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Der Israelit · 1907-04-25 · Heft 17 (25.4.1907) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 17 (25.4.1907)
Date
1907-04-25
Page
– (sequence 15)
Language
German
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SS.April 190T. Der JSraAit. R». 17. «eite 1L. so daß er alle menschliche Rücksicht vergessend, nur noch den einen Gedanken kennt: Rache. Inzwischen ist Baffanio an seinem Bestimmungsorte, dem Wohnsitz der schönen und reichen Porzia, angelangt. Für diese hat ihr Vater vor seinem Lode die Bestimmung getroffen, daß sie nur denjenigen heiraten dürfe, der von drei Kästchen dasjenige wählt, in welchem ihr Bild sich befindet. Nur wer von dem Glanze des goldenen und des silbernen Kästchens ungeblendet das Gefäß aus Blei ergreift, der soll ihr Gatte werden. Baffanio trifft die richtige Wahl, und Porzia wird die Seine. Auf dem Gipfel des Glückes erhält er die Trauerbotschaft, daß sein Freund Antonio, dessen Schiffe zum Teil vernichtet und zerstört sind, am Verfallstage den Schuldschein nicht einlösen könne. Von Porzia mit einer, großen Geldsumme ausgerüstet, reist er sofort^ nach Venedig, dem Freunde wenn möglich Hilfe zu bringen. Porzia eilt ihm nach und in der Verkleidung eines jungen Rechtsgelehrten tritt sie vor das Gericht, um in einer dramatisch bewegten Gerichtsszene, da Shylock auf seinem Schein besteht und schon das Messer wetzt, um dem Schuldner das Fleisch herauszuschneiden, das Urteil zu fällen: es dürfe Shylock allerdings das Fleisch seinem Schein entsprechend nehmen, aber er dürfe keinen Tropfen Blutes -aber vergießen. Der Schein ist hiermit hinfällig geworden. Nunmehr wird Shylock zum Verluste seines Vermögens verurteilt, weil er dem Antonio nach dem Leben getrachtet und nur auf die Fürsprache seines Feindes, der sich mit der Hälfte seines Vermögens begnügt, behält er die Nutznießung der andern Hälfte, die nach seinem Tode seiner Tochter zufallen soll. Shylock wird nur unter der Bedingung begnadigt, daß er sich taufen läßt, wobei uns von unserem freieren Standpunkte wobl die Frage erlaubt ist, ob denn das Christentum durch eine solche Taufe viel gewinnt. Denn daß durch die Taufe die grauenhaften Eigenschaften des Wucherers in ihr Gegenteil verwandelt werden, diesen naiven Glauben t-aut uns. wohl der Dichter selbst nicht zu. Hiermit ist der' wesentliche Inhalt des Stückes erschöpft und wir übergehen daher den 5. Akt, der die Wiedervereinigung des Baffanio mit seiner Gattin schildert, obgleich gerade dieser Teil an poetischer Schönheit besonders reich ist. — Woher hat nun Shakespeare, so müssen wir zunächst fragen, das Tatsächliche in seiner Erzählung. Welches sind seine Quellen gewesen und welche historischen Momente liegen dem Drama zu Grund? (Fortsetzung folgt.) -cherscha«. Stammbuch der Jraukkurter Jude« von Dr. Alexander Dietz. Verlag von I. St. Goar, Frankfurt a. M. Jahrhunderte zurück führt uns das vor uns liegende stattliche Buch. In jener Zeit, wo an der Stelle der heutigen „Börnestraße", die von dem modernen Verkehr durchMtet, von der elektrischen Straßenbahn durchschnitten wird, noch die alte „Judengasse" stand. Durch hohe, feste Tore von der Außenwelt hermetisch abgeschloffen, lebte ste ihr eigenes Leben, und wie reich und vielseitig dies trotz aller Abgeschiedenheit war, davon legt auch das „Stammbuch. der Frankfurter Juden" Zeugnis ab. ES bietet eine Geschichte der in dem Zeitraum von 1349—1849 hier ansässigen jüdischen Familien. In 10 jähriger mühevoller Arbeit hat der Berfaffer — Nichtjube! — mit unendlichem Meitze alles nur irgend erreichbare Material Zusammentragen. Die in den Gewölben unseres städtischen Archives schlummernden Rechen- und SchatzungSbücher des Rates, die Register der jüdischen Gemeinde, das Memorbuch, die mit dem Jahr 1624 beginnenden Aufzeichnungen der Chewrah, fie Me wurden einer genauen Durchsicht unterzogen. AlS wertvolles Hilfsmittel erwiesen sich ferner die Grabinschriften des allen jüdischeck Friedhofes, die in dem verdienstvollen Werke von Rabbiner Dr. Horovitz bekanntlich gesammelt vorliegen. Selbstverständlich wurde auch die bereits vorhandene Literatur bemrtzt und wie wir gleich hinzusügen wollen, in wesentlichen Pmcktm berichtigt. So ist denn ein Werk entstanden, das wir als einen Betttag nicht nur zur Geschichte der Frankfurter jüdischen Gemeinde sondern zur Geschichte der deuttchen Juden überhaupt bezeichnen dürfen. Denn von allen jüdischen Gemeinden Deutschlands kann sich an Alter und Ansehen kaum eine andere mit der Frankfurter Gemeinde messen. Ist doch Frankfurt die einzige Großgemeinde, deren Dasein als Gemeinde fett dem frühen Mittelatter nie eine nennenswerte Unterbrechung erfahren hatauch die Verfolgung von 1614 (Fettmilch) verursachte nur ein kurzes Intervall, nach dessen Ablauf die früheren Gemeindemitglieder fast vollMlig sich wieder hier einfanden. ES wäre ein vergebliches Beginnen, von der Ueberfülle an Material, das Dich an den Tag gezogen hat, in dem uns hier zur Verfügung stehenden Raum ein genaues Mlb geben zu wollen. Wir müssen uns damtt begnügen auf das Buch selbst zu verweisen. Nur eine Stelle scheint uns auch für die Kämpfe des Tages wichttg genug, um fie unverkürztster wiederzugeben. Ste findet sich S. 343 und lautet: „Obgleich keine deutsche Stadt einen solchen Stamm alter Familien aufzuweism haben wird wie unsere vormals freie Stadt Frankfurt a. M., so hat doch das von mir vor 10 Jahren herausgegebene Frankfurter BürgerVuch den Beweis geliefert, daß im Allgemeinen das Alter der christlichen Familien wesentlich überschätzt worden ist. Bis zu Luthers Zeiten lassen sich nur etwa 20 Familien, an deren Spitze die Holzhausen, zurückverfolgen. Gegenüber dieser Feststellung muß das nunmehr von mir nachgewiesene Atter der hiesigen Judenschast als ein ganz erstaunliches bettachtet werden. Gerade die bekanntesten und mitgliederreichsten Familien wie die Zunz (1495), Rindskopf (1498), Doctor und Dondorf (1499), Schwarzschild (1499), Cahn, Schiff und Spanier (1505), Goldschmidt (1521), Landau und Ochs (1523), Haas, Kann, Beer und Stern (1530), Hahn und Rothschild (1530), Oppenheimer (1531) und viele andere find in der Zeit vor 1550 hier eingewandert und bilden heute noch wie vor 300 und mehr Jahren den wichtigsten Bestandteil der jüdischen Gemeinde. Die im ' olgenden mitgeteilte Altersfolge der jüdischen Familien liefert sogar den ficheren Beweis, daß unter ihnen nicht verhältnismäßig, sondern auch absolut mehr alte Familien vorhanden find wie unter der ganzen übrigen Bevölkerung unserer Stadt" Nachdem der antisemitische Jargon die Ausdrücke „Wirtsvolk" und „Gastvolk" geprägt hat, um fie auf die jüdischen Einwohner Deutschlands anzuwenden uno nachdem die zionistische Agitatton vielfach naiv genug war, dies Kuckuksei unbesehen zu übernehmen, ist die obige Feststellung, die die Juden als die ältesten Einwohner der alten, ehemals freien und Reichsstadt Frankfurt zeigt, nicht ohne aktuelles Interesse. M. L. Moses, Bühnendichtung in5 Attenvon Carl Hauptmann, München 1906, G. W. Callwey. Die Geschichte des jüdischen Volkes der biblischen wie nachbiblischen Zeit ist so reich an lebenswarmen dramatischen Figuren und Momenten, daß fie den Dichtern aller Zeiten Stoff in Fülle bot, und es kann nicht Wunder nehmen, wenn die neuere Dramatik auf diese geradezu einladende Stoffülle mit Vorliebe zurückgreift. So find „Salome", „Samson und Delilah", „Judith rc. integrierende Bestandteile des heuttgen Bühnenrepertoires. Die markanteste, lebensreichste Figur der ersten jüdischen Geschichte, Moses, den Gottesmann, hat fich Carl Hauptmann zum Helden einer Bühnendichtung gewählt, und es sei schon hier, bevor auf nähere Einzelheiten des fünfakttgen Stückes eingegangen wird, hervorgehoben, daß die Dichtung mit ihren großartigen Massenauftritten, ihrem eigenartigen Volksleben, ihrer wohlberechneten Szenerie auf der Bühne gerüdezu hinreißend wirken muß. Das schließt natürlich das Vorhandensein von Mängeln nicht aus. Versuchen wir zunächst eine kurze Inhaltsangabe. Das Stück schildert uns die jüdische Geschichte von der letzten Nacht in Aegypten bis zu Moses' Tod, muß fich naturgemäß auf eine kleine Auswahl der zahlreichen Erlebnisse während der 40jährigen Wüstenwanderung beschränken, versucht aber hie und da in fast aphoristischer Weise noch Fehlendes einzubeziehen. Der erste Akt schildert die letzte Nacht in Aegypten. Der Dichter versteht es, hier die schönsten Töne anzuschlagen. Die fest auf Gort und Moses bauende Eliseba, die ängstliche, an einen Aegyter verheiratete Elomith, die gottbegeisterte, vor Alter blinde Prophetin Jocheved, die ergreifende Schilderung der Schreckensnacht in Aegypten, der Umschlag in der Sttmmung des Bottes und endlich Moses als wirklicher Mittelpunkt des ganzen Lebens und Treibens, das alles ergibt ein Kunstgebilde schönster Art, ist ein Drama für sich. Und man kann fich des Eindrucks nicht erwehren, daß der erste Att so ergreifend wirtt, weil er fich ziemlich genau an oen biblischen Bericht hält und denselben nur liebevoll ausmalt. Anders ist es schon im 2. Alle, der uns in die Wüste führt zur Zeit deS 40tägigen Aufenthaltes Moses auf Sir.ai und in der Hauptsache die Episode vom goldenen Kalbe behandelt. Hier fehlt oft die biblische Treue, an ihre Stelle ttitt die Phantafie. Nun muß ja wohl dem Dichter unbedingt das Recht zugesprochen werden, die geschichtliche Wahrheit abzuändern, wenn ein Ich glaube rttcht, daß wirksamer find als ein- Beöürfnts dazu vorltegt. Ob diesaber ier der'Fall ist? Physische Rot, Hunger, Mangel an leisch und Brot find nach Hauptmann die treibenden Kräfte fürs Verlangen nach dem goldenen Gitzendie königliche Pracht am Zelte Motzs erregt den Neid der Notleidenden- Haß gegen die Miöjaniterm und ihre Slligehörigrn erre« «ine» Aufstand, diese vhgntastischen Abänderung«» fache Verarbeitung der biblischen Berichte. Der 3. Akt «rttollt einleitend ein herrliche- Idyll vom Bau des heiligen Zettes, um dann plötzlich überzugehen in Sie Szene mit den Kundschaftern. Much den plötzlichen Umschlag der Bolksstimmung zeigt der Dichter, daß das Bott noch nicht sittlich gefestigt genug sei, und so »nutz es noch 40 Jahre wandern. Mit einer schauerlich ergreifenden, auf der Bühne wohl hinreißend wirkenden Gewitterszene — Gott verhüllt in Donnerwolttn sei« Diener u»»d sein Heiligtum vor der betörten Bölksmeage — schließt der 3. Akt. Der 4. Akt ist ei« Art Sammelakt. Da- Bolk erscheint zu einem Wüstenvolk nach Midjanttenart gewordenwir werben auf Arons Tob vorbereitet: die sinnliche Verirrung mit den Töchter« Midjcms (Simri und KoSbi) wird oargestelltdie Gesinnung SorähS tritt zu Tage- AronS Todesgang zum Berge Hör, sein letzter Segen für Israel bilden den Schluß. Alles ist hier zu aphoristisch, ausgenommen die Szene mit den schönen Töchtern MidjanS, bei der wtt den Sohn des Moses als einen ungeratenen kennen lernen. Der eifernde PtnchaS, die Rotte KorahS usw. werden unangenehm vermißt, wenn auch naturgemäß Beschränkung geboten war. Der 5. Att schildert uns die grausige Niederlage der emor.ttschen Könige Schon und Og und in logischer Folge den Versuch Balaks, Israel durch Bileam verwünschen zu lassen. Auf dem Berge, den die Mannen Balaks verlassen, erscheiitt Moses mtt Josua, die Fluchszene (DeuL 27) spielt fich als Dialog' zwischen beiden abdort auf Rebos Felsenspitze, im Angesichte des heil. Landes, erftrlgt Jostras Segnung und Einsetzmrg zum BolkSführer sowie MoseS Tod, währerrd unten daS Volk mit'zuversichtlichen Gesängen hinüberzieht irrs Land der Väter. So zeigt fich immer wieder, daß der Dichter am wirkungsvollsten da erscheint, wo er tteu der Bibel solar, und merklich abfällt, werm er abwetcht. Müßte nicht beispielsweise die Einsetzung Jofuas vor dem ganzen Volke, und Moses einsamer Gang zum Nebo weit dramatischer wirken? Und warum die geradezu wässerige Umschreibung des Dekalogs im 3. Akte? Ein eigenttiches Drama soll das Stück nicht sein, es zeigt im Aufbau nicht die dazu notwendigen Momentewohl aber ist es ein dramatisches Lebensbild und dieses mußte bei einer solchen Stoffülle eine Auswahl treffen. Ob diese immer glücklich war? Ob überhaupt der Stoff fich in ein Bühnenstück zusammendrängen läßt? 1 rwffK TTD2 rMlD K’HB'frpJÜK /iiDbnn nnsD mipD nmo^nn moon pin n* D^3pDn niDipon nvmn ojt oDtorpi 'boa □■‘ttnson n*wm '121 noo ,*r©D , «n^DDD DVDlDni / geordnet und herausgegeben von vr. M. Guttmann,RabbinerinCsongrad,Ungarn. I. Band, 1. Heft, 80 S. 8. Preis Kr. 1.60, im Selbstverlag beS Verfassers. - Die vorliegende Schrift fft der erste Teil einer großangelegten talmudischen Encyclopädie und erinnert auf den erstcn Augenblick an Lamprontis Pachad Jizchak. Offenbar hat der Berfaffer sich dieses Werk zum Vorbild genommen, wenn auch in der Einteilung und Aufarbeitung des Materials verschiedene Abweichungen wahrnehmbar find. Die einzelnen Artikel find ausführlicher behandett, die talmudischen Quellen möglichst vollständig zittert und an zahlreichen Stellen durch Erläuterungen ergänzt. Die Auswahl der Themata entspricht dem Systeme Lamprontts, nur mit dem Unters Hub, daß Lamprontt zahlreiche religionsgesetzliche Fragen, m denen er selbst ein entscheidendes Votum hatte, samt den aktuellen Gutachten seiner Zeitgenossen, in fein Werk ausgenommen, was beim Berfaffer deS -fiD^nn nnnn selbstredend nicht der Fall ist, gar nicht sein kann. Ueberhaupt hat Berfaffer die letzten Instanzen der O'SvIO □'OVUIN ganz unberücksichtigt gelassen, wodurch dieses sonst brauchbare Sakwrelwerk an praktischem Wert verliert. Im Nebligen wollen wird die weiteren Lieferungen abwarten und erst dann ein Utteil über diese immerhin wertvolle Arbeit fällen. Verfasser, der ehemaliger Schmer von ist, genießt den Ruf eines Fachgelehrter», schreibt ein fließendes Hebräisch und bekundet großen Eifer für die Sache, in deren Dienst er getreten. Möge es ihm gelingen, fich den Beifall aller wahren Thorafreunde zu erwerben. H. (Siterar. Srotiz.) Unfern geehrten Lesern zur Mitteilung, daß in den letzten Tagen das 2. Heft des 8ikrv suta mit hebräischem Kommentar erschienen ist, gleich dem ersten, vom Herausgeber (Herrn Rabb. Dr. Koenigsberger in Pleschen) zum Preise von je 1 Mk. zu beziehen ist. Der Sikrv sata enthält den Midrasch aus der Schule des R. Akiba (ev. 8!krö ck'ds R. Simon zu nennen) zu Numeri; seine Bearbeitung erfolgt nach dem berühmten Manuskripte des Midrasch hagadol und verschiedenen Druckwerken. Wir werden bald darüber näher berichten.

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