Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1907)
- Date
- 1907-03-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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J>e Wart lileraris Eine zeitweise flufbebiina des 5a«bedrln. Bon Rabbinec Dr. Bonvi in Mainz. IN. Warum wird die Schule Schammais an erster Stelle genannt, obgleich die Halacha in den überwiegend meisten Fällen der Schule Hillels folgt und obgleich bei der Ordnung der Mischna Hillels Nachkommen den Vorsitz im Lehrhaus führten, auch Hillel der Nassi war, während Schammai erst geraume Zeit nach Hillels Wahl, nach dem Austritt Menachems, die Würde des Ab Bet Din erhielt?*) Wie ist es zu erklären, daß in den drei am Anfang von Traktat Ediot zusammengestellten Mischnijot, in denen Hillel und Schammai selbst, nicht wie sonst ihre Schulen, genannt werden, daß gerade dort die Chachamim, die Vertreter der Majorität den beiden großen Gelehrten entgegentreten. Halevy findet für diese alten und schwierigen Fragen eine überraschend einfache Lösung. Diese Lösung baut sich auf den Tatsachen auf, daß lange Jahre vor Hillels Wahl zum Nassi durch einen Gewaltakt der Römer kein Sanhedrin vorhanden war und auch dann, als Hillel die Söhne Betteras ablöste, man noch nicht wagen durfte, sogleich das Sanhedrin wieder herzustellen, und daß man auch die Absicht der Restitution des Sanhedrin durch den Einfluß von Hillels mächtiger Persönlichkeit zunächst noch geheim halten mußte. Das Sanhedrin mit seinen äußeren Machtbefugnissen war wohl von GabiniuS und Antsisater aufgehoben worden, jedoch die Metibta, die Zentralhochschule, konnte und durfte nicht verschwinden. Darum schaarten -sich die Lehrer des Gesetzes, als Schemaja und Abtalion gestorben waren, um den hervorragenden Schüler Schammai. Nach Hillels Wahl zum Nasii ließ man Schammai, teils aus Verehrung für ihn, besonders aber um bei Herodes und den Römern kein Mißtrauen zu erregen an der Spitze der bestehenden Hochschuledoch unter Hillels Leitung erhob sich daneben eine gleichberechtigte neue Metibta, die Schule Hillels. Es trat jetzt etwas ganz Neues in die Erscheinung. Zum ersten Male hatte man im Heiligen Lande, und dazu noch in der Hauptstadt *) Anmerkung. Es sei hier darauf hingewiesen, daK die E klärung d>r VoraussteUung Bet Schammais aus der B schetdenheit Bet Hillels Erubin 13 d um Aeruschalrm zu Sukka 2, 8 nur die einma.ig ' Begebenheit im Auge hat, wo die Aeltcsten der Schale H ll ls Die Ael esten der an 'eien Schule zu r,t narnte. Auch die Erörterung der Toffafot zur Mi chna C.) g'ga 2, 2 warum dort Schammai vor dem N fs Hillel stehi, wä r nd s nst in dieser Mischna ter Rafft vor dem Ab B t D'.n genannt wird, hat nichts m t der obigen Frage zu tun. selbst, nebeneinander zwei oberste zentrale Hochschulen. Aus der Not der Zeit heraus wurde diese Zweiteilung der Metibta geboren, es gab jetzt eine Schule Schammais und neben ihr die Schule Hillels. Bis jetzt hatten die Gelehrtenpaare, welche die geistigen Häupter des Volkes bildend das Sanhedrin leiteten, in einem Lehrhaus zusammen gesessennoch Schemaja und Abtalion, Hillel und Schammais Vorgänger und Lehrer, finden wir gemeinsam lehrend im selben Hause. Man denke nur an die bekannte Joma 35b erzählte Begebenheit der Lebensrettung des erstarrten Hillel an einem Sabbat, wo Hillel sich der grimmen Kälte aussetzte, um Schemaja und Abtalions Lehrvorträge zu hören, und wo Schemaja und Abtalion im Gespräch miteinander erscheinen. „Als es tagte, sagte Schemaja zu Abtalion, mein Bruder Abtalion, sonst ist das Haus hell, heute dunkel, sollte ein bewölkter Tag sein?" Die von uns erwähnten Fragen, sind jetzt leicht zu beantworten. Bei den in der Mischna überlieferten Kontroversen wird zuerst Bet Schammai genannt, weil diese Schule die ältere war und viele ihrer Entscheidungen, die später Bet Hillel bekämpfte, lange vor Hillels Einsetzung und lange vor Gründung seiner Hochschule gefällt waren, ja manche derselben bei Beginn von Hillels Regierung schon längst praktische Geltung gefunden hatten. In unserer Geschichtswissenschaft ist ein scharfes und klar blickendes Auge erforderlich, um die Quellen für bedeutungsvolle Ereignisse zu erspähen. Wie man die Josephusstelle von der Aushebung des Sanhedrin durch Gabinius unberücksichtigt lassen konnte, so hat man auch eine kurze Bemerkung im Jeruschalmi zur Mischna Sukka 2,8 nicht ihrer Bedeutsamkeit gemäß bewertet. Halevy ist es wieder, der uns belehrt, daß in der Entgegnung des R. Simon b. Sabda an der betreffenden Stelle deutlich ausgesprochen ist, daß Schammais Schule älter als die Hillels ist. Im Jeruschalmi dort soll, wie auch im Babli Erubin 13 b auf die Bescheidenheit der Schüler Hillels geschlossen werden, weil sie gelegentlich ihrer in der Mischna erhaltenen Beweisführung vom Besuche in der Laubhütte des S. Jochanan S. d. Choranit, die Schule Schammais vor der eigenen nennen. R. Simon b. Sabda will darin keinen Beweis sehen, weil diese Voranstellung der Schule Schammais erst vom Ordner der Mischna ausging, der sah, „daß jene älter waren und sie deshalb zuerst erwähnt." pnon rpan R. Simon b. Sabda kann damit nichs anderes meinen, als daß die Schule Schammais als solche älter als diejenige Hillels war/ denn welche Begründung hätte die Behauptung, daß der Ordner der Mischna gewußt habe, daß die Schüler Schammais ältere Männer als die Schüler Hillels waren. Auch läßt sich vom höheren Alter einzelner reden, es geht aber nicht an, zu sagen, daß die Mitglieder zweier, j lange Zeit hindurch nebeneinander bestehenden j wissenschaftlichen Vereinigungen im Lebensalter weit von einander verschieden waren. Es ist zweifellos, daß R. Simon b. Sabda auf die Tatsache hinweist, daß die Schule Schammais vor ] Hillels Schule bestand. Ein jeder, der irgendwelche | Vertrautheit mit der Mischna besitzt, wird Halevy i zugestehen müssen, daß er durch Aufhellung des j Verhältnisses der Schulen Schammais und Hillels | zueinander nicht nur einen außerordentlichen | Beitrag zum Verständnis der Mischna geleistet 1 hat, sondern auch daß die von ihm neu aufge- 3 fundene Tatsache vieles andere aus jenen Zeiten, über deren geistiges Leben sich bei den alten | Historikern kaum ein Wort findet, in einem neuen | und wahren Licht erscheinen läßt. | Die Erklärer der Gemara nennen oft, wo sie . von den Schulen Schammais und Hillels zu ’i sprechen haben, nur die Namen der Häupter dieser Schulen. Ihnen stand es fest, daß unter;i diesen Schülern nicht die Gelehrten, die nach j Schammai und Hillel lebten, gemeint seien, j sondern die Zeitgenossen, die sich gemeinsam mit J diesen Meistern im Lehrhause befanden. Die | bekannte Mischna Abot. 5, 17, die von den edlen i Motiven der Konterversen Hillels und Schammais spricht, kann auch nur die in der Mischna vorkommenden Meinungsverschiedenheiten der beiden J Schulen im Auge habendenn die Meister J selbst finden wir, nach den Worten R. Hunnas Sabbat 15a, nur in den drei ersten Halachas von Ediot sich gegenüber. Warum dieses nur \ dort der Fall ist und warum dort gerade die Chachamim ihnen widersprechen, ist jetzt bald er- 4 klärt. Wo Hillel und Schammai mit den Ge- J lehrten ihrer Schulen übereinstimmen, treten nur | die Schulen als solche auf. Drei Fälle kennen 1 wir nur, wo die sich widersprechenden Meinungen beider Meister von ihren Genossen nicht geteilt | werden und wo die Gelehrten beider Schulen | vereint den Meinungen Hillels und Schammais | ihre als Lehre der Majorität obsiegende Ansicht J entgegenstellen. Das ist dann auch der Grund, | warum am Beginn von Ediot diese drei Fälle \ zusammengestellt werden. Es kommt auch wiederholt vor, wie Halevy nachweist, daß Schammai J allein den Lehrmeinungen beider Schulen wider- 1 spricht, ebenso, wenn auch nur sehr selten, daß j Hillel allein den Chachamim gegenübersteht. \ Nachdem wir das Verhältnis der Schulen - Schammais und Hillels zu einander kennen ge- J lernt haben, wollen wir versuchen, ebenfalls nach | Halevys Ausführungen, die Beziehungen der | Konterversen des Bet Schammai und Bet Hillel | zu dem eigentlichen Stamm der Mischna zu 1 verstehen. 1 CSD 1