Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1907)
- Date
- 1907-04-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Uereiirswmn. Frankfurt a. M , 22. April. Der Verein „Mekor Ohajim" in Frankfurt a. M. versendet an die zu Ostern aus der Schule entlassenen jungen Leute sowie an die jüngeren Gehülfen in kaufmännischen Geschäften folgende Einladung zum Beitritt: „Wir nehmen hiermit Veranlassung, Ihre Aufmerksamkeit auf die Tätigkeit unseres Vereins zu lenken. Unser nunmehr seit mehr als 30 Jahren wirkender Verein hat sich die Aufgabe gestellt, durch ein mannigfaltiges. Programm jedem Thorabeflissenen, auch dem nicht mit großen Vorkenntnissen ausgerüsteten Laien, Gelegenheit zum Studium der Thora zu bieten und auf diese Weise zu einer Verallgemeinerung des Thoralernens nach Kräften beizutragen. — An der Hand unseres Lehrplanes werden Sie zugleich ersehen, daß unser Verein eine willkommene Stätte bietet für die Ruhepausen des geschäftlichen Lebens, wo die erwachsene Jugend Gelegenheit zu edler Nutzanwendung ihrer Muße stunden findet und der Geist sich im Kreise erprobter Gesinnungsgenossen zu erheben und an dem ewig sprudelnden Quell unserer heil. Thora zu erfrischen vermag. .Wer als gesetzestreuer Jude offenen Auges unsere häutige Zeit verfolgt, wird zugeben müssen, daß im Interesse -er Kräftigung eines wahrhaft jüdischen Bewußtseins mehr als je eine Ausrüstung mit dem Geiste jüdischer Lehre vonnöten ist. Gilt es doch in unseren Tagen, den Juden, dör von allen Strömungen der Zeit, von ihren Wahrheiten und Jrrtümern erfaßt wird, mit dem Gedankeninhalt unserer alle Zeiten überragenden göttlichen Lehre so sehr zu erfüllen, daß er dadurch befähigt werde, das Leben und seine Erscheinungen aus dem rechten Gesichtspunkte zu würoigen und Gedanken in ihm geweckt, berichtigt und geAäftigt werden, aus denen das zielbewußte, charakterfeste und echtjüdische Tatenleben zu erblühen vermag. Nur im Thoralernen wurzelt die Gewähr ftir die unentwegte Erfüllung der Gottesgebote. Ganz besonders aber sollte der Gedanke bei Allen Eingang finden, daß ebenso wie der Schluß des Schulbesuches keineswegs das Ende der profanen Ausbildung bedeutet, wie vielmehr die Ertüchtigung im Berufsleben noch weitere Studien verlangt, ebenso auch — und in noch höherem Maße — mit dem Hinaustritt aus der Schule ins Leben eine fortgesetzte, nie endende jüdische Lernarbeit Platz greifen müsse. — Wir richten daher auch an Sie die frdl. Bitte, unserem Vereine als Mitglied beizutreten und fügen hinzu, daß nach 8 4 unserer Statuten der Jahresbeitrag für junge Leute vom 14. bis zum vollendeten 17. Lebensjahre Mk. 2.— beträgt. — Wir wollen jedoch nicht unterlassen, zu bemerken, daß auch Nichtmitglieder an allen Vereinsvorträgen teilnehmen können." Hamburg, 22 April. Die jiarnp *0311 Langenfelde ijj Hamburg veranstaltete am -yv>$; n"l eine ChewramWD. Als Ehrengäste waren erschienen der Herr Oberrabbiner, Rabb. Dr. Nobel, die Rabbiner der Alten Neuen Klaus, die die Besitzerin des fTQ Langenfelde ist, sowie die Verwaltungsmitglieder der Klaus. Herr M. I. Majer, der Vorsitzende der p"n hielt die Begrüßungsansprache, der während des Mahles zahlreiche andere anregende Reden folgten. Angenehme Unterhaltung boten auch die Darbietungen des Herrn Oberkantor Rosenblatt. I Frankfurt a. M., 22. April.^Jm R. P.^Beth Hamidrasch hier, Rechneigrabenstraße 12, II. findet am nächsten Sonntag, 28. April, nDD 4—7 Uhr Nachmittags ein mm 1DD rQVD D'PD statt, wobei Jedermann Gelegenheit geboten ist, sich an 'n'D rOYQ DlJfD persönlich zu beteiligen. Mainz, 15. April. Der hiesige Israel. Hospitalverein verpflegte im abgelaufenen Rechnungsjahr 259 Patienten (gegen 162 im Vorjahres 128 Operationen wurden gegen 64 im Vorjahre vorgenommen. Im Psründnerhause befanden sich 7 Pfleglinge, diese werden aus den Zinsen einer besonders hierfür errichteten Kappstiftüng unterhalten. Auch im abgelaufenen Jahre haben mehr N i cht j u d e n als Jaden'da r Spital frequentiert. Personalien. Frankfurt a. M., 22. April. Ein Stück Geschichte des gesetzestreuen Judentums in Deutschland ist ins Grab gesunken, "eiti MattNaus wahrhaft guter alter, Zeit, ein ragendes Denkmal ihrer Kraft und ihres Schwunges — Su 00 Böndi, den achtzigjährigen Jüngling, den rastlos chaffenden, wir haben ihn nach Mainz gekettet zur Ruhestätte seiner Ahnen, zur ewigen Ruhe.- In Halberstadt war es, um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, als dort eine Anzahl ernster Männer ernste Beratung pflegten. Joseph Hirsch und feine Brüder, Israel Hildesheimer, Dr. Lehmann und Hugo Bondi, sie berieten, was denn nun geschehen könne im Angesichte der immer drohenderen Gefahren, die von allen Seiten auf bas alte Judentum einstümtten. Sie alle waren keine Neulinge mehr im heiligen Kampfe, sie alle hatten bereits in Tat und Wort und Schrift für die höchsten Anliegen ihres Lebens gekämpft, aber die «Reform" erhob kühner denn je. ihr Haupt und noch fehlte der Führer, der in überragender Geisteskraft die Zerstreuten um sich gesammelt Hütte. Da gingen sie denn hinaus und ergriffen die hingeworfene sturmerprobte Fahne der Väter. Jever kämpfte in seiner Art, mit seine« Fähigkeiten und mtt seinen Mitteln und wahrlich Hugo Bondi, war keiner der geringsten unter ihnen. Eiserne Energie, veisprelkoser Fleiß, hervorragende Auffaflungsgabe und eine tiefe Kenntnis jüdischen und profanen Wissens, das waren die Eigenschaften, die er nicht auch sondern in erster Linie in den Dienst der von ihm als wahrhaftig erkannten heiligen Sache stellte. So wurde er Mitbegründer der Mainzer Israelitischen Religions-Gesellschaft, die in ^Verbindung mit ihrer großen Frankfurter Schwester bald vorbildlich werden sollte für so viele andere Kreise, die fich durch die Gewaltherrschaft der damaligen Neuerer in ihrem Gewissen aufs tiefste verletzt fühlten. Auch daß sein Schwager Dr. Lehmann veranlaßt wurde, seine geschickt geführte Feder der Herausgabe eines echt jüdischen Blattes zu weihen, war nicht zum wenigsten der Initiative Hugo Bondis und sejner Anregung zu danken. Unendlich schwerer als diese Kennzeichnung äußeren Wirkens ist es, der Persönlichkeit eines Hugo Bondi in dem.knappen Rahmen eines Abschiedswortes auch nur von Ferne gerecht zu werden. -pW*? jjiyi vpy — diese Devise seines großen Vaters, Rabbi Samuel Bondi hat der Sohn mit dem Einsatz seines ganzen Wesens verwirklicht. Eine eiserne Selbstzucht, die ihn bis in die letzten Wochen seines Lebens mit allen Erziehungsmitteln der praktischen jüdischen Ethik an sich arbeiten ließ, und die sich doch scheu vor dem Auge jedes Dritten barg — die liebreichste Milde gegen alles, was Menschenantlitz ttug undeine leuchtende Freundlichkeit im Kreise der Freunde' und Gesinnungsgenossen — die echte alte Thorafteude an jedem guten, geraden'Thora-Wort und ein genußfreudiges Auskosten der Wonnestunden, die das jüdische Leben mit seinen Freitagabenden und Sabbathen seinen Jüngern gewährt — dabei jene charaktervolle, von scharfem Blicke und gereister Weisheit gettagene Urteilskraft, die sich von keiner Erscheinung der Zeit verblüffen und von keinem falschen Schimmer auch nur für Augenblicke blenden ließ — das sind ein paar wahllos gepflückte Blumen aus dem reichen, sastdurchströmten Lebensgarten Hugo Bondis, dessen Duft — "pW DTin JDW- — nimmer verwehen und vergehen kann. Mainz—Halb er stad t—Frankfurt — waren die Lebensstattonen in der langen Pilgerfahrt Hugo Bondis. In Mainz ruhten die Wurzeln seiner Kraft, dort hat er als. Kaufmann seine Energie betätigt, dort, in seinem als Segensquell geöffneten Hause dem Ideale nachgelebt, das ihm seit den Halbe, städter Tagen in der machtvollen Persönlichkeit Josef Hirschs sein Leben lang vor Augen stand. Die letzten sechszehn Jahre durste die Frankfurter Religionsgesellschast des Glückes sich rühmen, die greise, jugendfrische Gestalt in ihrer Mitte leben und wirken zu sehen. Und es war in der Tat die Vielseitigkeit und Lebendigkeit des Jünglings, die et? hier noch einmal betätigte und die ihn in dem reichen sozialen Leben der Frankfurter Gemeinde keinen Glückwunsch, keinen Händedruck im Leid — und galt es auch vier Treppen zu erklimmen — verabsäumen ließ. Nun ruht er aus, wo er geboren und wo er an der Seite seiner Gattin zu schlummern gewünscht hatte. Von Frankfurt waren zur Bestattung Herr Rabbinec Dr. Breuer, Herr Dir. Dr. Lange und eine Reihe anderer angesehener Mitglieder der Frankfurter Religionsgefellschaft erschienen, von Darmstadt Herr Rabbiner Dr. Marx, von Wien, Amsterdam, Halberstadt, Karlsruhe, Leipzig usw. die Verwandten. Zwei Mitglieder der Frankfurter Chewra kadischah begleiteten den m# nach dem Mainzer Friedhofe. Herr Rabbiner Dr. Bondi- Mainz, der Neffe des Dahingeschiedenen widmete ihm einen ergreifenden Nachruf. Er schilderte Einzelheiten aus seinem Leben, die uns den herben Verlust noch um so tiefer empfinden ließen. Er gedachte der früh dahingegangenen Gat;in, aus dem vornehmen jüdischen Hause Lehren-Amsterdam. Als junger Mann habe er die Vorzüge des Alters besessen — Erfahrung und Einsicht, und als schon Achtzigjähriger sei er noch mit Jugendkraft für seine Ideale eingetreten-Die Sonne durchbrach das Wolkendüster, als der Grabhügel fich schloß über Hugo Bondis irdischen Ueberresten, — „denn die ihn lieben, find wie die Sonne, die heraustritt m ihrer Kraft ijn cbtyb □’CD’DD □'QID '»p'HSDV" - Berichtigung. In dem Bericht aus Leipnik vom IS.d.DttS. hat sich ein Fehler eingeschlichen, der der Richtigstellung bedarf. Es soll selbstverständlich heißen: politisch-selbständigen Judengemeinde" und nicht „galizisch-selbständigen Gemeinde." Für de« Reklamenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist eS ausschliesslich Sache der Leser, die im Reklametett enthaltenen Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstige Angabe« religionsgesetzlichen Charakters ans ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Kaiser Quelle 6340) - Offenbaeh ». II. - Gegen Gicht u. Rheumatismus bewahrt.“ n Kirchliche u. natürliche Mineralwasser ------- «epselwein ------- »lsschenbier — <6777) . liefert frei in$ HauS R. Hissenbaum, Frankfurt a. M., Ostendstr. 75. -—.———— Telephon 5441. ———-—— Natürlicher Biliiir Saierlrvii diätetisches Tafelwasser erfrischend - wohlschmeckend - SiBIftilOIld reine nafurfüitung inVi u-1/» ¥1. überall erhältlich. Haupkniederlage in (6687) Frankfurt a.M. bei H. Kölsch DTachf., Rebstock L Eine edle Himmelsgabe ist das Licht, sagt Schiller. Eine Himmelsgabe aber ist auck, was dem Menschen zu Hil e kommt, wenn er unter Witterungseinflüffen leidet, wenn er hustet, verschleimt ist und Schlingbeschwerden hat, wenn die Bronchien belegt sind und das Atmen erschweren. Und solch eine Hilfe bietet seit fast drei Jahrzehnten schon Fahs ächte Sodener Mineral-Pastillen dar, und ihre Anwendung bei all den aufgeführten Beschwerden ist heute schon ganz selbstverständlich. 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Daß uns Kommisstonsrat Alb. Schumann nur mit erstklassigen Ueberraschungen auch diesmal austvarten wird» dafür bürgt uns schon der Name Schumann. Der Börverkauf für die Eröffnungs-Vorstellung beginnt beute schon an der Zirkus-Kaffe. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 8. Auflage, Baud 14 Mittewald bis Ohmgeld. Leipzig. Biblia» graphisches Institut. Das Meyer sche KonversatiouS-Lexikon war in der jüngsten Zeit Gegenstand von Angriffen, die von jüdischer und judenfteundlicher Seite erfolgten. ES war in einem seiner Artikel, wie der Verlag mitteilte, durch Hmweglaffung eines Wortes der Schein erweckt worden, als huldigten Mitarbeiter an diesem Werke antisemitischen Anschauungen. Das ist nun um so merkwürdiger» als an dem Werke nicht wenige Juden mithelfen und ein großer Teil der Juden mü> Judentum betreffenden Ariikel, der Feder von Rabbinen und anderen jüdischen Gelehrten entspringen. Da mm das Biblio» graphische Institut Berichtigungen und Ergänzungen sehr gern entgegennimmt, so braucht man keinen Anstand zu nehmen, den neuen Band den Lesern zu empfehlen» in der Hoffnung, daß die Erfahrungen, die das Institut bisher damit gemacht hat, ihm willkommenen Anlaß bieten, in Zukunft alle Judaica von vorurteilslosen Männern behandeln zu lasten. Dann dürsten wich! keine derartigen Beschwerden mehr erfolgen. Daß der neue Band in anderer Hinsicht vollkommen auf der Höhe der früheren steht, braucht wohl nach den vorangegangenen Besprechungen kaum mehr gesagt zu werden. m-n. > .La.JZ