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Der Israelit · 1907-03-21 · Heft 12 (21.3.1907) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 12 (21.3.1907)
Date
1907-03-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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EMr 6. t wertvoller wäre, dabei den eifrigenBemühungen der protestantischen Konfession um eine Erhöhung des Mindestgehaltes es als ganz gewiß anzunehmen ist, daß in einigen Jahren der staatliche Zuschuß bis zu einer Gehaltsstufe von 1200 fl. (statt 800 fl., wie es jetzt der Fall ist), zu leisten sein wird. Wir halten eine Petition um die erwähnte Abänderung bei Aufwendung aller Mittel, die der Orthodoxie zu Gebote stehen, wenn nur der Wille hierzu vorhanden sein wird, für ausstchtsvoll. Eine andere Frage ist es, ob sich dieser Weg im Hinblick auf die chassidischen Elemente empfehlen läßt. Wir selber, die wir gewiß keine Antipathie gegen Gymnasialstudien hegen, die wir vielmehr dem Ideale zustreben “pi Dy n"n ns' IpK, das in neuerer Zeit der große S. R. Hirsch 7"XT sieghaft vertreten hat — wir selber hegen Zweifel, ob denn die weltliche Bildung eines Rabbiners sich unbedingt durch ein Maturitätszeugnis zu dokumentieren hat. Partikulare Hilfe könnte auch die Schaffung und staatliche Genehmigung eines Statuts gewähren, wonach jede Gemeinde, die keinem Orts¬ oder Bezirksrabbiner untersteht, dazu ungehalten wird, wenn möglich sich einem kleinen Rabbinate anzuschließen. Biele kleinere Gemeinden nänmch, die früher selber einen Rabbiner hatten, nahmen nach gelegentlicher Erledigung der Stelle keine Rabbinerwahl mehr vor und schloffen sich auch keinem andern Rabbinate an, sondern freuten sich ungeheuer, daß sie auf diese Weise eine Verringerung der Kultussteuern erlangen konnten. Sie begnügten sich mit ihrem Schochet, dem sie die unentbehrlichsten rabbinischen Funktionen übertrugen, ohne daß das Minimum jüdischen Wissens, welches der Schochet besitzt, denselben zur Ausübung dieser Funktionen irgendwie geeignet erscheinen ließe. Mitunter begnügen sich aber auch recht ansehnliche Gemeinden, die wohl imstande wären, eine gutdotierte Rabbinerstelle zu kreieren, mit einem sogenannten y, der keineswegs im Stande ist, einen tüchtigen, von der Hoheit seiner Aufgabe erfüllten Rabbiner zu ersetzen. Es ist dies ein Uebel, das bereits der große isid onn 7JD strenge gerügt, wie aus einem von meinem Großvater und Lehrer V'xr im O^Vin CnpV veröffentlichten Briefe des Meisters ersichtlich ist. Die Stelle ist zu charakteristisch und zu aktuell, um sie nicht im Wortlaut hierherzusetzen, na pw *vy2 in*? -hon V'rnK nbi-i ptwnn byi i?sn *)ia ^12 -onm N£,n r t & r nnsDDn nnrs 2"my2 trsan Nsn i"yi ^121 rpan 2-1 jw DipD2 .... miei 2-1 bnpb kW nmn '"y SWn ^»yi... nssinni ipnsn nbiy Wdd 22 nWp Sü2nnir i"n 'iwwn on*? nenm ... i/yn 2' min ^sei d'ö* "pito W Die vorstehenden Ausführungen bieten nach meinem Dafürhalten einige Winke, die nicht außer Acht gelassen werden könnten, wenn man ernstlich daran ginge, eine Besserung der pekuniären Lage der orthodoxen Rabbiner in kleineren Gemeinden zu erwirken. Nachbemerkung: Nachdem wir diese Zeilen geschrieben, gelangte an uns ein Brief des sehr geschätzten Herrn Rabbiner S. Schreiber, worin derselbe unseren Ausführungen in Nr. 7 d. Bl. volles Recht widerfahren läßt; die Besserung der pekuniären Lage der Rabbiner erwartet er jedoch von einem behufs Selbsthilfe zu gründenden Verein der Rabbiner. Wir stehen dem Vorschlag des verehrungswürdigen Mannes sehr skeptisch gegenüber. ih'Vino ttWnv 212H. Ein Verein, wie Herr Rabbiner Schreiber ihn will, könnte, selbst wenn er von allen Rabbinern und Gemeinden gefördert würde, im besten Fall dem Einzelnen nur eine Unterstützung von 50 bis 100 fl. jährlich gewähren. Meines Erachtens muß man aber eine der staatlichen Congruaergänzung entsprechende Subvention von 2—300 fl. jährlich zu erzielen suchen, sonst werden die kleineren orthodoxen Gemeinden bald mit D27X W wdw kW D'ToW, die aber ein Maturitätszeugnis aufweisen können, beglückt werden. Der JSraelit. orrespondenzen und Eachrichten. Deutsches Ueirh. Berlin, 18. März. Der Präsident der Alliance Jsraclite Universelle hat von dem französischen Gesandten in Teheran nachstehenden Brief auf eine telegraphische Vorstellung bezüglich der jüngsten Bedrückungen der Juden in Persien erhalten: „Ich habe das Telegramm empfangen, das Sie am 11. d. Mts. an mich wegen der Bedrückungen gerichtet haben, denen die israelitische Gemeinde von Jspahan ausgesetzt gewesen ist. Ich bin sofort bei Sadi Azam vorstellig geworden, der deswegen alsbald ein Telegramm an den Gouverneur von Jspahan geschickt hat. Ich hoffe, daß die gegenwärtigen Schwierigkeiten sich nicht allzu lange ausdehnen werden. Nach den vom Englischen Konsulat eingezogenen Erkundigungen soll in Jspahan die Agitation unter den Mollahs abermals zunehmen, die den Juden das Recht zum Verkauf von Wein und Branntwein und zum Handel im Umherziehen bestreiten wollen. Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung. L. Descos." E. R. Berlin, 17. März. Repräsentantensitzung der jüdischen Gemeinde. Die heuttge Sitzung bot des Interessanten gar wenig. Herr Moritz Mannheimer hat der Armen-Kommission zur Verstärkung der Moritz und Bertha Mannheimer-Stiftung 10000 Mark überwiesen. Herr Dr. Ignaz Cohn beantragt, den Gemeinde-Vorstand zu ersuchen, die Grundsätze, nach denen dieSubventionen an die Privatsynagogengemeinden zu gewähren sind, einer Prüfung zu unterziehen und zu diesem Zwecke mit der Repräsentanten- Versammlung in gemischter Deputation nach Anhörung der Subventions-Kommission zu beraten. Die Subvention für den jüdischen Religionsunterricht an der Brühl'schen Schule wird von 400 Mk. auf 600 Mk. erhöht. Für die Vorarbeiten des Synagogenbaues in der Fasanenstraße werden 5000 Mk. und eine Mehrausgabe 'von 150 Mk. zur Anschaffung eines Bechfteinschen Flügels für die Aula der Knabenschule, ebenso eine Ausgabe zur Aenderung der Garderobe in der alten Synagoge und in der Synagoge Rykestraße bewilligt. Straßburg i. Elf., 17. März. Die hiesige Vereinigung jüdischer Akademiker (B. j. A.) blickt am Schluffe des Wintersemesters auf eine rege Tätigkeit zurück. Zweck und Ziele des Vereins sind in diesen Blättern schon mehrfach besprochen worden. Doch kann nicht genug auf die Existenz solcher Studentenvereinigungen hingewiesen werden, die, auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums basierend, es sich zur Hauptaufgabe gemacht haben, ihren Mitgliedern Gelegenheit zu freier Aussprache über alle einen denkenden jüdischen Menschen bewegenden Fragen zu bieten und einen festen Halt zu gewähren gegen die Gefahren, die gerade dem jüdischen Studenten aus seiner Beschäfttgung mit der modernen Wissenschaft erwachsen. Dieser Aufgabe sucht die Vereinigung insbesondere durch Referate mit anschließender Diskussion gerecht zu werden. Im verflossenen Winter wurden die folgenden Referate gehalten: Herr Rabbiner Buttenwieser: „Geschichte dB französischen Konsistoriums und der Israelitischen Religionsge¬ Rr 12 21. atfaj 190»; sellschaft in Straßburg." Herr Dr. B. Cohn: „Der Kosmos nach der Bibel." Herr cand. phil. Moses Breuer: „Die hebräische Sprache im Dienste der jüdischen Wissenschaft." Herr cand. phil. Joseph Kaufmann: „Die Semiroth von Sabbatausgang." Herr cand. ehern. Theodor Baer: „K'duschoh, Kaddisch und Borchu." Herr 8tud. pharm. Joseph Auerbach: „Der Stifter der christlichen Religion im Lichte seiner Zeit." Herr stuck, phil. Isaak Sondheimer: „Der Segen Jakobs." Herr stuä. math. Samson Meyer: „Der 15. Sch'wat." An alle diese Referate schloß sich eine überaus rege Diskussion an, die sich oft bis in die spätesten Nachtstunden hinzog. Hierbei fand sich auch Gelegenheit zur Besprechung brennender Tagesfragen aus dem Gebiete der jüdischen Politik. Neben dem Ernst wissenschaftlicher Arbeit wurde die Pflege der Geselligkeit nicht vernachlässigt. Nicht selten hielten gemütliche Veranstaltungen die Mitglieder lange beisammen. Der für das kommende Sommersemester gewählte Vorstand besteht aus den Herren: cand. phil. Moses Breuer, Vorsitzender, cand. chcm. Theodor Baer, Schriftführer, sind. phil. Moses Buttenwieser, Kassenwart. Synodales Scherbengericht in Baden. Karlsruhe, 19. März. Am Dienstag ist über den „Israelit" in der Sitzung der Israelitischen Landessynode Badens fürchterlich' Gericht abgehalten worden. Es war die außerordentliche Sitzung, die ursprünglich über den famosen Wahlrechtsentwurf des Oberrats Beschluß faffen sollte. Nun derselbe ins Wasser gefallen war, wollte man wenigstens die Gelegenheit benutzen, um den „Israelit", der so geringen Respekt hat vor den Hoffnungen und Entwürfen eines badischen Oberrats, gleichsam zum Ersatz für diesen Mißerfolg einmal gehörig herhalten zu lassen. Man darf nämlich annehmen, daß der Oberrat an der Einbringung der der Debatte zur Grundlage dienenden Interpellation Dr. Bielefeld nicht ganz unschuldig ist. Interpellationen pflegen ja öfter in den Parlamenten von den Regierungen 'selbst angeregt zu werden. Und daß ein ähnliches auch hier der Fall gewesen ist, dafür spricht, abgesehen von der großen Zahl der „Israelits- Exemplare, die auf dem Oberratstische und an den Plätzen der Synodalen zu sehen waren, auch die sorgfältige Vorbereitung, die man den Reden der Herren vom Oberrat anmerken konnte. Die Verhandlung gegen den Israelit dauerte fünf Stunden hindurch, aber man kann trotz des Vertrauensvotums, das die Synode am Schluß den Herren Geheimrat Mayer und Kollegen erteilte, nicht wohl behaupten, daß die Rekapitulation aller der angenehmen Beziehungen, in denen der „Israelit" zum Oberrat gestanden hat, für letzteren ein sonderlich glücklicher Griff gewesen sei. Die Interpellation des Herrn Dr. Bielefeld lautete also: „Ist dem großh. Oberrat bekannt, daß e'm Rabbiner der Lande syaagoge als Vera twortlicher Mitredakteuc ei es Blattes Zeichnet, das den großh Oberrat u «0 damit dto 0 erste Lmidessynagoge fortgesetzt in beschimpfender Weise a^greift? Ist be u großh Oberr t 1 ek li nt, daß in jenem Blatte unt r Dit ve anttvortltchen Redakt on desse ben Rbriers ein Artikel erschien n ist, w lcher den gefeie ten Lehrer einer gr.ß n Zah badischer uno außerbaoischer Rabbi e *, Zacharias Frankel, die von ihm begründete is a litisch-t alogische Lehranstalt in Breslau und alle cus ieser he ivrgeg u genen Rabbiner in gröbster Weise verunglimpft? Ist dem großh. Ove rat b ka >nt, daß Rabb ner der L» .dessy agog> amtliche Bekannntmachungen in jenes Blatt ei iiucken? Was gedenkt der großh. Overrat gegen di ses daS Ansehen dec Lande« sv goge und des badischen Rabbmerstanbes schäd gend' Verhalten einzelner Mitglt der dieses Standes zu tun?" Begründet wurde die Jnterpellatton statt durch den verhinderten Dr. Bielefeld, der sich auch wohl kaum viel mit dem „Israelit" befaßt hat, durch Rabbiner Dr. Rawitsch. Der Herr Rabbiner redete sich in eine Hitze hinein, die einer befferen Sache würdig gewesen wäre. Das Treiben, meinte er, das seit einiger Zeit die süddeutsche Orthodoxie an den Tag gelegt, könne nicht mehr so weiter gehen. Was gehen denn die süddeuttche Orthodoxie die badischen Verhältnisse an? Besonders der Umstand, daß der „Israelit" es in

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