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Der Israelit · 1907-04-25 · Heft 17 (25.4.1907) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 17 (25.4.1907)
Date
1907-04-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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s Skr..L7. DerMeMt. «pÄWM £ ein, was sich ihm als Tatsache erweist. Ja, er erklärt von vornherein auch für alle Zukunft, daß er seine Anschauungen ändern würde, wenn die Wiffenschaft zu neuen, tatsächlichen Ergebnissen fortschreiten würde. So würde er auch die Urzeugung und die Abstammung des Menschen vom Tier nach der leiblichen Seite zugestehen, wenn dies beides von der Wiffenschaft als Tatsache einmal erwiesen würde. Dies ist bis jetzt nicht geschehen und daher abzulehnen. Zweierlei fteilich würde er nie anerkennen, und er käme auch nie in die Verlegenheit, das zu tun, weil dies nicht Gegenstand der Naturwissenschaft oder irgend einer Erfahrungswissenschaft sei: die Unerschaffenheit der Welt und die Ableitung des Geistigen im Menschen, die Seele, von dem Körper. Welche Stellung muß das gesetzestreue Judentum zu diesen Auseinandersetzungen einnehmen? Um das Resultat gleich vorauszuschickeu: zum Teil zustimmend, zum Teil ablehnend. Bor allem machen wir uns die letzten Ausführungen des Redners, das schöne Bild von dem Felsen und der Woge zu eigen. Nur daß wir statt „christliche Weltanschauung" immer „jüdische Weltanschauung" setzen. Da es sich um den Glauben an einen Schöpfer handelt, so sind sie inbezug auf diesen Punkt beide identisch. Nun zu dem Einzelnen. Was zunächst das Prinzip betrifft, daß der Aus gleich zwischen Wissenschaft und Religion, zwischen Natur und Offenbarung versucht werden müsse, daß der Glaube die Wiffenschaft nicht ignorieren dürfe, so ist das der leitende Gedanke bei unseren mittelalterlichen Religionsphilosophen. Das Motto, das Wasmann an die Spitze seines großen Weickes: „Die moderne Biologie und die EntwtÄungstheorie" stellt: „es kann niemals 'ein wirklicher Widerspruch zwischen Glaube und Wissen bestehen", könnte ebenso gut für die Werke eines Sandja, Maimonides, Crescas u. a. gelten. Dies Prinzip hat nicht bloß den Sinn, daß die Religion sich gegen die Angriffe, die aus der Wiffenschaft sich erheben, apologetisch wenden müsse. Das wäre nur ei« Opportunitätsgrund, der freilich heute, wo diese Angriffe so Biele der Religion entfremden, schwer ins Gewicht fällt. Aber es wäre immer nur ein Grund, der außerhalb der Forderung der Religion läge. Die Religion ist vor der Wissenschaft gewesen, sie hat eine hohe Blüte im Geiste von Männern entfaltet, die der Wiffenschaft ihrer Zeit fern standen, und sie ist auch heute noch in ganzer Kraft wirksam in den Gemütern derer, denen alle Probleme der Apologetik fremd sind. Man könnte demgemäß, theoretisch wenigstens, die Forderung aufstellen : die Religion muffe sich völlig unabhängig von allen Erörterungen der Wissenschaft halten. Dies ist aber nicht die Meinung unserer Religionsphilosophen. Sie betrachten die Auseinandersetzung mit der Wissenschaft als eine religiöse Pflicht, ja als eine Grundforderung der Religion. R. Bkchai ibn Pakuda steht sicher nicht im Verdacht, ein Rationalist zu sein, und doch, wie energisch verficht er den Satz, nur der Glaube sei der rechte Glaube, der zum Wissen wird, mit der Ueberlieferung dürfe sich nur der begnügen, dem es an den geistigen Fähigkeiten mangele, sich in die Grundlagen des Glaubens zu vertiefen. Ja, er verfteigt sich zu dem Satz: ny ths Sy -neyS irvom iS^w nsntp ’o mSpm roSxyn ’tewa 12 p^ySo imnajn Snptr Sy^Dttw nt Sy twya ton irrnnm Sun mxös i3DD'oSynn ntPK „derjenige, der Denk- und Erkenntnisvermögen genug besitzt,sich über das, was ihm überliefert worden, Gewißheit zu verschaffen^und nur, weil er zu träge ist und es mit dem göttlichen Gebote leicht nimmt, sich davon abhalten läßt, sich denkend darin zu vertiefen, der wird dafür bestraft werden und seine Unterlassungssünde büßen müssen" („Herzenspflichten" ed. Fürstenthal S. 14 b). (Fortsetzung folgt.) LtJfCt. orrespondenzen und Nachrichten. Deutsches Metch. . Frankfurt a. M, 22. April. Aus dem Bureau der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" wird uns geschrieben: „Nachdem die erste Ausführungsanweisung zum neuen Bolksschul-Unterhaltungsgesetz nunmehr erschienen ist, hat die „Freie Bereinigung" eine aus pädagogischen und juristischen Sachverständigen bestehende Sondcrkommission niedcrgesetzt, die cs sich zur Aufgabe machen wird, die jüdischen Gemeinden bei der Neuordnung und dem Ausbau ihrer Schulverhältnisie auf Grund des neuen Gesetzes zu beraten. WäbreNd es sich, soweit die Förderung bestehender jüdischer Volksschulen und die "Neuerrichtung jüdischer Volksschulen auf Grund des Gesetzes in Frage kommt, zunächst nur um vorbereitende Schritte bei den Kommunen handeln kann, gilt es vor allem die wirksame Ausführung der auf Anregung der „Freien Bereinigung" vom Abgeordnetenhause beschlosienen Resolution hinsichtlich des Religionsunterrichtes zu sichern. Die Resosution hat bekanntlich folgenden Wortlaut: „Die Kgl. Staatsregierung wird ausgesordert, Mittel in den Staatshaushalt einzustellcn, um da» wo für den jüdischen Religionsunterricht nicht durch jüdische öffentliche Schulen oder seitens der jüdischen Gemeinden durch Anstellung jüdischer Lehrkräfte an den öffentlichen Volksschulen oder in anderer Weise gesorgt ist, den Synagogen-Gemeinden die Beschaffung des jüdischen Religionsunterrichts ztk erleichtern." (Bericht A. H. S. 311, 324, 614). Es sollen diese Religionslehrer angemeffen besoldet sein (Sten. Bericht A. H. 5196, 5197). Zur Ausführung dieser Resolution ist es notwendig, der Königlichen Staatsregierung ausreichendes Material über die Unterstützungsbedürstigkeit. der in Betracht kommenden jüdischen Gemeinden zu unterbreiten. Zu diesem Zwecke hat die „Freie Vereinigung" bei den preußischen Gemeinden eine Umfrage in Form einer ausführlichen Spezialenquete veranstaltet und ist zur Zeit mit der Bearbeitung des eingelaufenen Materials beschäftigt. Diejenigen Gemeinden» die den versandten Fragebogen noch nicht beantwortet haben sollten, werden im eigensten Interesse gebeten, dies schleunigst nachzuholen, da die für den Etat 1908109 bestimmten Forderungen der einzelnen Ressorts bereits in der nächsten Zeit dem Finanzminister vorgelegt werden müssen., Hinsichtlich der Neuerrichtung jüdischer Volksschulen und der finanziellen Unterstützung bereits bestehender Schulverbände tragen die Ausführungsbestimmungen den Wünschen der gesetzestreueu jüdischen Gemeinden in weitgehendstem Maße Rechnung. Die Schulkommission der „Freien Bereinigung" wird die Beteiligten demnächst in besonderem Rundschreiben auf die in dieser Beziehung jetzt zu ergreifenden Maßnahmen Hinweisen und ist im übrigen schon heute gern bereit, Einzelanfragen sorgfältig zu beraten und zu beantworten." Sämtliche Anfragen sind an den Vorstand der „Freien Bereinigung für die Interessen des orthödoxen Judentums" zu richten. Hamburg, 22. April. In der jüngsten Repräsentanten - Versammlung lag ein Antrag des Gemeindevorstandes auf Erhöhung der Subvention für die Talmud-Tora-Realschule vor. Dieser Antrag, der schon seit Jahren auf der Tagesordnung erscheint, wurde nur unter der Bedingung größeren Einflusses des Repräsentantenkollegiums auf die Schulverwaltung, worauf diese aber nicht einaehen kann und darf, genehmigt, also de facto abgelehnt. Aus dieser Veranlassung findet heute Abend eine große Versammlung von Gemeindemitgliedern statt, worin Stellung zu dieser überaus wichtigen Frage genommen werden soll. 23. April. Wie Ihnen bereits mitgeteilt wurde, fand gestern Abend im großen Saale des,Logenheim^ eine'Bersammluya von Gemeindemit und ehemaligen SchüKrn der Talmüd-Tora- Realschule statt.- Vom Vorstand der Schule waren zwei und vom Repräsentantenkollegium drei Mitglieder erschienen. Gegen 9 Uhr eröffnete der Vorsitzende des „Vereins zur Förderung jüdischer Gemeindeintereffen in Hamburg", Herr Jos. I. Bachrach, die imposante Versammlung und gab nach einigen einleitenden Worten dem Referenten, Herrn Joseph Ritter, das Wort. Dieser dem Repräsentantenkollegium ungehörige Herr wollte sich objektiv, ohne Rücksicht aus feine ablehnende Haltung im Repräsentantenkollegium, über den Gegenstand der Tagesordnung- „das Verhältnis der Talmud-Tora-Realschule zur Gemeinde und die beantragte Suventionserhöhung seitens der letzteren", verbreiten, ging aber sehr bald dazu über, seinen im Repräsentantenkollegium eingenommenen von der Versammlung desavouierten Standpunkt zu rechtfertigen, der sich nur aus dem Umstande, daß Herr Ritter kein Schüler der Talmud-Tora-Realschule gewesen ist, erklären läßt. Ihm folgte HerrA. Wittmund als Vorsteher der Talmud-Tora-Realschule, der in beredter und überzeugender Weise die Berechtigung der erhöhten Subventionsforderung darlegte. Nach dem Vertrage der Schule mit der Gemeinde hat erstere der Gemeinde gegenüber die Verpflichtung übernommen, die Kinder unbemittelter Gemeindemitglieder ohne Zahlung aufzunehmen, wofür die Gemeinde jährlich 15000 Mark an die Schule zahlt und durch einen Gemeindevorsteher das Präsidium derselben führt) außerdem wählt das Repräsentantenkollegium die Hälfte der Schulvorsteher jedesmal nach einem vom Schulvorstand einzureichenden Wahlvorschlag während die andere Hälfte vom Schulvorstande selbst kooptiert wird. Die Schule hat aber ein Budget von 90000 Mk. bei einer Schülerzahl von 600 (also von 150 Mk. pro Kopf), von denen jedoch in Gemäßheit des Vertrages etwa 250 unentgeltlichen Unterricht genießen, (was eiE Leistung von 37500 gleichkdmMt.) Mit Rücksicht auf die Notwendigkeit die Gehälter der Lehrer zu erhöhen und um den modernen Bedürfnissen der Unterrichtsmittel Rechnung tragen zu können, beantragt die Schule eine Erhöhung jener sogenannten Subvention um 10000 Mark, (also auf 25000 Mk). Der Gemeindevorstand fand sich bereit einstweilen 20000 Mk. zu zahlen, während das Repräsentantenkollegium eine Erhöhung nur unter der Bedingung bewilligen wollte, daß dem Kollegium ein größerer Einfluß auf die Gestaltung der Schule eingeräumt werde. Die Schule zeigte angesichts des dringenden Bedürfnisses einiges Entgegenkommen, war aber nicht geneigt, sich wandelbaren Majoritäten preiszugeben, wie sie das RepräseNtantenkollegium nun einmal mit sich bringt. Der Redner forderte, daß der traditionelle, strengkonservative Charakter des Instituts gewahrt hleibe, davon sei die ganze Zukunft der Gemeinde abhängig) die Versammlung möge zu dem Streit, welchen die Schule mit dem Repräsentantenkollegium habe, Stellung nehmen und den Schulvorstand in seinen Bestrebungen unterstützen. Lauter Beifüll dankte dem Redner urkd' bewies ihm die. Sympathien der GemeindemikgliHex, — Hierauf ergriff Herr H. Bachrach dris Wort und berichtete über seine im Repräsentantenkollegium in dieser Angelegenheit entfaltete Tätigkeit. Er habe dargelegt, daß die Schule weit über ihre Bertragsverpflichtunaen leiste) sie brauche nur die Kinder notorisch armer Eltern Unentgeltlich aufzunehmen, nicht aber solche, deren Ettern nur behaupten kein Schulgeld zahlen zu können, ohne daß die Behauptung als zutreffend anerkannt werden müßte. Wollte die Schule den Vertrag mit der Gemeinde kündigen, dann müßte diese nach dem Inhalt der Gemeindestatuten zum mindesten eine eigene Volksschule errichten, für die sie einmal kein geeignetes Lokal zur Verfügung hätte, die aber außerdem wohl noch mindestens an 40 000 Mk. pro Jahr kosten würde. Wenn man bereits den Einfluß des Repräsentantenkollegiums soweit ausgedehnt habe, daß es die Hälfte der Schulvorsteher ernenne,

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