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Der Israelit · 1907-03-21 · Heft 12 (21.3.1907) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 12 (21.3.1907)
Date
1907-03-21
Page
– (sequence 26)
Language
German
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Eftte 10. No. 13. Söffe bilden die Juden, die. in den großen und Seinen Städten konzentriert sind und auch in Dörfern in Keiner Zahl wohnen. Sie sind da schon seit Jahrhunderten ansässig, wie unparteiische romanische Gelehrte im Gegensatz zu den Behauptungen der Jundenfeinde nachgewiesen haben. Sie betreiben meist Handel und Gewerbe, und ein geringer Prozentsatz beschäftigt sich mit der Bewirtschaftung von Gütern, die von den Ru« Rumänien gepachtet sind (ein Jude kann keinen Bodenbesitz erwerben). Der Rumäne ist eine faule, parasitäre Natur. Wenn er nur ein wenig MMbildüng genoffen hat, geht sein Streben auf Mw Stelle in der Verwaltung oder auf einen ähnlichen Posten. Er hat eine angeborene Antipathie gegen Berufe, in denen man Geduld Und Ausdauer haben, etwas wagen und sich mit geringem Verdienst begnügen muß. Daher kommt es^ dch Her Rumäne leicht sein Gut dem Juden verpachtet, der ihm übrigens mehr bezahlt als der christliche Mitbürger. Die Juden gewähren auch den Bauern mehr Arbeitslohn als die anderen Gutsbesitzer, und der Bauer arbeitet daher lieber auf dem Pachtgut eines Juden als anderswo. Ein größer Politiker hat gesagt, ein Gesetz gegen die Judenpacht werde wirkungslos bttiben, solange man nicht das Tenwerament der Rumänen ändere. Die antisemitischen Hetzer gönnen es aber dem Juden nicht, daß er ein Gut bebaut. Änd der rumänische Gutsbesitzer kann es nicht ruhig mitansxhen, wieder Bauer lieber bei seinem Müschen Nachbarn arbeitet, der ihn weit beffer -HaPt. Darum haben sie dem hungrigen Bauer dir Ueberzeuguna hergebracht, daß der Jude an seinem ganzen Elend schuld ist. Ihn, den Juden, muß man vernichten. Freilich den Bojaren, den Grvßgrundbefitzer, der noch tyrannischer ist, ebenfalls. Aber den Anfang macht man lieber mit den Juden, die schwächer sind und deren Verletzung an Leib und Leben, wie die Gerichtspraxis vielfach beweist, nicht so strenge bestraft wird. Die rumänischen Antisemiten haben die bestialischen Instinkte der Bauern aufgeregt, nicht zunächst gegen den rumänischen Grundbesitzer, der die Bauern in aller Ruhe und ohne Erbarmen ausbeutet, nicht gegen die Ruraladministration, von der sie auf gesetzlichem Wege furchtbar gedrückt werden — sondern gegen die armen geplagten Juden, die aufs schwerste arbeiten, um die räuberische Schar der Beamten zu ernähren. tzu kommt, daß der Jude auch nicht an die ige Mutter glaubt — und die Bauernauflde, die sich sogleich in erster Linie so schreckals Judenpogrome äußern, sind fertig. ValSsttrra. JHis Sem heiligen banöe. (Bon unserem Korrespondenten.) Jerusalem, im Adar 5667. Wie ein Telegramm aus Konstantinopel meldet ist nun R. E l i a h u P a n i g e i zum f cktl, d. h. zum stellvertretendem Chacham ä sch i für Jerusalem bezw. Palästina, endgültig und offiziell ernannt worden. Rabbi Panjael ist ein Jerusalemite und ungefähr 55 Jahre alt/ er ist ein Verwandter des R. Meier Panigel. der im Jahre 1840 der erste von der Türke: anerkannte Chacham Baschi wurde. Der NeugewWte ist ein ftommer Mann, ein wahrer ah# on. R. Panigel reiste vor einigen Monaten als Tvhw' der hiesigen sephardischen Gemeinde, für welche er schon jahrelang mit großem Erfolge wirkt, nach Bochhara. Von dort wurde e nach Konstantinopel berufen und ihm die Mitteilung gemacht, daß er mit der Würde des Wschon-le-Zion ausgezeichnet worden sei. Die Hßerinung ruft hier allgemeine Zufriedenst und Genugtuung hervor, und es ist erfreulich, Paß nachdem die Gemüter im letzten Jahr fff tM aufregendes durchmachen mußten, nun wcchlbegründete Hoffnung auf Beruhigung besteht. /Km vormen Freitag legte der englische »llanthrop S i r E d w a r d Stern, der mit Gemahlin soeben Palästina bereist, den kein eimM Moschab Sekenim (Altersver- Der Israelit. forgungsaNstalt) für Sefardim und stiftete alsbald zwei Zimmer in der Anstalt. Das Land zu dem Bau wurde von Herrn Bankier Valero und Herrn Grundbesitzer Kokia, einem reichen Gourate (aus Georgien stammend), geschenkt. R. Chaim, lliaschar, Sohn des verstorbenen Chacham Baschi, der die Idee des Altersversorgungshauses bis zur Verwirklichung förderte, hielt eine Rede in hebräischer Sprache und Sir Edward folgte, die Hoffnung aussprechend, daß der Bau zum Segen unserer armen Glaubensbrüder im heiligen Lande gedeihe. Sir Edward besuchte während seines Aufenthaltes die meisten Wohltätigkeits¬ und Bildungsanstalten Jerusalems und bedachte dieselben auf großherzigste Weise. Von hier aus reiste der Philanthrop nach Damaskus, wo er vor 5 Jahren, als er dort die Juden auf die Missionsapotheke angewiesen fand, eine freie Apotheke für arme Glaubensgenoffen gründete; er bezahlt auch alle Kosten dieser Apotheke. Der Grundstein des neuen Diskin'schen Waisenhauses für aschkenasische Kinder wurde ebenfalls diese Woche gelegt. Das wohlbekannte Waisenhaus, welches schon jahrelang besteht und einige hundert Knaben pflegt, bekommt somit endlich ein eigenes Heim. Durch diese zwei großen Bauten werden die jüdischen Arbeiter Jerusalems wieder auf längere Zeit Beschäftigung finden. Wie bekannt sind die hiesigen Aemenjuden geschickte Steinhauer und diese ftommen, fleißigen und äußerst genügsamen Menschen finden schon jahrelang ihren Lebensunterhalt in diesem Erwerb. Das späte Eintreffen des Winterregens hat die Gesundheitsverhältnisse hier in ungünstiger Weise beeinflußt und jetzt noch leiden viele an schwerem Fieber, aus welches die Chininpräparate keine Wirkung üben. Sonst verschwinden diese Fieberanfälle am Anfang des Winters. Die außergewöhnliche, beißende Kälte, für welche selbst die wohlhabenden Einwohner Jerusalems nicht vorgesehen sind, und die Armut, die durch die starke Einwanderung unserer hilflosesten russischen Glaubensgenossen gesteigert wurde, mögen dazu beigetragen haben, daß der jetzige Winter so viel Elend und Krankheit aufweift. Biele der wohlhabenderen ruffischen Juden, die im Sommer mit der Hoffnung herkamen, hier ihre industrielle Tätigkeit weiterführen zu können, sind jetzt wieder abgereist, da sie eingesehen haben, daß das Jerusalem der Gegenwart nicht der Ort ist, wo man Aussicht auf Verdienst in Handel oder Industrie hat. Der Gründung von elektrischen uno mechanischen Werken ist immer noch verboten, und wir sind hier, was Fabrikerzeugnisse an langt, auf Sendungen von Europa angewiesen. Jerusalem ist Handelszentrum für alle in der Umgegend liegenden Ortschaften — aber deren Bedarf ist gar leicht zu decken. Der erwarteten, russischen Petermage, aus 10,000 Bauern bestehend, welche von der Großfürstin Sergius geleitet in 14 Tagen hier eintrifft, wird mit großer Besorgnis von den jüdischen Einwohnern Jerusalems entgegengesehen. Da Berichte hier eingetroffen sind, nach welchen „Hooligans" sich an der Pilgerschaft beteiligen, fanden während der vorigen Woche einige Versammlungen statt, in denen beraten wurde, was am besten zu tun sei, um Unruhen während des Aufenthaltes der Russen zu vermeidenauch hatten die Vertreter der verschiedenen Großmächte eine Sitzung, und es wurde vorgeschlagen, daß man bei dem Sultan telegraphisch petitioniere, die Karawane in kleinere Abteilungen Herkommen zu lassen. Die Anwesenheit so vieler Menschen auf einmal in Jerusalem wird eine erhebliche Teuerung deö^Lebensmittel zu Folge haben. So wie so sind dieselben immer im Monat Niffan sehr im Preise gesteigert, da zur Zeit des heiligen Feuers in der Grabeskirche, wo Tausttche von Pilgern aus aller Herren Länder hier/ wylen, ujmeMr lOMH'Myslem in Jerusaletn aiDgestellt srno. Der furchtbare, orkanartige Mnd in dieser _ 26. März 1507. Woche, der von Schnee, Hagel, Donner und Blitz begleitet war, hatte traurige Folgen für eine arme jüdische Familie in der Nähe des Damaskustores. Neben der Hütte des armen Gourgie wurde ein zweistöckiges Haus gebautder Bau stay.d bis auf das Dach fertig. Bei einem der heftigen Windstöße stürzte das neuerbaute Haus auf die danebenstehende Hütte. Zwei Kinder, ein lOjähriges Mädchen und eineinjähriger Knabe, die bereits schliefen, wurden unter den Trümmern begraben und nachher tot aufgefunden. Die übrigen Familienmitglieder, Mann und Frau und zwei ältere Knaben, kamen mit leichten Verletzungen davon. Seit drei Tagen streiken die Weinkellerarbeiter von Riscyon-le-Zion. Sie haben den Weinkeller umlagert, so daß niemand aus- und eingehen kann. Dieser Streik wird großen Schaden verursachen. llemttchter. Frankfurt a. M. Mit dem 1. Februar hat Herr Ravb. Dx. Loewenstein in MoSbach die Redaktion. der lt erartschen Betrage unseres Blä.tes niedergrlegt. Veranlassung dazu war der Umstand, daß bei der weiten Entfernung des Herrn Dr. Loewenstein vom Druckorte es nicht immer möglich war, ihm die Artikel der literarischen Beilage vor dem Druck zur Durchsicht zuzusenden. Mir den bekannten Shnodalverhanblungeu steht also der bereits früher erfolgte RedaktionSwechsel nicht in Zusammenhang. Frankfurt a. M., 24. Mürz. Die Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft versendet Gern Jahr Sbericht. Danach erreichte die Frequenz der Asistalt am 1. Februar 1907 die Zahl 600. Die Realschule wurde von 261, die Borschule von 01 Schülern besucht. Der höheren Mädchenschule gehörten 248 Schülerinnen an. Bon den 84 Abiturienten, die sich der Abgangs- Prüfung unterzogen, bestanden 33, 11 davon unter Befreiung vom mündlichen Examen. 13 der Abiturienten werden die Fortbiltungsklafse besuchen. Franken»t a. M., 25. März. Aus dem Jahresbericht der Israelitischen Religionsschule entnehmen wir, daß während des abgelaufenen Schuljahres 493 Schüler und Schülerinnen in der Anstalt Unterricht empfingen, und zwar in der Schule am Hermeswea 163 Schüler und 145 Schülerinnen und in dem Lehrerinnenkursus 5 Schülerinnen, in der Schule an der Unterlindau 48 Schüler und 23 Schülerinnen, in. dem Kursus für galizische und russische Knaben 20 und in dem Kaiser- Friedrichsghmnafium, der Adlerflychtschule und der Prima der Kiingerschule 89. Der Bericht wendet s'ch in ernüen Worten gegen die immer mehr um sich greifende Unsitte, daß ein Teck der Eltern, namentlich die Knaben, nach vollendetem dreizehnten Lebensjahre aus der Reltgionsschule äbmelbet. Frankfurt a. M., 26. März. Am Sonntag und Montag verarm ab ete Herr E. Joel aus Hamburg im Hotel Drexel hier eine Ausstellung jüdischer Kunststickereien. Die Sammlung enthielt zwei schön gearbeitete rar© sowie eine Ä Anzahl von Skizzen zu solchen Stücken. Ferner e man eine reiche Auswahl von Tischläufern mir Stickereien jüdischen Charakters, die sich durch ihre Vermeidung des Konventionellen vor den üblichen Arbeiten die,er Art wohltuend auszrichneten. Eine Zusammenstellung interessanter Ex-ltbris-Zeichnungen, die Herr Joel auSgeführt hat, bewies, daß er auch auf diesem Gebier pasienve jüdische SujetS zu finden weiß. Frankfurt a. M., 37. März. Am Donnerstag, 21. d. M. hielt Herr Schriftsteller S. Berlow ttz, hier, den angekündigten ersten Borttag über jüdische Religionsphilosophie, in welchem er daS Verhältnis zwischen Glauben und Wißen behandelte. Unter, eingehender Berücksichtigung der talmudischen und reltgtonsphtlosophtschen Literatur erörterte, der Redner die Be- «m zwischen Glauben und steiem Forschen, die sich entum ganz anders gestalten als bei anderen Religionen. Während dort Glauben und Wissen sich immer gegenseitig bekämpfen und unterwühlen, ist ihr' Verhältnis im Judentum das der gegenseitigen Unterstützung und Ergänzung. Im Judentum ist die freie Forschung nicht nur erlaubt, sondern sie wird sogar gefordert. Beweise für diese Anschauung führt oer Redner sowohl aus der Bibel wie aus dem Talmud und den jüdischen Rel gionsphtlosophen des Mittelalters an. Die gehaltreichen Darlegungen fanden beim Publikum lebhaften Beifall. Der zweite der von Herrn Berlowiv angekündtgten Vorträge, der die Probleme Gottesbegrist und Weltschöpsung, Willensfreiheit und Lohn und Mrafe behandeln wirb, findet am Montag. 8. April, und her drttte („Blick in die Gegenwart) am 15. April, abends 9 Uhr, in der Loge Adler statt. Eintrittskarten find in ben.Büchhänblüngen zu haben. London, 5. März. Herr Dr. Stemheim, welcher behufs Gründung des Schlau« Hoirvereins und Heb Luv Jeruscholaimvereins längere Zett von hier aWHepd war, «ttd in den nächsten Tagen hissrk UM die Kettnvg' seiner JeschWlch übernehmen und'die im Israel« erw, . m MmWöre Wllege tNRamS-ate M «tven mpßWHeN-«^^Mori8Ä^zu

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