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Der Israelit · 1907-03-21 · Heft 12 (21.3.1907) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 12 (21.3.1907)
Date
1907-03-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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mm 10. Der Israelit. No. 12. 21. März 12V7 ntstifchen Gedankenkreises, daß Besetzest reue und Gefetzesleu gn u n gkeinenMaßstaV für die Bewertung der National- Ehre des jüdischen Individuums abgeven können. Will Män äußerlich und möglichst trivial erproben, welche mo alifchen Werte eine Gemeinschaft für wertvoll und welche fie für nebensächlich hält, so braucht man nur . nach der Qualifikation zu fragen, die fie von chren höchsten Würdenträgern verlangt. Nun wohl: Die Borstellung, daß jemand *ut Bekleidung des höchsten Ehrenamtder Nation weniger würdig sein iönnte, weil er beispielsweise prinzipiell öffentlich den Sabbath ent' weihte, diese Borstellung wird vom zionistischen Standpunkt als ungeheuerlich prinzipiell abgelehnt werden müssen. Diese Ablehnung fließt nicht aus praktischen Rücksichten, fie ist nicht das Ergebnis praktischer «Toleranz", fi r die wir volles Verständnis haben, sondern fie verkörpert ein das Judentum als Religion aufhebendes Prinzip, und sie ist eS gerade, die dem Zionismus feine Werbekra t verleiht. Das zionistische Bolksideal braucht trotzdem auch seine „Frommen" als eine relativ wertvolle Seite des Volkslebens, und der Misrachi gibt sich durch seine Eingliederung in bas zionistische Gefüge dazu her, dieses neue, das religiöse Moment degradierende sittliche Ideal mittelbar zu stärken und lebene- Wig zu machen. Wenn Herr Dr. Feuchtwanger diesen Deduktionen gegenüber immer wieder stürmisch nach einem Erweis" verlangt, so bitten wir ihn, seine nichtmiSrachistischen Partei-Freunde, die geistigen Führer des Zionismus, zu konsultieren. Wir haben bisher in jenen reisen volles Verständnis für die innere Folgerichtigkeit unseres Standpunktes gefunden, so se r sich die offizielle Leitung natürlich auch hütet, das öffentlich anzuerkennen. 2. Herr Dr. Feuchtwanger meint aber diese „unbedingte Prinzipientüchtigkeit" überhaupt ins Lächerliche ziehen zu dürfen, und er hält fie für verwerflich, weil fie oen Verzicht auf „praktische Leistungen" in sich schließe. Nehmen wir diesen „Verzicht auf praktische Leistungen" einen Augrnblick als tare Münze, so st hen wir nicht an zu erklären, daß man auf politischem, auf wirtschaftlichem, sogar auf künstlerischem Gebiete um praktischer Erfolge willen unter Umständen seine Prinzipien sehr wohl in die Tasche stecken kann, ohne allzuviel Schaden anzurichten — nimmermehr aber im Bereiche der religiösen Idee. Tasr»iv an**, die Zeugenschaft des jüdischen Kolkes sein Bekennertum zur alten jüdischen War heit ist im Strome der alles nivellierenden und von der Gunst des Tages getragenen Ze tideen unendlich wichtiger als alle „praktischen Erfolge". Was nützt mir die Möglichkeit, raff zu halten, wenn die fundamentale religiöse Bedeutung der Institution auf dem Wege der „Toleranz" in dem Bewußtsein der Menschen zum Verschwinden gebracht Worten ist? Was nützt das Judenvolk, wenn aus dem alten Judentum eine allen Völkern nachkonterfeite jüdische „Kultur" geworden ist? Der unphilosophische Kopf spottet von je über die Idealisten, die an die wirkende Straft drr Ideen glauben, und die einem Bekennen oder Nichtbekennen gewiffer Gedankenrichtungen irgendwelchen Einfluß auf die Gestaltung der Weltgeschichte oeimeffen. Aber die Ge chichtswtffenschaft weiß es heute doch, daß Kant und Fichte die Befreiungskriege gewonnen, undHegel den modernen preußischen Staat geschaffen hat. Und wir Juden, das eigentliche Volk dereligiösen Bekennertums, wir sollten so tief in eine Art von religiösem Materialismus verfallen dürfen, daß wir „praktische Leistungen" in die Wagschale werfen, wo da- Prinzip, die Mutter aller geschichtlichen Zukunft, auf dem Spiele steht? Der Mann des prattischen Lebens freilich findet fich mit dem einfettig naturwiffensthastlich-mathematisch Gebildeten oft allerdings in solchem Verlangen in redlichster Abficht zusammen, aber beide überschreiten die Grenzen ihres moralischen Rechtes, wenn fie, um „Gutes zu stiften", über die subtilen Fragen des religiösen Zettbewußtseins mit einem verächtlichen Seitenblick auf die „Prinzipienreiter" zu Tagesordnung übergehen. 3. Was.das Programm des Misrachi anbetrifft, so kann man verschiedener Meinung darüber sein, ob es überhaupt möglich ist, durch ein Programm die Verdunkelung der jüdischen Prinzipien zu paralysieren, die fich auS der organisatorischen Stellung des Misrachi, wie dargelegt, mit Notwendigkeit ergievt. Der Berfaffer dieser Zeilen glaubt persönlich, daß es möglich gewesen wäre, ein solches Programm in Preßburg zu schaffen — ob noch heute, sei dahingestellt. Was aber in dieser Hinsicht dem heutigen MiSrachiprogramm fthlt, erhellr am besten aus der Gegenüberstellung des inPrcßburg ab ge lehnten, weil allzuscharfen Pr ogrammentwurfs: 1. Drr Misrachi ist eine Organisation gesetzestreuer jüdischer Männer, die, unter Anerkennung des Baseler Programms die nationale Aufgabe des jüdischen Volkes Ur der geistigen Erfassung der überlieferten Lehre und in der vollen Verwirklichung des überlieferten Gesetzes erblicken. Die Entwickelung aller nationalen Lebensäußerungen materieller und geistiger Natur hat sich auf dem Boden dieser jüdischen Leh-re und im Rahmen der durch das Gesetz gegebenen Normen zu vollziehen. 2. Der Misrachi erstrebt mit allen gesetzlichen Mitteln die Anerkennung dieses seines Grundprinzipes, das der Neberzeugung der überwiegenden Mehrheit des jüdischen Volkes entspricht, durch den Kongreß und durch die Gesamtheit der jüdischen Volksgenossen. Er hat zu diesem Zwecke seine Prinzipien durch wiffenschastlick e Arbeit zu erhärten, durch aufklärende und belehrende Tätigkeit m allen Volksschichten zu verbreiten und durch seine Delegierten im Kongresse zur prattischen Geltung zu bringen. . S. Solange die Mehrheit des Kongresses dem Misrachi noch nicht angehört, hat dieser mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln des persönlichen Einflusses und vermöge des Rechts der ansehnlichen Minderheit, die er beute schon vertritt, dahin zu wirken, daß alle Beran staltungen und Institutionen der Partei den gesetzlicher Normen entsprechen und jedenfalls darauf zu bestehen, daß die Beiträge des Misrachi zur Parteikaffe weder dirett noch indirekt ungesetzlichen Zwecken zu Gute kommen können. Das ist nicht das Programm deS Misrachi. 4. Herr Dr. Feuchtwanger zeiht uns in seinen nun folgenden Ausführungen ziemlich deutlich der Unwahrhastt^keit, und er begründet diesen ungerechten Bmwurf einzig und allein mit — seiner bisherigen Auffassung von unserem Verhalten dem MiSrachi gegenüber! Bewiesen ist damit nur, daß diese A> ffasiung, die nicht alle Führer des Misrachi teilen, ein Ergebnis der Voreingenommenheit und der mangelnden objektiven Würdigung war oder ist. Dabei soll nicht geleugnet werden, daß in unserem Lager manche unnötige Schärfe, für die nicht wir verantwortlich find, zu solch ungerechter Beurteilung vielleicht die erste Veranlassung gegeben haben mag. 5. In einem Puntte will der Herr Einsender von unS belehrt worden sein und er tut sehr erstaunt über diese Belehrung. Der Israelit freut fich über „Gesetzes-? Verletzungen"! So tief finken die Feinde des Misrachi! -Wenn der Monat Adar nicht schon zu Ende wäte, könnten wir uns mit Herrn Dr. Feuchtwanger über diesen Purimscherz herzlich mitfreuen, schade nur, daß seine sonst ernst zu nehmenden Ausfü rungen dadurch an Wert so sehr verlieren. Jawohl, Herr Doktor, wir fteuen uns — nicht über „Gesetzesverletzungen" (das war HerrnGreenbergs Rede nicht), wohl aber über die offene Aeußerung ohnehin vorhandener gesetzesleugnender Gesinnung, wenn dadurch ein schleichendes und darum unheilbares Uebel in eine akute und heilbare Krankheit verwandelt wird. Oder hat Herr Feuchtwanger sich am Krankenbette noch nie eines markanten Symptom es gefreut, das ihm den Kampf gegen die Krankheit erst ermöglichte? Der Parteihaß verblendet, sonst hätte der Arzt zu allererst un re ehrliche Freude ehrlich verstanden, und es dann als ehrlicher Mensch verschmäht, auch in diesem Puntte die Lauterkeit unserer Politik zu verdächtigen. 6. Wir kommen zum letzten und vielleicht zur Zeit wichtigsten Puntte: der Frage der praktischen Erfolge. Herr Dr. Feuchtwanger ist selbstverständlich mit souveräner Verachtung erfüllt für alles, was die Orthodoxie, zunächst die deu-sche, in den letzten Jahrzehnten an organisatorischer und und praktischer Arbeit geleistet hat, und wir haben Heute nicht die Absicht, darüber mit ihm zu rechten. Nur die Frage sei gestattet, was denn der Misrachi bisher Großes an praktischen Erfolgen aufzuweisen hat, das ihn berechtigte, von oben herunter andere Leute der Unfruchtbarkeit zu zeihen. Gewiß: in magnis voluisse sat est, auch der gute Wille verdient Anerkennung, dann aber nicht nur beim Misrachi, sondern auch bet seinen Gegnern. Wenn indessen unter der „prattischen Arbeit" die soziale und kolonisatorische Hilfstätigkeit im Großen verstanden sein soll, so scheint es zu dem eisernen Bestände der gegnerischen Argumentation zu gehören, den Schein zu erwecken oder fich selbst vorzutäuschen, als bedürfe es der Parteizugehörigkeit zum Zionismus, um sein Teil zur Durchführung aller dieser Hifswerke beizutragen. Das ist einfach unwahr. Sowohl mit ihrem g e i st i g e n Können als ihren materiellen Mitteln vermögen gesetzestreue Juden ihren vollen halben Schekel einzusetzen, wo es gilt, in Palästina oder in Rußland, in Amerika ober in Abesihnien Notstände zu l ndern oder neues Leben zu wecken. Palästina- Jndusti ie-Syndikat und Bezalel, Herzl-Wald und Pflanzungsverein würden nicht nur materielle Unterstützung auch von den „schwärzesten" Orthodoxen mit Vergnügen annehmen, sondern diesen Kreisen auch gerne kräfrige Mitarbeit gestatten — ohne ein zionistisches Glaubensbekenntnis zu verlangen. Ob diese Mitarbeit im Moment von unsrer Seite geleistet werben scll, ist eine Frage, die ernster Prüfung bedarf und über die schon mehr gesprochen und auf beiden Seiten verhandelt worden ist, als Herrn Dr. Feuchtwanger vielleicht bekannt ist. Vorbedingung ftir ein gedeihliches Zusammenarbeiten in prattischcn Dingen wäre eine starke Gesamrorganisation der Orthodoxie, die ihr grstattet», die Anfm derungen der jüdischen Lehre mit Würde und doch mit Nachdruck zu vertreten. Auch ehe dieses Ziel erreicht ist, bedarf gerade auf palästinensischem Boden die westeuropäische Orthodoxie der vollen Energie und geistigen Kraft all derer die sich zu ihr zählen, um bedeutungsvolle, wahrhaft jüdische Kulturaufgaben selbständig zu lösen. Es fehlt also nicht an Gelegenheit zu produktiver Betätigung, und wenn wir etwas b dauern, so ist es die Tatsache, daß der Misrachi — nicht notwendigerweise, aber de facto — so Viele jüdische Männer, nach dem Beispiele des Herrn Einsenders, in einen Gegensatz zu ihren religiösen Gesinnungsgenossen hineintreibt und dadurch der gemeinsamen Sach schweren schaden zufügt. Diesen Geg nsatz zu mildern, wird, der kränken- - den Angriffsweise tes Herrn Einsenders zum Trotz, auch fortan unser Bemühen sein. „Hoch oben in den Lüften", meint er, sei unser Stanpuntt. Mag sein — aber dort oben in den Lüiten steht der Blick weiter und freier in die Zukunft hinaus, über die Wolken hinweg, die den Blick der Besten oft verschleiern, und über die Dünste, in denen statt gegensetttger Würdigung der im Grunde Gleichgefinnten Verkennung ‘ Parteihaß gedeiht. und vttelirartea. Nach Hamburg. Wir haben eine Notiz, wie Sie fie auf Ihrer Karle angeven, unstres WiffenS nicht, erhalten: Welches soll denn der Inhalt gewesen sein? An Spenden singen ein: 9ft* «re- Israel r N. R. 10; Cantor S. Brilling, Tremeffen Ü; N. N. für R. M. b. H. 3: N. N. 3; N. N. mr Diskinsches Waisenhaus 15' Morentbal, Ritschenhausen f. R. M. b. H. 5; S. Levh, Waldeck 5; L. A. in 0.10.05; durch Lehrer Roßmann, ÄerSfeld Spenden von Ploni 1.50; I. Weinberg u. Sohn 3; D. Hammel O, 50; N. N. 0,50; Juda WahlhauS 1.1; für Mazzos: 3 Ungen. 3; Juda Wahlhans ll. u. HL 2; Markus Katzmann, L. Hammel, Ploni, Maier WahlhauS, A. Barth je 1; Basen 0,50; Chalogeld von Jette Windmüller 1; Regine Katzmann. 2; Lina Hammel 2; Veilchen, Marianne u. Mathilde WahlhauS 6; Ploni i; 3 Ungenannte 5; Sara WahlhauS 2; Klara Barth 2; Fanny Basen 1; Ploni für Machzis Haschekel und MoauS Purim 2; Chalogeld von Jeanette Weinberg 3; Rosa Goldner 3; Sara Löwinsohn 1.50 in Summa abzügl. Porti 50 —Tisch- ^sellschaft Sandenell» Fft. 11; Ungenannt für R. m. b. H. 1.50; Mitglied der Moblim Berga, für Talmud Tora EzChajim 5; H. Weyrauch u. Co. Jamaica 2 D-ll. 8.40; S. Drilling, Königsberg 3; in Summa Mk. 134.95. Für Kinderheim Diez; N. N.. . . . . . Mk. 1.50 Für Krzepitz; H. Gundlfinger Ulm 10; N. N.» Frankfurt a. M. 5; E. Fribourg, Metz 5; S. Kahn, Stuttgart 3, Lämmlein Mohr, Altenuhr 5; B. Z., Resingen 1; N. Eppstem, Greusienbeim 5: Gestettner London Chek 2 Lstr. - 40.80; N. N. aus O. Wttbg. 5; Lorch Nordrach Sammlung 15.16; Saly Schmidt Bechhofen 4; in Summa Mk. 98.96. Für die Hinterbliebene« der anf „Grube Reben" verunglückten r Gebr. Kaufmann, Ladenburg 5; I. Gutmann, Eich 3; N. N. Friedberg 5; B. Loeb u. Sne., Mannheim 10; Gemeinde» Collekte Flehingen durch Lehrer Schweizer 6.70; in Summa Mk. 29.70. Für arme Rnffe«: Frl. Clara Sandmell . . .... . . Mk. 10. Für in Rot geratene Familie (Anfrnf 7082) S. Bityuski, Lauten bürg 5; Z. G. 5; E. Wertheimer, Lehrer, Hardheim 5; Gundlfiuaer» Ulm 5; M. F., Stuttgart 0,30; Dr. I. H., Hamburg 3; H. Rotschild, Alsfeld 4; N. N. Langenschwalbach 5; Saly Schmidt, Bechhofen 4; Gelli Blumenstein, Gunzenhausen 5; H. Stein, Mühlen 3: N. N. Höxter 2: I. Grünewald. Gießen 8; A. S., K. 2: I. Bamberger» Hachenberg 3; N. N. Flörsheim 2' Ploni Almoni, Schwft. 5; Rabb. Werl, Buchsweiler 2; G. Levy, Neubrunn 5; I. Weil, Basel 2.—; in Summa Mk. 75.30. Sabbat-Anfang u. Ausgang. Vrm 'ff. ix Anfang Datum Ausgang Uhr iMin. 1907 5667 UhrlMin. Frankfurt a. M. 6 10 23. März 8. Nissan 7 25- Berlin .... — — n // 7 0-5 München . . . 6 15 n n 7 10 Strastburg . . 6 30 H // 7 2» Pose« .... — — n n 6 5t Breslau . . . — — n n 8 50 Nürnberg. . — — n // 7 12 Stuttgart 6 15 // n 7 1"V Prag 6 30 // 7 — Für de« Reklameuteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil oder i« de» Prospektbeilagen enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angabe» religionsgesehliche» Charakters anf ihre Zuverlässigkeit zu prüfe«. Kaiser Friedrich Quelle 6346) —- Olfenbach a. M. -' »Qegen dicht a. mtenmatlamna bewKIuri,41 ✓ Natürlicher X Biliier Saierlriii diätetisches Tafelwasser erfrischend - wohlschmeckend - reine nafurfttHung in 7i u. V,?(. überall erhältlich. .Hauptniederlage in (6687) Frankfurt a.M.bei H.KOhieh]fachf., Rebstock 1. 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