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Der Israelit · 1907-03-14 · Heft 11 (14.3.1907) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 11 (14.3.1907)
Date
1907-03-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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auf dem Gebiete des Nachbarlandes sich nicht länger als 8 Tage ohne spezielle Erlaubnis der Verwaltungsbehörden aufhalten dürfen. Amerika. Orthodoxe Rettungsarbeit in Sen Vereinigten Staaten. (Bon unserm Korrespondenten.) New-Aork, 22. Febr. Sie hören drüben wohl viel von der herrschenden Irreligiosität, von den vielen schlimmen Ein- Mfsen, die den unerfahrenen Einwanderer zum Abfall vom angestammten Glauben zu verleiten streben, und von der Leichtigkeit, mit der er denselben zum Opfer fällt. Man Pflegt sogar darüber in den hiesigen russisch-hebräischen Zeitschriften als über etwas Selbstverständliches und Unvermeidliches zu witzeln . sptBD «pnoKn Ki^K „die Luft Amerikas macht tresa" und Kp'2EK 'Kö Kpi Köy. „was bedeutet Amerika? ein glaubenslosesBolk^,sindBeispiele solcher im talmudischen Stile gehalterten Bonmots. Diese Anschauung ist gewiß zum guten Teil berechtigt, ebenso sicher ist aber, daß sie auch mitunter an starken Uebertreibungen leidet. Das Schlimme springt eben mehr in die Augen, das Gute dagegen entwickelt sich in der Zurückgezogenheit, den Augen der Menge oft verborgen. Daß New-Z)ork viele Tausende strengfrommer Inden unter seinen Einwohnern zählt,' ist jedem, der die enorme Anzahl orthodoxer Synagogen mit ihren Massen vor: Besuchern kennt, keine "Neuheit mehr. Man meint aber, daß diese «L-ynagogen nur von der älteren Gesseration besticht würden, während die Jugend denselben völlig entfremdet sei und man glaubt ferner, daß die orthodoxe Judenheit Amerikas in träge Lethargie versunken nichts tue, um dem Unheil zu steuern, sondern müßig rusehe, wie die Jugend, die Hoffnung unseres Volkes und unseres Glaubens, dem historischen Judentum auf ewig verloren gehe. Beides ist gottlob falsch. Ein guter Teil der hier geborenen Jugend ist von echt jüdischen! Geist erfüllt und es wird auch von verschiedenen Seiten energisch dafür gearbeitet, sie für das traditionelle Judentum zu erhalten. Während der jüngst verflossenen Wochen hatte 'Schreiber dieses wiederholt Gelegenheit das zu beobachten. Am 17. Februar hielt die nach dem verstorbenen Oberrabbiner Jakob Joseph genannte Jeschibah ihre jährliche öffentliche Prüfung. Es ist dies eine wirklich gediegene Anstalt. Bon etwa 300 Schülern besucht, bietet sie denselben eine abgerundete jüdische und weltliche Erziehung. Die jüdisch-wiffenschaftliche Abteilung unterrichtet in allen zur jüdischen Erziehung notwendigen Fächern, Hebräisch, Bibel, K">£3 und "py;nV)ir und jüdischer Geschichte/ die profan-wissenschaftliche Abteilung, die in acht Klassen gegliedert ist, bietet einen dem in den öffentlichen Schulen erteilten vollkommen gleichen Unterricht. Die Nützlichkeit und Zweckmäßigkeit dieses Unterrichtsplans liegt auf der Hand. Es existieren noch zwei Jeschiboth in New-Aork, aber meines Wissens ist die Jakob Joseph-Jeschibah die einzige, die in dieser Weise Tora und profanes Wissen vereint. Am kommenden Sonntag, 24. Februar, wird die jüdische Sabbat-Association ihren Jahres- Konvent abhalten. Auch diese Vereinigung leistet vorzügliche jüdische Rettungsarbeit. Unter der Leitung von Rabbiner Dr. Drachman strebt sie stets die Sache des Sabbats zu verteidigen. Sie unterhält ein Arbeitsnachtveisbnreau, wo man für den Sabbat beobachtende junge Leute Stellen vermittelt, sie hat nicht wenige Geschäftsinhaber zur Schließung ihrer Geschäfte am Sabbat bewogen/ sie veröffentlich ein Sabbat-Journal, in welchem die Sache des timp nntr warm verfochten wird, und sie hat unzweifelhaft viel zur Hebung der Achtung für den heiligen Tag Israels in Amerika beigetragen. Auch der Verband der orthodoxen Gemeinden, Union ok Orthodox Congregations of the United States and Canada, arbeitet unermüdlich und segenbringend für die Sache des gesetzestreuen Judentums. Sie hat eben einen wichtigen Sieg in dem langwierigen Streit errungen, der um die Frage der christlichen Feiern in. den öffentlichen Schulen entbrannt war. Der Erziehungsrat der Stadt New-Aork hat in seiner jüngstett Sitzung den Beschluß gefaßt, daß künftighin keinerlei religiöse Feier in den öffentlichen Schulen mehr stattfinden dürfe und daß Schulprinzipale oder Lehrer, die gegen diesen Beschluß verstoßen, disziplinarisch bestraft werden sollen. Alljährlich vor den Weihnachtsfeiertagen soll ein Zirkular an die Schulprinzipale versandt werden, um sie vor Verletzung der Anordnung zu warnen. Somit ist der Standpunkt der jüdischen Eltern, wie er durch den Verband der orthodoxen Gemeinden vertreten wurde, vollkommett zur Anerkennung gelangt, und wir werden hoffentlich nichts mehr von den verkappten Bekehrungsversuchen christlicher Schulprinzipale und Lehrer ihren jüdischen Zöglingen genüber hören. Der Dank der jüdischen Gesamtheit gebührt dem wackeren Gemeindeverband ob seines zielbewussten und beharrlichen Vorgehen^ in dieser Sache. Ein besonders erfreuliches Zeichen erstarkenden religiösen Bewußtseins ist die Begründung von Jünglings vereinen mit ausgesprochen religiöser Tendenz. Es ist eine ganze Anzahl solcher Vereine entstanden, deren Mitglieder sowohl ei «gewanderte junge Leute, deren Muttersprache das sogenannte ''Jiddisch oder Jüdisch- Deutsch ist, als auch eingeborene junge Leute englischer Zunge sind. Die Vereine '22 my und D'-nmn rrruN bestehen aus russischpolnischen jungen Lettten, die es als ihren Entschluß bekundet haben, mit ihrer Uebersiedelung nach Amerika ihre religiösen Prinzipien nicht aufzugeben. Sie leben in streng gesetzestreuer Weise, veranstalten gemeinsame Gottesdienste und öffentliche Versammlungen, bei denen sie sich durch Ansprachen orthodoxer Rabbiner und Führer belehren lassen. Der ungarische Jünglingsverein D'-nrD rron, auf strikt orthodoxer Basis errichtet, besitzt seine eigene Synagoge nebst Bet- Ha-Midrasch. Ein ähnlicher Verein The Jewish Endeavor Society (Gesellschaft für jüdisches Strebenverfolgt dieselben Ziele innerhalb der amerikanischen Jugend. Auch dieser Verein leistet sehr viel zur Verbreitung echt jüdischer Gesinnung und zur Kräftigung des religiösen Gefühles in den Kreisen der hiergeborenen Jugend. Also auch in Amerika gilt das Wort hKiv';ö8k K^ „Israel ist nicht verwitwet". Allerdings den mächtigen destruktiven Strömungen gegenüber scheinen diese Gegenströmungen gering und schwach, aber sie beweisen doch, daß unsere Söhne und Töchter noch für jüdische Ideale zu begeistern sind und geben also begründeten Anlaß zu Hoffnmrqen aus eine bessere Zukunft. N e wyork, 21. Febr. D i e Darlehenskasse „Gemilus Chassodim" in Newyork kann in ihrem Jahresbericht auf eine glänzende Wirksamkeit zurückschauen. Das Institut gewährt unverzinsliche Darlehen unter 500 Dollar auf Bürgschaft zweier oder mehr wohlsituierter Personen. Jakob H. Schiff ist der Protektor des Vereins. Im vergangenen Jahre vergab die Kasse bei einem Kapital von 79,340 Dollar an 14,000 Personen Darlehen int Gesamtbeträge von 72,035 Dollar. Der Verlust betrug nur 3559 Dollar. Das Kapital ist um 10,000 Dollar erhöht worden. Der Verein will jetzt seinen Wirkungskreis dadurch erweitern, daß er Darlehen unter 50 Dollar auf die Bürgschaft von nur einer Person hin gewährt. Das würde für die Armett eine große Wohltat bedeuten/ denn 8000 der Darlehen betrugen im Berichtsjahre nur 25 Dollar. Die Wohltätigkeitsgesellschaften im ganzen Lande sind bestrebt, das Beispiel des Newyorker Vereins nachzuahmen. vemMttr. München, 1. März. In seinem rechtsgeschichtlichen Kolleg kam dieser Tage Herr Professor v. A m i r a ans Stellung der Juden im mittelalterlichen Lehensstaat zu sprechen. Die Erwähnung des „Juden z o l l e s" gab einigen antisemitischen Elementen Veranlassung, ihr Gefallen an diesen unwürdigen Zuständen durch Trampeln erkennen zu lassen. Es verdient Anerkennung, wie Herr Professor v. Amira diesen Leuten energisch ihr B nehmen verwies: „M ine Herren! Ich muß Sie bitten, Ihre politische oder unpolitische Gesinnung hier nicht zmn Ausdruck zu bringen. Wir treiben hier ernste W'ssenschaft." Anhalt ndes Beifallsgetrampel bewies, daß die Mehrzahl der Studenten durchaus mit dieser Zurechtweisung einverstanden war. Hamburg, 17. Febr. Ein hiesiger Herr interessierte sich dieser Tage für einen in einem W isenhaus erzogenen jüdischen Knaben und suchte demselben zu einer kaufmännischen Stellung zu verhelfen. Er pflog Unterhandlungen mit der Firma A. in H., in der Meinung, daß deren Geschäft am Schabbos geschloffen sei. Als stch das Gegenteil herausstellte, wurden selbstredend die Verhandlungen sofort abgebrochen. Die Firma M. schien aber den Knaben gern engagieren zu wollen, sie ließ deshalb neuerdings die Verhandlungen aufnehmen und zwar durch den jüdischen Lehrer, zu dessen Bezirk H. gehört. Derselbe schrieb darauf an den Hamburger Herrn folgenden Brief. Sehr geehrter Herr! Herr M. in H. bittet mich, mit Ihnen wegen des fragl. Lehrlings weiter zu verhandeln. Ich komme dieser Bitte gerne nach, indem ich Ihnen mitteile, daß Herr M. .ein sehr gutes Geschäft und einen streng koscheren Haushalt hat. Ich zweifle nicht daran, daß der Junge unter Herrn M.s Leitung ein tüchtiger Mensch werden wird. Das Geschäft ist allerdings Sonnabends und an Festtagen, mit Ausnahme der hohen Feiertage, nicht geschloffen. Von dem Standpunkt aus betrachtet, daß der Junge später doch in ein Geschäft übergehen wird, das nicht geschloffen hat, wäre es nicht so schlimm, wenn der Junge seine Lehrzeit in einem Geschäfte durchmacht, das nicht geschlossen hat. Es handelt sich ja hier nicht um ein Haus, das nicht religiös ist, sondern um ein solches, das von wahrer Religiösttät durchzogen ist) nur ter Schabbos kann wegen der in H herrschenden geschäftlichen Verhältnisse nicht in der rechten Weise geheiligt werden. Wenn Sie natürlich auf ihren gestellten Bedingungen bezügl. der Sabbatheiligung bestehen sollten, dann kann aus dem Engagement nichts werden. Teilen Sie mir bitte Ihre Meinung mit, vielleicht weiß ich für den Jungen, der mich nach der Beschreibung des Herrn K. interessiert, eine andere passende Stelle. Mit aller Hochachtung gez. A. R. Es muß in der Tat tieftraurig stimmen, wenn man sieht, wie ein Mann, der der religiöse Führer seiner Gemeinde sein soll, die Entweihung des rotP, von einem gewissen Standpunkt aus betrachtet, als „nicht so schlimm" bezeichnet. Woher der Herr sodann weiß, daß der Knabe später doch rottf sein wird, dürfte weniger kühnen Geistern ewig ein Rätsel bleiben. Hoffentlich sorgt der Knabe dafür, daß Herr R. stch auch in dieser Beziehung als ipEt ^32 erweist. „Das von wahrer Frömmigkeit durchzogene Haus", in dem der rntP entweiht wird, ist übrigens auch eine nette Leistung. ' St. Ludwig, 11. März. Die hiesige Israelitische Gemeinde feierte vergangenen Dienstag die Einweihung ihrer Synagoge. Als Ehrengäste waren erschienen die Herren Ober-Rabbiner I. Weill aus Colmar, Geh. Regierungsrat Peucer in Vertretung des Bezirkspräsidenten Frhr. v. Puttkammer aus Colmar, Polizeipräsident und Kretsoirektor Dr. Dirlhoff aus Mülhausen, Rabbiner Schüler, der Barer des hiesigen Herrn Rabbiners, aus Ballweiler, Pastor Birmele, Confistorialrat Wallach, A. Ginzburger, Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Mülhausen, Bezirksrat Jaeck, Bürgermeister in Hegenheim, Kantonal-Polizeikommissar Weinhagen, sowie fast sämtliche Gemeinde r öte von St. Ludwig. Herr Unterstaatsse retär Dr. Petri bedauerte in einen: Schreiben, der Einweihung nicht beiwohnen zu können und übersandte seine herzlichsten Glückwünsche. Die Feier beqann um 1 Uhr mit dem Festzug, der sich vom Hotel John aus unter Boranttitt einer Musikkapelle, der die Schulkinder folgten, nach der Synagoge bewegte. Dort übergab Herr Regierungsrat Peucer den Schlüssel dem Herrn Oberrabbtner, der die Synagoge öffnete. In der Synagoge empfing der Synagogenchor, der von Herrn Cantor Lehmann geleitet war, die Festversammlung mit dem Bortrag eines Psalms. Nach der Ansprache des Oberrabiners begrüßte Rabbiner Dr. Schüler die Feswersammlung und knüpfte daran an, daß vor 45 Jahren sein Großvater Oberrabbiner Salomon Wolf Klein aus Colmar die Synagoge zu HÜningen, die sov:ele Jahre auch der hiesigen Gemeinde als Andachtsstütte diente, eingeweiht hat. Die Rede Dr. Schülers gipfelte in der Erklärung der Bedeutung und des Zweckes des jüdischen Gotteshauses. Der Vorsteher der Gemeinde, Herr E. Weill, dankte im Namen derselben allen Behörden und Privaten, die zum Bau der Synagoge beigetragen hatten. Hierauf sprach Herr Rabbiner Dr. Schüler das Kaisergebet. Die verschiedenen Reden und Ansprachen wechselten mit Gesängen ab, die teils von Herrn Cantor Lehmann, teils von Herrn Cantor Weill aus Altkirch

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