Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1907)
- Date
- 1907-05-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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AasVS^e f f un(f JLeten lllluslmrte Beilage zum0tlsraelif Ceopold Pilichowski. Leopold Pilichowski, der Schöpfer der hier wiedergegebenen Bilder, ist der Sohn eines jüdischen Landwirts aus der Umgegend des großen russisch-polnischen Industriezentrums Lodz. Schon abzugewinnen wissen. Wir haben aus beiden Genres je zwei Abbildungen ausgewählt. Eine tiefe Wirkung übt das Gemälde „Die Ermüdeten". Tausendmal sind wir diesen Gestalten im Leben begegnet. Ermattet von der langen Wanderung haben sich die beiden Männer auf der Treppe eines Hauses niedergelassen, ihn ein paar Augenblicke auszuruhen, das Haupt auf den Stab oder auf die Kniee gestützt. Die Gesichtszüge sind uns verborgen, aber wir wissen doch, was darin geschrieben steht. Nicht lange dauert die Ruhe, dann geht es weiter wie zuvor, und so wird fich's noch tausendmal wiederholen. Ein ähnliches Thema behandelt das Bild „Am Wege". Ein scheidet sich von vielen anderen Malern der Juden im Osten dadurch, daß er auch die Poesie ihres religiösen Lebens mit ungetrübter Frische aus sich wirren läßt. Wenn man seine ausgezeichnete Arbeit „Festesfreude" betrachtet, so merkt man, daß bei diesen Sujets der Künstler nicht minder wie bei denen aus dem Kapitel vom Judenschmerg mit dem eigenen Herzen beteiligt ist. Wir haben aus diejer Gruppe von Bildern, die zum Teil vorzüglich gelungen find, ein Stück reproduziert, das mit umro nnoe bezeichnet ist. Man muß sich in der Tat zu diesen die Weihe des 21V Ol' atmenden und von dem, was wir ruii2 nennen, ganz erfüllten Zügen die Melodie des umro nn*r, wie sie bei unsren Brüdern im Osten üblich ist, in die Vorstellung rufen, um den Stimmungsgehalt dieses Bildes ganz auszuschöpfen. Ein prächtiges Idyll stellt das Bild „Ein Sabbathvorabend" dar. In der Judengaffe mit ihren alten, dürftig aussehenden Häuschen herrscht reges Leben. Sabbathstiülmung liegt über dem ganzen Gäßchen. Die Last des Werktags ist von diesen Gestalten völlig hinweggenommen. Auch bei diesen sonst so schwer gedrückten Menschen zieht, wenn der große Zauberer Sabbath kommt, ein verjüngender Frohsinn ein. Die Ermüdete«. im frühesten Knabenalter kam er in diese Stadt, die mit ihrem.Arbeiter- und Judenelend auf sein späteres künstlerisches Schaffen von starkem ^Einfluß gewesen ist. Seine Jugend war nicht vom Glück begünstigt. In München und Paris, wo er seine Studienjahre verbrachte, hat er mit mancherlei Entbehrungen zu kämpfen gehabt. 1891 errang er kurz nach seinem Eintritt in die Pariser Akademie seinen ersten Erfolg; eine seiner Arbeiten wurde für den Salon auf den Champs de Mars angenommen. Einige Jahre später erregte sein Bild „Schließung des Luxemburger Gartens" die allgemeine Aufmerksamkeit so sehr, daß der Versailler Stadtrat es für seine Sammlungen zu kaufen suchte. 1895 kehrte Pilichowski in die russiche Heimat zurück, und nun entstehen seine Bilder aus dem jüdischen Leben, die uns vorwiegend das Elend, die Melancholie, die Resignation der Juden des Ostens vors Auge führen, zum Teil aber auch dem Leben dieser Gedrückten freundlichere Seiten alter Hausierer, der sich für einen Augenblick niedergesetzt hat. Den Kopf seitwärts angelehnt, hängt er seinen Gedanken nach. Es ist wohl nicht viel Erfreuliches, das da an seinem geistigen Auge vorüberzieht. Ein langes Leben " voll Mühe und Kamps. Doch das ist wohl des Juden Los. Es sind Anklagen, die Pilichowski in diesen Bildern malt, Anklagen, die nicht laut und stürmisch vorgetragen werden, die aber umso tiefer ergreifen und umso mächtiger wirken. Eine gewisse Ergebung in ihr Geschick Zeigen diese Gestalten, die sich selbst unbewußt ihr J'accuffe in die Welt rufen, sie scheinen ihr Leid als beinahe selbstverständlich hinzunehmen, ^ewiß, daß es zwar lange, aber nicht ewig dauern kann, bis die Rettung, die Erlösung nimmt. Pilichowski unter- 9m Wege. Beobachtung«! «.Betrachtungen auf einer Uleltreise. Bon Dr. M. A. Bestimmte Gründe, die der Leser in Verfolg meiner Schilderungen erraten wird, zwingen mich, nichts über die Ziele meiner Reise verlauten zu lassen. Ost schon hatte ich deshalb die Absicht, alle Notizen, die ich mir auf jener großen Reise gemacht, zu verbrennen, «mnte mich aber nie dazu entschließen es auch zu tun. Ich finde nämlich beim jedesmaligen Durchlesen meiner Auf-