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Der Israelit · 1907-03-21 · Heft 12 (21.3.1907) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 12 (21.3.1907)
Date
1907-03-21
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Der Israelit. No. 13 Seite 2.' Die heutige Nummer umfaßt 24 Seite«. Die nächste Nummer, die die während der Festtage eingehenden Nachrichten sowie Inserate enthalten wird, erscheint am Dienstag, den 0. April. Die für dieselbe bestimmte« Korrespondenzen müssen biS spätestens Montag, de» 8. April, morgens 8 Uhr in «nsere» Hände« sei». Unsere verehrt. Poftabounenteu bitten wir «m rechtzeitige Erneuerung des Abonnements zum 1. April er. Pripattelegraiiiitt des „Israelit". Jerusalem, 23. März. Der zum stellvertretenden Chachambaschi ernannte Rabbi E. M. Panigel ist von Konstantinopel kommend früh hier feierlich eingezogen. Die ^AchMWhsrden beteiligten sich an dem Empfang. Die Rabbiner der Stadt und die Spitzen ter Gemeinden fuhren dem Chachambaschi entgegen. In der Bevölkerung herrschte großer Jubel. Trabling und Treibeit. Das Lied vom Frühling haben die Dichter aller Zeiten und Länder in allen Tönen und Variationen gesungen, und es will immer noch nicht verstummen, so oft des Lenzes Zauberfinger den Blütenschoß der Erde erschließt. Wie es keimt und knospet und blüht, wo kurze vorher noch Erstarrung und Totenstille herrschte! Tausenderlei geheimnisvolle Kräfte sprengen den Schoß der Erde, ein neues „Werde!" geht durch die Natur. Freudig atmet alles auf nach bangen, trüben Tagen- Lebenslust und Wonne füllt des Menschen Herz, als sei ihm die Erlösung gekommen von aller Not und Pein, als wolle sich die Erde in ein Paradies verwandeln. In solcher Zeit begehen wir unser Pesachfest, das Fest, das unsere hl. Thora direkt in Beziehung setzt zur gegenwärtigen Jahreszeit: „D'kxv Dn« OVH MKn ttHfQ, heute seid ihr ausgezogen, im Monate der Aehrenreife!" Ein Frühlings fest ist Pesach, im Monate des Blühens und Reifens feiern wir den Erinnerungstag an unser erstes Auftreten als fteies, selbständiges Volk in der Weltgeschichte. Hochbedeutsam 28. Mürz 19d7. muß uns der Hinweis auf die sich Erneuende Natur erscheinen, nicht ohne Grund mag die hl. Lehre den geschichtlichen Akt von D'nso nt-r'8' in Zusammenhang bringen mit dem natürlichen Vorgang, den wir heute und alljährlich um uns gewähren!- In der Tat, es könnte für die ewig denkwürdige Erlösungsgeschichte kein trefflicheresMilieu gefunden werden als die in unzähligen Formen und Wesen neu auflebende Natur, keine Szenerie würde passender den großen Akt umrahmen als die vom Winterschlaf erwachende Erde. Natur und Geschichte treten uns hier vereint entgegen, von der gleichen Kraft bewegt, von demselben Geist durchweht und getragen. 3'38N BnrD d'mtp ont* ovn, Es war ein Lenzesmönat, da ihr auszoget! Das bleibe euch stets lebendig im Bewußtsein. Wie hat man doch versucht, den wundtzrreichtzn Auszug aus Egypten seines wahren Charakters zu entkleiden! Eine ihre Grenzen verkennende Naturwissenschaft im Bunde mit der radikalen Bibelkritik unternimmt es, das was uns OD2 sind, hochaufgesteckte „Gotteszeichen", zu natürlichen Vorgängen im menschlichen und völkergeschichtlichen Leben zu degradieren. Den Vertretern dieser Anschauung gilt es als Beleidigung des menschlichen Verstandes, den W u n d e r glauben festzuhalten, der besonders reichlich in der gesamten Pesachfeier zur Geltung kommt! Die Theologie positiver Richtung hat in den jüngsten Dezennien den Kampf ausgenommen gegen die Uebergriffe der Wissenschaft und suchte diese in "die Schranken zurückzuweisen. Die Assyriologie mit ihren epochemachenden Funden fachte den Streit in den jüngsten Jahren besonders lebhaft anes galt, die Grenze abzustecken zwischen Glauben und Wissenschaft. Uns dünkt dieser Kampf wie ein Echo aus alter Zeit, wenn wir den Thorasatz lesen „ 3'38N ttnra O'twl'' an« ovn." Das Wunder, welches alljährlich um diese Zeit sich vor unfern und aller Augen vollzieht, indem aus dem Staube das vielgestaltige Leben erblüht, es ist der überzeugendste Wahrheitsbeweis für die D'DJ, welche den Auszug von Egypten begleiteten. Der Jude dankt Gott alltäglich „uvz- O'P ^>23«? “pDJ tyl" für die Wunder, die jeden Tag mit ihm geschehen. Gerade die Alltäglichkeit schwächt mitunter die Wirkung göttlicher Wunderwaltungen ab. Ist es menschlicher Kunst jemals gelungen, wird es ihr je gelingen, auch nur das bescheidenste Pflänzchen neu zu schaffen, wie es des Frühlings Kraft millionenfach tut? Uns Juden geht beim Lenzeswunder die Ahnung durch die Seele, nm*? rvrny D'nön ivnntp NVD3, daß auch dieToten um dieseZeit sich aus dem Staube erheben werden. Gesetzt den Fall, die Erneuerung der Natur würde nur in unabsehbaren Zeitperioden sich je vollziehen, man würde kaum glauben, daß unter dem Schnee und Eis solch revolutiononäre Kräfte schlummern, wie der Frühling sie ftei mücht! Auf die Frage nach der Quielle von Kraft und Stoff weiß die Wissenschaft keine Antwort. Sie spricht von „Naturgesetzen", sie hilft sich mit allerlei „Hypothesen" und „Theorien". Wohlan, auch die Befreiung aus Egypten, dem N'3, dem Lande, wo die Knechtschaft „zu Hause" war, dem Reiche des vollendetsten Kastengeistes, die Erlösung vom Pharaonischen Joche muß Unter höherer Einwirkung sich vollzogen haben. Sie war ein D3 wie das Sprengen der Erdenrinde durch die Keimkraft. Nie und nimmer hätte Israel die Sklavenkette eigenmächtig gesprengt, tronn tob v'nxvv irrrnK n« n"3pn, wenn Gott sie nicht aus Egypten geführt. Wie hinter den Naturgesetzen, deren Weben und Schaffen wir wiederum bewundernd wah-r-yehmett/ ss Eicht hinter dem Erlösungswunder GMiO Allmacht allein. 2<3Kn tnro ovnrp dtik dvti, heute seid ihr ausgezogen, im Monate der Aehrenreife!-— Unser Frühlingsfest ist aber auch urYnn ]n?, die Zeit unserer Freiheit, ja das ist seine Grundbedeutung. Frei und gehobenen Mutes — no*» T3 — verließ Israel das Land, dessen Boden von seinem Schweiß und Blut und seinen Tränen getränkt war. Freiheit! Ein/stolzes, erhabenes und heiliges Wort! In unserm Innern tönt der Freiheit Stimme wie ein Gottesruf. „Der Mensch ist frei geschaffen, ist ftei, und würd' er in Ketten geboren." An dem Klange dieses Wortes haben sich zahllose Menschen berauschtals die mächtigste Fanfare riß es ganze Völker zu stolzen Taten hin, erschütterte Reiche und stürzte Throne. Kein Begriff ist aber auch so zweideutig, so vielem Mißverständnis und Mißbrauch ausgesetzt gewesen als der der Freiheit. Die Freiheit ist ein Licht, sie kann aber auch eine Brandfackel sein. Sie kann leuchten und zünden. „Freiheit ruft die Vernunft, Freiheit die wilde Begierde." Die großen Revolutionen beweisen, wie zweischneidig dieses Schwert ist. Dem wildbrausenden Meere gleich begräbt der Strudel entfesselter Leidenschaft alles unter sich. Wie ganz anders nimmt sich der Freiheitsbegrifs aus, der sich in unserer Pesachfeier verkörpert! Wir hören nichts von blindwütenden Parteien, nichts von Gewalt und Schreckensherrschaft der sich Befreienden. Ein leines Neuilleton. ver Gro&Mters Ptsacbwunscb. Von Judäns. (Schluß.) Für die Herberge, die er noch mit drei Handwerksburschm teilen mußte, hatte er zwanzig Pfennige zu zahlen - er hatte somit außer seinem Rescrveftnd von drei Mark noch volle sieben Pfennig übrig. Auf seinem Zimmer anaelangt, nahm er beim Scheine des einzigen Lichtes in feiner Lasche die Durchsuchung nach Chomez vor und fiel, nachdem er kaum die ersten Sätze des Nachtgebetes gebetet Ei, in einen so tiefen Schlaf, daß er keinen seiner mergenossen kommen und gehen hörte, und erst des gens erwachte, als er von einem Polizisten aus dem Schlafe gerüttelt wurde. Bon Sttlling aus hatte man in aller Frühe nach allen Nachbarorten bas Signalement des gefährlichen Verbrechers telegraphiert, und ihn so richtig in Radolfszell sofort abgefaßt. Jtzel war neu gestärkt, kleidete sich rasch an und folgte ohne Widerrede dem Wachtmeister, der ihn aufs Amtsgericht führte. Der Amtsrichter, zwei Assessoren und ein Aktu..r hatten beim Eintritt Jtzels alle Mühe, den Ernst wiederzufinden, den ihr Amt verlangt. Denn sie hatten so unbändig gelacht, als sie aus dem Stillinger Telegramm ersehen hatten, was den dortigen Würdertträgern passiert war, daß sie fast in einen neuen Lachkrampf zu verfallen drohten, als sie den unansehnlichen Attentäter auf die Stillinger Amtswürde nun in Lebensgröße vor sich hatten. „Sie kommen von Stilling?" fuhr ihn der Amtsrichter an. „Jawohl, Herr Richter!" „Sie haben dort den Bürgermeister, Stadtschreiber, Gensbarm und Polizetdiener in den Turm gesperrt?" „Nein, Herr Amtsrichter, eines solchen Verbrechens wäre ich nicht fähig. Eingesperrt haben sich die Herrm selber." „Aber Sie h: Ben doch den Schlüssel mitgenommen, Sie haben sich als auch wegen Diebstahls zu verantworten." „Verzeihen der ^err Richter, den Schlüssel habe ich nicht mitgenommen. Er liegt oben auf dem Fenstersims des Turmes, das zu besteigen der Herr Bürgermeister mich geheißen hat. Ich habe >hn nur mit in die Höhe genommen, weil er mir beim Emporsteigen ander glatten Wand sehr dienlich war." „Aber Sie find doch nachher fortgelaufen, was Sie ganz gewiß nicht getan hätten, wenn keine Ursache dazu gewesen wäre." „Eine Ursache fortzulaufen hatte ich, Herr Amtsrichter, auch ohne schlechtes Gewissen. Ich bin im Begriff in die T chweiz und zunächst in eine jüdische Gemeinde zu reisen, um dort während des PesachfesteS zu bleiben, das heute Abend beginnt. W.rs hätte mich auch in Stilling zurückhalten sollen?" „Aber wenn sie eine jüdische Gemeinde aufsuchen, warum kommen Sie denn nach Radclfszell, hier wohnt ja kein einziger Jude?" „Das höre ich in diesem Augenblick zum erstenmale und bedaure es auftichtig. Dann ist hier meines Bleibens allerdings nicht und ich bitte um die Erlaubnis, sofort weitergehen zu dürfen." Da mußte der Amtsrichter und sein Anhang nun b.nn doch aus voller Kehle lachen. „Die Herrm von Sttlling werden jedenfalls beute Vormittag hierher kommen uno Sie werden begreifen, daß wir sie auch anhören. Vielleicht find dieselbm doch etwas anderer Ansicht über die ihnen gewordene Freiheitsberaubung." „Führen Sie den Arrestanten ins Untersuchungsgefängnis ab", befahl der Richter dem Wachtmeister. Jtzel wollte redm, aber der Wachtmeister schob ihn zur Türe hinaus. Er war Gefangmer, Gefangmer am Eres Pesach, um die Zeit, wo man in Mariapol d.s Chomez verbrannte! Wenige Stundm später kam das vierblättrige Kleeblatt ron Stilling angefahren, um sein Scherflein zur kräftigen Verdammung des Missetäters beizutragen. Es stellte sich aber dabei heraus, daß die Angabe des Strolches im Ganzen korrekt war, und daß eiicntlich außer dem Frant'schen Kaffee keine Missetat auf seiner schwarzen Seele laste. Man konnte jedoch nicht eine!;anze Ortsbehörde durch einen solchen Land,rreicher bloßtellen lassen und verurteilte ihn zu neun Tagen Gefängnis bei Wasser und Brod, mit Fletschnahrung an jedem dritten Tage. Als man Jtzel bas Urteil Nachmittags verkündete, wäre er vor Schreck fast zu Boden gesunken. Nmn Tage und ausgerechnet von Eref-Pesach bis zum lebten Pesachtage? Das war unerträglich das kann der Himmel nicht wollen. Unwillkürlich warf er einm Blick in die Höhe der Gefängniszelle, die er mit noch fünf Gmossen teilen mußte, prüfte mit einem einzigen Blick die Fenster, die Türm, hier gab's kein Entrinnen. Aber Jtzel war überzeugt, daß der Himmel ihm helfen müsse zu einem koscheren Pesach. Wie er helfen werbe, darüber brauchte sich Jtzel nicht den Kopf zu zerbrechen- Gott hat viele Boten. Daß ein Wunder geschehen werde, um ihm zu einem koscheren Pesach zu verhelfen, darüber war Jtzel nicht, im Zweifel. Er dacht > zunächst an einm Blitz, der plötzlich vom Himmel in das Gefängnis niederfährt und ihn mit allen Gefangenen befreit, Erdbeben, Kriege, auch die Möglichkett einer allgemeinen Amnestie zog er in Erwägung und überließ vrrfi'flw'aifirrriri inir ifrftifii

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