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Der Israelit · 1907-03-21 · Heft 12 (21.3.1907) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 12 (21.3.1907)
Date
1907-03-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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WWWWWWWW Ll.März 1907. MWWMMMWMWMlßMMWUl^WMWWWWMV Der Israeli!. *ir. 12. Srirt 7. seiner wissenschaftlichen Beilage gewagt hat, den, wie es scheint, als unverletzlich geltenden Heros Frankl einer psychologischen Betrachtung zu unterziehen, erregt seine sittliche Entrüstung. Er spricht dem Oberrat schließlich vollstes Vertrauen aus. Herr Geheimrat Rosin beantwortet die Interpellation. Ter Oberrat werde in eine Erwägung derselben eintreten. Der Redner geht dann ausführlich auf den Mainzer Prozeß ein und wehrt sich gegen den Vorwurf, daß der Oberrat ein Unterdrücker der Gewissensfreiheit sei. Er überläßt es ferner dem Urteil der Synode, ob die Angriffe gegen Männer gerechtfertigt sind, die eine Arbeit von Jahrzehnten aufgewendet haben, um ein neues und zweckmäßiges Gebetbuch zu schaffen. Konferenzrabbiner Steaelmacher zieht ebenfalls gegen den ^Israelit" zu Felde und macht die interessante Mitteilung, daß demnächst eine Denkschrift erscheinen werde aus der hervorgehe, daß es sich bei dem Entwurf des Gebetbuchs um keine frivole Neuerungssucht handle. Konferenzrabbiner Lewin glaubt sich üter die Behandlung Gabriel Rießers im „Israelit" beschweren zu sollen.*) Nach weiteren Ausführungen der Synodalen Dr. Hannes, Weil, Dr. Rawitsch, Carlebach und Stockmann stellt Dr. Hannes den Antrag, dem Oberrat das Vertrauen der Synode auszusprechen und die gegen denselben gerichteten Angriffe als ungerechtfertigt zu erklären. Der Synodale Car leb ach hatte darauf hingewiesen, daß Rabbiner Dr. Löwenstein, der der älteste badische Rabbiner und ein Gelehrter von anerkanntem Rang ist und dessen Vater schon Rabbiner im Lande war, noch niemals in die Religionskonferenz berufen worden sei,' auch hatte er die Behandlung getadelt, die dem Löwensteinschen Geschichtsbuche zuteil geworden war. Herr Geheimrat Mayer bezeichnet das als einen schweren Vorwurf gegen den Oberrat und hielt nun eine anderthalbstündige Philippika, in der er seinem Aeraer über den „Israelit" einmal ganz gewaltig Lust machte. Rabbiner Dr. Mayer gab der Meinung Ausdruck, daß die ganze Interpellation unnötig gewesen sei. Nach kurzen Ausführungen des Herrn Geheimrat Mayer sprachen die Herren Rabbiner Dr. Pinkus und Oppenheimer,' sie nahmen Dr. Löwenftein gegen die ihm gemachten Vorwürfe in Schutz. Dr. Pinkus bezeichnete die ganze Sache als ein Scherbengengericht, das besser unterblieben war e. Dann erfolgte die Annahme des Antrages Hannes und damit war der denkwürdige Prozeß vor der badischen Synode zu Ende. Geschickt war es nicht, aber einzigartig. (Wir bemerken ausdrücklich, daß Herr Dr. Loewenstein lediglich für die wissenschaftliche Beilage des „Israelit" verantwortlich gezeichnet, niemals aber ein Wort über die badischen Verhältniffe für unser Blatt geschrieben hat. D. Red.) Oesterreich. Lemberg, 8. März. Der Vorstand der „Israelitischen Allianz zu Wien" hatte auf den 12. Februar nach Lemberg eine Versammlung von Rabbinern und Gemeindevertretern berufen, die sich ntit der Reorganisation des jüdischen Schulwesens in Galicien besonders in der Richtung, auf eine den Verhältnissen entsprechende profane Bildung befassen sollte. Aus den Kreisen 8er Gesetzestreuen erschienen zu dieser Versammlung u. a. die Herren Rabbiner Braude aus Lemberg, Oberrabbiner Abraham Schnur aus TÄrnow, Rabbiner Nathan Lewin aus Rzeszow, Rabbiner Aron Lewin aus Sambor und *) Die Behauptung des Redners, der,Israelit" habe Gabriel Rießer einen »Verworfenen" genannt, ist eine krasse Unwahrheit, die aus der Allg. Ztg. d. Judentums sogar in die amerikanische Presse ihren Weg gefunden hat. Gesagt war in jenem Artikel, daß Raphael Kahn, Rießers Großvater den Enkel trotz deiner unvergleichlichen und warm gerühmten Verdienste „t>ex)8oxfett" haben würde! Der American Israelite macht a«S dem von seinem Großvater Berworfenen Kisch- Weg einen „outcast“ (AuSwurü und das Ketzergericht gegm den so unbequem freimütigen ,JSraelit" ist fertig. M. Schmelkes aus Krakau. Ferner fanden sich ein die Rabbiner Dr. Caro und Dr. Gutmann aus Lemberg, Dr. Margulies aus Drhobycz und zahlreiche Vertreter galizischer Gemeinden. Der Sekretär der Allianz, Dr. Kaminka, legte die Bestrebungen der Allianz dar und hob besonders hervor, daß es derselben gänzlich fern liege, in die religiöse Sphäre einzugreifen, und es sich hauptsächlich darum handle, in denjenigen Kreisen Galiziens, wo außerordentliche Not und Armut herrschen, unter Gewährung aller für die Religiösität erforderlichen Garantien die moderne Schulbildung als wichtiges Mittel fiirdenKamPfums Dasein zu propagieren. Es sei auch nicht die Absicht der Allianz, selbständig Schulen zu begründen, sondern die an vielen Orten sich zeigenden Bestrebungen, profanes Wissen zu erwerben, den hebräischen Unterricht zu modernisieren und in ein System zu bringen, durch praktische Fächer zu ergänzen und Handel und Gewerbe zu fördern usw. ihrerseits zu ermutigen und nach Tunlichkeit zu unterstützen. Dr. F. Fischlowitz-Krakau trat vor allem für eine den pädagogischen Anforderungen entsprechende Umgestaltung des Cheder ein. Dr. Munk-Lemberg befürwortete die von der Allianz geplante Aktion. Herr M. Schmelkes beantragte, daß die Konferenz sich besonders mit der Verbesserung der Mädchenbildung befasse. Oberrabbiner Schnur erklärte namens der anwesenden orthodoxen Rabbiner, daß sie bereit seien, an der Lösung der schwierigen Probleme mitzuarbeiten, sie seien aber in dieser Versammlung in zu geringer Anzahl, um bezüglich der einzelnen vorgelegten Fragen Beschlüsse fassen zu können. Schließlich wurde folgende Resolution angenommen: „Die versammelten Gemeinderabbiner und die Vertreter der israelitischen Gemeinden nehmen dankend das Bestreben der „Israelitischen Allianz" entgegen, de ökonomische Lage der jüdischen Bevölkerung durch Hebung deS Schulwesens unter Berücksichtigung konservativer Ansichten in der Weise zu bessern, baß die dahin zielenden Bestrebungen zur Selbsthilfe durch Unterstützung gefördert werden, und erklären es für wünschenswert, im Einverständnisse mit noch anderen maßgebenden orthodoxen Rabbinern bei einer neuerlichen Enquete Mittel und Wege zu suchen, um die humanen und dem Judentume nützlichen Bestrebungen der „Allianz" zu verwirklichen. Die „Israelitische Allianz" wird höflichst trsucht, die Aktion fortzusctzen und eine neuerliche informative Versammlung einzuberufen." Rußland, Nack öer Scklackt. (Von unserm Korrespondenten.) Petersburg, 10. März. II. Zu den Mißerfolgen des Wahlkampfes haben außer den radikalen Parteien auch die Zionisten erheblich beigetragen. Die eigentlichen politischen Zionisten — (natürlich dürfen darunter keineswegs die Poalei-Zion und die Zionisten-Sozialisten, welche mitunter zu der äußersten Linken gehören, verstanden werden) — sind keine Revolutionäre, aber da ihre speziellen Bestrebungen in absehbarer Zukunft keine Aussicht auf Erfolg haben, schloffen sie in ihr Programm sogenannte „Gegenwartsarbeit" ein. Unter solcher verstehen sie außer den Bemühungen um Voll- und Gleichberechtigung, worin sie sich nicht von den übrigen Mitgliedern des Verbandes für die Gleich- und Bollberechtigung, zu dem sie bisher gehörten, unterscheiden, auch die Erkämpfung gewisser „jüdisch-nationaler" Rechte, wie Autonomie der jüdischen Schule und Gemeinde, sowie Durchsetzung der jüdischen Sprachen — d. h. Jargon und Hebräisch als Unterrichts- und Gerichtssprachen. Bei näherer Betrachtung erweisen sich diese Punkte ihres Programms lediglich als ein Produkt der blinden Assimilation, die die Zionisten sonst so leidenschaftlich bekämpfen,. Wir verstehen die polnischen, deutschen, lettischen, armenischen u. a. Nationalisten in Rußland, wenn sie die Autonomie ihrer Schule und Sprache fordern. Sie leben in kompakten Massen auf ihrem angestammten Boden und bilden dort noch immer die überwiegende Majorität. Zugleich find sie auch im Vollbesitze ihrer nationalen Sprache, die noch bis heute ihre Umgangssprache ist. Was ist einleuchtender, als daß sie diese ihre Muttersprache in ihrem engeren Vaterlande zur Herrschaft bringen möchten, sowohl in der Schule als am Gericht? Ganz anders liegen die Dinge bei uns Juden. Jargon und Hebräisch zur Unterrichts- und Gerichtssprache erheben zu wollen, hat schon darum weder Sinn noch Berechtigung, weil die Juden in Rußland doch kein angestammtes, nationales Territorium haben, wo sie eine kompakte Majorität ausmachen. Sind sie ja selbst im Ansiedelungsrayon — und zwar nur in einigen wenigen Gouvernements wird diese Ziffer erreicht — höchstens 15—17 Prozent der Gesamtbevölkerung. Welcher Einsichtige darf nun der russischen Regierung zumuten, dieser winzigen jüdischen Minorität zuliebe in der öffentlichen Schule Jargon oder Hebräisch zur Unterrichtssprache zu erheben und den Richtern vorzuschreiben, daß sie die Kenntnis dieser beiden Sprachen von amtswegen sich aneignen und in ihnen die gerichtlichen Verhandlungen vornehmen. In den jüdisch-konfessionellen Schulen, wie Cheder und Jeschiba, ist auch jetzt der Jargon unangefochten Unterrichtssprache/ daß er es aber in einem wenn auch ausschließlich jüdischen Gymnasium oder an einer solchen Real- oder Kommerzschule werden solle, ist eher die extravagante Forderung eines völlig mißverstandenen Nationalismus als der zu beftiedigende und pädagogisch zulässige Anspruch eines gesunden und berechtigten jüdischen Nationalgefühles. Uns gebricht es nicht an nationaler, sondern an konfessioneller Gleichberechtigung, und diese letztere macht einen Hauptpunkt im Programm des Verbandes der Gleichberechtigung aus. Die Autonomie der konfessionellen Gemeinde — denn nur von dieser und nicht von einer nationalen kann ja bei uns Juden Vernünftigerwesse die Rede sein —ist eine selbstverständliche Forderung der konfessionellen Gleichberechtigung. Für die aufgeklärten politischen Zionisten ist jedoch die jüdische Konfession ein überwundener Standpunkt. Dafür soll jene „Gegenwartsarbeit" Ersatz bieten, die doch keinen Boden unter den Füßen hat und auch jeder Berechtigung entbehrt. Das von ihnen in Helsingfors proklamierte nationalistische Programm war zu nichts geeignet, als eine Spaltung im Verband der Gleichberechtigung zu bewirken, und diese kam umso sicherer, als die Zionisten den Anschluß an die mehr links stehende Arbeiterpartei vorschrieben, während der Verband der Gleichberechtigung prinzipiell für die K. D. Partei eintrat. Was der Zionismus mit der Forderung der gewaltsamen Expropriierung und Nationalisierung des Bodens, die zum Programm der Arbeiterpartei gehört, Gemeinschaftliches hat, ist wohl schwer abzusehen, aber die Herren erklärten sich dennoch für die Arbeiterpartei, und die Spaltung im erwähnten Verbände war unvermeidlich und das aerade am Vorabend des Wahlkampfes. Der Verband, welcher im vorigen Jahre den Wahlkampf unter Juden organisierte und leitete und auch erzielte, daß 11 Juden in die erste Reichsduma und darunter einige hervorragende, wie der berühmte Jurist und forensische Redner Winawer, der bekannte Parlamentarier Ostrogorsky, der talentvolle Publizist Jolles und der angesehene Advoklt Scheftel, gewählt wurden, ist in diesem Jahre durch die Spaltung in „Zionisten", „Volkspartei" und „nationale Gruppe" so sehr geschwächt worden, daß er die Wahlen nicht zu beinstuffen vermochte. So konnte denn die unreife revolutionäre Jugend umso ungehemmter beim Wahlkampf ihr Unwesen treiben und die Resultate zeitigen, die wir nun vor Augen sehen. Was wir von der zweiten Reichsduma, in der wir so schwach vertreten sind, zu erwarten haben, das werde ich nächstens erörtern. Elisabetgrad, 16. März. Am Mittwoch wurde hier ein Pogrom veranstaltet. Drei Juden und ein Madlyen wurden getötet, eine größere Anzahl verwundet. In vielen Häusern

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