Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1907)
- Date
- 1907-05-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Der Jsraeltt. W W Für den Ort des Kongreffes lagen Angebote aus der Schweiz, Deutschland und den Niederlanden vor. Da die eingeholten Auskünfte noch nicht vollständig Vorlagen, wurde die Feststellung des Kongreßortes dem engeren A.-K. überlassen. Als Zeit wurde die Mitte des August festgesetzt. Schließlich wurde der für die Kongreßwahlen festgesetzte Termin bis Anfang Juli verlängert, da die österreichischen, rumänischen und russischen Landsmannschaften Nachweisen, daß sie infolge der innerpolitischen Verhältnisse nicht irr der Lage seien, bereits im Mai zu wählen. Auch hatten sich gegen die ftühere Festsetzung des Termins statutarische Bedenken ergeben. Am Montag fanden Sitzungen der einzelnen zionistischen Institutionen statt. Am Nachmittag wurde die Tagesordnung des Kongresses festgesetzt und dre Finanzfrage und die Haltung der Zionisten in den innerpolitischen Angelegenheiten der einzelnen Länder, sowie das Verhältnis des A.-K. zu den Landesorganisationen besprochen. Am Dienstag begann das Aktionskomitee die Debatte über den Nationalfonds. Nach deren Erledigung fand zunächst die Genera l- Versammlung der Anglo- Palestine-Company statt. Dann folgte die Debatte über Palästina. Den Schluß bildete eine Diskussion über die Abänderung des Organisations- Dtatuts. Köln, 15. Mai. Der VIII. Zionistenkongreß findet vom Mittwoch den 14. bis Dienstag den 20. August d. I. im Haag in „Het Geoouw voor Kunst en Wetenschappen" statt. Düsseldorf, 7. Mai. Wie in anderen Städten, so haben sich auch hier vor einiger Zeit eine Anzahl von Männern zusanunengeschtossen mit dem festen Willen, mitten in einer Welt des Abfalles dem überlieferten Judentum wieder eine Stätte zu bereiten. Zur Förderung echt jüdischen Lebens und zur Schaffung von dem Religionsgesetz entsprechenden Institutionen gründeten sie' den Talmud-Thoraverein, um dessen Entstehung sich auch Herr Rabb. Dr. Carlebach in Cöln verdient gemacht hat. Nun hat der Kreis der Gesetzestreuen in hiesiger Stadt auch seinen eigenen Lehrer, ftn und VN1V erhalten, in der Person des auf dem Würzburger Seminar ausgebildeten Herrn E. Schloß. Dieses Ereignis bildet einen bedeutsamen Punkt in der Entwickelung der Gemeinschaft, und es entsprach der Wichtigkeit des Vorgangs, wenn der Verein den Tag der Einführung seines Lehrers (den vergangenen Sonntag) zu einem wahren Festtag gestaltete. Im großen Saale des „Römischen Kaiser" hatten sich die Teilnehmer versammelt. Herr M. Frank, der Bereinsvorsitzende, hielt die Begrüßungsansprache. Er hieß vor allem Herrn Schloß in seinem neuen Wirkungskreise willkommen und sprach dann Herrn Rabb. Dr. Wolf-Cöln für seine trefflichen Anregungen den Dank der Düffeldorfer Gesetzestreuen aus, desgleichen dem Vorstand desBereins sürdie religiösen Interessen des Rheinlandes, dessen Vorsitzender Herr M. L.M u n k Cöln, ebenfalls erschienen war, für die gewährte Subventton. Hierauf hielt Herr Dr. Wolf die Festrede, in der er namens des Rheinlalld - Vereins und namens der „Freien Vereinigung" in Frankfurt a. M. die Düsseldorfer Gesinnungsgenoffen dazu beglückwünschte, daß es ihnen gelungen sei, in dem harten Düsseldorfer Boden ein Saatkorn für die heilige Sache des Judentums aufkeimen zu lassen. Hier bewahrheite sich das Wort nW mnn minn; die Thora kehrt immer wieder in ihrer alten Zufluchtstätte ein. Düsseldorf ist einst eine r6np mit intensivem jüdischem Leben gewesensein Vater V'ST habe hier noch den Grundstein zu seiner jüdischen Ausbildung gelegt. Es sei darum erfreulich, wenn jetzt Männer sich vereinigt haben, den alten Boden wiederzugewinnen. Nach der geistvollen Rede des Herrn Dr. Wolf ergriff der Herr Bereinslehrer das Wort, um darzulegen, wie er das ihm übertragene Amt auffasse. Es sei vornehmlich seine Aufgabe, die Jugend mit der Thora vertraut zu machen, und er erbitte dazu die Mitwirkung d-8 elterlichen Hauses. Aber auch im Kreise der Erwachsenen werde er nichts versäumen, um den hohen Zwecken des Talmud-Thora-Vereins gerecht zu werden. Beim Festmahl, das nun seinen Anfang nahm, sprach Herr Munk-Köln im Namen des von ihm vertretenen Vereins den Düsseldorfern warme Anerkennung für die jetzt schon erzielten Resultate aus. Herr R. Cohn- Berlin brachte seine herzlichsten Wünsche für das weitere Gedeihen des Talmud-Thora-Vereins zum Ausdruck. Auch die Jugend kam mehrfach zum Wort, ernste Vorträge wechselten mit humoristischen Darbietungen. Es entwickelte sich eine recht gehobene Stimmung, die bis in die ersten Abendstunden andauerte. — Glückwunschschreiben und -Telegramme waren von der „Freien Vereinigung" und von den Herren Rabbiner Dr. Marx-Recklinghausen, Dr. Bondi-Mainz und Distriktsrabbiner Bamberger - Würzburg eingegangen. — Möge der Düsseldorfer Talmud-Thora-Berein immer weiter erstarken und an anderen Orten, wo es nottut, baldige Nachahmung finden. Oesterreich. Wien, 6. Mai. Nachdem sich die verschiedenen großen Organisationen, die bei dem Hilfswerke in Rumänien mitzuwirken berufen sind, unter einander verständigt hatten, fand am 5. Mai d. I. im Beratungssaale der Wiener Kultusgeineinde eine Sitzung statt. Vertreten waren: die „Israelitische Allianz zu Wien", die „Alliance Jsraelite Universelle", Paris, die „Deutsche Konferenzgemeinschaft der Alliance Jsraelite Universelle", Berlin, der „Hilfsverein der deutschen Juden", Berlin, die „Jewish Colonization Association", Paris, der „Hilfsverein der osteuropäischen Juden", Frankfurt a. M., die englischen Hilfsorganisationen durch den Hilfsvere.n, Berlin, die Hilfskomitees für Rumänien, u. z. in Bukarest, Jassy, Bottuschani, Galatz, ferner in Czernowitz, Jtzkany, Sutzawa. Es wurdeir nach eingehenden Debatten nachstehende Beschlüsse einstimmig gefaßt: 1. Die „Israelitische Allianz zu Wien" wird mit der Leitung des Hilfswerkes im Aufträge sänitlicher großer Organisationen betraut. 2. Es wird aus den einzelnen bestehenden Komitees für Rumänien eine rumänische Zentrale gebildet, die auf Verlangen der „Jsr. Allianz zu Wien" die Ueberprüfung der ausgestellten Schadenslisten vornimmt und alsdann diese geprüften Listen der „Jsr. Allianz zu Wien" zur Erledigung übergibt. Die Bildung der rumänischen Zentrale wird der „Jsr. Allianz zu Wien" und den Vertretern für Rumänien überlasten. 3. Die V rsammlung erklärt sich bei den vorhandenen Mitteln, die benützt werden müssen, um die in Rumänien verbleibenden geschädigten Glaubensgenoffenzu unterstützen, außerstande, die Auswanderung zu fördern, und sie sieht sich daher gezwungen, ausdrücklich vor Auswanderung zu warnen. 4. Die Hilfsorganisationen übersenden zu den gemeinsamen Fonds in Wien Beiträge nach einem zu vereinbarenden Maßstabe. 5. Es wird der „Jsr. Allianz zu Wien", sowie den einzelnen rumänischen Komitees gegenüber der Wunsch ausgesprochen, die Verteilung der Gelder an die Beschädigten alsbald vorzunehmen. Wien, 15. März. Bei den Reichsratswahlen sind bis jetzt zwei jüdische Kandidaten durchgedrungen, Kuranda in Wien und Dr. Straucher in Czernowitz. Krakau, 15.Mai (Privattelegrammdes „Israelit). In Galizien hat bisher nur ein Teil der Wahlen stattgefunden. In Trembowla kommt der Zionist Mahler in die Stichwahl. Sonstige Hauptwahlen finden Freitag statt. _ Ungarn. Eine Rabbinemmhl und anderes. (Bon unserem Korrespondenten.)) Budapest, im Mai. Die hiesige große Reformgemeinde ift| seit Jahr und Tag von der seligmachenden Ambitton erfüllt, den verschiedenen religiösen Richtungen innerhalb der Budapester neologen Judenschaft im Rahmen der Kultusverwaltung Rechnung zu tragen. Diese Gemeinde zählt nämlich viele jüdische Familien, die mit einem Fuße noch auf dem Boden des überlieferten Judentums stehen. Die Häupter dieser Familien konnten es nicht über sich bringen, in den Verband der autonomen orthodoxen Gemeinde, wohin sie in Wirklichkeit gehören, einzutreten. Gesellschaftliche Verbindungen oder geschäftliche Interessen, zogen sie zu den Honoratioren der großen Reformgemeinde, die den konservativen Elementen bis zu einem gewissen Grade auch ehrende Aufmerksamkeit widmen. Wir müssen diese frommen Juden an uns fesseln — sagen die Machthaber der Gemeinde — damit sie unserem Kultuswesen auch in der Praxis jüdisches Gepräge verleihen. Wir müssen zeigen, daß wir auch für orthodoxe Allüren das richtige Verständnis haben, damit die Vertreter dieser Richtung sich bei uns wohl fühlen und nicht dem Lager der wirklichen Orthodoxen zufallen. Und diese Konservativen fühlen sich in der Umgebung der hochmögenden jüdischen Persönlichkeiten als wichtige kultuelle Faktoren, obwohl sie nie den Mut haben, das jüdische Religionsgefetz gegen die Ueberariffe der Reformer irgendwie konsequent zu verteidigen. Es kommt ja vor, daß hie und da einer dieser Opportunitäts-Orthodoxen sich erkühnt, um irgend eine Gnade auf religiösem Gebiete zu betteln, aber eine Kabinetsfrage hat's in diesem Belange noch nicht gegeben. Der fromme Mann, der mit seiner frommen Ansicht ignoriert wurde, wird sich auch beeilen, seine Kultusvorsteher darüber zu beruhigen, daß er wegen Nichtbeachtung seiner rituellen Wünsche nicht etwa Abneigung gegen seine Vorgesetzten empfinde, und mit einem freundlichen Händedruck, der ihm von den Paradejuden gewährt wird, hat si ch alles in Wohlgefallen aufgelöst. Die besseren Elemente seiner Kategorie werden auch in verschiedene Ehrenstellen eingesetzt und bei gewissen Anlässen rühmt man ihnen nach: sie seien wohl fromme, aber dabei doch friedliebende Leute. Und diese konservativen Balebatim meinen es gewiß l'schem Schomajim. In Ermangelung greifbarer Erfolge begnügen sie sich mit dem Gedanken, daß sie durch ihr Verbleiben in der reformierten Gemeinde der jüdischen Sache am besten dienen. Es wäre noch ärger — so sagen sie dem pochenden Gewissen — wenn sie nicht dabei wären. An die Selbstlosigkeit dieses passiven Verhaltens kann sichauch nicht der Schatten eines Zweifels heranwagen. Sie führen für sich streng rituellen Haushalt, halten den Sabbath, benutzen die Mikwoh, gebrauchen am Peßach nur verläßlich zubereitete Mazzos — und für alle diese Bedürfnisse bedienen sie sich nur der . Institutionen der autonomen orthodoxen Kultusgemeinde. Mit einem Worte: in praktischer Beziehung leben diese Leute als gesetzestreue Juden. Man hütet sich aber ängstlich mit dieser praktischen Gesetzestreue vor die Oeffentlichkeit zu treten. Man bleibt daher Mitglied der großen Reformgemeinde, die, was den öffentlichen Kultus betrifft, auch für die Pflege des althergebrachten Ritus Sorge trägt. Mit Stolz betont es auch die Reformgemeinde bei jeder Veranlassung, wenn es sich ihr darum handelt, die autonome orthodoxe Gemeinde zu diskreditteren, daß in ihrem Bannkreise alle jüd. Riten vertreten sind. Unter ihrem Patronate bestehe sogar eine Schaß-Chewrah, ein chaffidisches Bethaus und eine spaniolische Synagoge. Die sogenannte „Rombachschul", ein monumentaler Bau, galt von jeher als die Verkörperung der orthodoxen Richtung in der Reformgemeinde. Diese Synagoge wird auch von der offiziellen Kultusgemeinde verwaltet. Die Rabbiner und sonstigen Kultusbeamten unterstehen dem Vorstand. Nur gibt es hier keine Orgel und der Almemor steht in der Mitte des Prachtvollen Tempels. Diese herrliche Synagoge betrachteten die