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Der Israelit · 1907-04-18 · Heft 16 (18.4.1907) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 16 (18.4.1907)
Date
1907-04-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Ult Ö07 Sette 8. Der JSrarltr. TM Juden aus den Marktflecken austreiden wird- Dadurch würde die Lage sehr erschwert werden, da einige dieser Juden seit vielen Jahren in diesen Ortschaften ansässig sind, wo sie auch Realitäten besitzen. ' London, 12. April. Sir Mathew Nathan ist zum Gouverneur von Natal ernannt worden. Sir Matthew ist Vizepräsident der Anglo-Jewish Affociation. Der Gouverneurposten in Natal ist sein viertes koloniales Amt. Belgien JOdifdies beben in Antwerpen. ♦ (Bon unjcrem Korrespondenten). Antwerpen, 15. April. Selten hören Ihre Leser etwas aus der Handelsrnetropole Belgiens, aus Antwerpen, trotzdem starke Fäden sie mitDeutschland verknüpfen, und deshalb wird hin und wieder ein kürzerer Brief von hier gar manchen interessieren, blüht doch hier orthodoxes Judentum und treibt kräftige Knospen und Blüten. Neben der großen sogenannten holländischen Gemeinde besteht hier die orthodoxe israelitische Kultusgemeinde „Machsike Hadaß", an deren Spitze der um das hiesige Judentum sehr verdiente Herr Dr. Adolphe Wolff steht. Diese Gemeinde hielt vor ganz kurzer Zeit ihre Generalversammlung ab, die von einem Jahr reicher Arbeit aber auch reichen Lohnes zeugte, und da sich in dieser Gemeinde das eigentlich orthodoxe Leben unserer Stadt wiederspiegelt, ist es gewiß auch Ihnen interessant, einiges aus dieser Generalversammlung zu erfahren,' das sich Ihr Korrespondent notiert hat. Die Gemeinde „Machsike Hadaß" besitzt mehrere kleinere und größere Gotteshäuser dank der Opferwilligkeit ihrer Mitglieder, denn die Gemeinde an und für sich als religiöser Verein hat nach den hierin etwas absonderlichen Rechtsverhältnissen Belgiens nicht das Recht, eine Synagoge zu bauen, sobald am selben Ort eine Hauptgemeinde besteht. Das Gesetz kann natürlich auch umgangen werden, indem ein Mitglied der Gemeinde anscheinend für sich privat, in Wirklichkeit aber für die Gemeinde, ein Gotteshaus errichtet, und so hat man schon längst den Plan gefaßt, alle die Mitglieder der kleinen Synagogen der Gemeinde „Machsike Hadaß", sowie die vielen Privatminjonim der Chassidim, die hier sehr zahlreich sind, zu einer großen schönen Synagoge heranzuziehen. Dieser Plan besieht, wie schon erwähnt, bereits sehr lange, ob derselbe jemals zur Ausführung gelangt, erscheint sehr fraglich, da, wie man sich leise erzählt, die diversen Vorsteher sehr ungern auf ihr Amt Verzicht leisten würden, wie ich aber von authentischer Seite erfahre, haben verschiedene Herren bereits wegen des Ankaufs eines Barrplatzes Schritte getan, und wenn nur die Geldfrage in Betracht käme, so wäre bei dem weitbekanrrten Opfermut unserer Antwerpener Glaubensgenossen die Sache sicherlich schon gediehen. Die Gemeinde, die noch vor fünf Jahren mit einem beträchtlichen Defizit arbeitete, hat jetzt dank der unermüdlichen Arbeit ihres Vorstandes, vor allem des bereits oben genannterr Herrn Dr. A. Wolff, ein ganz hübsches Vermögen gesammelt, deren Erträgnisse sie zum Segen mancher jüdischer Institutionen verwendet. Sie unterstützt vor allem die jüdische Real- und Religionsschule „Jesaude hatauroh", die finanziell nicht sehr gut gestellt ist, da ihre Vorstände in dankenswerter Weise nicht darauf bedacht sind, recht viel Schulgeld einzuheimsen, sondern auch den Aermsten unter uns reiches Wissen in religiösen urrd profanen Fächern zu spenden. Und das tut die Schule in bester Weise. Die Leitung liegt in den bewährten Händen des Herrn Direktors Dr. Mirkin, dem der Leiter der israelitischen Mädchenschule, Herr Oppenheimer, sowie einige andere Lehrpersonen erfolgreich zur Seite stehen. Man wird zum Herbst dieses Jahres eine neue Klaffe anfügen, sowie einen neuer: Lehrer arrstellen, vorzugsweise für Französisch sowie für Flämisch, das bisher noch nicht gelehrt wurde. Eine stattliche Mikwoh besitzt die Gemeinde auch. Ihr sind ferner fünf Metzger unterstellt, sowie Geflügelhändler. und Butterhändler, sodaß hier wirklich die Bedürfnisse des frommen Juden in bester Weise befriedigt werden. Leider läßt der Gesundheitszustand unseres trefflichen Rabbiners, des Herrn Ullmann, zu wünschen übrig. Wohin man also blickt, überall Leben und frohes Regen der Kräfte, und daher konnte der Vorsitzende stolz und freudig die geleistete Arbeit anerkennenreich war der'Lohn, und jetzt liegt wieder ein weites Feld vor rrns zum Beackern, doch mit göttlichem Beistand hoffen wir die ausgestreute Saat, wenn auch nicht ernten zu können, so doch kräftig entkeimen zu sehen". In der sogenannten holländischen Gemeinde, die aber größtenteils aus polnischen Juden besteht, herrscht kein solch friedliches reges Leben. Am Schabbos findet man in der prächtigen Synagoge kaum Minjan, und nur an Feiertagen, die auf Sonntag fallen, ist die Synagoge besser besucht. Man spricht hier viel von den Angriffen der hiesigen jüdischen Zeitung, die in flämischer Sprache erscheint, gegen den Rabbiner, Angriffen, deren Berechtigung m prüfen hier nicht der Platz ist, die aber die Gemeindeverhältnisse nicht eberr zu friedlichen machen. Sie haben wohl aus der Zeitung von dem Fall Tscherniak gehört. Jakob Tscherniak, ein jüdischer Revolutionär, der in Schweden, wohin er entflohen war, an Rußland ausgeliefert werden sollte, flüchtete mit dem Dampfer „Olof Wyck" hierher, karr: aber nur als Leiche hier an. Seirr Tod ist bis heute unaufgeklärt. Man glaubt an eine Vergiftung durch russische Spione, doch ist die Untersuchung nunmehr als ergebnislos eingestellt worden. Seine Beerdigung, die auf Ersuchen des Bruders des Verstorbenen auf dem hiesigen jüdischen Friedhofe erfolgte, gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung. Tausende von Menschen, vorzugsweise organisierte Arbeiter aller Berufe, folgten der Bahre, Delegationen aus Frarrkreich, der Schweiz, Rußland und anderen Ländern waren herbeigeeiltflammende Proteste wurden am offenen Grabe in allen Sprachen von jiddisch bis Flämisch gehalten. Wenn auch nicht so zahlreich wie in Hamburg, so kann man hier doch an manchen Tagen sehr viele russische, rumänische und andere Juden sehen, die den Staub ihres sogenannten Vaterlandes abschütteln, unr jenseits des Ozeans eine neue Existenz zu suchen. Bilder des Elends könnte mau zu Hunderten malen. Hinfällige Greise, alte Mütterchen, kräftige Männer und Frauen, unschuldige Kinder, alle mit demselben Ausdruck der Angst und des Schreckens vor den durchlebten Greueltaten in den verschüchterten Augen. Man glarrbt, die armen Menschen haben in diesem Moment ihr Heim verlassen. Da schleppt eine Greisin ein Stück Hausrat, einen Topf oder dergl. mit, ein Junge trägt als höchsten Besitz ein Chumesch, aber die Mehrzahl geht ohne Besitz mit Ausnahnre der Kleider, die sie tragen, und die sind ja so dürftig, in die weite fremde Wett hinaus. Preisen wir in Demut unfern Schöpfer ein sicheres Heim zu haben, aber suchen wir vor allem das Elend unserer Brüder zu lindern, denn jetzt wird wohl bald wieder ein Strom derselben, aus Rumänien vertrieben, unseren Hafenplatz passieren. Helfet, helfet, helfet! RrrrrrLrrten. Bukarest, 14. April. „Dimineatza" meldet aus Jassy: Eine Abordnung von jüdischen Notablen hat sich gestern Abend beim Präfekten des Distriktes Herrn Stere eingefunden, um ihn zu bitten, daß er die Maßregeln zur Vertreibung der Juden aus den Dörfern zurückziehe. Herr Stere erwiderte, daß er nichts tun könne, da heute das Wort der Bauern gehört werden müffe, die ein wichtiger politischer Faktor geworderr sind, so daß man ihre Wünsche rricht mehr unberücksichtigt lassen könne. Die Bauern haben die Verjagung der Juden aus den Dörfern verlangt, und deßhalb wurde das Gesetz zur Anwendung gelangen. Herr Stere sagte noch, daß er von der unter den ausgetriebenen Juden bestehenden Strömung in andere Staaten auszuwandern Kenntnis habe und drückte die Ueberzeugung aus, daß die Regierung diese Auswanderung erleichtern werde. In Verbindung 4>amit müssen wir die Version verzeichnen, die sogar in offiziellen Kreisen verlaütbart wird, daß man auch die vermischter. Furth, 5. Ap il. Mit 9 gegen 8 Stimmen hat der Magistrat in seiner letzten Sitzung beschlossen, den vom Sturme umgerissenen Zaun zwischen dem christlichen und israelitischen Friedhof nicht wieder aufzurichten. Es bedürfe zwischen dem christlichen und oem israelitischen Friedhofe keines Abschlusses, da sich zwischen den beiden Bekenntnissen im Leben so viele Berührungspunkte finden. Der „Frank. Kurier" bemerkt hierzu, daß wegen entgegenstehender ritueller Vorschriften dieser Magistratsbeschluß wohl wieder werde aufgehoben werden müssen. Breslau, 1. April. Der Herausgeber des „Jüdischen Volksblattes", Dr. Louis Neustadt, hatte zur Zeit der letzten Stadtverordnetenwahlen die Amtsführung des damaligen Borsttzenden der städt. Armendirektton, Stadtrats Martins, kritisiert und die Behauptung aufgestellt, daß die jüdischen Armen zurückgesetzt würden. Man frage bei jedem Unterstützungsgesuch bedürftiger Juden, ob ker Gesuchsteller von der Synagogengemeinde unterstützt werde,- und wenn er dies bejahen müsse, bekomme er von der Stadt nichts. Dem ersten Artikel hatte Dr. Neustadt noch zwei andere folgen lassen, welche die Polemik in demselben Sinne fortsetzten. Die Veranlassung dazu hatte ihm die Verhandlung in der Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinde vom 16. Mai v. I. gegeben, durch welche er den Eindruck gewonnen hatte, daß die Versammlung mit der Handhabung der städtischen Armenpflege unzufrieden zu sein Grund habe. Auf Antrag des Oberbürgermeisters hatte die Staatsanwaltschaft gegen Dr. Neustadt wegen Beleidigung des Magistrats, insonderheit der Armendirektion Anklage erhoben, und jetzt hatte er sich vor der ersten Strafkammer zu verantworten. Da er seine Kritik nicht mehr austecht erhalten konnte — der Hauptzeuge, ' Stadtrat Pringsheim, konnte sich seiner Aeußerung in jener R präsentantensttzung nicht mehr erinnern — gab er die Erklärung zu Protokoll, daß er seine gegen die Armen-Verwaltung aufgestellten Behauptungen als unbegründet erkannt habe und mit dem Ausdruck des Bedauerns zurücknehme. Darauf wurde die Verhandlung auf zwei Stunden ausgesetzt und die Erklärung des Angeklagten mitsamt den Akten dem Oberl ürgermeister zr gesandt. Nach Ablauf der Frist lief vom Oberbürgermeister die schriftliche Zurücknahme des Strafantrags ein. Nun lag noch ein Strafantrag des Stadtrats Martius vor, der nicht zurückgenommen werden konnte, weil der Antragsteller inzwischen verstorben ist. Der Staatsanwalt erklärte, der Angeklagte habe im guten Glauben gehandelt und habe Anspruch auf die Wohltat des 8 193. Er beantragte Freisprechung. Das Gericht erkannte, daß der Angeklagte als Vorfitzender des jüdischen Volksvereins und als Herausgeber des „Jüdischen Bolksblattes" in Wahrung berech igter Interessen gehandelt habe und sprach ihn, da die Form der inkriminierten Artikel nicht beleidigend sei, frei. Göttiuge«, 10 April. Der Rabbiner der hies. israelitischen Gemeinde, Dr. Sonderling, der öfte r. Staatsangehöriger war, ist von der Regierung bestätigt worden unter der Bedingung, daß er stch naturalisieren lasse und demgemäß seiner Militärpflicht genüge. Dr. Sonderling, der bereits Familienvater ist, hat denn auch dieser Tage beim hiesigen Infanterie-Regiment Nr. 82 als Einjähriger eintreten müssen. Der Gemeinde, die ihm für das Dienstjahr sein volles Gehalt zahlt, hat er einen Vertreter gestellt. Osterode, ll. April. Zur Errichtung einer Leichenhalle hat Herr Josef Krause-Berün, ein geborener Osteroder, der jüdischen Gemeinde 20,000 Mark geschenkt. Leipnik, 12. April. Man schreibt uns: Herr Moses Ritter, Bürgermeister der galizisch-selbständigen Gemeinde in Leipnik, hat seine Tochter taufen lassen, um sie an einen christlichen Mittelschullehrer verheiraten zu künnen. Die Trauung wurde am 9. d. '11t. in der hiesigen Pfarrkirche vollzogen und Herr Ritter ist weiter — jüdischer Bürgermeister. Kommentar überflüssig. Budapest, 29. März. AlslErzherzvg I 0 s e f und seine Gemahlin Erzherzogin Auguste dieser Tage das neue Gebäude der Poliklinik besichtigten, erschienen sie auch in der Krankenabteilung der Anstalt, wo sie an mehrere Patienten freundliche Worte richteten. Unter den sanken fiel der Erzherzogin besonders eine blasse, schwer leidende Frau auf. Ihre k. u. k. Hoheit erkundigte stch bei dem Anstaltsdirektor Dr. Julrus Eröss über die Verhältnisse der Patientin und erfuhr, daß diese, die Krau eines armen jüdischen Dienstmannes Namens Sigmund Schlesinger, in Folge angestrengter Arbeit und Entbehrungen erkrankt sei. Die Erzherzogin hat nun heute der armen Frau durch bas erzherzogliche Sekretariat 100 Kr. zukommen lassen. Warschau, 10. April. ,Ha-Kol (Kol Jakob)" heißt eine neue hebräische Wochenschrift, die in Warschau unter der Redaktton von I. L. Wolneman erscheint und die Interessen des orthodoxen Judentums vertritt. In dem Programmartikel wirb das Erscheinen einer Tagesausgabe des „Ha-Kol" angekündigt, deren erste Nummer am 1./14. April erscheinen soll. Die WochenauSgave soll daneben bestehen bleiben. ’rnrvi%Aiiiiffi »tf -ifaf

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