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Der Israelit · 1907-05-09 · Heft 19 (9.5.1907) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 19 (9.5.1907)
Date
1907-05-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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9. Mai 1907 Seite 8._ sprechen, „durch die unter unglaublicher Mißachtung des Thoragesetzes der Verletzung des Wortes pftt2N tth die Bahn geebnet werden sollte?" War das nicht die Absicht, dann hätte das Tribunal rabbinique ein Gutachten dahingehend abgeben müssen, daß eine in religiöser Hinsicht wirksame Scheidung nur durch öl vollzogen werden kann. Das hat es aber, obwohl doch allein dieser Gesichtspunkt für ein jüdisches Tribunal in Be-! tracht kommen konnte, geflissentlich unterlassen, hat sich vielmehr statt dessen in ein Gebiet begeben, das ihm vollkommen gleichgültig sein nmßte, wenn nicht die Absicht bestand, das, was es für dieses Gebiet als Recht ansah, auch als für ein Rabbinat und also in religiöser Hinsicht ausschließlich als rechtsgültig anzuerkennen. Wäre es somit nicht richtig, wenn gesagt wurde, daß das Tribunal rabbinique eine religiöse Eheschließung einfach annulliert habe — selbst für den Fall, daß dieser Ausdruck nicht in dem Gutachten sich fände? Zum lleberssuß aber konstatiere ich, daß es darin wörtlich heißt: „äeelarone le mariage nul et sans eff et* (wir erklären die Ehe für nichtig und wirkungslos), und überlasse es dem Tribunal sich wegen feiner Behauptung zu. rechtfertigen. Was nun die Trauung » viW.nllr gerichtlich geschiedenen Frauen ynt einem anderen Manne anlangt, so habe Ich nicht — wie das Tribunal das Tribunal mir zu unterschieben scheint — behauptet, daß alle französischen Rabbiner solche Trauungen vollziehen, ich habe lediglich behauptet, daß der Fall in Frankreich nicht feiten vorkommt, und diese Behauptung bin ich — traurigerweise — gezwungen aufrecht zu halten. Hat denn übrigens der in obigem Schreiben Unterzeichnete Vizepräsident des Tribunal rabbinique, Herr Moise Netter, nicht schon vor 26 Jahren öffentlich erklärt und auch gedruckt, daß man in Ländern, in denen Richter Ehescheidungen vornehmen, die rituelle Scheidung abschaffen möge'? War das nicht auch die Ansicht des verstorbenen Großrabbiners von Frankreich, Zadoc Kahn'? Ich weiß von einem Briefe, in welchem der letztere einem Rabbiner in der Provinz Vorwürfe macht, weit dieser sich weigerte für eine nur gerichtlich geschiedene Frau neuerlich pimp zu geben. Dasselbe, was ich in meiner Korrespondenz über diesen Punkt sagte, hat vor 6—4 Jahren ein hiesiger nicht auf neologem Standpunkt stehender Rabbiner ebenfalls vor aller Oeffentlichkeit erklärt. Jetzt ist er Mitglied des Tribunal rabbinique und — schweigt. Uebrigens — das Tribinal rabbinique möge diese Frage als einen Beweis dafür nehmen, daß ich mich wohl informiert habe — gab es nicht erst jüngst im Schoße des Tribunal eine große Debatte, in der von einer Seite verlangt wurde, man solle statt dem „Israelit" eine Berichtigung zu schicken, öffentlich beschließen, daß in Ländern, die die Institution der Zivilehe haben, j'Bmp, öl und abgeschafft sind? Konsequenter wäre das auf jeden Fall gewesen. Ich bemerke zum Schluß, daß ein Mitglied des Tribunal sich weigerte, die in Frage stehende Entscheidung mit seiner Unterschrift zu versehen und dagegen p r o t e st i e r t e. Es ist aber die Pflicht dieses Rabbiners, seinen Protest vor aller Welt zu wiederholen, und er sollte sich der Schuld bewußt sein, die er vor Gott und Israel aus sich lädt, wenn er durch Schweigen die Meinung aufkommen läßt, daß er mitbeteiligt sei an dem — ich wiederhole es — in Paris begangenen Attentat. Valcistina. Jerusalem, 26. April. 200 Glaubensgenossen aus Buchara haben das vergangene Pesachfest in Jerusalem gefeiert. Zu Ehren der Gäste wurden am iJttDri Vin von mehreren hiesigen isr. Wohlfahrts-Institutionen, Versammlungen und Konferenzen veranstaltet, und unsere Bucharischen Glaubensgenossen zeichneten sich, wie stets, auch diesmal durch ihre reichlichen Gaben, zugunsten der wohltätigen Anstalten, aus. Fast alle Bucharischen Gäste fahren auch nach Saffed und Liberias, um am Lag WWWWWMWWMMWWUWWW Der JSraeltt. beomer in pvo anwesend zu sein. — Der berühmte Rabbi Jakob David Ridwas aus Chicago, Verfasser eines Kommentars zu Talmud Jeruschalmi, der seit einem Jahre in Saffed seinen Wohnsitz genommen hat, feierte ebenfalls zum ersten Male das Pesachfest in Jerusalem. Man bereitete ihm hier einen ehrenvollen Empfang. — Herr Jonas Marx, Verwalter des Krankenhauses Schaare Zedek hier, hat eine Reise nach Deutschland unternommen. — Fräulein Annie E. Landau, Leiterin der hiesigen Evelina de Rotschild School, ist gleichfalls auf einige Monate nach Europa verreist. — Am 4. Jjar ist Rabbiner Josef Ehajim Prag nach S»eimonatlicher Krankheit im Alter von 60 ihren verschieden. Der Heimgegangene war ohn des seligen Rabbiners Isaak Oplatta Prag, der einer der ältesten Bewohner der heiligen Stadt war. Josef Chaijm Prag war Leiter der hiesigen Blumenthal Talmud Torah Schule. Seine Beerdigung hat mit großen Ehrenbezeugungen stattgefunden, und Herr A i s i ck B e n t a u w i m hat dabei einen warmen "1SDH in hebräischer Sprache gehalten, der großen Eindruck machte. — Herrn Dr. Waitz, seit vielen Jahren praktischer Arzt in der Kolonie Sichron Jakob, wurde die Leitung des hiesigen Mayer Amschel Rothschild'schen Hospitals übertragen. — An den vorigen 3","l2 wurde in den meisten hiesigen Synagogen Mki'^O-Gebete um Regerr gesprochen, und Schaufor geblasen, weil vor Pesach wenig Spätregen gefallen und auch in den Cisternen wenig Wasser vorhanden war, sodaß das Getreide auf den Feldern gelitten hat, bis es endlich heute zur Freude der Jerusalemitischen Bevölkerung stark zu regnen angefangen hat. gitnexika. New-3)ork, 26. April. Der Einwandererstrom, der sich seit Frühlingsanfang in den hiesigen Hafen ergießt, nahm am Donnerstag außerordentlich große Dimensionen an. Am Mittwoch Morgen warteten 9874 Personen in der Station Ellis-Jsland auf die Untersuchung. Die gesamte Einwanderung an beiden Tagen erreichte die Zahl 16121. Darunter waren nur 2779 Passagiere erster und zweiter Klasse, die nicht die Untersuchung in Ellis-Jsland mitzumachen hatten. vermischter. Mainz, 24. April. Für gestern Abend hatte ein halbes Dutzend Teutonerichc eine Bersammlung aller Antisemiten von Mainz und den umliegenden Erdteilen zu einer großen Versammlung in das .evangelische Bereinshaus eingeladen. Ein Herr Henningsen aus Hamburg hatte eine Kanonade angekündigt, worin er von den Erfolgen der deutschsozialen Bereinigung bei den letzten Wahlen zum Reichstag berichten wollte. Herr Götz aus Darmstadt hatte sich ihm zugesellt, damit die oberste Bundesfestung Starkenburg gebührend repräsentiert sei. Als Präsident ivar Herr Grünewald von der Mainzer Mittelstandsvereiuigung mit vielem Eifer tätig. So weit war alles gut, nur kein Publikum »vollte komrnen, uin sich anöden zu lassen, trotz zahlreicher brieflicher Einladungen. Um 9 Uhr waren insgesanrt 18 (achtzehn) Köpfe anivesend, die Zahl der Personen wuchs sogar auf 28! Bor diesen fand dann der Bortrag statt. Wachenheim, 22. April. Einem Gesuche der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde um Erhöhung des seitherigen Zuschusses aus der Stadtkasse, wurde in der jüngsten Stadtratsitzung stattgegeben. Posen, 3. Mai. Der jüngst vom Kaiser in den Freiherrnstand erhobene k. k. österreichisch-ungarische General-Konsul Maximilian. Benedikt von Goldschmidt-Rothschild in Frankfurt a. M., Besitzer des Fideikommisses Wroniawy im Kreise Bomst-Posen, har zur Begründung und Unterhaltung einer Freistelle im hiesigen Taubstummenheim dem Schulrat Herrn Radomski hier ein Kapital von sechsmusend Mark überwiesen. Budapest, 30. April. In der hiesigen Honvedhusarenkaserne hat vor einigen Tagen ein jüdischer Rekrut in dem Moment Selbstmord begangen, als eben der Generalinspektor der ungarischen Landwehr, Erzherzog Josef, erschienen war, um das Regiment zu inspizieren. Der Selbmörder war der 22jährige, aus Badkert gebürtige Heinrich Kohn, der im Oktober vorigen Jahres zum zweiten Zuge der ersten Eskadron des Honvedhusarenregiments Nr. 1 eingereiht wurde. Der Name Kohn ward ihm zum Verhängnis. Heinrich Kohn war, wie die derzeit im Zuge befindlichen Recherchen ergaben, ein pflichttreuer Soldat, aber ein schlechter Reiter. Bei den Reitübungen zog er sich Kontusionen, Quetschungen und schmerzhafte Aufteibungen zu, doch _Rr. 19 der Wachtmeister glaubte ihm das nicht und wollte es auch nicht gestatten, baß er sich marod melde. Kohn mußte trotz seiner brennenden Wunden weiter reiten. Bor einigen Tagen hatte die erste Eskadron in der gedeckten Reitschule Uebung und Kohn mußte trotz der furchtbaren Schmerzen, von denen er geplagt wurde, mittun Der Uebung wohnte auch der Oberleutnant Baron Elemer Kemenh bei. Gegen halb 10 Uhr ries plötzlich der Korporal: „Wo zum Teufel ist denn der kleine Kohn?" Jetzt erst bemertte man, daß Kohn fehlte. Zwei» Soldaten machten sich auf die Suche und fanden ihn schließlich in der Sattlerwerkstätte an einem Nagel aufgehängt. Die beiden Soldaten schlugen Lärm. Der Husar Vadasz schnitt den Selbstmörder ab, man holte rasch aus dem Marodenzimmer den diensttuenden Militärarzt, der jedoch nur mehr den bereits eingetretenen Tod Kahns konstatieren konnte. Der Eskadronkommanüant wollte die Leiche unauffällig beiseite schaffen lasten und die ganze „Kleinigkeit" wäre wie gewöhnlich vertuscht worden, wenn nicht plötzlich Erzherzog Josef in der Kaserne erschie en wäre. Der Erzherzog bemerkte, wie man die Leiche Kohns aus zder Sattlerwerkstätte trug und erfuhr so den ganzen Sachverhalt. Erzherzog Josef ließ sofort die ganze Eskadron antreten und richtete an sie folgende Ansprache: „Heute wurde einer eurer Kameraden zum Selbstmörder. Er hat jugendlich unbedacht gehandelt. Er hat das Leben von sich geworfen, welches ihm zu nehmen nur Gott das Recht hat. @r hat es gegeben, Er kann es wieder nehmen! So etwas möchte ich nicht wieder erleben! Habt ihr verstanden?" Rittmeister Josef Hüttner forderte auf seinen Befehl die Mannschaft auf, daß jene, die etwas Näheres über den Selbstmord Kohns wissen, vor denen er sich beklagt haben sollte, vortreten mögen. Es meldeten sich ein Patrouilleführer und drei Husaren. Auf Befehl des Erzherzogs wurden hierauf der Gefreite und die drei Husaren in die Regimentskanzlei beordert. Das Verhör leitete Major- Alfred Aull und der Erzherzog wrr beim Verhör bis Mittags anwesend. Die Soldaten erklärten, daß die Offiziere der ersten Eskadron außerordentlich streng und bis zur Brutalität rücksichtslos waren. Hauptsächlich richteten sich ihre Klagen gegen den Rittmeister Josef Hüttner, den Oberleutnant Baron Elemer Kelemenh und den Wachtmeister Johann Kun. Sie behaupteten, hauptsächlich von letzterem geprügelt, geohrfeigt und sonst malträtiert worden zu sein. Sie mußten ohne Steigbügel und ohne Sattel retten und wenn sie sich marod meldeten, wurden sie bestraft. Der Erzherzog war von diesen Aussagen sichtlich unangenehm berührt und gab während der Protokollaufnahme seiner Entrüstung wiederholt Ausdruck. Er erklärte nun dem Major Alfred Null gegenüber, daß er über die Behandlung der Mannschaft, speziell aber über den Fall Kohn, die strengste Untersuchung fordere. Alle Protokolle in dieser Affäre müffen ihm vorgelegt und die Schuldigen exemplaris ch besttaft werden. Brünn, 2. Mai. In der vorigen Woche kam es zu einem Streik des Damenchores im hiesigen Orge tempel. Die Choristinnen erhalten einen Monatsgehalt von 6 bis 8 Gulden. Anläßlich des Pesachfestes erhielten die Mädchen jährlich eine Zulage von 3 Gulden. Im heurigen Jahre wurde dieser Betrag den Mädchen nicht ausgezahlt. Die Nichtauszahlung des Betrages war die Ursache, daß der Chor in der vorigen Woche in den Streik getreten. Daher mußte am Freitag abend und Samstag Chor und Orgel entfallen. Die Tempelaufseher forderten daher das Publikum auf laut mitzusingen. Ottawa, 10. April. Gegen einen aus England etngewanderten russischen Juden war in der Stadt Toronto wegen Vagabundierens ein Ausweisungsbefehl erlassen worden. Da jedoch die Behörden der Stadt die Kosten der Reise nach England nicht selbst tragen wollten, so wandten sie sich dieserhalb an die Regierung nach Ottawa. Die Regierung sah jedoch die Sache anders an. Sie antwortete, daß, wenn Toron.o einen lästigen Fremden loS sein wolle, es diesen Luxus auch bezahlen möge. Bon seiten der Regierung werde dazu nichts als die Fahrt an die Küste von Portland beigetragen werden - den Behörden in Toronto bleibe es überlasten, die Mittel für den beileitenden Beamten und die Fahrt nach England aufzurringen. Die Herren in Toronto überlegen jetzt, wie man sich in dieser Verlegenheit Helsen könne. Shduey, 28. Mär,. Eine Ladung MazzoS, die auf einem Dampfer nach Perth (Westaustralien) befördert werden sollte, wurde durch einen Brand, der auf dem Dampfer ausbrach, zerstört. Alsbald wurde eine zweite Ladung Mazzos beordert, die wohl noch rechtzeitig zu Pesach angekommen ist. vereinswese«. Frankfurt a. M., 6. Mai. Der Vorstand der jüdischen Bibliothek und Lesehalle teilt uns mit: Vom Montag, den 6. Mai ab ist die Bibliothek und Lesehalle zu folgenden Zeiten geöffnet: Am Montag und Freitag von 12—3 Uhr mittags, Samstags von! 11—1 Uhr vormittags und von 3—7 Uhr nachmittags, am Sonntag von 9—1 Uhr vormittags. Die Ausleihestunden sind: Sonntag und Freitag von 12—2 Uhr. Duisburg. Am 2. Mai d. I. wurde in einer von der hiesigen Zionistischen Vereinigung einberufenen öffentlichen Versammlung nach einem Borttage des Herrn Dr. Epstein folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung mißbilligt scharf das Verhalten der Berliner s jüdischen Gemeindevertreter in der Angelegenheit Herrn Rabbiners Dr. Emil Cohn. Sie spricht Herrut Rabbiner Dr. Cohn ihre Hochachtung aus für stini tapferes, edles Auftreten, das allein eines stolzen Subenj und eines Lehrers und Führers in Israel würdig ist."

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