Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1907)
- Date
- 1907-03-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449244-2449255--63313-2505850- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Rr. 10. mte b Rituelle Berpflegung jüdischer Soldaten. Geehrter Herr Redakteur!. Im vorigen Jahre hatte ich vor dem Peffachfest eine Anregung zur Organisation der rituellen Berpflegung der jüdischen Soldaten während des Festes gegebenaus den Erwiderungen, die erfolgten, mußte die betrübende Tatsache entnommen werden, daß nurin geringem Maße und fast nur in vereinzelten Fällen von den jüdischen Gemeinden in dieser Hinsicht Borsorge getroffen wird. Zu meiner Freude lese ich im „Israelit" den Aufruf des Serrn Lehrer Katz in Kiel, der um Beiträge zur rituellen erpfleaung 18 jüdischer Marinesoldaten während des Pessachfestes ersucht. Ich habe nicht gezögert, mich an dieser Einrichtung mit einer Gabe zu beteiligen, und ich hoffe und wünsche von Herzen, daß denr edlen Beispiel des Herrn Katz in Kiel, teine Kollegen in anderen Garnisonstädten folgen und sich der so wichtigen Aufgabe annehmen möchten. 'Auffallend ist und bleibt es, daß für jüdische Strafgefangene am Peffach von den Gemeinden gesorgt wird, während die Soldaten meist leer ausgehen. Der Kostenpunkt kann doch unmöglich große Schwierigkeiten bieten in einer Zeit, in der unsere Glaubensgenoffen so viele Tausende für die Errichtung prunkvoller Synagogen verausgaben. Es geschieht dies gewiß nur zur Ehre Gottes, wie erhebend aber Ware es eilt, wenn wir daraufhin arbeiteten, daß die Soldaten jüdischen Glaubens das Peffachfest nach Vorschrift begehen! Ich hoffe, diese Anregung wird dazu beitragen, daß unverzümich Vorkehrungen getroffen werden, um für das Peffachfest eine Berpflegung der jüdischen Soldatm NOON niD^rD herbeizuführen. Eingedenk der zu Beginn des Sederabend zu sprechenden Worte nDD,'l 7H2H b'Dt stelle auch ich für diesen Zweck 50 Mk. zur Verfügung. ■ ^rs— r.t. 4M Zum Kall Greenberg. Sehr geehrter Herr Redakteur! Es ist oft und, wie ich unumwunden zugestehen will, manchmal nicht mit Unrecht dein Misrachi und seinm Vertretern in Westeuropa der Vorwurf gemacht wordm, daß ste als gesetzestreue Juden nicht klar und scharf genug mit ihren Forderungen und Anschauungen innerhalb der zionistischen Bewegung hervorgetreten seien. Es ist dies auch in diesen Blättern im letzten Jahre bei verschiedenen Gelegenheitm als ein Hauptgrund mit angegeben worden, weshalb man glaube sich der zionistischen resp. misrachistischen Bewegung nicht anschließen zu können, weil nämlich nicht die Gewähr geboten sei, daß im Schoße des modemen nationalen Judentums die Grundlagen des jüdischen Volkstums nämlich mir, und Beobachtung der niSÖ wenigstens einigermaßen gesichert seien. Es ist des öfteren von misrachistischer Seite versucht worden, diese Bedenken zu zerstreuen indem man darauf hinwies, daß es einerseits bei tätiger Mitarbeit des gesetzestreuen Judentums wohl möglich sei, diese offenbaren Schäden der zionistischen Bewegung im Laufe der Zeiten zu heilen, daß aber andererseits dem modemen nationalen Gedanken eine Reihe von Momenten innewohnen, die in hervorragender Weise geeignet sind, das gesetzestreue Judentum zu stärken. Und wieder drückt uns heute die Bemerkung der Redaktion des „Jsra lit" zu dem an Herm Greenberg gerichteten offenen Brief des Herm Dr. Franck-Altona die Feder in die Hand, um den in dieser Bemerkung enthaltenen Angriff gegen den Zionismus und Misrachismus zuruckzuweisen. Nicht liegt uns daran, immer und immer wieder eine Polemik in der Oeffentlichkeit über unsere Daseinsberechtigung hervorzumfen, ja wir haben es sogar, um den Schein zu vermeiden, als glaubten wir immer uns gegen Angriffe verteidigen und uns unserer Existenz wegen entschuldigen zu müssen, unterlassen vor etwa 2 Monaten in diesem Blatte auf die im Anschlüsse an den Brief des Herm Hermann Stmck abgedruckten Erörtemngen über den Misrachi zu antworten, aber wir halten es für unsere Pflicht der Sache gegenüber, für die wir arbeiten, nicht durch Schweigen den Anschein zu erwecken, als fühlten wir uns nicht sicher, sondern durch Darlegung deffen, was wir wollen, der breiten jüdischen Oeffentlichkeit und zumal den gesetzestreuen Juden zu zeigen, daß es vereinbar ist mit dem unentwegten Festhatten an dem, wofür unsere Väter Gut und Blut Hingaben, daß es vereinbar ist mit dem Glauben an Gott und seine mW sich Zionist zu nennen und das Banner der Nationaljudentums hochzuhalten. Und um nun zu Tatsachen zu kommen: Herr Greenberg hat sich unjüdischer Weise in einer Versammlung über den rDtP geäußert und hat dafür plädiert, man solle Juden, die den «avbat auf den anntag verlegen, nicht „aus der Synagoge ausschließen." Herr Dr. Franck-Altona ist unter Klarlegung der Bedeutung der Synagoge im Judentum mit aller Entschiedenheit Herrn Greenberg entgegengetreten und schließt seine Ausführungen mit einer Bariierung des bekannten Nordauschen Wortes dahingehend, daß er sagt, der Zionismus wird jüdisch sein oder er wird nicht sein. Statt daß der Israelit" als bemfenes Organ der Orthodoxie in Deutschland sich voll und ganz ohne kritischen Kommentar den Franckschen Ausführungen anschließt, läßt er Befriedigung erkennen, daß dem Misrachi wieder einmal von reinzionistischer Sette eins ausgewischt ist und spielt so gewissermaßen wie die Reform den tertlu8 Lanckens, eine meiner Ansicht nach, des „Israelit" wenig würdige Rolle. Aber abgesehen c apon, sollten sich die Herren^ die es stets von neuem für einen BVri V7Dhalten, dem Misrachi einen kleinen Hieb zu versetzen doch endlich einmal vor Augm halten, wie die Sachen eigentlich liegen. Wir Misrachisten haben einen sehr schweren Standpunkt, wir müffen die Augen angestrengt nach beiden Seiten richten, weil wir zwischen zwei feuern stehen. Ich Mn ein Fruurd von Offenheit, dämm will ich es mhig-mtssprechen. Wir müffen uns stets sowohl nach der nichtzionistischen Seite als auch nach der zionistischen hin verteidigen. Nns, die wir als gesetzestreue Juden Zionisten Md, wollen beide etwas anhaben, die Gesetzestreuen, weil sie fürchten, wir könnten werden, die Zionisten, weil ste fürchten, wir würden die Bewegung kompromttieren. So unbetechtigt. wie das eine ist das anderes Aber wir wenden uns zunächst an die Gesetzestreuen mit der Forderung, endlich einmal diese 22N nfcUttf aufzugeben, da wir von ihnen ja nur verlangen, eine Sache, die sie objektiv a s richtig anerkennen muffen, aus tattischen Gründen nicht im Stiche zu laffen. Bei den Zionisten liegen die Berhäitniffe schwieriger. Ein Teil von ihnen hält es für unvereinbar mit dem Fortschritt menschlicher Geistesbildung, noch an einen Gott zu glauben, dämm ist es dort unsere Aufgabe, von grundaus die anerzogenen Anschauu gen auszurotten. Und dabei gerade kommt ja, wie schon so oft hervorgehoben ist, die Anerkennung eines nationalen Judentums uns in unserem Kampfe zu Hilfe, und bei tätiger Mitarbeit aller Gesetzestreuen laffen sich da ungeahnte Erfolge herbeiführen. Damm ergeht immer von Neuem der Ruf an die nichtzionistische gesetzestreue Judenheit, helfet uns tm\ WDb in unserem Kampfe für das wahre Judentum. Ich gestehe es offen, das gesetzestreue Judentum liegt mir näher, als der Zionismus und dennoch bin ich überzeugt, der Zionismus wird die Quelle sein, aus der dem Judentume neue Kraft zufließt, indem seine BekeMer vom nationalen zum religiös nationalen Judentume geführt werden — wenn wir arbeite», wenn wir nicht in einem unjüdischen Fatalismus die Hände in den Schoß legen und uns sagen: wenn der Zionismus gut ist, wird n":ipn ihn schon zu glücklichem Ende führen und wenn nicht, — das ist unjüdisch. Nirgends liegt im Judentum eine Anschauung vor, daß uns die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, aber wenn wir selbst im Gedanken an die Hilfe Gottes arbeiten, dann wird das Werk gelingen. (T sind genug Misrachisten da, die wie Herr Dr. Franck überall klar und prägnant ihre Anschauungen zum Ausdruck bringen, aber wir brauchen Helfer und Mitarbeiter. Immer wieder wird vorgebracht: der Zionismus ist nicht so, wie wir als gesetzestreue Juden allein ihm voll angehören können. Aber um alles in der Welt, das wissen wir Misrachisten so gut wie jeder andere, denn wären wir sonst Misrachisten? Wenn der Zionismus heute so wäre, wie wir ihn wünschen, so wäre ja alles gut, aber das ist unmöglich. Möglich aber ist, daß wir ihn zu einem solchen machen und dazu sollen uns alle gesetzestreuen Brüder helfen. Und dann 'n mTJO wir unsere Arbeit von Erfolg gekrönt sein! Berlin, 17. Februar. I. M. Hierauf sei in aller Kürze Folgendes erwidert: 1. Die Bedenken gegen den Misrachi sind in den einleitenden Sätzen d 's vorstehenden Briefes nur sehr unvollkommen wiedergegeben. Sie erschöpfen sich nicht in den vom Einsender genannten sekundären Momenten, sondern wurzeln vor allem in der Tatsache, daß die Stellung des Misrachi als einer Fraktion innerhalb der zionistischen Partei das gcsetzestreue Judentum zu einer bloßen „Richtung" degradi rt und den Anspruch dieses gesetzestreuen Judentums das einzig e berechtigte Judentum zu sein durch die Tat (wenn auch unbeabstcht gt) aufgiebt. Das Programm des Misrachi aber ist nicht geeignet, diesem verhängnisvollen Mißverständnis vorzubeugen. 2. Die Behauptung, daß wir uns den Dr. Franck'schen Ausführungen nicht „voll und ganz" angeschloffen hätten, ist unrichtig. Wir haben sic vielmehr als höchst erfreulich bezeichnet und keine Silbe daran ausgesetzt. Die kritischen Bemerkungen richteten sich offensichtlich weder gegen Herrn Dr. Franck — deffen Energie übrigens nicht ohne weiteres dem schweigsamen Misrachi gutgeschrieb n werden darf — noch unmittelbar gegen den Misrachi, sondern sie suchten aus die Gefahren aufmerksam zu machen, die s lbst dem <abbat, dieser urnationalen Institution, auch auf zionistischem Boden erwachsen können. Der Herr Einsender wird zugeb:n muffen, daß das unsere publizistische Pflicht ist, und daß wir damit im tiefen Grunde auch dem Misrachi einen Dienst leisten. 3. Wir haben nie ein Hehl daraus gemacht, welche prinzipiellen Bedenken wir gegen den Misrachi hegen. Das darf uns indessen nicht hindern, jetzt, da Zionismus und Misrachi nun einmal Tatsachen sind, die dem Misrachi bereits angehörigen religiösen Gesinnungsgenoffen in der Richtung zu beeinflussen, die nach unserer tiefen Ueb.rzeugung die wünschenswerte ist. Wir freuen uns darum ehrlich — nicht als schadenfroher lertius Lauckens — jedes Ereigniffes und jedes Wortes, das geeignet ist, die Wachsamkeit und die geistige Energie des Misrachi anzuspornen, kurz in der beim Misrachi beliebten Kombination „national-religiös" das religiöse Moment zu stärken. D. Red. Sabbat-Anfang u. Ausgang. mps ♦ ms 's ORT: Anfang Data« lAnSgang Uhr Min. 1967 5667 [Ufr frühe. Frankfurt a M 5 50!>.MSrz 23. Adar 7 05. Berlin .... — — n tt 6 41 München . . . 5 45 ft tt 6 46 Strabbnrg . . 6 — t, ff 7 05 Bose» .... — — tt tt 6 27 Bresln« . . — — rt tt 6 27 Nürnberg. . — — // » 6 50 Stuttgart 6 — ff ff 6 56 Prag 6 05 ff 6 35 Für den Reklaruenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich r insbesondere ist es ansschließklich Sache der Leser, die im Reklameteil oder in den Prospektbeilage« enthaltenen Smpfeblnnge» ritueller Waren oder sonstige Angabe» religionSgesetzlicheu Charakters ans ihre Zuverlässigkeit zu prüfe». Kaiser Friedrich Quelle 6346) -- Offenbach a. H. --- „Gegen Picht u. Rheumatismus bewÄhrt.“ Natürlicher \ Biliier Siiertriii diätetisches Tafelwasser erfrischend - wohlschmeckend - reine I7afurfü((una in 7t u 7, ¥(. überall erhältlich. Hauptniederlage in (6681) Frankfurt a.M.bei « Kölsch bachf., Redstock 1. ^Brunnen-Direktion Bilm, Böhmens Märzenstsud und Märzenschnee Brieflta$ten. 0* P in G. Wir können Ihnen das Buch nicht empfehlen. » SW. B. Der Knabe wird am 28. Schwat des nächsten Jahres mjjD "J2. Die Sidrnh ist 2DOV2tun nicht, wie die Bauernregel sagt, nur Korn und Weinstock weh — die schaden auch den Menschen und wer nicht vorsichtig ist erkältet sich: er hustet, ist heiser und verschleimt und der ganze Organismus leidet. Man muß sich also vorsehen Md Fahs ächte Sodener Mineral-Pastillen zur Borbeugung und Bekämpfung immer zur Hand haben. Wer's noch nicht erprobt hat, nmche einen Versuch — die Schachtel kostet ja nur 85 Pfg. Ueberau erhältlich. Nachahmungen weise man zurück. Ssederplauderei. Wir feierten den Sseder in gehobener» angenehmer Stimmung und, nachdem der vorgeschriebene Teil der Hagodob gesagt und vom Hausherrn wrmderschön erklärt worden war. wurde das Beste der Küche aufgetragen. — Wir waren beim letzten Gang des wirklich hervorragend guten DinerS angelangt» als ich mich plötzkich vor Schrecken einer Ohnmacht nahe fühlte! Ja» was war das, sehe ich recht, oder ist es nur ein Traum'? Man stellte Butter aus den Tisch! Butter bei einer fleischigen Mahlzeit! Ich war einfach sprachlos. Die Hausfrau» die sich an meinem Schrecken zu weiden schien» rief mir zu: „Bedienen Sie sich nur ganz ungeniert, den» Butter auf Mazzoh gestrichen, schmeckt einfach wunderbar." „Ja aber — fiel ich ihr", auf die Butter zeigend» ins Wort- „Gemach, lieber Freund, lassen Sie mich nur aussprechen. ES scheint mir, als hätten Sie keine Ahnung davon» daß es jetzt in der Nahrungsmittelbranche eine neue Erfindung gibt; es ist daS ein vegetabiler Butterersatz und wird unter dem Namen „Tomor" in den Handel gebracht." — Versuchen Sie mal dies „Tomor" und Sie werden sehen» daß Sie keinen Unterschied zwischen der feinsten ^Süßrahmbutter und „Tomor" finden." — „Ja, woher wiffen Sie aber» verehrte Frau, daß „Tomor" koscher ist und auch zu Fleischspeisen verwendet werden darf?" erlaubte ich mir schon etwas kleinlauter, zu erwidern. — »»Ich dürste Ihnen eigentlich zum zweiten Male wegen Ihres Mißttauens keinen aufklärenden Bescheid geben, aber ich will Ihr Gewiffen nicht länger beunruhigen. „Tomor" wird unter Ausficht und Leitung eines von Sr. Ehrwürden Hern: Rabbiner Dr. Ä. Wolf» Köln, angeftellten und inspizierten Beamten, hergestellt und darf sowohl für Fleischals auch Milchspeisen verwendet werden. „Sie hätten eigentlich schon bei den Fischen einen solchen Riesenschrecken bekommen müssen", sprach die liebenswürdige Dame» „da auch diese mit „Tomor" zubereitet waren» denn wie wäre es möglich gewesen» ohne „Tomor"' eine solch' wunderbare Buttersauce herzustellen. Daß Ihnen das Kalbfleisch vorzüglich mundete» sagten Sie ja vorhin selbst und sehen Sie, lieber Freund, auch dieses war mit „Tomor" zubereitet." Friedberg i. H. Die Stadt-Verwaltung hat der hiesigen Akademie ein neues Maschinen-Laboratorium erbaut welches unter der Leitung des Herrn Dozenten Jmmerschiff dem Stand heutiger Technik und Wissenschaft entsprechend eingerichtet würde. Dieses neue Laboratoriwn wird im Sommer-Semester unseren Studierenden zur Verfügung gestellt werden Bad Salzschlirf. Die in nächster Nähe des Kurhauses reizend am Wald gelegene Billa Bellevue. Herrn L. Arnold (Besitzer vom Hotel Kafferhos) gehörend» ging durch Kauf an Herrn Hotelier Jacob Straußer aus Frankfurt a. M. über. Derselbe wird zur kommenden Saison die Villa als ei» israel. Hotel 1. Ranges eröffnen und damit einem vielseittgen Wunsche entsprechen. Das Hotel untersteht der Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Provinzialrabbiner Dr. Cahn in Fulda.