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Der Israelit · 1907-05-09 · Heft 19 (9.5.1907) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 19 (9.5.1907)
Date
1907-05-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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'MUMM No. iS. 9. Mai 1907 Personalien. Frankfurt a. M«, 5. Avril. Am vergangenen Mittwoch wurde noch im besten Mannesalter, der durch sein biederes Wesen bei allen, die ihn kannten, hochgeschätzte Herr Isaak Haas nach mehrtägiger Krankheit Lurch Gottes Ratschluß abberufen. Eirie unvergleichliche Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft zierten dm trefflichen Mann, beffen Hinttitt für den Kreis, in dem er lebte, einen schweren Verlust bedmtet. EinI von unerschütterlicher Festigkeit der Gesinnung hat er sich auch in schweren Lebenslagen ein unwandelba.es fintDD bewahrt. Er war einer der wenigen D^mD/ die — Mühe und Entbehrungen nicht achtend — den Antrag auswärts die ri>O rnäD zu vollziehen auch für N2V oder aitt Oll nicht ohne sehr gewichtigen Grund ablehnen. Trotz seiner bescheidenen und jedes Hervortreten vermeidenden Lebensart har man die seltenen Tugenden dieses Mannes in weiten Kreisen zu schätzen gewußt. Und nicht gering ist -re Zahl derer, die die Kunde von seinem Hinscheiden mit tiefem Schmerz erfüllen wird. Frankfurt a. M., '5. Mai. Im Aller von 49 Jahren verschied hier vorige Woche Herr Leon I w i e n s ki, ein durch tiefe Frömmigkeit und besonders durch ungewöhnliche Wohltätigkeit ausgezeichneter Mann. Aus Kowno stammend, von wo er in früher Jugend nach Frankfurt übersiedelte, war er besonders seinen russischen Landsleuten ein treuer Helfer. Ein echter Wohltäter, mochte er nie, daß man von seinem cnDfi erführe. Noch auf seinem Krankenlager widmete er den Hilfsbedürftigen seine Aufmerksamkeit und er versäumte nicht über den Tod hinaus für sie sorgen. Die große Zahl derer, die ihm das letzte Geleite gaben, bewies, welch allgemeiner Hochachtung sich Herr Jwienski erfreute., i“)"3¥3n* >äMW Osnabrück. Am Sabbath konnte, wie wir schon berichteten, der ehrwürdige Herr A. Jonas von hier auf sein 25jähriges Wirken als Shnagogenvorsteher der hiesigen Synagogengemeinde zurückblicken. Dem Gesamtvorstande gehört derselbe schon länger an. Dem um die Gemeinde und die Wahrung des Religionsgesetzes in derselben hochverdienten Manne, auf dessen eifriges Betteiben auch die neue Synagoge, in der keine Orgel Verwendung gefunden,. erbaut wurde, sind zu seinem Dienstjubiläum herzliche Ovationen bereitet und sinnige Ehrengeschenke gewidmet worden. Herr Landrabbiner Dr. L ö b aus Emden, ein treuer Freund des Jubilars, war erschienen und feierte die Verdienste des trefflichen Menschen unfr frommen Jehudi in seiner Sabbathpredigt mit höchst anerkennenden und begeisterten Worten. Möge es Herrn Jonas noch lange vergönnt sein, seines Amtes wie bisher walten zu können. Neustadtgödens 25. April. Der Lehrer der israelitischen Gemeinde, Herr Wolkowsky, welcher 8 Jahre lang hier gewirkt hat, ist nach Königsborg verzogen, um dort die Stelle eines Religionslehrers zu übernehmen. Die hiesige vakante Lehrerstclle wird durch Herrn Lehrer Seeliger aus Bunde wieder besetzt werden Spreedsaal. _ Frankfurt a. M., 17. April 1907. <cct)v geehrter Herr Redakteur In einer der letzten Nummern brachten Sie in -er Polemik gegen Herrn Dr. Feuchtwanger unter anderem die Bemerkung, die Preßburger Misrachi- Konferenz hätte eine schärfere Fassung des Misüachi- Programms. wie sie von einer Seite eingereicht worden sei, abgelehnt. Zur tatsächlichen Berichtigung möchte ich nur kurz darauf Hinweisen, daß das nicht richtig ist. -j- Der Sachverhalt war folgender: Kurz vor Zusammentritt der Preßburger Konferenz erschien im „Israelit" ein dem Misrachi sehr sympathisch gegeniiberstehender Artikel, in welchem ein Programm aufgestellt wurde, nach welchem es möglich, ja geboten sei, sich dem Misrachi anzuschließen. — — Um nun die Kreise, -aus welchen dieser Artikel stammte, für den Misrachi zu gewinnen, stellte ich in Preßburg den Antrag genau diesen Programmentwurf anzunehmen. Es war aber dies nicht möglich, weil in Preßburg nur der hebräische Text beraten und angenommen wurde, — und dieser stimnit im Prinzip und in Entschiedenheit voll und ganz mit dem im „Israelit" vorgeschlagenen Programm überein. Einem Vorschlag von mir als deutsches Programm diesen Entwurf zu veröffentlichen, wurde deshalb nicht stattgegeben, weil, wie der Vorsitzende in Preßburg sich ausdrückte, im Wesentlichen gar kein Unterschied zwischen dem von ihm verfaßten und zwischen dem von mir vorgeschlagenen Entwurf bestehe, — was auch in Wirklichkeit der Fall ist, denn schon der erste Satz, daß der Misrachi die Lebensbedingung des jüdischen Volkes in Festhalten am Gesetze, in Wort und 'Tat und Ausüben der Gebote, erblick, spricht klar und deutlich aus, daß er keine Richtung als gleichberechtigt anerkennt, die die Erhaltung des jüdischen Volkes in moderner Kultur und in Verleugnung des göttlichen Gesetzes zu erreichen sucht. Aus dieser Darlegung ergibt sich unzweifelhaft, daß der schließlich angenommene und der von Ihnen gewünschte und von mir vertretene Entwurf schon formell nicht als gleichwertige Konkurrenten auftraten und vor allem die unleugbare Tatsache, daß von einer Ablehnung des letzteren Entwurfes gar nicht die Rede sein kann. Hochachtungsvoll Louis Kahn. (Die vorstehende Zuschrift, soweit sie Tatsachen berichtet, bestätigt unsere Behauptung, daß der mehrfach charakterisierte „schärfere" Programmentwurf in Preßburg zurückgewiesen wurde. Wenn die Herren der sonderbaren Meinung waren, daß ihr Programm dasselbe sage wie die drei Punkte des abgelehnten so ist eine weitere Diskussion eigentlich nicht möglich! Wir find unsrerseits im Gegenteil überzeugt, daß das in Preßburg zurückgetviesene Programm im Falle der Annahme zunächst einen Sturm des Unwillens in der ganzen zionistischen Presse hervorgerufen haben würde, und daß die praktische Arbeit des Misrachi wie seine Stellung in der Partei auf der Basis jenes zurückgewiesenen Programms einen von Grund aus anderen Charakter hätte tragen müssen. Der Zufall will übrigens, daß gerade jetzt in der hebräischen Monatsschrift „Haschachar" aus der Feder eines Herrn Dr. Sinnreich ein Artikel erschienen ist» der sich unter der Ueberschrift " Ti-flET! "QU rra by„ mit der Misrachi-Frage beschäftigt und der, obgleich der Verfasser offenbar durchaus nationaljüdisch fühlt, zu äbnlichen Ergebnissen kommt, wie wir selbst. Wir kennen den Verfasser nicht und auch die Zeitschrift» in der sein Artikel erschien, steht uns ihrer ganzen durchaus „modernen" Tendenz wegen recht fern. Um so unverdächtiger ist das Urteil des Verfaffers. Dr. Sinnreich setzt zunächst auseinander» daß der MiSrachi» statt auf eine Wiederbelebung der Nation auf der Grundlage der Thora hinzuarbeiten, seine Aufgabe darill erblickte, den Zionismus gegeil die Orthodoxen zu verteidigen» und sich von der zionistischen Leitung als eine Art -Zettel zur Ge-, wirinuilg der jüdischen Massen im Osten benutzen ließ. „Tie Misrachisten, so fährt der Verfasser fort» hätten den Leitern des Zionismus erklären müssen: „In unseren Augen sind Gesetz und Nation nur zwei Worte für einen Begriff, in unseren Augen ist eure Arbeit durchaus unbrauchbar. In unsren Augen seid ihr keine richtigen Zionisten.".„Habt ihr," fragt der Verfasser die Misrachisten» „so auf dem Kongreß gesprochen? Habt ihr den Mut gehabt zu allen Parteien des Kongresses zu sagen: Ihr seid keine Zionisten, euer Zionismus hat keine Unterlage, schwebt in der Lust, und kann von jedem, der es mag, zerstört werden? Habt ihr den Mut gehabt, zu der Mehrheit der Delegierten — jener Mehrheit» die nur durch Irrtum zustande kam, denn die Mehrheit der Wähler denkt wie wir — olnle jede Rücksicht euch zu äußern» ihr euer Programm vorzulegen und es dem Zionismus aufzudrängen? .... Der Misrachi hat das nicht getari, hat niemals seine Meinung ausgesprochen, ist niemals kraftvoll für seine Ueberzeugung eingctreten. Er litt seit seiner Gründung an innerer und äußerer Schwäche, und darum konnte er auch die Herzen nicht gewinnen, nicht die der Führer und nicht die der Menge.". „Anstatt zu sagen: der Misrachi ist die Bereinigung der wahren Zionisten, d. h. der gesetzcstreueil Zionisten, weil ein Zionismus ohne Gesetz unmöglich ist; statt zu sagen: der Misrachi erkennt die allgemeine zionistische Organisation nicht an, weil ihr das Gesetz Privatsache und nicht Partei- und nationale Sache ist: statt zu sagen: unsere Absicht ist, das Baseler Programm von Grund aus zu ändern und die Leitung den Gesetzestteuen zu erobern; statt in kultureller und sozialer Beziehung zu arbeiten und den Bolksgeist unter die Herrschaft der Thora, des geschichtlichen Judentums zu bringen und öffentlich und mit Nachdruck vor dem Kongreß die Verwirklichung dieser Postulats zu verlangen: statt sich des Rechtes jeder Opposition, die Arbeit der Leitung zu kritisieren und für die Wünsche und Forderungen des Volkes einzutreten, zu bedienen, finden wir bei dem Misrachi in jeder Beziehung das Gegenteil. Der Misrachi sagt in seinem Programm, er wolle nur eine Vereinigung der Gesetzestreuen innerhalb der allgemeinen, in Bezug aufs Gesetz gleichgültigen Organisation sein, gibt also zu, daß man Zionist ohne Ge'etz sein kann, d. h. Jude ohne jüdische Nationalität. Der Misrachi verlangt nicht von der zionistischen Leitung die Reformen und Mittel, um das Volk vor der Assimilation zu bewahren» denn auch nach seiner Ansicht bat man seine nationale Pflicht schon mit „Aktien und Schekeln" erfüllt. Er verlangt nur in seinem Programm von den Zionisten, daß sie ihren Genossen erlauben, nicht allein als Privatleute den Schabbos zu halten, sondern auch Vereine für Sabbatheiligung, Mikwaoth und a. m. zu gründen. Der Misrachi will an dem Baseler Programm auch nicht das geringste ändern, d. h. er strebte nie danach im Innern zu beffern und die Zionisten für die Thora zu gewinnen, er bemühte sich nur um Zugeständnisse äußerlicher Art, um den Orthodoxen zeigen zu können, daß es einem begeisterten Zionisten auch gestattet ist, '-NN' zu sein, — nicht etwa, daß er es notgedrungen sein müsse. Das sagt zwar der Misrachi nicht, aber sein Verhalten sagt es .... V'NIN« xoe*? xVk d'xdc “irre*? »*? rn nvn." Soweit der Artikel, aus dem wir nur wenige markante Sätze wiedergeben konnten. Wir betonen ausdrücklich» daß wir in der Schärfe der Kritik an dem bisherigen Programm und der bisherigen Taktik des Misrachi lange nicht soweit gegangen sind wie der Berfaffer» daß wir auch die Schroffheit seiner Ausdrucksweise mißbilligen, aber sein Zeugnis beweist jedenfalls unwiderleglich, daß die Auffaffung, die wir von dem ganzen Geiste des Misrachi-Programms empfangen haben, nicht einer Schrulle und nicht bösem Willen ibr Entstehen verdantt, sondern auch von anderen uns ganz fernstehenden Persönlichkeiten geteilt wird, die der Bewegung an sich Interesse entgegenbringen. Im übrigen fühlen wir uns unsren Lesern gegenüber verpflichtet, die uferlose Diskussion über den Misrachi jetzt fürs erste zu schließen, nachdem wir den „Gegnern" das Recht des freien Wortes iw weitesten Maße gestattet haben. D. Red.) Sabbat-Anfang u. Ausgang. 'npra ma ORT: Anfang Datum Ausgang UhrlMin. 1907 5667 UhrlMin. Frankfurt a M 7 25 >1. Mai 27. Jjar 8 50 Berlin .... — — ff tt 8 40 München . . . 7 15 tt tt 8 25 Straftbnrg . . 7 80 h 99 8 45 Pose» .... — — tt tt 8 26 Breslau . . . — — tt tt 8 18 Nürnberg. . — — tt ff 8 32 Stuttgart 7 30 tt tt 8 38 Prag 7 50 tt „ 8 20 Für de« Reklamentpil ist die Redaktion nicht. verantwortlich; insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene« Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstige ««gaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverläsfigkeit z» prüfe«. Kaiser Friedrich Quelle 6346) - Offeabaeh a. M. - „Gegen dicht n. Rheumatismus bewfthrt.“ Biliier Saierlrun diätetisches Tafelwasser erfrischend - wohlschmeckend - tillttilllll reine nafurfttliuna ttiVi u. V, 5l. überall erhältlich. Hauptniederlage in (6687) Frankfurt a.M. bei H. Kölsch üaehf., Rebstock 1. n Künstliche u. natürliche Mineralwasser - =',=■=. Aepfelweiu Flaschenbier ------ (6777) liefert frei ins HauS M. Tgissenb&um, Frankfurt a. 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