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Der Israelit · 1907-04-18 · Heft 16 (18.4.1907) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 16 (18.4.1907)
Date
1907-04-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Gelte 4. Rr. 1«. Der JSmeltt. walten. Jene Ansicht, die meint sei ansteckend, steht nicht im Widerspruch mit dem hier Ausgeführten, denn wiejedermann weiß, sind auch alle Krankheiten, die durch den Einfluß des Geistes auf den Körper entstehen, im höchsten Grade ansteckend. Selbst das Gähnen, Ausstößen rc. wirkt ja schon ansteckend. Es ist schon vorgekommen, daß auf Grund falscher Einbildungen 30 Mädchen einer Klaffe von - denselben Arm- und Beinlähmungen erfaßt wurden. In solchen Fällen kann man dann ebenfalls kein anderes Heilmittel anwenden als dcA welches die min bei njn* anwendet, nämlich Absonderung. 15100 2V' -n2 min moKtf jmxo narwa no »tt 7'2 intp«*7 «o« f 2 *7*H2n «in 12V10 nane*? .(r"v p2izr) 121 2V' 112 rnin rnv«i2'L7 in^ Warum niuß der jniSO außerhalb des Lagers bleiben? Er hat Zwiespalt zwischen Mann und Frau, zwischen Freund und Freund gebracht, darum muß auch er jetzt außerhalb des Lagers bleiben. Die gottgesandte Krankheit ist die natürliche Folge der unmoralischen Handlung. «TTO “U32 me* Der ekle Charakter, der es wagte jnn siV^> zu reden, wird mit ekler Krankheit bestraft. Wer seinen Mund nicht zu zähmen vermochte, unter seinen Mitmenschen Bösrede ausbrachte, wird nun genötigt außerhalb des Lagers in Einsamkeit zu leben. Sobald er reuevoll sein Unrecht einsieht, beginnt seine Krankheit zu heilen. Wir verstehen es leicht, warum auf das Laster jm?1V^ als Strafe gerade yaa folgt, wieso jedoch aus dem Laster selbst zoa sich entwickeln rann, das wagten wir nur zu vermuten. Das zu wissen ist ja aber auch gar nicht nötig, sind wir doch überzeugt, daß yaa in allen Fällen eine gottgesandte Krankheit ist. Sobald der Kranke sich in seinem Herzen bessert, bessert sich auch äußerlich sein Leiderl, und er muß erkennen, daß Gott allein der große Arzt ist, dem wir Leben und Gesundheit verdanken. Und kann es wohl etwas Schöneres geben als sich bei einer gottgesandten Krankheit als Arzt einen Priester zu wünschen! Wenn wir von der Voraussetzung ausgehen, daß es Gott ist, der die Krankheit als Strafe für ein moralisches Berehen geschickt, dann muß es der Seelenarzt sein, er die Heilung vollzieht. Auch heute noch gibt es viele Krankheiten, die sich weit besser durch psychologische Kenntnisse heilen ließen, als durch rein medizinische. Hier wo es sich um ein rein moralisches Vergehen handelte, welches das Gebrechen zur Folge hatte, könnte der Salbenarzt mit seinen Mitteln ja doch keinen Erfolg vereichnen. Hier bedarf es des psychologisch gebileten Gelehrten, des Priesters, der dem Leidenden sein moralisches Vergehen als die Ursache seines Gebrechens vor Äugen hält und. bewirkt, daß der Kranke Buße tut und so fein Leiden wieder schwindet. Hier also ist gerade der im Aufträge Gottes handelnde Priester der wirkliche Arzt. Uebrigens setzt das Gesetz vom Priester die Kenntnis so feiner Unterschiede im yaa voraus, daß schon diese Fachkenntnis allein den Priester zu einem richtigen Spezialarzt macht. Da es für unseren Standpunkt feststeht, daß D'yaa so wie alle Krankheiten gottgesandt sind, so erstaunen wir nicht allzu sehr darüber, daß eine Krankheit gar an einem Hause oder gar an einem Gewände zum Ausdruck kommen kann, um auf diese Weise dem Besitzer seine Verirrung klar zu machen. Die Stelle «np'i Kap. 1"' B. 34 ff. wird von bedeutenden Forschern als sanitätspolizeiliches Gesetz ausgefaßt. Wenn nämlich an einem Hause sich grünliche oder rötliche Flecken zeigen, die auch nach dem Herausnehmen der „ausschlägigen" Steine und dem Einsetzen gesunder an der Wand wieder zum Vorschein kommen, so soll das ganze Haus demoliert und der Schutt aus dem Orte weggebracht werden. Diese Mauerflecke werden von den meisten Männern der Wissenschaft für den sogenannten Salpeterfraß gehalten. Was jene merkwürdige Stelle «ip'i Kap. a' V. 13 betrifft n« njnxn nnD2 nani 7020 rum „ "«in nno 72*7 “jsn 1*72 pan n« vidi 11V2 *72, die an und für sich betrachtet jeder Hygiene entgegensteht, so muß ich dem gegenüberhalten, daß ich in Aussatzlagern Asiens und Afrikas die Meinung vertreten fand, daß die Heilung gewisser Aussatzarten nicht eher beginne, als bis der ganze- Körper davon bedeckt ist. Es wurde geradezu mit Sehnsucht der Moment erwartet, wo der Beschauende erklären konnte, der Aussatz sei nun über den ganzen Körper ausgebreitet, sodaß die Heilung beginnen könne. Ich hatte den Eindruck, daß es sich dann nur um eine ernste Ausschlagkrankheit handle, etwa wie ein moderner Arzt bei Beginn von Scharlach wohl auch erklären würde: Die Abschuppung ist nicht eher zu erwarten, als bis nicht nur der Hals, die Brust, der Kopf, sondern auch die Arme, der Unterleib und die Beine von dem Ausschlag befallen sind. Gewissermaßen war also die Tatsache, daß der ganze Körper aussätzig wurde, ein gutes Anzeichen, gewissermaßen eine Bürgschaft dafür, datz die Krankheit ihren normalen Verlauf nehmen werde. Auch dachte man, daß der Aussatz keine Gefahr der Ansteckung mehr in sich berge, sobald einmal die Abschuppung begonnen, wie denn in manchen Gegenden Aussatz überhaupt nicht, auch nicht seitens der Aerzte, als ansteckende Krankheit betrachtet wurde. Wir sehen also, wie selbst diese scheinbar schwierige Stelle «np'l Kap. 13, 13 sich vom hygienischen Standpunkte aus rechtfertigen ließe. Selbst die 1 |Dp 0)710 gelehrte 02*?n: jnn in'2*n 11? nriVv '0' np2V 1*7 pania yaa 12 i*7iaV 7aon 'v' nz>2V 1*7 pama *?ra/i2i 10102*71 wird verständlich, wenn wir uns vor Augen halten, daß ja ein moralisches Vergehen die Ursache des Aussatzes war und daß an einem heiligen Freudentage die Stimmung des Gemüts derartig gehoben ist, daß unwillkürlich der Mensch darnach trachtet, das moralische Vergehen wieder aut zu machen, wodurch dann auch die Krankheit schwindet. Eine Analogie dazu finden wir in '«'aVv 'opis '«vn: )ö«a ia'«V 'oo roo'B npi*?n vs *?y *72«' N2V21*7«1V1 prvyh "»2V1 nwyonty wozu der maiD*i2D y"-i als Erklärung hinzufügt: ipvVi m'2y 112^ v'«i'nvV vVy ri2V no'«o *71020 inv 02V2- *) Für jeden auf dem Standpunkt der Thora Stehenden ist es doch wohl ausgemachte Sache, daß alle Krankheiten, die dem Menschen zustoßen, gottgesandt sind. Was ist also letzten Endes für ein Unterschied, ob njHU „Krankheit" oder „strafende Gottesschickung" heißt. Aus dem «Di' «BOI (010V Kap. «"2 B. 19) folgt, daß der Mensch bei einem Gebrechen sich durch Menschen ärztliche Kunst heilen lassen dürfe. Waskönnte uns also wohl abhalten in den in y'ltn und jniUD stehenden Verfügungen neben anderen Gründen auch „Krankheits-, Heilungs- und Borbeugungsmaßregeln" und in unseren 0'an2 in diesem Falle im Aufträge des D'*?in «sn handelnde „im Dienste der Gesundheitspflege stehende Funktionäre zu sehen?! Wir sind uns wohl bewußt, daß sich bei ganz ausführlicher Erörterung dieser Dinge, die selbst * Anmerkung der Redaktion: Wir können uns der Meinung des geschätzten Berfaffers, baß S. R. Hirsch in der Deutung der crioa - Gesetze f hlgegriffen habe, nicht anschließen. Die Tatsache, daß während der Wallfahrtssiste, a so zur Zeit der größten Ansteckungsgefahr, keine Untersun ung vorgenommen wurde, erscheint uns als rin unwiderlegbarer Beweis lür die von Hirsch ausgesprochene Ansicht, daß wir eS gerade bei den □'jua5 Bestimmungen nicht mit sanitären Maßnahmen zu tun haben. Im übrigen bestreitet Hir ch gar nicht, daß die Gesetze der Thora in vielfacher Hinsicht auch sanitäre Konsequenzen haben, er vertritt,ur auf Grund des in den einzelnen Gesetzen gegebenen Materials die Anschauung, daß wir zunächst auch die Bedeutung der das körperliche Verhalten regelnden Anordnungen nicht auf mnitarem, sondern auf ethischre igiö em Gebiete zu suchen haben. Dieser Anschauung kommt ja auch Herr Dr. Ascher bis zu einem aewiffen Punkte entgegen, wenn er beispielsweise erklärt, daß der Inhalt der 0'Zva-Gesetze durch eine lediglich hygienische Deutung nicht erschöpf wird. Doch, auch fern von F.eunden und Bekannten, auch einsam und allein, fühlt sich der fromme Reisende nicht verlassen, lieber der Zusammenstellung seiner Muster, die er der Kundschaft zeigen will, hat er sich elvst nicht vergessen. Er hat auch seine Bücher von zi >ause mitg bracht und mag auch der Koffer dadurch chwer werdm, diese Last trägt cr gern, sie ist ihm eine Äße Last, ohn? die er nicht reisen möchte. Sein. Hirsch" Mt f ihm nicht fehlen, je nach seinen Kenntnissen wird er a ch ein dünnes 01'aVQ, eine «iva, einen oi« ■nn mit sich führen. Und wahrend die Kollegen ihre Feste feiern, labt er sich an den herrlichen Gedankrn, die ihm diese Bücher bri. g n. Eine gu e deutsche Lektüre wird ihm auch nicht fehlen, denn p« -pi üjf min ist auch seine Devise gewordm. (Schluß folgt.) Eine Komödie. Unter diesem Titel veröffentlicht daS „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz" einen Arttkel, in dem die Vorgänge auf der letzten badischen Landessynode einer höchst amüsanten Kritik unterzogen werden. Wir könnm eS uns nicht versagen, den humorvollen Artikel hier zum Tell wörtlich wiederzugeben. Einige Stteichungen waren notwendig, n eil man in der ftcien Schweiz manches sagen darf, was hierzulande dem Kadi verfallen würbe. »Als Hohensalza noch Jnowrazlaw hieß, fiel mir, wenn ich an Jnowrazlaw dachte, stets Rawitsch mit tsch" und Krotoschin ein- Hohen alza ist ein eklatanter Beweis, wie „billig" d e Germanisterung von Preußisch-Polen ist und welch große Fortschritte dieselbe gemacht bat. Rawitsch ist mir schon lange nicht mehr eingefallen, denn seit das „V. Armeekorps" immer mehr zur „Garde" übergeht, haben wir selten mehr was an guten polnischen Witzen' zu hören Gelegenheit,- es ist Alles nun berlinisch zugeschnitten, eS ist nicht mehr urchig, der Erdgeruch fehlt! Da vor dem Feste kommt Ihr „Wochenblatt" und zum Feste die Allgemeine Zeitung des Judentums und mit einem Schlage sehe ich Jnowrazlaw vor mir neu erstehen; ich lese: Bet Beginn der Nachmittagssttzuna ergriff statt des in Holland weile, den Abgeordneten vr. Bielefeld Abgeordneter vr. Rawtcz bas Wort zur-Begründung der Interpellation"! Der Abgeordnete Dr. Rawii-z — seines Zeichens Rabbiner des Synagogmbezirks Offenburg — ließ mich Jnowrazlaw, Krotoschin und Rawitsch mit „tsch" in ihrer ehemaligen Kehillaherrlichkeit wieder sehen! Vorher las ich in No. 299 der „Straßburger Post" unter „Vermischte Nachrichten" d. d. Karlsruhe, 16. März, unter Anderm: „Bon heute an hat der Preis für das halbe Wogramm Schweinefleisch um 4 Pfg. abgeschlagen usw." Unmittelbar vorher spricht der Korrespondent von der außerordentlichen Tagung der israelitischen LandeSsynode" und meint da zum Schluß: „Die außerordentliche ynode wird sich außer der vom Oberrat etngebracht.n oben erwähnten Vorlage auch noch mit einer Interpellation des Rechisanwalts Bielefeld und Genossen wegen der Tätigkeit eines Rabbiners als Mitredakteur an dem orthodoxen Zentralorgan „Der Israelit" zu befassen habm. Bet dieser Beratung werdm h stige Auseinandersetzungen zwischen den orthodoxen und liberalen Mitgliedern kaum zu vermeide" sein." Der Schwetnefletschpreis — um nicht zu sagen: die Schweinerei — und die Interpellation Bteleftld und Genossen — die Zusammenstellung gefiel mir gar nicht schlecht! Noch Vesser gefiel mir dann pv8t kestum der in Holland weilende Abgeordnete Bielefeld! Der Herr leiht einer Interpellation feilten Namen und „geht zu Schiff nach Frankreich -! Gewiß! Im Reichstag, in allm bundeseltchen Gesetzgebungsfabrtken, in Ihrer schweizerischen deöversammlung, im zürcherischen KantonSrat kann eS vorkommm und kommt eS vor, daß ein Interpellant PttHltch durch Krankheit, Berufsgeschäft oder FamMenange legenheiten abgehalten ist, se ne Interpellation zu vertreten, aber in der badisch-israelitischen Landessynode, die ja nur alle drei Jahre einberufen wird — die Tagung Vom 18. März l. IS. war gar eine cmßerordmtliche — muß, wer Jnterpellattonen einbringt, Zeit und Lust habm, sie zu vertreten! Und nachdem Herr Bielefeld in Holland oder Brabant abwesend war, wo blieben die mit ihm Unterzeichneten Herren Interpellanten Kahn und Zimmern? Sie blieben stumm wie zwei Fische und so vertrat Herr vr. Rawicz mit „cz' die Interpellation! Risum teneatis amici heißt es auch hier! Herr vr. Rawicz mtt „cz" wollte doaoris causa wohl aiS Kollege des Mosbacher Bezirksrabbiners vr.Lvwenstein nicht interpellierm, aber als Gemütsmmsch sprang er ein und schleppte die ersten Holzstöße zum Scheiterhaufen für dm „liebm" Amtsbruder bei! Und nun gings lustig drauf loS! Systematisch ging man vor, systematisch, besser noch programmmäßig! Das ganze wickelte sich programmäßig ab, jeder der Herren Amtsbrüder und weltlichen Synoda en hatte seine Rolle! Und erst die Herren Konfermzrabbiner — die geistlichen — und die Herrm Geh. Hoftat Professor vr. Rostn-Freiburg und Geh. Ober-Reg.-Rat vr. David Hugo Mayer als weltliche Mitglieder des Oberrat. s? Dem Lehrer des Allgemeinen und dmtschen Staatsrechtes, der jedes Semester oder doch jedes zweite Semester feinen!? Studenten über Grund- und Fretheitsrechte Vorlesungen hält, mag eS nicht leicht gewefm fein die,e Interpellation zu beamwortmer will „ja Alles vermeidm, vaS auch nur dm Schein des Verdachts einer Beschränkung der fteim Forschung oder Meinungsäußerung zu erregm geeignet fei"! Sehr schön gefacht das! Aber richtiger wäre eS unseres Erachtens gewesen, der Großh.rwgliche Oderrat hätte fich zur Beanttvoitrmg dieser Jmerpellcttion gar nicht hervetgelaffm, doch jed« hatte bei der Kmnödie seine Rolle und die mußte rbm WsPiett werdm. Beson-

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