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Der Israelit · 1907-03-14 · Heft 11 (14.3.1907) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 11 (14.3.1907)
Date
1907-03-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Mraaen MMm. NW MR We WzWrtt Feierfarü) ein ^Bankett statt, bei welchem der Barsch ende, Herr E. Weill, das Hoch auf den Kaiser ausbrachte„ in das alle Anwesenden begeistert einstimmten. Herr Rabbiner Dr. Schüler dankte allen denen, die zum Gelingen des Festes beigetragen hatten, ganz besonders aber hob er die Verdienste des rührigen Vorstehers und seiner wackeren Gattin hervor. Das Bankett dauerte bis zum Abend. — Die )ie Synagoge ist ein schöner schlichter Kuppelbau, nach den Plänen des Herrn Architekten Louv, Mülhausen, von der Firma Simon hier ausgeführt. Die innere Einrichtung lieferten Herr Archikre Lehr und bas Baugeschäft Groß hier. Das rDVlB/ die sN^V-Decke, ein NID NOO-Mäntelchen und die mUD find aus dem Atelier des Herrn Bloch, Straßburg. Karlsruhe, 10. März. Bom Ministerium der Justiz und des Kultus wurden für das Jahr 1907 für die israelitische Oberratskasse 7500 Mk., für Aufbesserungen von 7 gering besoldeten badischen Rabbinern 15.440 Mk. gewährt. Brückenau, 11. März. Der israelitischen Kultusgemeinde Brückenau ist zur teilweisen Aufbringung der Mittel für den Neubau einer Synagoge in Brückenau eine Landeskollek e in den Synagogen bewilligt worden. Zabrze, 10. März. Bei den Ergänzungswahlen zur Gemeindevertretung find die jüdischen Kandidaten mit großer Majorität gewählt worden. Wien, 1. März. Ein politischer Senat des Verwaltungsgerichtshofes unter Vorsitz des Hofrates Frhrn. v. Schwarzenau hatte zu entscheiden, ob die Abnahme eines Eides im Tempel vor der Thora-Rolle durch den Rabbiner, nur bestimmte Personen als Gemeindevertreter zu wählen, als e ne ungesetzliche, die Wahlfreiheit aufyebende Beeinflussung zu betrachten sei. In Betracht kamen die am 7., 8. und. 9. Mai v. Js. stattg habten Gemeinde-Neuwahlen aller drei Wahlkörper in Dornavatra (Bukowina), bei denen die christlich-soziale Partei der ruthentsch-jüdischen gegenüb rstand. Schon stand eine Einigung auf Kompromuckand.daten in Aussicht, als die jüdischen Wähler in den Tempel berufen wurden, wo sie unter Assistenz des Rabbiners vor einer aufgerollten Thora schwören mußten, außer dem Regierunasrate von Tabora nur jüdische Kandidaten zu wählen. Die Christlichsozialen blieben m t 9 und 11 Stimmen in der Mino. ität und ihre Führer, Josef Snopkorvich und sechs Genossen, sockten die Wahl an.Außer verschiedenen formalen Mängeln machten sie den Vorgang im Tempel alsGesetzwidrigkeit geltend und begehrten die Aufhebung der Wahlen. Sowohl die Bezirkshauptmannschaft als auch die Landesregierung wiesen, die Rekurse ab, worauf Snopkowich und Genossen die Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshofe «inbrachten, die von Dr. Rabenlechner vertreten wurde. Dieser verwies auf die Verhältnisse unter den Jüdisch- Orthodoxen in der Bukowina, bei denen ein Eid im Tempel vor der Thora die heiligste Verpflichtung bilde - ein solcher Eid sei das stärkste Zwangsmittel, da sich jeder, der einen solchen Eid geleistet, auch die Folgen der Nichteinhaltung vor Augen holte, die nach der Anschauung der Orthodoxen ganz unabsehbare seien. Ohne diesen Eingriff in die Wahlfreiheit wäre das Wahlresultat sicherlich ein anderes gewesen. Die Gegenschrift der Landesregierung bestritt, daß diese behauptete E.öesleistung eine ungesetzliche Wahlbeeinflussung bilde. Nach cineinhalbstündiger Beratung erkannte der Berwaltungsgerichtshv', die Beschwerde wird als unbegründet abgewiesen. Die Begründung dieses Erkenntnisses stimmte mit der der Landesregierung überein, fügte jedoch bei, der Eid vor der Thora-Rolle übe allerdings auf die Gesinnung der betreffenden Wähler einen Einfluß, allein «3 liege keine Beeinträchtigung der Freiheit der Stimmenabgabe vor und es sei die Wirkung einer solchen Eidesleistung auf die Abstimmung selbst auch gar nicht kontrollierbar. Innsbruck, l. März. Bor kurzem ereignete sich rz. - s in hiesiger Stadt ein Vorfall, der der weiteren Oeffentlichkeit übergeben zu werden verdient. Eines Tages kommt zum Obmann der Chewra Kadischah, dem Fabrikanten Michael Brüll, eine Frau katholischen Glaubens, mit dem Ersuchen, ihren Mann, der schwer krank darniederliegt, besuchen zu wollen, da der Kranke es dringend wünsche. Im ersten Momente von dem sonderbaren Wunsche eines ihm flüchtig bekannten Katholiken überrascht, bemerkte der Obmann, er wäre doch kein Atzt, um zu Kranken geholt zu werdenals ihm jedoch die Frau sagte, daß auch sie es nicht begreifen kann, warum der Kranke gerade den Herrn Brüll so dringend wünsche, folgte ihr dieser zum Krankenlager ihres Mannes. Als die Ankommenden das Zimmer des Kranken in Begleitung eines Sohnes, der sich ihnen mittlerweile angeschloffen, betraten, winkte der Kranke den Sein gen, das Zimmer zu verlassen. Als der Obmann allein geblieben war, und sich dem Krankenbette näherte, umklammerte ihn der Sterbenskranke mit seinen Armen, preßte ihn an seine Brust mit einer übermenschlichen Krastanwendung und sagte mit gepreßter Stimme: „Herr Brüll, sazen Sie mit mir Scdema jkroel, ich bin ein Jude!" Ein Tränenstrom und tiefes Schluchzen hinderten ihn an weiterem Sprechen, und kaum das „Schöna jisroel" beendet war Hab er auch schon den Geist auf in den, Armen des Obmannes, welcher, wie gewohnt, auch dem Verblichenen die letzten Liebesdienste erwies. Als Herr Brüll zu den Hinterbliebenen ins Nebenzimmer trat und ihnen sein Beileid ausdrückte, erregte es bei denselben große Bestürzung, daß der Verblichene ohne Entgegennahme der Sterbesakramente verschieden war und statt dessen dem Juden gebeichtet habe. Nachträglich erst erfuhr man, daß der Berschieöene ein aus Böhmen eingewanderter Mischer Schauspieler war, der auf dem Sterbebette feinen unüberlegttn Schritt bereute. Eiste merkwürdige Entscheidung hat in den jüngsten Tagen der BerwaltungsauSschuß des Somoghcr Komitates gefällt. Die Gemeindevorstehung der im Somogyer Komitate gelegenen Ortschaft Tab hat die Entfernung des „Ereb" angeordnet, mit der Motivierung, „dies- Sitte lasse sich mit dem modernen Zeitg iste nicht vereinigen." Der Brzegespan, bei welchem Berufung eingelegt wurde, entschied sich für die Beibehaltung der Institution, während sich der V-rwaltungsausschuß denBeschluß derGemetndevorstehung zu eigen machte und die Verfügung betreffend die Entfernung der Drähte bestätigte. So geschehen im fteien Ungarn . . J Alexandria, 24. Febr. In Suez hätte es vergangene Woche zu schlimmen Ereignissen kommen können, wenn die Polizei nicht rechtzeitig eingrschrftten wäre. Ein kleiner ch r i st l i ch e r Knabe wurde zu Hause vermißt und sogleich verbreitete sich das Gerücht, die Juden, deren P a s s a f e st bevorstehe, hätten ihn hinwegschafft. Der Knabe, so hieß es, sei mit einem Mann von jüdischem Aeußern gesehen worden. Es dauerte nicht lange, so hatte sich ein Pöbelhaufen angesammclt, öer mit dem Rufe „Tod den Iu öen" das Haus eines angesehenen jüdischen Wirtes zu stürmen versuchte. AVer die Polizei war schnell auf dem Platze und zerstreute den Mob. Der Knabe wurde von der Polizei in der Nähe aufgefunden, unversehrt und ohne etwas von dem Märchen zu ahnen, das um seine Person gesponnen worden war. Yerrinrweren. Frankfurt a. M., ll. März. Die gestern stattaehabte Generalversammlung des „Dereins zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit" war etwas stärker als gewöhn! ch. besuchtals Kuriosität sei bemertt, daß zum ersten Male eine Handlungsgehülfin als Repräsentanz der seit 1. Januar zugelassenen weiblichen Mitglieder des Vereins erschien. Der Verein hat im Berich sjahre M. 1.148 an ze n stellenlose Mitglieder ausbezahlt, die von ihm geleitete „Israelitische Stellenvermittlungs-Centrale" vermittelte 118 Stell n. Es habe t 40% der gemeldeten Bewerber durch die Centrale Stellung gefunden. Erfreulich ist dabei, daß sich darunter eine ganze Anzahl hoch sa'ärierter Posten (Mk. 3000 bis Mk. 2400) befinden. Die Wahlen ergaben die Wiederwahl der ausscheidenden Borstandsmitgl eder. Frankfurt a. M., 14. März. In der „Bereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauung" sprach gestern Abend HerrAhronMarcus aus Krakau über die Entwickeluugslehre in der jüdischen Wissenschaft. Thema und Redner hatten ein zahlreiches Publikum angczogen. Der Vortragende gab zunächst einen historischen Ueberblick über die verschiedenen Phasen, welchder Entwicklungsgedanke innerhalb der Naturphilosophie durchgemacht ha . Leibniz, Kant-Laplace, Goethe, Darwin-Haeckel und Driesch-Reinke bezeichnen diesen geschichtlichen Entwicklungsgang, der aus dem Ueberschwang der Begeisterung für die Evolutionshypothese zu einer stark »rnüchkerten Auffassung in unfern Tagen geführt hat. Demgegenüber gab der Redner alsdann in ausführlichen Citaten aus Luzattos Klach und aus dem Magid Meschorim des Rabbi Joseph Karo eine Darstellung der Entwicklungsidee in der überlieferten jüdischen Wissenschaft. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, sachlich auf die überraschenden Ergebnisse der l ierher gehörenden Untersuchungen einzugeben. Es muß vielmehr auf die Schriften des Vortragenden selbst verwiesen weiden, der vor schon einem Jahrzehnt in seinem unter dem Titel: „Hartmanns induktive Philosophie im Chassidiswus" erschienenen Werke den Gegenstand behandelte und ihn in seiner neuen größeren Arbeit „Barsilai" mit quellenmäßigen Belegen weiter erörtert hat. Das Publi'um lohnte der: Redner durch laute Beifallsäußeruugen. Frankfurt a. M., ll. März Der Verein „Montefiore" versendet seinen Jahresbericht. D mach hat er im Jahre 1906 folgende Vorträge veranstaltet: Herr Rechtsanwalt Dr. Spier „Kaustnan sgerichte"- Herr Dr. Pick „Der Jude als Romanfigrn"- Herr Dr. med. Lehmann „Wesen und Bedeutung der Impfung"- Herr Paul Westheim „Ludwig Jacobowski"- Herr Dr. med. Löffler „Björnsen"- Her Dr. Phil. Mannheimer „Das Telephon": Herr cand. Phil. Lcvy „Egypten und die Bibel (2 Borträge)- Herr Leo Horovitz „Kunstgewerbliche Bearbeitung des Silbers" - Herr Rabb. Dr. I. Horo..itz „Ein Blick in die Ethik des Juden ums"- Herr Dr.Jul. Hülsen „Pyramidenbauten im alten Egypten"- Herr Rabb. Dr. A. Lazarus „Geschichte der Juden im Zeitalter des Humanismus"- Herr Salomon Epstein,, Einiges aus der Geschichte der Frankfurter Juden"- Herr Dr. med. Löffler „Die modern«' Oper" (3 Borträge). Dazu end verzeichnet«: Lehrgänge: Hebräischer t (Leitung. Herr S. G.ldmann). Fran- , Knterricht (Leitung: Herr I. Gans). Englischer Sprach-Unterricht (Leitung: Derselbe). Turnunterricht (Leitung: Herr Frank Rothschild). StenoaraPhie-Unt rricht. System Gabelsberger (reitung: Herr A. Latteier), System Stolze-Schrey (Leitung: Herr S. Auerbach). Außerdem fanden während des Sommersemesters wöchentliche Referatabende mit freier Aussprache statt. Der Verein blickte am 27. November 1906 auf das zehnte Jahr seines Best- Yens zurück. Frankkurt a. M., 14. März. Herr S. Berlow i tz, hier, wirb demnächst in der Loge Adler, Seilerstraße 22, einen Zyklus von Vorträgen über jüdische Religionsphilosophie halten. Herr Berlowitz wird an drei Abenden sprechen. Der erste Vortrag findet am Donnerstag, 21. Marz abends 9 Uhr statt, (nicht am 18. wie auf den Karten angegebm ist.) Das Thema desselben lautet: Glauben und Wissen (bei den j üdisch- LrrvNsiSUNgsf.nd des griechischen Philosophen in Alexandria, in der es« Lehre der Talmudliteratur und bei den jüdischen sophen des Attttelalters.) Karlsruhe, 5. März. Die am vergangenen Sonntag wie alljährlich vom Vereine Chinuch-Neorim veranstaltete Purimfeier führte die Mitglieder und Gönner de- Vereins mit ei em überaus zahlreich zu Gast erschienenen Publikum in ftöhlicher Heiterkeit zusammenein angeregtes Purimtreiben erfüllte den geräumigen Saal de- Friedrichshof-Hotel's, und sämtliche Teilnehmer — Jung und Alt — kamen bei dem reichhaltigen Programm, baS Theateraufführungen, musikalische und deklamatorische Borträge in bunter Reihenfolge umfaßte, auf ihre Rechnung. Eine Lotterie, dazu bestimmt, die Kosten der Beran- ^'ltung zu Hecken, erbrachte oem Vereines noch einen artigen Ueberschuß. Berlin, 10. März. Reger Teilnahme erfreute sich die gestrige Monatsversammlung der : iefigen Misra ch.t- Gruppe, zu der sich auch der bekannte Geschichtsforscher W. I a w i tz einzefunden hatte. Herr Hermann Struck machte verschiedene Vorschläge für die Tättgdttt des Vereins, worauf eine lebhafte Aussprache der Mitglieder stattsand. Es wurde u. a. beschlossen, eine Enquete über das Thema „Zionismus und gesetzestreues Judentum" an namhafte gesetzestreue Persönlichketten zu richten. Montabaur, 6. März. Die in der Chewrah Kadischah vereinigren Familien veranstaltete eine gemeinsame Purimseier. Der gelungene B.rlauf hat bewiesen, daß die Chew ah ein echt jüdis per Geist durchweht. Ostrowo, 13. März. Herr Rabbiner Dr. Krauß, Schildberg, hielt im hiesigen jüdischen Literatur-Verein einen Bortrag über das Thema: „Optimismus und Pessimismus im Buche Kohelet". Der Redner führte den Nachweis, daß Kohelets Optimismus und Pessimismus einem umfassenderen Begriff untermordnen sind, der auf eine echt jüdisch-religiöse Lebensanschauung hinzielt. Personalien. Urkpringen, 8. März. Am 19. d. M. begeht Herr. Lion Adler sein 25jähriges Jubiläum als Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde. Es ist chm seitens der Kultusgemeinde eine entsprechende Feier rmd Ehrengabe zugedacht. Sabbat-Anfang u. Ausgang. aorn. cnnn 's OST: Anfang Datum Ausgang Uhr iMin. 1907 5667 UhrlMiu. Frankfurt a M 6 00 16. März 1. Nissan 7 IS Berlin .... — — tt tt 6 43 München . . . v 00 tt tt 6 57 Strahburg . . 6 15 t, tt 7 15 Pose» .... — — tt tt 6 39 Breslau . . — — n tt 6 38 Nürnberg. . — — tt tt 7 02 Stuttgart 6 — n tt 7 07 Prag 6 15 tt „ 6 45 Für de» Reklamenteil ißt die Redaktion nicht verantwortlich r insbesondere ist es ausschließlich Sache der Lefer, die im Reklameteil oder in de« Prospektbeilagen enthaltene» Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angabe« religionSgesetzlichen Charakters auf ihre Zuderlüffigkeit zu prüfen. Kaiser Friedrich Quells 6346) „Gegen OfTenbach a. M. Gicht n. Rheumatismus bewfthri.u Natürlicher diätetisches Tafelwasser erfrischend - wohlschmeckend - reine ITafurfiiHung in 7i u V* 51. überall erhältlich. Hauptniederlage in (6687) iFraukfurt a.M.bei H. Kölsch Aachf., Redstock 1. ^Brunnen-Direktion Bilm, Böhmens Uil dräBt der Winter neb se selr— o o o Frühling muß es doch werden. In der Zeit deS Ueberganges aber muß man sich vorsehen und wer klug ist, hat gerade jetzt Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen immer zur Hand: auf dem Spaziergang, in der Werkstatt, im Bureau, in der Schule rc. Wo der Mensch sich erkälten kann, da soll er auch Fays ächte Sodener vorbeugend verwenden und er soll sie gebrauchen, wenn er Erkältungen los fein will. Man kauft Fays achte Sodener Mineral- Pastillen überall für 85 Pfg. die Schachtel.

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