres Volkes. Als er gesättigt das Tischgebet verrichtet hatte, erkundigte ich mich über seine Heimat und Familienverhältniffe. Wehmütigen Herzens erzählte er mir nun seine Lebensgeschichte. Ich erzähle sie euch, meine Kinder, nach, damit ihr erkennet, daß ihr euere Eltern nur dann wahrhaft ehret, wenn ihr einst — selbst im höchsten Glücke — in ihrem frommen Geiste weiter lebet, dem jüdischen Namen Ehre machet. In einem kleinen Orte des Bereger Comitates lebte mein Gast mit seiner Frau und ihrem einzigen Sohne David. Ein Kleinhandel ernährte notdürftig die Familie. Der kleine Knabe zeigte früh ausgezeichnete Fähigkeiten. Die Eltern erkannten es als ihre heilige Pflicht, unter Aufbietung ihrer sämtlichen Kräfte und äußerster Beschränkung ihrer ohnehin schon geringen Bedürfnisse, das Talent ihres Sohnes auszubilden zu lassen und schickten ihn nach Absolvierung der Elementarschule in das Gymnasium der nächsten Comitatsstadt. Als der erste seiner Klaffe verließ der Jüngling mit seinem Maturitätszeugnis diese Anstalt. In Wien hatte er einen Onkel, der ihn nach Kräften zu unterstützen versprach, und so besuchte er dort die Universität, um sich dem ärztlichen Berufe zu widmen. Sein eiserner Fleiß und seine Strebsamkeit machten die Professoren auf ihn aufmerksam und nach beendetem Examen erhielt er eine Anstellung an einer Klinik. Sein Spezialfach war die Augenheilkunde. Eines Tages ließ sich dort ein reicher, halb erblindeter Jude aus Amerika aufnehmen, der in Wien Heilung suchte. Seine Hoffnung täuschte , ihn nicht! Der junge Arzt Dr. David B. ... gab sich große Mühe mit dem Unglücklichen, verblieb immer länger bei ihm und sie wurden gute Freunde. Nach Verlauf von drei Monaten konnte jener ganz geheilt seine Heimreise antreten. Er lud aber den jungen Arzt zu dem Freudenmahle ein, das er aus Anlaß feiner Rettung zn veranstalten gesonnen wardieser leistete der Einladung Folge. . Die Gattin und die einzige Tochter erwarteten mit Sehnsucht den Wiederveglückten. Thränenden Auges umarmten sie ihn, und als er ihnen

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