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Der Israelit · 1907-04-25 · Heft 17 (25.4.1907) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 17 (25.4.1907)
Date
1907-04-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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der modernen höheren Tochter reale Mittelpunkte und Ziele zu gewähren und damit eine Stimmung zu schaffen, die der Entfaltung spezifisch . jüdischer Religiosität günstig ist. Selbstverständlich gilt die Forderung vertiefter und erweiterter jüdischer Bildung nun erst recht für die Schülerinnen dieser Lyceen. Mit Lehrstoff nicht überlastet, gestatten sie, im Anschluß an jüdische Schulen errichtet, die willkommenste Ausgestaltung durch die Disziplinen des jüdischen Wissens, ohne daß eine Ueberbürdung zu befürchten wäre. Bon welch weittragender Bedeutung aber die rechte Lösung des Frauenbildungsproblems für die ganze Zumnft der Kulturmenschheit ist, und in verschärftem Maße für den im modernen Kulturleben stehenden Teil des jüdischen Volkes, das soll eine spätere Betrachtung zeigen. Moch-inmilWart. Konfraflroirhung. Vor reichlich einem Vierteljahr hat der „Verband der deutschen Juden" Leitsätze zum preußischen Volksschulgesetz veröffentlicht. Da der Verband seinen Tatendrang nicht solange bemeistern konnte, bis der Kultusminister seine Ausführungsbestimmungen erlassen hatte, so erlebt man jetzt, nachdem die ministeriellen Anweisungen erschienen sind, eine Kontrastwirkung, die als ein wertvoller Beitrag zur Charakteristik des „Verbandes der deutschen Juden" festgehalten werden muß. Nummer I. der Verbandsleitsätze (siehe Nr. 3 d. I. Leitartikel sowie Korrespondenzen und Nachrichten) ist überschrieben: „Auflösung einer bisher bestehenden jüdischen Volksschule". Hätte der Minister diesem Beispiel folgen wollen, jo enthielte der das jüdische Schulwesen betreffende Teil seiner Verfügungen an erster Stelle eine Erörterung des § 65 des Gesetzes, der von der Aushebung öffentlicher Volksschulen handelt. Statt dessen macht jedoch der Minister vor allem daraus aufmerksam, daß für die jüdischen Volksschulen der Status guo erhalten bleibt. Dann folgt die sehr wertvolle Feststellung, daß §§ 14—18 ff. auf jüdische Schulen Anwendung finden, daß diese also nicht nur in allen Provinzen der Monarchie auf Zuschüsse von Seiten der Kommunen, sondern auch in demselben Maße wie nichtjüdische Anstalten aus Staatsbeiträge Anspruch haben. In den Leitsätzen des Verbandes, die den Gemeinden zur Richtschnur dienen sollten, war auf keinen dieser Ansprüche aufmerksam gemacht, dafür aber umso nachdrücklicher der praktisch ganz wertlose Rat gegeben worden, die Errichtung sogenannter jüdisch-christlicher Schulen anzustreben. Diese Gegenüberstellungen mögen genügen. Man sieht, es ist doch gut, daß der Kultusminister und nicht der ^Verband derdeutschen Juden" die oberste Schulbehörde in Preußen ist. vulgmien und Rumänien. Während in Rumänien die Juden beraubt, mißhandelt und vertrieben wurden, ohne daß die rumänischen Staatsmänner sonderliches Mitgefühl an den Tag gelegt hätten, hat die Regierung des benachbarten Bulgarenlandes ein Beispiel schönster Menschlichkeit gegeben. Herr Gudeff, der Premierminister, hat die nach Bulgarien flüchtenden jüdischen Scharen bereitwillig ausgenommen und den Polizeiorganen des Landes ein freundliches Verhalten gegenüber den Zuflucht Suchenden anbefohlen. Dieses Beispiel übte denn auch auf die christliche Bevölkerung eine gute Wirkung aus, und die von allem entblößten Ankömmlinge fanden^auch in vielen nichtjüdischen Häusern gastliche Aufnahme. Als aus Philippopel die Nachricht kam, . daß dort nach rumänischem Muster von Mazedoniern und Zigeunern ein Pogrom vorbereitet werde, ließ der Premierminister sofort in dieser und in allen anderen Städten energische Maßnahmen zur Unterdrückung jeder Judenhetze ergreifen. Das Schreiben, in welchem er den Präfekten seine Befehle erteilte, legt Zeugnis ab von der edlen Gesinnung, die Herrn Gudeff beseelt. Er sagte darin u. a.: „Mit Rücksicht auf das Passahfest und den Ausbruch der Agrarrevolution im benachbarten Rumänien, die anttsemitischen Charakter trägt, ist es unbedingt notwendig, daß Sie jenen Vorgängen (den antisemitischen Hetzereien) ihre ganze Aufmerksamkeit zuwenden, um Grausamkeiten gegen die Juden zu verhindern. Ich ersuche daher alle Gouverneure des Landes, keine, wenn auch noch so unbedeutende, anttsemitische Bewegung zuzulaffen". Uebrigens ist diese tolerante Denkart auch bei den früheren bulgarischen Regierungen vorhanden gewesen. var iUdfscbe venMWM keitsbewuBtseln. Bon Bar Menachem. Wir werden durch den dieswöchentlichen Thora- Abschnitt in die Gefühls- und Gedankenwelt unseres heiligsten Tages versetzt. Acharei-maus ist jene Perikope, die wir auch am D'HSDn DV rur Vorlesung bringen. Wir sehen den hohen Priester in der ganzen Würde seines heiligen Berufes. Als der ideale Vertreter des jüdischen Volkes hatte er am Versöhnungstage das Band zwischen Israel und seinem Gott in bedeutungsvollen Handlungen neu zu knüpfen. Und welche Weihe diesen Dienst umgab, davon mag — um nur eins zu erwähnen — die Tatsache zeugen, daß für den *?iti ]i"D eine siebentägige Borbereitungszeit angeordnet war und daß er nach glücklich beendetem Tagesdienst ein Fest veranstaltete für sich und seine Freunde. 21L2 OV*’? tnpn jo nyttfs, rnmtA rneny nvi „wenn er friedlich die Hallen des Heiligtums verließ, so veranstaltete er einen v"' im traulichen Freundeskreise." (Joma, Perek 7, 4). So klang der feierlich ernste Tagesdienst in frohen Akkorden aus. Einen der hohepriefterlichen Weiheakte möchten wir zu kurzer Betrachtung hier herausgreisen. Es ist jene Szene, in der wir den Hohepriester bei dem Sühnopfer stehend finden, die Hände auf des Tieres Haupt gestützt, in tiefer Andacht versunken. Was bewegt so mächttg sein Inneres? Welche Gefühle durchzucken sein Herz? Was murmeln seine Lippen? Der Hohepriester geht am Sühnetage mit sich selbst ins Gericht! Mit seinem Gewissen hält er Zwiesprache, er legt ein Bekenntnis ab. ^np*?2 nym in'2 1P211NP2 1S21 ,,^iW er sucht Sühne für sich, für sein Haus und für ganz Israel!" — In markanten Worten ist hier Wesen und Bedeutung des 11L2 DT ausgeprägt, in großen Zügen der erhabene Zweck, das herrliche Endziel des Tages offenbart. Aber weit über den Rahmen einer Tagesbedeutung hinaus geht dieses Wort des Thoraabschnittes niv '"inK* Es spiegelt eine Lehre wieder, die zu den Grundanschauungen des Judentums zählt, den Grundsatz, daß wir alle für einander verantwortlich sind. „Er suche Sühne für sich, für sein Haus, für ganz Israel." In drei konzentrischen Kreisen stellt sich hier das jüdische Verantwortlichkeitsgefühl dar. Zunächst suchte der Hohepriester Sühne für sich. Als unsichtbaren Richter, der aber ständig seines Amtes waltet, hat der himmlische Vater keines Feuilleton. vas „Besingen" des Bräutigams. Bon M. R. L. E. Die charakteristischste Figur der jüdischen Hochzeiten in Polen bildet der sogenannte Badchen, auch Marschalk genannt d. h. der Spaßmacher, die lustige Person. Die Aufgabe deS Badcken ist eine zweifache, sie ist e ne erniie und eine heitere. Er hat beim frohen Hochzeitsmahle für die Belustigung der Tafelrunde zu sorgen und entledigt fich dieser seiner Aufgabe oft mit einem staunenswerten Geschick. Bei der Trauung liegt ihm das Amt ob, die Braut und dm Bräutigam durch ernste Worte auf die Bedeutung des heiligen Aktes hinzuweisen. Er vertritt also gleichsam, da man bott keine Traureden kennt, den Prediger. Man nmnt diesen Teil seiner Tätigkeit daS »Besingen". Bräutigam und Braut werden von ihm in poetischer Form eindringlich ermahnt, allzeit der hohen Verpflichtung eingedenk zu sein, welche die Stunde des Trauaktes ihnen auferlegt. In einer ergre senden, schwermütigen Melodie, welche an die Gesänge des VersöhnungStageS anklingt, vorgetragen, stnd diese Volksdichtungen geeignet, einm tiefen Eindruck auf alle Hörenden zu machen. Ich gebe in Folgendem eine Pro: e dieser schmucklosen Dichtungen, an die man naturgemäß kei m allzuhohen künstlerischen Maßstab anlegen darf. Aber fie find kulturgeschichtlich sehr interessant und bilden einen bemerkenswertm Beitrag zur jüdischen Volkskunde. Ein tiefer, heiliger Emst durchzieht diese Gesänge. In dem hier gebotenen Beispiel achte man auf die ergreifende Art, in d« eine religiöse Satzung poetisch vertiefc u b durch geistigt wird. Es behandelt oaS bekannte, auch in die Gebetsammlung aufgenommene Wort des Talmuds: N2V 2"iy VH» VVVvb ü"18 2'YI '2"l "1128 8'in Ksn 1-122" 8DW PD1BTI . Rag bi Chanina sagt. Man ist verpachtet feine Kleider am Rüsttage des Sabbaths, bevores dunkelt, u durchsuchen, damit man nicht etwas darin vergesse und ausgehe." Dieses Wort >st bas Thema der folgenden Hochzeitsdichtung, die naturgemäß durch die Ueoersetzung einen Teil ihres eigens mlichen Re zes eingebüßt hat. Ich habe aber das Kolorit des Originals durch Beibehaltu ug einiger prägnanter Ausdrücke zu wahren gesucht: In der heiligen Gemore fich findet, Was einst hat verkündet Mir stammen Sinn Rabbi Chanina als einen wichtigen Din. Am Freitag vor Nacht, Ehe die'Sonne ihren Lauf hat vollbracht, Soll der Mensch seine Gewänder durchsuchen mit Fleiß Damit er ficher weiß, Daß er nicht gehe in die Gaffe hinein Mir ei er Lache, die er licht darf me:altel sein. Der Ral bi bat ge eben diesen Din, Damit man den Sabbath ständig habe in seinem Sinn. Wer daS mit rechtem Geilt versteht, 5 er wird tiefe Lehren finde in dieser Red'. Dm die Worte der stammen Weisen Sind hoch zu Preisen. Mau muß nur allerwegen Verstehn, fie zu erfassen und auszulegen. So ist es auch mit Rabbi Chaninas Din, E n tiefe Geheimnis findet fich darin. Ter heilst e Sohar sagt nämlich das Wort, Und der Mensch soll eS fich einprägen sott und fott, Daß bteniJtD und btennvjyfinb des Menschen Kleider, Die ihn schmücken oder virunehren leider. Die HT2y ist ein Gewand, DaS ihm gereicht zur Schand', & as ihm wird zum Verderben, So daß er nicht Gottes Gnade kann erwerben. Die rii8v aber ist ein Kleid, Das ihn ziert in Ewigkeit Und ihm erwirbt eine i heiligen Lohn Bor Gottes Weltenthron. Was meint un die heilige Gemore, wenn fie sagt, Daß am Freitag vor Nacht, Ehe die Sonne ihien Lauf hat vollbracht, Der Mensch seine Kleider durchsuche mit Fleiß und mit Achi? Er /oll fein Leben prüfen und soll seh'n, „ Daß er Gottes Gebote l alte, um vor hm zu besteh'n. Die Gewänder deute die Werke an, Damit bedenke jedermann, Daß wie dem Körper dient da? Kleid, So er Seele die N18V in Ewigkei. Denn diese L.elt ist gleich Frei ag vor Nacht: Ehe die So ne des Lebens ihren Lauf hat vollbr cht, Ehe der ewige Sabbath sängt an, Soll umkehren c on bösen Wegen jedermann Und soll seinem Schöpfer die Ehre geben, Damit er gewinne das ewige Leben, Wie in den Sprüchen der Väter sieht g schrieben: Einen Tag vor dem Tob sollst du umkehren und Gute.' üben, Denn du mußt besorgen, Daß dein Todestag schon sein kann — Got behüte! — morgen. Daher achte sorgsam auf GotteS Gebot, Ehe herannaht der Tod. Sm Vorzimmer schmücke sich der Gast, he er eingeht n den innern Palast. 2 arum lieber Bräutigam, mußt du bede ken, Wenn Gott dir ein glückuches Leben so l schenken, Daß heute, da dich schmückt das HochzeibSkletd, Zur wahren nawn du seiest bereit-

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