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Der Israelit · 1907-03-14 · Heft 11 (14.3.1907) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 11 (14.3.1907)
Date
1907-03-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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«ettt 4. JE. Kt. 11 DerJSrMtt fe- Hember 1901 (B. S. 149, § 11,4) mittelbar ersichtlich ist, an der Abstimmung teilzunehmen hat, wpdurch den christlichen Schülern ein Vorteil entstehen kann, der selbst entscheidend wird, wenn durch die Stimme des betreffenden Religionslehrers Stimmenungleichheit erzielt, wird. . Aber auch abgesehen von dieser Hintansetzung der jüdischen Schüler enthält die Vers, vom 18. Januar 1876 (B. S. 111) außerdem noch in . ihr«n Wortlaute eine Ungenauigkeit bezw. Unkonsequenz, und zwar in den Sätzen: „Dagegen Erde die Aufnahme dieses Lehrgebietes unter die Gegenstände der Abiturientenprüfung dem nicht obligatorischen Charakter desselben, welcher aufrecht zu erhalten ist, widersprechen. Es ist hiernach die Mische Religionslehre weder unter p' die Gegenstände der Abiturientenprüfung aufzu-; nehmen, noch ein Urteil über die Semestral- £ leistungen darin in das Maturitätszeugnis zu setzen." Denn der Religionsunterricht der andern Konfessionen, der, wie oben gezeigt (Berf. vom D 29. Februar 1872 Beier S. 106), auch nicht £ verbindlich ist, ferner der hebräische Unterricht, fl der sogar wahlfrei ist, ist wohl unter die * Gegenstände der Reifeprüfung ausgenommen, dann aber wird auch über die Semestralleistungen p im fakultativen englischen- und Zeichenunterricht ebenfalls ein Urteil in das Reifezeugnis; gesetzt. Hieraus folgt, daß die jüdische Reli- E g i o n s lehre, im Gegensätze zur christlichen, | unter dem fakultativen englischen- und hebrä- K ischen-, ja sogar unter dem fakultativen Zeichenunterricht steht. Diese Härte sucht Prof. Jrmer dadurch zu entschuldigen, daß er schreibt (a. a. O. S. 45): „Dieser (hebräische, englische und Zeichen») Unterricht ist lehrplanmäßig, und die schulunterhaltungspstichtigen Patrone können gezwungen werden, für seine Einrichtung Sorge zu tragen. Hinstchtlich des jüdischen Religionsunterrichtes ist dagegen eine derartige Nötigung nicht zulässig." Doch-warum ist eine derartige Nötigung nicht äsfig? Der von Prof. Jrmer hierfür gegebene nd, den wir am Anfänge unserer Ausführungen erwähnten (Nach § 62 . .) und beurteilten, schließt doch keine solche Nötigung aus! Auch in § 5,3 der Reifeprüfung (B. S. 143) ist dem christlichen Religionsunterrichte eine Borzugsstelle angewiesen, und wenn auch die jüdische RÄigionslehre als Prüfungsgegenständ ausgeschloffen bleiben soll, so ist damit noch keines Wegs ihre Abwesenheit auf dem Reifezeugnis erforderlich, da ja auch z. B. Physik oder Englisch bei humanistischen Gymnasien keinen Prüfungsgegenstand bildet (§ 5,3 a B. S. 143) und dennoch eine Note über die Klaffenleistung in das Reifezeugnis aufgenommen wird (§ 13,2 B. S. 150) und auch der betreffende Fachlehrer in der Prüfungskommission fungiert (§ 3,1 B. S. 138). (Schluß folgt.) Dadmch, daS Jtzcls Vater ein frommer, „geleinter" Mann war, trat der Gegensatz zu dem Sohn viel schärfer hervor. Dieser galt aw das was man einm „groben Jrmg" nennt, und als solcher wurde er von allen Seiten «chänfelt. DaS machte ibm den Aufenthalt in seiner «eimat unerträglich. Als aocr daS Handwerk der Vaters durch die Ungunst der Zeiten schwer darnieder lag und man an dm nun einundzwanzig Jahre zählendm Jtzel daS ernste Verlangen stellte sich mit der zweiten Tochter von Red Tanchum Kretschmer zu verheiratm, da hielt eS Jtzel nicht mehr länger zu Hause. Am letzten Chanukaabenü stahl er sich eise zu seinem „Seide" (Großvater) mütterlicherseits und erklärte ihm so kindlich wie entschietm, er habe ihm etwas mitzuteilcn. Aber er müsse ihm TekiaS Kaf (Handschlag) geben, daß er bas Geheimnis erst 24 Stui dm später weiter sagen werde. Gr teilte dem Großvater nun den lange überlegten Entschluß mit, morgen in aller FrÜde Mariapol zu verlaßen. Er wollte die zahlreichcn Ester am kärglichen elterlichm Tisch nicht länger um einen vermehren, Pe.l Kretschmer könne und werde er nie heiraten, er wolle in die weite Welt, zunächst nach AschkenaS (Deutschland) und wenn er dort ein reicher Mann geworden sein wird, werde er von sich höre» lassen. Er Wiste, wie die Eltern, Wie der Seide selber dagegen sei, daß er die Heimat verloste, aber eS müffe sein, eS werde ihn keiner abwmbig machen. Der Seide möge ihn bmschen (segnm) und im tägltchm Gebet seiner gedenkm. Als der Großvater sah, daß hier keine Widerrede ettvas helfe, gab er seinem Enkel den erhetmm Segen Und ermahnte ihn, auch draußm, fern von dm Seinen treu an Gctt und seinmr Gesetz xu hangm. „Wenn Du chn richtiger Talmtd Chochom (Thoragelehrter) wärest," eines durch lakoni cund befon- Kefeebriefe m dem Orient. I. Cairo, 26. Februar. Es ist ein eigenartiges Gefühl, das den Juden beschleicht, wenn er den Boden Egyptens betritt, das Land, mit dem die ältesten Ueberlieferungen seines Volkes verknüpft sind. Und nicht nur der Name des Landes, die grünen Gaue des NiltaleS, durch die wir wandern, ulld der breite Strom, der heute wje vor Tausenden von Jahren dem Lande Leben und Fruchtbarkeit spendet, erinnern uns an die Geschichte der Väter. Hier ist's im eigentlichsten Sinne des Wortes wahr, daß die Steine reden. Die Pyramiden bei Gizeh und auf dem Totenfelde beim alten Memphis, die zahlreichen Gsttertempel, die der Wüstensand durch die Jahrtausende so erhalten, daß man manchmal vor Werken der Neuzeit zu stehen glaubt, die Standbilder und Denksteine aus der ältesten Pharaonenzeit, sie bringen uns heute in unmittelbare Berührung mit dem Volke, das in jenen längstvergarrgenen Tagen hier gewohnt, das Land bebaut, Kriege geführt und mit seinen Sktavenheeren Wunderbauten errichtet hat. Bis ins Einzelste taryt man das Leben jener Zeit kennen lernen, wenn man sich in die Darstellungen auf den Flachreliefs der Tempelwände etwas vertieft. Alle Hantierungen der Gewerbetreibenden und der Ackerbauer sind hier wiedergegeben, und wie diese Sklav.n hier den Lehm bereiten, die Ziegel aus dem Rücken heranschleppen und zum Bau aufschichten, so mögen es unsere Borfahren einst beim Bau von Pithom und Ramses getan haben. — Gefangene mit deutlich ausgeprägtem, vom egyptischen abweichenden semitischen Typus sehen wir auf mehreren Bildern. Es mögen wohl Juden sein, aus etwas späterer Zeit, da die Pharaonen mit Israel im Kriege lagen. Da ist auch ein Gedenkstein aus einem Amontempel, — er steht jetzt in dem sehr reichhaltigen egyptischen Museum in Cairo —; auf ihm berichtet der Pharao Merenptah (ca. 1200 d. g. Z.) von seinen Siegen, und am Schluffe heißt es: „Israel ist dem Erdboden gleich gemacht und seine Nachkommenschaft ausgerottet." Es soll das die älteste bisher noch gefundene Erwähnung des Namens Israel" auf egyptischen Denkmälern sein. — Wir standen lange vor dem großen schwarzen Steinblock mitten unter den toten Denkmälern dieser längst begrabenen Egypterkultur. Sie lebt doch noch, „die Nachkommenschaft Israels"! Recht interessant war es, auf einer der Reliefdarstellungen eines Grabmals bei Memphis die Beschneidung eines jungen Mannes dargestellt zu finden, und sehr zahlreiche Bilder geben fuhr bewegr der Greis fort, „würde ich Dich leichten HrrzenS ziehen last n. Die Thora gewährt Schutz, so lange man sich mit ihr befaßt und auch in dm Zetten, in w lchem man sie n cht betreibt. Aber Du hast leider nichts als Dem Handwerk m lernt, Dich schützt die Thora nichc vor körperlichen und sittlichen Gefahren. Dich kann nur die pramsche Erfüllung der Tho a, die Aueüiung der Mrzwo, die Befolgung der von Gott geregelten jüdischen Lebenspflicht schützen. Aber der Schutz der Mtzwo beschräl k sich nur auf die Zeit ihrer Erfüllung. Deshalb halte die jüö sche Lebmspfltcht heilig, wie Du ste zu Hause verw rklicht gesehen hast. DaS wird Dir beistehen." Segnend legte der Greis die zitternden Hände auf das Lock nhaupt des blühenden Jünglings. Als er ihm zum Abschied die Stirn küßte, fielen zwei schwere Tränm aufJtzels Haupt nieder. Jtzel versp ach die Ermahnungen des Großvaters gewissen! ast zu befolgen und nun bat der scheibende Jürmling: „Gib mir noch einen kurzen, letzten fiQtunten Wun ch mit auf den Weg, den ich als Andenken an Dich jederze t zur Hand habe, um mir Dein Gedächtnis immer frisch und gegenwärtig zu halten." Einm Augenblick dachte der Greis nach. Dann ergriff er gerührt die Hände seines Enkels und sagte: ,$<§ wünsche Dir n koscheren Pesach!" Wenn wir uns gegenseitig zum JahreSwechs l ein Schono tauwo (glückliches Iah ) wünschen, so übertrifft die innige Ergriffenheit de diesen Wunsch begleitet, nicht diejenigen, die unsere osteuropäischen Brüder und Schwestern in dm Wunsch für einen koscheren Pesach legen. Er schwebt in dm Aachen unmittelbar vor Pesach auf aller Lippen, brieflich uno mündlich, laut und leise wünscht einer dem andern beim Gehm und Abschteonehmen: 'n koscherm Pesach! Ab« wie man dm Wunsch für ein glückliches Jahr nur um die Zeit des JjchreswM.ls hegt> so hat um die verschiedenen Stadien des Schächtaktes,das Niederwerfen der Tiere, deren Füße zusammen« gebunden sind, das Schleifen des langen Schlachtmeffers und die Ausführung des Halsschnittes wieder. * * Gegenwärtig existiert eine stattliche jüdische Gemeinde sowohl in Alexandria als in Cairo. In Alexandria schätzt man die Zahl der jüdischen Einwohner auf etwa 10—12000 Sephardim und ca. 1500 Aschkenasim) in Cairo auf ca. 12—15000 Sephardim und 1000—1500 Aschkenasim. Die afchkenasische Einwanderung datiert erst aus neuer Zeit) ein kleiner Teil der osteuropäischen Emigration hat den Weg nach Egypten eingeschlagen. Auch von den Sephardim sind viele in den letzten Jahrzehnten zugewandert, wo Egypten unter der englischen Oberhoheit einen großen wirtschaftlichen Aufschwung genommen hat. Wie in der übrigen Türkei besteht auch hier gewissem Umfang eine jüdische Gerichtsbarkeit. Die Kompetenz erstreckt sich auf alle Angelegenheiten des Ehe-, Erb- und Vormundschaftsrechtes der einheimischen Juden. Wir sahen das jn n'2 in Cairo, ein wenig stattliches Gebäude in dem engen, schmutzigen Judenviertel) die Jnnenräume aber machen in ihrer vornehmen Einfachheit einen durchaus angenehmen Eindruck. In Abwesenheit des Chacham Baschi empfing uns dessen Sekretär. Gleich am Eingang bemerkten wir an einer Tafel den Abdruck eines Erlasses, in dem alle die ohne Mitwirkung des Rabbinates geschlossen werden, für null und nichtig erklärt sind. Man sagte uns, daß derlei „inoffizielle" Ehen früher sehr häufig geschlossen worden seien. An zwei kleinen Kabinetts der Sekretäre vorbei gelangt man in den Vorraum des Gerichtssaales, der zugleich die Bibliothek des sN N'2 eine stattliche Zahl von d*h£D — besonders viele niawro — enthält. An der Wand ist die Gerichtsordnung angeheftet. Der geräumige Gerichtssaal zeigt uns das Bild des jetzigen Chacham Baschi, an der gegenüberliegenden Wand ein schön eingerahmtes Diplom der Universität von Cambridge, in welchem dem Rabbinat und der Gemeinde von Cairo der Dank für Ueberlassung des Inhaltes der npjj ansgesprochen wird. Mit etwas gemischten Gefühlen scheint man hier an diese Angelegenheit zu denken. Man hatte damals, als man die Erlaubnis gab, den Wust der alten NIvV-Kammer auszuräumen, keine Ahnung von den großen Schätzen, die sich unter den vergilbten Blättern befanden. Zum Mindesten hätte man sie sonst nur gegen gute Bezahlung weggegeben. dieser Pesach-, unsch nur um die Zeit unmittelbar vor Pesach einen Sinn. D shalb f agte Jtzel erstaunt: «Aber, Seide, wir haben doch erst Chanukah?" Dabei sah Jtzel den Großvater mit em paar Augen am als fürchte, er bas hohe Alter des Segne, den finde sich nicht mehr in der Zeit zurecht. Dieser aber entgegnete lächelnd : „Wenn Jemand sofott nach Pesach sein HauS verläßt mi der Absicht auf näch >en Pesach nicht wieder zurückzukehren, so muß er bei seinem Weggehen das Chom z fortschaffen. Denn zur Zeit, in der es die andern tun, ist's ihm ja durch seine Abwesenheit unmöglich. So geht es nun auch mit Dir. We> we ß, wo Du sein wirst, wenn die Zeit gekommen ist, in der man gegenseitig einen koscherm Pesach wünsche Wenn ich's daher h ute nicht tue, so ka n ich eS überhaupt nicht tun, deshalb wünsche ich Dir schon jetzt einm koscheren Pesach." «Seid manche! Seide, was hat's eigentlich mit diesem Wunsch für Bewandtnis?" »Du hast Recht" erwiderte der Greis „man soll ja jeden Tag koscher leben. Das ist nicht leicht, tesonders wenn man in die Fremde geht, w e Du es jetzt im Begriff bist. Aber am Pesach ist das Lebm nach den Anforde,ungen dec heiligen Thora und . der Weisen, gesegn t sei ihr Andenken, noch viel schw rer als sonst im Jahre. Die heiliam Schritten der Kabbala schreiben, wer d e strenge Anforderung oeS Pesach so ge* wistenhast beobachtet, daß er sicher sein darf, auch nicht die leiseste zur Uebettretung des ChomezverbotS führende Abweichung verschuldet zu haben, her darf seines Ameils an dem kimftiam, jensettigen Leben sicher sein. Alle unsere g"wöh> uchm Wünsche betteffm die vergängliche, hinfällige irdische Zeitlichken. Ar er wett Wer ihre engen Schranken hinaus zielt der Wunsch für einm koscherm Pesach, seine Krsüllung sichert uns die urrvertterkrre Ewiglett, in der eSKinLeidurch Weh, in. -er eSHeiye .. , —MM. '

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