Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1907)
- Date
- 1907-03-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 12. Nr. 12. VW WWW Der JSraelit. MWMHWWUWW 21. Marz 1907. Dos Buch Esther aus seine Geschichtlichkeit kritisch untersucht von Dr. Sigmund Ia mve l. Frankfurt a. M. 1907. I. Kauffmann. Pr. M. 2. Nehmcn wir an, das Buch Esther existierte nicht, und nun wird plötzlich ein altes Pergament oder eine Reihe tönerner Chlinder in einer vergessenen Ruine PerfienS, oder selbst Babyloniens gefunden, die nichts anders alS die Esthererzählung enthielten — wie würde die gelehrte Welt ob dieser Entdeckung aufjubelnmit welcher . Genugtuung und Freude würde man die so natürlich erzählte Begebenheit» die frei von jeder Ueberschwänglichkeit ist, lesen! Endlich, endlich! ein historisches Dokument, so würde man sagen, das hineinleuchtet in eine Zeit, wo uns die persischen Quellen im Stiche taffen, ein Dokument, das eine tiefe Lücke in der Regierungszeit des Xerxes, seine Friedenszeit, ausfüllt! Ein Dokument, das den Stempel seiner Echtheit in sich selbst trägt: der König schwach und wankelmütig, launisch und tyrannisch, wie wir ihn schon von anderer Seite her kennenpersische Sitten so treu gezeichnet, wie sie nur einer zeichnen komne, der in jener Umgebung heimisch wareine Fülle persischer Ausdrücke und Bezeichnungen, wie sie nur der anwenden konnte, dem das persische Idiom in Fleisch und Blut übergegangen war! Es wäre ein Taumel des Entzückens, das alle Welt ergriffe, wenn — ja wenn die Estt ergeschichte auf einem Toncylinber wäre entziffert worden. Kein Mensch hätte an der Wahrheit des Berichts gezweifelt, kein Mensch hätte in der Darstellung eine Dwske für andere Vorgänge gesehen. — Aber das Buch ist ein Teil der Bibel, und dies heftet für viele ihm schon das Stigma der Unwahrheit an die Stirndies berechtigt schon, ihm mit Zweifel zu beg gnen,und es soll noch ein gewisses Maß von Achtung bedeuten, wenn man ihm eine Tendenz zuschreibt, die etwas anders sagen will, mS es eben sagt. Wie nun das Publikum, für das doch ein solches Buch geschrieben ist, das Rätsel lösen und daS Buch verstehen soll: daS allerdings wirb uns nicht verraten. Man sollte es nicht für menschenmöglich halten, dieses Buch, in dem sich alles so natürlich ergibt, nicht für voll und ganz zu nehmen. Es wäre zu verstehen, wenn eine Häufung von Wundern Widerspruch bet Bibelkritilern, denen jedes Wunder etwas Unglaubliches ist, hervoraerufen hätteist aber im. Estherbuche eine Spur davon? Aber das ist ja gerade daS Superfeine, man könnte es Burleske nennen, bei vielen Kritikern: Wunder find der Beweis für die Unwahrheit und Unechtbeit, und kevr Wunder Beweis dafür, daß das Buch nicht kanonisch, sondern eine Fälschung u. drgl. sei. Denn dies führt man ja im Ernst für die Nicht-Authentie an. Schwierigkeiten bietet allerdings das Buchwer von . den Kritikern hat sich aber die Mühe gegeben, sie zu zu lösen? Daß sie aber zu lösen find, beweist das vorliegende mit Fleiß und Sorgfalt geschriebene Buch Dr. Jampels. Der Berfaffer geht keiner Schwierigkeit aus dem Wege und weiß sie historisch, begrifflich und sprachlich zu lösen. Wir finden natürlich manches, worauf schon jeder denkende Leser gekommen ist, wie z. B. die psychologisch erklärliche Unruhe, die über den König nach der Einladung bei Esther gekommen ist, oder daß die Exilierung sich nicht auf Mardochai, sondern auf den Urgroßvater Kisch bezieht u. dergl. m. Aber, was den Berfaffer in den Stand gesetzt Hat, diese Schrift so besonders wertvoll zu machen, ist das historische Wissen, über das er gebietet, die Vertrautheit mit der Zeit der Achemäniden, die ihn befähigt, die Widersprüche, die sich angeblich aus der Geschichte ergeben, treffend und glücklich zu widerlegen. Auf die einzelnen Punkte, die hier besprochen werden — es find 26, die als Beweis gegen die Authentieität des Buches von den Kritikern aufgestellt werden — können wir in einer B. chanzeige nicht näher eingehen. Nur mag die neue Ansicht hervorgchoben sein, die der Berfaffer ausspricht, um der Schwierigkeit zu begegnen, daß ein Gelage von 180 T gen doch nicht denkbar sei. Es sei garnicht von zwei Gastmählern die Rede, sondern nur von einem, und zw^r einem siebentägigen. Die 180 Tage seien Beratungen gewidmet gewes n, welche wahr- . scheinlich dem Zuge gegen Grieä enland gegolten hätten, £ denen alle Großen des weiten Re ches sich gesammelt tcn, Beratungen, die mit dem siebentägigen Schmause alle die endeten, welche in Susa zurückgeblieben waren. Wenn wir auch den ganzen Einwand nicht für so sehr bedeutungsvoll hlten, so verdient diese neue Auffassung doch Beachtung und ist des Nachdenkens wert. — Die Frage, daß doch historisch nachweisbar Amestrts die Gattin des Xerxes gewesm sei, weiß der Berfaffer trefflich durch Darleai'ng . es Verhältnisses der Königinnen, Gattinnen und Konkubinen am persischen Hose zu lösen. AlS wertvolle Zugabe zu der Schrift betrachten wir die Uebersttzung eines Abschnitts aus Marcel Dieulafoh's „V Acropole de Suse.“ Der Berfaffer war der Leiter der französischen Expedition, welche die Aufgabe hatte, die Burg von Susa bloßzulegen. Seine Erfahrungen hat cr im genannten Werke niedergelegt und hat uns in diesem eine besondere „topographische Beschreibung des Ahasveros-Palastes im E herbuche" gegeben. Es ergibt sich zur Evidenz daraus, daß der Berfaffer des Estherbuches diesen Palast, der zur Zeit Alexanders geplündert wurde und bald darauf^ einstürzte, gekannt haben mußein Beweis für das Alter -es Buches. Aus dieser Beschreibunq wird uns manches verständlich, was uns bisher nicht klar war. Was ist frva nH? Dieulafoh erklärt es uns, es ist ein Garten, ein Apadana, der sich an den Harcnr anschloß, weitab vom Palaste des Königs lag, der durch einen großen Hof vom Harem getrennt war. Darum ist nur zweimal von dem hyq rm in der Megillah die Rede und zwar stets in der Nähe zum Frauenpalast gedacht. Es ist wirklich ein schönes Buch, das Dr. Jampel uns auf den Büchertisch legt, wert, daß man es studiere. Wie schwinden hier all die Phantasmagorien superkluger Krittler, die das Estherbuch als Tendenzschrist wollen gelten lassen, die einen für die Makkabäer, die anderen gegen die Makkabäer, der Kritiker, die aus dem Purim ein ursprüngliches heidnisches Fest machen, ein Tonnenfest, ein Traubenfest u. drgl. Durch'das vorliegende Buch sind diese jüdischen und christlichen Kritiker, tue eins sind in der Entwürdigung der Esther-Megillah ad absurdum geführt. S. Veröffentlichungen des Bureaus für Statistik der Juden. Heft 3. Die jüdischen Gemeinden und Vereine in Deutschland. Berlin 1906. Mit seiner jüngsten Veröffentlichung macht das „Bureau für Statistik der Juden" u. a. den Versuch, das religiöse Leben der Juden statistisch zu ersoffen. Bet aller Anerkennung der von den Verfassern aufgewandtew Mühe, darf man es ruhig aussprechen, daß der angestellte Versuch als mißlungen zu betrachten ist. Er mußte mißlingen, w il nun einmal der Schwerpunkt des jüdisch-religiösen Lebens nicht in jenen äußeren Einrichtungen liegt, die der statistischen Beobachtung allein zugänglich sind. Allein auch noch aus einem anderen Grunde mußte der Versuch mißlingen: das zur Verfügung stehende Material erweist sich als gänzlich unzureichend. In dem „Gottesdienst und Kultus" behandelnden Kapitel I findet sich eine Tabelle, die die Zahl der „öffentlichen" Synagogen angibt. Man sollte nun annehmen dürfen, öffentliche Synagogen seien solche, die Jedermann zugänglich sind. Aber nein! Eine Fußnote belehrt uns, daß unter öffentlichen Synagogen nur jene zu verstehen find, die Eigentum einer Gemeinde find. Aber selbst mit dieser Einschränkung können die angegebenen Ziffern nicht stimmen. Sind doch z. B. für das ganze Königreich Sachsen nur 3 Synagogen angegeben, während Leipzig allein 4 besitzt. Für Berlin mit Vororten sind 10, für Hamburg gar nur 3 Synagogen angeführt! Daß die so gewonnenen Durchschnittszahlen gänzlich wertlos, ja, schlimmer als das, geradezu irreführend find, hätte die Leitung des Bureaus für Statistik sich selbst sagen müffen. Einen ähnlichen Wert hat das von „synagoaenchor und Orgel" handelnde Kapitel, da das Fehlen der als nicht „öffentlich" angesehenen Synagogen zu ganz falschen Schlüffen führen mutz. Die anschließende, die „Mikw a" betreffende Aufstellung wird mit folgendem lapidaren Satze eingeleitet: „bas rituelle Tauchbad gehörte einst mit zu jenen öffentlichen Einrichtungen, die eine jede jüdische Gemeinde zu besitzen pflegte!" Kommentar überflüssig. Kapitel I! behandel Religionsunterricht und Volksschulen, Kapitel III Besteuerungsverhältnisse der Gemeinden-beide bieren eine Fülle intereffantenMaterials. Der Anhang bringt eine sehe verdienstvolle Arbeit von Paul Dreh über die Verteilung der jüdischen Bevölkerung Deutsch ands auf Stadt und Land. Wir haben bisher noch nicht erwähnt, daß auch das jüdische Bereinswesen (in Kapitel IV) zur Darstellung kommtes könnte dies Kapitel allerdings unberührt bleiben, denn was es an Ziffern > ietet, ist äußerst dürftig und auch die descripttve Seite bietet nichts neues. Was indessen auch beim flüchtigsten Durchblättern auffallen mutz, ist das Fehlen einer ganzen Anzahl Vereinigungen, deren Existenz dem Berfaffer unmöglich unbekannt sein konnte. So fehlt unter b) bei den Lehrervereinen der „Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrerunter e) Organisa tionen rc. fehlen: „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums", „Jüdisch-Literarische Gesellschaft" und der „Verband der Sabbatfreunde. Diese in der Statistik vergeffenen Vereine tragen einen gemeinsamen Zug: Sie stehen bewußt und offen auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums. Die Leitung des Bureaus für Statistik der Juden wird sich der Pflicht nicht entziehen können, zu erklären, warum diese Weglassung erfolgt ist. Sie wird damit zugleich auch Au kunst darüber geben, ob ihre Arbeiten der ernsten Wissenschaft oder der öden Tendenzmache dienen sollen. M. L. nDD niDbn bv jnVtWl 1112 IDO- Von Rabbi M ichelEpstein. 124 S. Pietrikow, 1907. Rüstig schreitet der Druck des groß angelegten Schulchan- Aruch-WerkeS des berühmten Rabbiners von Nowogrobok fort. Es lag bisjetzt vor, die Bearbeitung des Orach> Chajim Cap. 1—141, Jore Dea Cap. 1—122 u. Cap. 183 bis 202, Eben Haeser Cap. 119-178, Choschen Mischpot vollständig. Zur rechten Zeit erscheinen nun auch die auf das Pesiachfest bezüglichcn Vorschriften im Druck, Orach Chajim Cap. 429—494. Das jüngst erschienene Heft teilt die schon oft in diesem Blatt hervorgehobencn Vorzüge der älteren Teile. Die klare Darlegung der divergierenden Ansichten (Schitot) der alten Erklärer und Dezisoren, die logisch scharfe Entwicklung der prattischen Entscheitung, das verständnisvolle Eingehen auf die im modernen Leben sich neu erhebenden Fragen, und das mit ruhiger Ueberzeugung gefüllte sichere Urteil machen das Werk des berühmten russischen Thoragelehrten zu einem unschätzbaren Handbuch nicht allein für die Rabbiner, denen praktische Entscheidung ritueller Fragen obliegt, sondern für jeden, der das Bestreben hat, sich eine genaue Kenntnis unserer heiligen Pflichten zu jeder Zeit und bei allen Borkommniffen zu verschaffen und zugleich sich wünscht in den Stand gesetzt zu sehen, die Vorschriften für die Praxis in leicht faßlicher Weise bis zur ersten Quelle zurückzuführen. Das herrliche Werk ist vom Verfasser zu beziehen, der jüngst erschienene Teil der Peffach-Gesetze auch bei der Buchhandlung I. Lew in Warschau, Mila 2. Literarische Notir. Es dürfte unsere Leser interessieren, daß unser gesch» Mitarbeiter, Herr Rabb. Dr. Koenigsbergerin Pleschen (Prov. Posen) die Herausgabe einer sorgfältigen, kommentterten, in deutscher Sprache erstmaligen Uebersetzung des jerusalemischen Talmud plant. Der Druck soll beginnen, sobald der gen. Herausgeber, welcher bereits eine große Anzahl umfassender Arbeiten auf dem Gebiete der Bibel- und Talmudforschung veröffentlicht hat und auch die Herausgabe des überaus wichtigen halachischen Midrasch Sifre suta (^tOIT 'HDD) zu Bamidbar (mit hebr. Commentar) gegenwärtig fortsetzt, die nöttge Zahl Von Subscribenten (120) gefunden hat. Der Preis der Talmudübersetzung soll, außer Porto und Brochur, nur die Druckkosten oecken, wird also ein sehr mäßiger (je 0,50 Mk. pro Druckbogen) sein. Wir können die Subskription, mit der man sich an den Herrn Dr. K. wenden wolle, aufs Angelegentlichste empfehlen. Neue Weber. Altorientalische Weltanschauung und altes Testament. 69 S. Die Gottesfrage und derUrsprung des alten Testaments. 57 S. Der ältere Prophetismus. 46 S. Alttestamentliche Kritik und Offenbarungsglaube. 53 S. Neueste Prinzipien der altestamentlichen Kritik. 80 S. Glaubwürdigkeitsspuren des alten Testaments. 54 S. Die Babel-Bibelfrage und die wissenschaftliche Methode, (zugleich Kritik von Delitzsch's III. Babel-Bibel-Schrift.) 45 S. Babyloniens Kultur und die Weltgeschichte. (Ein Briefwechsel.) 42 S. Sämtlich von Professor Dr. E ö u a r ö K ö n i g. Groß- Lichterfelöe-Berlin, Edwin Runge. Jews'College Jubilee Volume. 273S. London, Luzac KCo. Hans im Glück. Ein Roman in zwei Bänden. Bon Henrik Pontoppidan. Aus dem Dänischen übertragen von Mathilde Mann. 482 und 482 S* Leipzip, Jnselverlag. v Die Kunst des 19. Jahrhunderts. Mit etwa 400 Abbildungen. Von Dr. Berthold Daun. 5.-8. Lieferung. S. 153—320. Berlin, Georg Wattenbach. Festpredigten. Von Dr. Moritz Em. Proßnitz. 34 S. Frankfurt a. M-, I. Kauffmann. Friedhofsgedanken. Predigt anläßlich des Bußtages der „Jsr. Beerdigungsbrüderschaft" in Prag gehalten von Dr. H. Brody. 14 S. Prag, Jacob B. Braiideis. -qd Trauerrede gehalten an der Bahre von R. S. B.SchreiberyjjTponRabb. Salomon Schreiber in Beregszasz. tod im -nronn rroai baan rraa iQvb In hebr. und deuts^er Sprache. Von Lehrer M. Elsenberger, Schornheim. Selbstverlag des Verfassers. Zu beziehen durch alle hebr. Buchhandlungen. Streiflichter zur biblischen Geschichte aus der altpalästinensischen Stadt Geser. Ausgrabungen und Entdeckungen von R. A. Stewart Macalister. Autorisierte deutsche Ausgabe mit Anmerkungen v.n Prof. Dr. F. Hashagen. 112 S. Wismar in Meckl., Hans Bartholdi. HäckelsWelträtsel. Bon Pastor Hardeland. 2. Aufll. 28 S. Zittau, R. Menzel Nachf.