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Der Israelit · 1907-05-16 · Heft 20 (16.5.1907) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 20 (16.5.1907)
Date
1907-05-16
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Konservativen als ihr Nachtasyl und auch die offizielle Vertretung der Reformgemeinde sorgte dafür, daß dieses Gotteshaus cor&m publico, in den Adreßbüchern und Kalendarien, als orthodoxe Stiftung figuriere. Bei Licht betrachtet war das aber eitel Spiegelfechterei getrieben. Die Rabbiner der Orgelsynagoge haben von Zeit zu Zeit auch in der Rombachschul zu predigen und es ist sogar schon vorgekommen, daß einer dieser Reform Melden gerade diese dem konservativen Kultus geweihte Stätte dazu mißbrauchte um das Alte zu kritisieret! und für das. Neue zu eifern. Indessen werden einzelne Rabbinerstellen mit der ausgesprochenen Absicht besetzt, daß die Gewählten hauptsächlich in der Rombachsynagoge zu fungieren haben. Da ist es denn ganz natürlich, daß man, wenn auch nur pro forma, von konservativen Kandidaten spricht. Daß aber der zu wählende Rabbiner nur demScheine nach konservativ sein darf, beweist schon der Umstand, daß es jedem Aspiranten mx Pflicht gemacht wird, sich den Weisungen des Vorstandes zu fügen und nötigenfalls auch in der Orgelsynagoge rituelle Funktionen auszuüben. Vor einigen Jahren wurde der als bedeutender Talmudist bekannte Rabbiner M. Feldmann unter dem Titel Rabbinats-Assessor für die Rombachschul gewählt. Aber auch er mußte sich dazu. verstehen, mit den Orgelrabbinern in einem Beth-Din die wichtigsten Rabbinatsagenden zu vollziehen. Nun soll für diese Synagoge wieder ein Rabbiner bestellt werden. Es ist selbstverständlich, daß die konservativen Balebatim darüber wachen, daß nur ein wirklicher Konservativer zur Wahl zugelasien werde. Aber wie ist's mit dem Erfolg? Die Gemeinde-Repräsentanz berief ursprünglich vier Rabbiner zu Probepredigten, von denen zwei ihre Studien am Budapefter Rabbinerseminar absolviert haben und in Orgelsynagogen mit gemischtem Chor ihre rabbinische Tätigkeit entfalten. Einer dieser Herren ist vor Abhaltung der Probepredigt zurückgetreten. Der zweite, Dr. Steinherz in Stuhlweißen bürg, der auch auf Jeschibahstudien Hinweisen konnte, hat freimütig erklärt, daß er in Zukunft den streng konservativen, als den allein berechtigten Standpunkt, vertreten wolle. Rabbiner Feigl aus Gyöngyös, ein Schüler der Preßburger Rabbinerschule, ist nach Abhaltung der Probepredigt von der Kandidatur zurückgetreten mit der Motivierung, daß er in der Orgelsynagoge nicht amtieren will. In Wirklichkeit aber waren diese drei Kandidaten blos Strohmänner, da die Machthaber der Gemeinde von Anbeginn für den Oberrabbiner von Altofen, Dr. Elias Adler, einzutreten entschlossen waren. In Dr. Adler glaubten die leitenden Männer der Reformgemeinde die Qualitäten zu finden, die für die Stelle eines konservativen Rabbiners nach ihrem Geschmack prädestinieren. Dr. Adler hat seine Ausbildung nicht einem Rabbinerseminar zu verdanken. Er ist Rabbiner einer Kongreßgemeinde, deren Synagoge keine Orgel hat. Er hat an den Arbeit» des neologen Distriktes regen Anteil genommen und niemals durch konservative Velleitäten die Zirkel der Kongreßler gestört. Er ist ein vorzüglicher ungarischer und deutscher Kanzelredner und eifriger Mitarbeiter des neologen Wochenblattes. Er ist Doktor der Philosophie, Inhaber einer Preßburger Rabbiner- Autorisation. und galt seit Jahren als der präsumtive Seelsorger für die Rombachsyuagoge. In einer neulich stattgehabten Versammlung der Gemeinderepräsentanz wurde denn auch Dr. Adler als der alleinige Kandidat für diese Stelle nominiert. Nun hat aber diese Kandidatur viel» Staub aufgewirbelt. Hervorragende Gemeindemitglieder, darunter viele Advokaten, Aerzte und auch ein als konservativer Jude bekannter Universitätsdozent, verlangten beim Gemein devorstande den Aufschub der Wahl und die Zulassung anderer Rabbiner zur Kandidatur. Es wird nämlich bezweifelt, daß Dr. Adler, der sich übrigens ohne weiteres bereit erklärte, auch in der Orgelfynaaoge zu funktionieren, eine „glänzende hebräische Hatarah" — wie sich das Neologenblat ausdrückt — vom verewigten Preßburger Oberrabbiner besitze. Er soll nur einungarisches Rabbinatszeugnis bekommen haben, welches nachher ins Hebräische übersetzt wurde. In öffentlicher Repräsentantensitzuug verlangten mehrere Mitglieder die Vorlegung dieser Hauptqualifikation, jedoch ohne Erfolg, da die Befähigungszeugniffe aus der Gemeinoekanzlei verschwunden sind. Dieser Tage hat auch eine große Protestverfammlung stattgefunden, in welcher mehrere Redner den Qualifikationsnachweis Dr. Adlers einer scharfen 5kritik unterzogen. Es wurde auch darauf hingewiesen, daß die Gemeinde bei allen ihren bisherigen Rabbinervakanzen seit 40 Jahren immer schlecht gewählt habe, welchem Umstande das Sinken des religiös-moralischen Niveaus der Budapefter Judenschaft und die Ueberhandnahme der Judentaufen in ihrer Mitte zuzuschreiben seien. Auch der Kandidat Dr. Steinherz hat sich durch ein an den Gemeindevorstand gerichtetes „Offenes Schreiben" in unliebsamer Weise bemerkbar gemacht. Darin sagt er unter anderem: „Mit Rücksicht darauf, daß erstens jene schmutzigen Wellen, welche zur Empörung jedes Menschen von befferem Geschmack den in der Rombachsynagoge zu besetzenden Rabbinatsftuhl von Anfang an umspülten, auch bisher ihre verderbliche Gewalt nicht eingebüßt Haben,,' zweitens mit Rücksicht darauf, daß ich nicht zu hoffen habe, daß der Vorstand in Sachen des Bildungsgrades der übrigen Kandidaten das Gutachten von Sachverständigen einholen wird, bin ich nicht geneigt mich einer Wahl zu unterziehen, die jedes zu fordernden Ernstes entbehren wird. Der unbeschränkt herrschenden Partei rufe ich zu: Da ja doch die Werkzeuge der Gewalt ihre Waffen sind, möge meine Person nicht in ihrem Rate weilen und es bleibe ferne ihrer Versammlung meine Ehre." Den friedliebenden Rombach-Orthodoxen dient es zur Genugtuung, daß ein Reformrabbiner und Zögling des Budapester Rabbinerseminars es gewesen, der die Kühnheit hatte, eine solche Strafpredigt an den verehr! ichen Kultusvorstand zu richten. An der Sache selbst wird auch dieser „Offene Brief" nichts ändern. Wenn dieser Aussatz in die Hand des Lesers kommt, wird Dr. Adler bereis der einstimmig gewählte und vielleicht auch installierte konservative Reformrabbiner der großen Budapefter Gemeinde sein. * * Die Affaire des Seminardirektors Joses B a n o c z i, dessen Tochter einen Meschumod geheiratet, wurde friedlich beigelegt. Die Schriftgelehrten haben festgestellt, daß es eine Vergrrung und Ungerechtigkeit wäre, Banoczi dieserihalb zu verurteilen Denn wer würde es z. B. wagen auf Don Isaak Abarbanel einen Stein zu werfen, weil sein Sohn Juda dem Väterglauben untreu wurde? Wer wird auch nur ein Wort erheben gegen Rabenu Gersom, dessen Sohn gewaltsamer Weise getauft wurde, der aber nachher trotz der erhaltenen Lizenz nicht wieder zum Väterglauben zurückkehrt. Im Falle Banoczi handelt es sich aber nicht einmal um eine Taufe. Margaretha Banoczi, nunmehr verehelichte Somlo wurde als Jüdin die Gattin des aus seinem Glauben ausgetretenen jüdischen Professors und sie wird auch dem jüdischen Glauben treu bleiben. Ich bitte nicht zu lachen. Es ist blutiger Ernst, was ich da schreibe. So raisoniert nämlich der patentierte Schriftgelehrte, Mordechai Hajehudi, in seinem Blatte „Eggenlöseg" und es unterliegt keinem Zweifel, daß diese jüdische Zeitung bloß als Sprachrohr der maßgebenden Faktoren deren fertige Entscheidung verkündet. In derselben Offenbarung wird auch berichtet, daß Herrn Banoczi die Demiffion von seinen jüdischen Bertrauensstellen eingereicht habe, diese aber nicht angenommen werde. Professor Banoczi bleibt Direktor des iüdischey Lehrerseminars, Curator des Rabbinerseminars und leitender Sekretär der jüdisch-literarischen Gesellschaft. Seine Tochter Margaretha bleibt trotz der eingegangenen Ehe mit dem Meschumod treu dem Väterglauben und ihr Gatte wird der aus seinem früheren Glauben geschiedene Professor B. Somlo sein. Punktum. Preßburg, 10. Mai. Nach längeren , arbeiten ist es endlich gelungen, den Kampf gegen die weitere Entweihung des Sabbaths auch bet uns durch Gründung eines Schomre-Schabbos- Bereines aufzunehmen. Es hat sich hier ein vorbereitendes Komitee gebildet, dem als Präfidentm die Herren: Moritz Frey, Abraham Herzel und Hermann Steiner angehören. Wie in dem soeben zur Versendung gelangenden Aufruf zum Beitritt ausgeführt wiro, sollen die gleichartigen deutschen Vereine als Muster dienen. Darnach bilden die Hauptpunkte des Programms : „Die Unterbringung der die Schule verlassenden Kinder und Vermittlung von Stellen für Handels- und Gewerbeangestellte in sabbathheiltgenden Häuser, sowie Versicherung gegen Stellenlosigkeit fü Mitglieder des Vereins/ die Kartellierung der einzelnen Geschästsbranchen zum Zweck der Beseitigung und Verhütung der Kon^ kurrenz am 'p rottf In weiterer Folge, sofern dies nämlich die Berhältnifle gestatten und die hoffentlich zahlreiche und rege Beteiligung von Mitgliedern an unserem Werke ermöglichen wird, ist geplant: die Gründung einer HilfS- und Borschußkaffe für die Mitglieder des ilvIV-Bereins; die Einführung von Hausindustrien -um Zwecke der Hebung der Erwerbsfähigkeit der Familien unserer BereinSmitglteder; und schließlich die Ergreifung aller Maßnahmen auf dem Gebiete der jeweiligen aktuellen Handels- und Wirtschaftspolittt, die geeignet find, die Opfer, welche die strikte AlrbeitSenthaltung am N2V uns Juden auferlegt, nach Möglichkeit zu erleichtern und zu verringern." - Ferner soll darauf hingewirkt werden, daß die Bestrebungen des Vereins durch Schule und Kanzel tatkräftige Unterstützung finden. Wenn auch der Verein zunächst nur lokalen Charakter tragen soll, so ist doch von vornherein in Aussicht genommen, auch die Tätigkeit nach auswärts zu verpflanzen. Es wäre recht sehr zu wünschen, daß gerade dieses Moment von vornherein noch mehr betont wird - denn lmf wichtigen Gebieten, wie Stellenvermittlung, Verscherung für Stellenlose u. s. f. find Erfolge doch nur bei genügender Ausdehnung des Arbeitsgebietes zu erzielen. In jedem Falle ift die Gründung als der Anfang einer Gegenwehr gegen die destruktiven Tendenzen der Sabbathentweihung mit herzlicher Freude zu begrüßen. Ketgterr. Nlitwerpener vriek. (Bon unserem Korrespondenten.) Antwerpen, den 7. Mai 1907. Ich habe Ihnen kürzlich mancherlei von der- Gemeinde „Machsike Hadaß" erzählt/ heute will ich von anderen Dingen plaudern, die Sie hoffentlich auch interessieren werden. Wie Sie wohl wissen, ist heute Antwerpen der Hauptplatz, der Welt für den Diamantenhandel sowohl, wie besonders für die Diamantverarbeitung, und es hat in dieser Hinsicht schon längst Amsterdam den Rang abgelaufen. Auf viele Millionen beziffern sich die Summen, die hier in dieser Branche jährlich umgesetzt werden. Sie werden mich fragen, warum ich Ihnen das erzähle. Nun, Sie wissen vielleicht nicht, daß dieser enorme Handel und die ausgedehnte Verarbeitung vollständig in Händen der Juden sind. Wenn man mittags hier durch die Pelikaanstraat geht, kann man pe zu Hunderten vor der Diamantbörse und dem Diamantklub stehen sehen. Reichsdeutsche find sehr wenige darunter, fast alle, sind einst als arme junge Leute von Rußland, Galizien und Ungarn hierher gepilgert und fast allen ist es gelungen, sich eine gesicherte Position zü schaffen. Uno wenn es ihnen dann gut ging, ließen sie ihre Verwandten und ihre Freunde Nachkommen. Leider aber, und das ist sehr zu bedauern, haben die meisten gar bald dem orthodoxen Judentum Valet gesagt, und nur wenige sind es noch, die fest und treu zu unserer heiligen Thora halten. Einen zählen sie unter sich, dessen Namen an dieser Stelle zu nennen, ich mir nicht versagen kann. Es ist dies „der alte Ratzersdorfer", wie man ihn hier nennt, Herr I. H. Ratzersdorfer. Die größte Synagoge der Gemeinde Machsike Hadaß ist ausschließlich sein Werk, das er bereits gescyaffen hatte, als noch kein Mensch an die Ge-

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