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Der Israelit · 1907-05-02 · Heft 18 (2.5.1907) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 18 (2.5.1907)
Date
1907-05-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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MMWM! «ÜW*1 ',w -W- MWW No. 18. 3. Mai 1907 legung des Stiftungsvermögens in unwandelbaren Werten bleibt das Stiftungsvermögen noch Schwankungen unterworfen. Für Unterstützungszwecke im Sinne der Stiftungsurkunde sind im Jahre 1906 insgesamt 191847,35 Mark ausgegeben worden: diese Summe entspricht fast ganz genau der vorjährigen. Unter Zurechnung der Steuern (rund 25 000 Mark) und der Verwaltungskosten, (rund 9200 Mark) ergibt sich eine Gesamtausgabe von 226 239,93 Mark ^1517,59 Mark mehr als im Vorjahre). Die Gesamteinnahme war mit 229 169,22 Mark nur um 432,22 Mark höher als im Vorjahre. Im einzelnen wurden verwendet: Israelitische Kultusgemeinde zu Dessau 30 000 Mark, andere israelitische Gemeinden Anhalts 14 890 Mark, Unterstützungen 69 321 Mark, Krankenpflege 21832 Mark, jüdische Wissenschaft 13 200 Mark, Schulen 20 000 Mark, Stipendien 17 612 Mark. Der durchschnittliche Zinsertrag des Stiftungsknpitals betrug im Jahre 1906 knapp 41/2 Prozent. Wien, 23. April. Die Lemberger Familie Bardach befaßt sich seit Menschengedenken alljährlich mit der Mazzosfabrikation, wofür sie auch besteuert wirddiese Tätigkeit vererbte sich Generationen hindurch vom Vater auf den Sohn. Im vorigen Jahre kam nun dem dermaligen Senior der Familie, Abraham Bardach, ein Ukas des Lemberger Magistrates zu, wonach ilim das Mazzosbacken unter Strafandrohung verboten wurde, da dasselbe in das Bäckergewerbe falle, ihm aber der hierzu erforderliche Befähigungsnachweis fehle. Vergebens rekurrierte Abraham Bardach an die Statthalteret und ans Handelsministeriunr — beide Behörden teilten die Ansicht, das Mazzosbacken sei die Tätigkeit eines Bäckers, also ein nach dem Gesetze den Befähigungsnachweis voraussetzendes Gewerbe. Er brachte nun die Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshofe ein. Die Beschwerde bestritt, daß es sich um eine gewerbliche Unternehmung im Sinne des Gesetzes handle, denn das Mazzosbacken nehme nur einige Tage im Jahre in Anspruch und sei als reine Betätigung einer religiös-ceremoniellen Vorschrift zu betrachten. Der Verwaltungsgerichtshof erkannte in Stattgebung der Beschwerde auf Aufhebung des Verbotes. llereinswesen. Frankfurt a. M., 30. April. In einer unter Vorsitz von Stadtrat Fl in sch abgehalteuen geschlossenen Mitgliederversammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus referierte am Samstag abend, Herr Mor. A. Loeb über: „Die letzten Reichstagswahlen und ihre Lehren für die Zukunft". Er gab seiner Meinung dahin Ausdruck, daß das Anwachsen der antisemitischen Mandate und Stimmen — wenn man es auch nicht gleicherweise als ein Anwachsen der antisemitisäen Anschauungen im Volke betrachten könne — doch weniger optimistisch aufgefaßt werden dürfe, als dies auf der letzten Generalversammlung in Berlin geschehen sei. In seinen durchweg sachlichen Darlegungen führte der Referent alsdann aus, daß jene besonders in Mitteldeutschland erfolgte Zunahme weder durch das Verhalten der jüdischen Bevölkerung, noch durch eine besonders zugkräftige Umgestaltung des antisemitischen Programms, oder gar durch das Auftreten neuer hervorragender Persönlichkeiten zu erklären sei. Als charakteristisch hob er noch die vielfach festgelegte Tatsache hervor, daß die antisemitischen Kandidaten unter allen möglichen Verkleidungen — insbesondere in den ländlichen Bezirken — um die Stimmen buhlten. Die bislang mehr negative Tätigkeit des Vereins erscheint dem Redner nicht ausreichend, obgleich er den Frankfurter Vorstandsmitgliedern die Anerkennung für die in langen Jahren geleistete Arbeit ausspricht. — Das ziffermäßig zwar nicht bedeutende Anwachsen der antisemitischen Mandate bilde immerhin, in Verbindung mit den Parteien, die antisemitischen Tendenzen unleugbar huldigen, eine nicht zu unterschätzende Gefahr. — Die Vorschläge des Referenten gipfeln darin, daß all die Wahlkreise, in denen in absehbarer Zeit ein Erfolg zu gewärtigen ist, schon in den stillen Zeiten durch aufklärende Arbeit, durch alle zulässigen, geeigneten Mittel in Angriff genommen werden müßten. — Den Ausführungen des Redners folgte eine längere Diskussion, an der sich Mitglieder des Vereins lebhaft beteiligten. Vom Vorstande sprachen noch die Herren Justizrat Dr. Fester und Charles Hallgarten. Herr Dr. Fester schlug u. a. die Schaffung eines besonderen Arbeits-Ausschusses vor, zu dem auch jüngere Kräfte herangezogen werden sollen. Herr Hallgar ten machte einige erläuternde Mitteilungen, ganz besonders, auch über den Verlauf der General-Versammlung und über andere mehr interne Verhandlungen. Nachdem dann noch Herr Stadtrat Flinsch einiges über seine Erfahrungen mit rednerischen Kräften mitgeteilt und, unabhängig von seinem eignen Parteistandpunkte, Kritik an dem Verhalten der Parteien im Lande geübt hatte, schloß er die Versammlung mit dem Versprechen, daß die gegebenen Anregungen seitens des Vorstandes volle Beachtung finden werden. Frankfurt a. M., 24. April. Vor kurzem hat sich hier eine Bereinigung von Mohelim, („Chebrath Mohelim") gebildet, die die Ausübung der Mizwath Miloh zu fördern und zu pflegen sucht, und sich besonders die Heranbildung junger Männer zu zuverlässigen Mohelim zur Aufgabe macht. Wer es weiß, wie schwierig es oft den Bewohnern kleiner Plätze gemacht wird, die Miloh namentlich an rechtzeitig vollziehm zu lassen, der muß den Männern, die Mißstänoe in dieser Hinsicht nicht aufkommen lassen wollen, herzlich dankbar sein. Da nun allen Eltern und ßjedem vnrp. die Pflicht obliegt, für Der JSraelit. Personalien. Osnabrück, 22. April. Am vergangenen N2V feierte Herr Abraham Jonas, hier, jein 25jähriges Jubiläum als Vorsteher der isr. Kultusgemeinde. In treuer Pflichterfüllung hat der Jubilar während dieser Zeit seines infolge der Angriffe von neolog gesinnter Seite nicht immer leichten Annes gewaltet. Sein Verdienst ist es hauptsächlich, daß die hiesige Gemeinde trotz aller Neuerungsgesuche noch einen der Tradition entsprechenden Gottesdienste besitzt. Möge Herr Jonas noch recht lange zu Nutz und Frommen seiner Gemeinde das Amt des Vorstehers versehen. Königsberg i. Pr. — Anfangs dieses Monats ist Herr S B. Eschwege, Religionslehrer und Kantor der Gemeinde Adaß Jisroöl aus seinem hiesigen Amte geschieden. Die Anerkennung, die er sich durch seine ersprießliche Wirksamkeit erworben, kam in einer durch den Gemeindevorstand und die Schulkommisston im Verein mit den Religionsschülern veranstalteten Abschiedsfeier deutlich zum Ausdruck. Herr Rabbiner Dr. Liebermann wies aus die Charaktervorzüge hin, durch welche Herr Eschwege einen nachhaltigen Einfluß auf die Herzen der Schüler gewann. Sodann überreichte der Gemeindevorsitzende Herr A. Aron nach einer Ansprache einen silbernen Becher als Erinnerungszeichen, und endlich entboten einzelne Zöglinge ini Namen der Schüler ihre Abschiedsgrüße. Die auftichtigsten Wünsche begleiten Herrn Eschwege auf seinem ferneren Lebensweg. Würzburg, 28. April. Am 25. d. M. verstarb hier Frau Elka Oppenheimer, geb. Nußbaum, allen, die ihr im Leben nahegetreten sind, bekannt durch ihre Frömmigkeit und ihre zu keiner Stunde vergebens angerufene Hilfsbereitschaft. Sie gehörte sieben Jahre der Verwaltung des isr. Frauenvereins an. Am Grabe rühmte Herr Distriksrabbiner Bamberger ihr vorbildliches □-HDn . n"Dü:n. inderecke. Das misdihon. Ein Wort der Mischkon-Lehre Verkünde mein Gedicht, Dem Tauroh-Geist zur Ehre Und seiner Weisheit Licht: Seite 9. H12Ö einzutreten, und dies nicht allein dem Mohel überlassen werden kann, bittet der Verein um lebhafte Beteiligung aller, denen daran gelegen ist, die Fahne des Judentums hochzuhalten'. — Jedermann kann für einen jährlichen Mindestbeitrag von Mk. 5.— Mitglied des Vereins werden. Der Vorstand des Vereins besteht aus den Herren Zuntz, Posen, Bondi; Ersatzmänner find die Herren Prtns und Gcldschmidt. Frankfurt a M., 23. April. Sonntag, 21. April wurde von Herrn Louis Kahn- Frankfurt a. M. in Groß- Steinheim eine Ortsgruppe des Verbandes der Sabbathfreunde gegründet. Welch reges Interesse für jüdische Angelegenheiten in den Landgemeinden noch herrscht und daß es nur darauf ankommt, das Interesse zu wecken und wach zu halten, bewies der den Berhältniffen entsprechend starke Besuch der einberufenen Versammlung. Von der etwa 17 Familien zählenden Gemeinde waren ungefähr 30 Personen erschienen und auch von denr benachbarten Klein-Auheim fanden sich 5 Personen ein. terr Kahn sprach in halbstündigem Bortrag über die edeutuna des Sabbath und wies daraufhin, daß mit dem Sabbath das Judentum steht und fällt, daß ihm das größte aller Wunder, die Erhaltung Israels, zu verdanken sei. Der Vortrag wurde sehr beifällig ausgenommen und hatte den Erfolg, daß sämtliche anwesenden Herren und 3 Frauen, zusammen 29 Personen, der Ortsgruppe beitraten. In den Vorstand wurden gewählt die Herren: Lehrer Oppenheimer, 1. Vorsitzender, Leopold Löb, Jakob Selig, Max Meyer und Sally Herz. Lingen (Prov. Hannover), 22. April. Gemäß Beschluß der am 21. November 1906 in Krefeld stattgeh ibten Versammlung der Vereinigung EHp ITHD '*101® war auf gestern eine zweite Versammlung nach Lingen (Prov. Hannover) anberaumt, zu welcher sich Mohelim aus dem Rheinland, Westfalen und der Provinz Hannover eingefunden hatten. In dieser Versammlung wurden 10 Vertrauensmänner bezw. Vertreter der Vereinigung tSHr ITHD aus verschiedenen Gegenden Deutschlands gewählt. Es sei noch erwähnt, daß* Herr Rabbiner Dr. Dünner in Amsterdam, wie auch der Vorstand des Vereins unp rP"D in Holland der obengenannten Bereinigung mit Rat und Tat zur Seite standen, und es sind ihr auch 20 Mohelim von der holländisch - deutschen Grenze beigetreten. Die nächste Versammlung soll in Karlsruhe (Baden) stattfinden. Auf Erden will Gott weilen Im weiten Menschenkreis, Und dieser Welt erteilen Des Eden hehren Preis. Dazu will er begründen Silh treue Dienerschaft, Mit ihr sich fest verbinden Durch seiner Tauroh Kraft. Dlirch Tauroh sie erheben Zur Freiheit und zum Licht, Zu sittenreinem Leben, .Zu Recht und Menschenpflicht. Aus daß sie Tauroh übe Mit zäher Festigkeit, In selbstlos reiner Liebe Sie pflege alle Zeit. Wenn Tauroh ihr den Adel Des Lebens dann verlieh«, Soll sie, selbst frei von Tadel, Die Völker initerziehn. Und Gott wird sie geleiten Durch seine Gegenwart, Bis sie im Lauf der Zeiten Die Menschheit um sich schart. Gemeinsanl zu erkennen Gott als den einzigen Hort, Sein Mischkon zu benennen Der Menschheit Heilesort. Dann jubelt der „Misbeiach" „Moschiach" ist nun da! Sein hehrster „Lamnazeiach" Ist er, Hallelujah! W. Wolf, Cöln. Auflösung des Rätsels ln Ko» 16: ♦ nirm — nnio — nmo Brodio! „Aber Johanna, warum bist du denn so traurig?" So fragte der kleine Hermann seine Schwester. Ersterer war etwa neun Jahre alt, während letztere erst sieben Jahre zählte. Die so Angeredete stand am Fenster und ein paar große Tränen rollten über ihre Wangen herab. „Weißt du, Hermann," antwortete das Schwesterchen mit tränender Stimme dem besorgten Bruder, der sie innig liebte, „heute ist mir etwas recht Arges passiert. Ich bin mit Bella Silber nach lause. Aus denr Heimwege kaufte Bella sich Zwetschen und bot mir davon an. Eilends griff ich nach dem süßen Obst, führte eine der Früchte zum Munde, und in meiner Hast hatte ich auch schon einen Stein verschluckt. Und gestern hatte doch erst Frau Herz Muttern erzählt, daß ein Kind, das einen Kern verschluckt hatte, so schwer erkrankt ist. Auch mir ist's, als ob ich schon Schmerzen fühlte. Wenn ich nur nicht auch so krank werde." Aufmerksam hatte Hermann zugehört." Als Schwesterchen geendet hatte, stellte er sich in Positur, steckte die Händchen in die Tasche, spreizte die Beine und fragte mit ernster Richtermiene : „Hattest du auch schon Brocho gesagt?" „Nein." Bei dem schnellen Zugreiftn latte sie es vergessen: Und Mama ermahnte sie doch beständig: „Kinderchen, sagt immer recht schön Brocho, dann wird euch alles viel besser munden!" Während Johanna so nachdachte, hatte sich Brüderchen fortgeschlichen und kam bald darauf triumphieren mit einer großen, saftigen Birne zurück. Schwesterchen mußte nun recht andächttg Brocho sagen und dann tüchtig in die Birne beißen. Jetzt, nachdem sie Brocho gesagt hatte, wars der kleinen Sünderin viel leichter ums Herz, und dankbar umarmte sie ihr Brüderchen, das so guten Rat gewußt hatte. Aber niemals vergaß sie mehr Brocho zu sagen. Josef Levi, AUinchen.

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