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Der Israelit · 1907-03-07 · Heft 10 (7.3.1907) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 10 (7.3.1907)
Date
1907-03-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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olgeirden Besprechung fanden diese hänken lebhafte Zustimmung. Es wurde eine Resolution angenommen des Inhalts, daß die Versammlung, die die Vertreter verschiedener jüdischer Gewerkschaften und Meistervereinigungen umfasse, die Arbeit von Juden am Sabbat als ein Unglück beklage, und entschlossen sei, alsbald zu dessen Beseitigung Schritte zu tun. Ferner wurde geschlossen, die Gründung eines Bureaus in Angriff zu nehmen, das die Vermittlung von Arbeitsstellen mit Dispens am Sabbat zu besorgen habe. Das Parlamentsmitglied Stuart M. Samuel sagte in einem Briefe an die Versammlung der Bewegung seine Unterstützung zu. Es ist erfreulich, daß nun auch bei uns in England die Bewegung zu Gunsten des Sabbat in Fluß zu kommen beginnt — Dieser Tage hat der Unterrichtsminister beim Parlament eine Vorlage eingebracht, die den gescheiterten Schulgesetzentwurf ersetzen soll und einen einzigen Paragraphen enthält, wonach die Kosten des Religionsunterrichts nicht mehr wie bisher von den örtlichen Behörden, sondern von den Interessenten selbst getragen werden sollen. Rumänien. Jassy, 1. März. Vor kurzem hielt der Führer der liberalen Partei, Sturdza, der bis dichin als ein Feind der Juden bekannt war, in Galatz eine Rede, in deren Verlauf er sagte: Es gibt nur ein Volk auf der Erde, das keine Hemmt hat, die Juden. Ihre Lage ist eine überaus traurige. Ohne eine Heimat wandern sie von Ort zu Ort, und überall bleiben sie fremd unter den Völkern. Alle, die auf demselben Boden geboren sind, sollten Brüder sein. Wir betrachten alle Menschen als ebenbürtig,- und das gilt auch von den Juden. — In derselben Versammlung äußerte Dr. Petrini aus Galatz, ein hervorragender liberaler Politiker: Es wäre vorteilhaft, die Juden zu rumänischen Bürgern zu machen,- mit ihren ausgezeichneten Eigenschaften würden sie uns Nutzen bringen. — >L>eit dem Besuche des Finanzministers Take Joneseu in Berlin macht sich in den offiziellen Kreisen eine den Juden freund ichere Gesinnung bemerkbar. Eine verhältnismäßig große Zahl von Juden ist naturalisiert worden, ohne daß von irgend einer Seite dagegen protestiert wo-rden wäre. Der Führer der Junimisten, Carp, sprach sich entschieden für ' die Naturalisation von Juden in großem Maßftabe aus. . Amerika New-York, 20. Februar. Jakob H. Schiff hat dem jüdischen Asyl und Altersheim in New-York ein Geschenk von 50000 Dollargemacht, die zur Errichtung eines besonderen Altersheimes verwendet werden sollen. Das genannte Institut war ursprünglich nur zur vorübergehenden Aufnahme von Einwanderern bestimmt worden, in den letzten Jahren mußte jedoch auch die Versorgung von alten Leuten damit verbunden werden und"zwar in solchem Maßstab, daß sich Herr Schiff, einer der Begründer, nunmehr veranlaßt sah, durch die gegenwärtige Stiftung die Trennung der beiden Wohltätigkeitszweige zu ermöglichen New-York, 22. Februar. Am Sonntag, den 24. d. M. wird die Jahresversammlung der Sabbath Association hier abgehalten werden. _ Kanada. Montreal, 22. Februar. Die Montrealer „Jewish Times" macht in einem Leitartikel auf die großen Vorteile aufmerksam, die die kanadische Regierung den Einwanderern einräumt. „In den Industrien aller Art", so schreibt das Blatt, „ist Mangel an Arbeitern, besonders fehlen Mechaniker und Werkmeister. Unsere ungeheuren Landstriche in den westlichen Provinzen rufen laut nach einer ackerbauenden Bevölkerung. Es ist keine Uebertreibung, daß 100000 Menschen hier Arbeit finden könnten, mit der gewissen Aussicht ein eigenes Ketin mmnden und unabhängige Farmer werden zu Wnnen." Das Blatt fügt noch hinzu, daß es in Kanada keinen Antisemitismus gibt. Uernti$d>te$. Frankfurt a. M., 2. März. In der „Freibiblkotbek und Lesehalle" (Stolzestr.) haben sich während des abgelaufenen Geschäftsjahres 1992 Personen zur Bibliotheksbenutzung eingetragen. Davon waren 1042 evangelische und 476 katholische Christen, 28 Freireligiöse und 446 Juden. Prozentual zur Bevölkerung nehmen also die Juden bei der Bibliotheksbenutzung die erste Stelle ein. Hamburg, 1. März. Am morgigen Sabbat beabsichtigt.' der Staat eine Bersteigerung von Getreide int Werte von ca. 200,000 Mk. abzuhalten. Ein jüdischer Bürger, der sein Geschäft am Sabbath geschlossen hält, erbat sich jedoch beim Senat bezw. seinem Vertreter eine dringende Audienz, in der er mit Rücksicht auf seine Heiligung des Sabbath um die Verlegung der Auktion nachsuchte. Daraufhin wurde dieselbe auf nächsten Montag festgesetzt. Berlin, 4. März. Wie uns mitgeteilt wird, findet auch in diesem Jahr, und zwar nach Beendigung des Pessachfestes in Berlin ein Fortbildungskursus für Kantoren statt. Die Leitung haben dieselben beiden Herren, welche in den früheren Kursen Unterricht erteilten: Musikdirektor Hauptkantor Friedmann für das speziell-liturgische Fach und Profeffor William Wolf für das allgemein-musikalische. Königsdorfs-Jastrzemb, 5. März. Die in dem altbewährten Soolbade Königsdorff-Jastrzemb im Jahre 1890 gegründete Kinderheilstätte soll beim Eintritt der schönen Jahreszeit, im Monat Mai, wieder eröffnet werden. Diese Anstalt, die bereits für viele Kinder eine Quelle des Segens geworden, zeichnet sich durch ihre hervorragende Gemeinnützigkeit aus, indem sie unbemittelten Kindern ganze oder halbe Freistellen gewährt und bemittelte Kinder gegen Zahlung der Selbstkosten aufnimmt. In der vergangenen Saison 1906 haben in der Anstalt 126 Pfleglinge Aufnahme gefunden. Bei allen Kindern war ein gültiger Kurerfolg zu verzeichnen. Die Gewichtszunahme betrug durchschnittlich 3 bis 7 Pfund. Bei zwei Kindern ist eine Zunahme von 9 bezw. 10 Pfund festzeftE worden. — Die Anstalt wird durch milde Beiträge erhalten und ist der Förderung edler Menschenfreunde würdig. Nähere Auskunft erteilt der Vorsitzende der Ansta t, Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in Gleiwitz. München, 24. Febr. Wir werden ersucht, auf die in München bestehende Hermann und Jettchen Müllersche Allgemeine Wohltätigkeitsstiftung aufmerksam zu machen. Aufgabe der S.iftung ist: s) die Förderung und Unterstützung von Einrichtungen und Veranstaltungen für Erziehungs-, Unterrichts- und Wohltätigkeitszwecke, sowie sonstiger gemeinnütziger Zwecke innerhalb des Judentums, d) die Unterstützung hilfsbedürftiger Glaubensgenossen, jedoch nur, sofern die Gewährung im mittelbaren und unmittelbaren Interesse des gesamten Judentums ist. Andere Unterstützungsgesuche können nach dem Stiftungsstalute keine Berücksichtigung findenc) die Verbesserung der bürgerlichen Stellung der Juden. Die Verbescheidung der Gesuche, welche bis spätestens 28. März l. Js. an die Kultusverwaltung einzureichen sind, geschieht ohne Rücksicht auf Ort und Land der Petenten. Boskowitz, 4. Mär;. Am Donnerstag, 14. März, sind es hundert Jahre, daß der berühmte Rabbi Samuel Löw y'siT, der Verfasser des halachischen Werkes rPSfflö bpWT\r aus dem Leben schied. Anläßlich dieses Gedenktages hält die hiesige Gemeinde, in der Rabbi Löw y^f als Rabbiner und Leiter einer Jeschiwah wirkte, in ihrer Synagoge einen Trauergottesdienst ab. Uertin$we$tit. Frankfurt a. M., 3. März. In der beute stattgehabten Generalversammlung des Zentral-Bereins Israelitischer Gemeindemitglieder erstattete der Vorsitzende, Dr. I. Heinemann, den Jahresbericht, der eine Zunahme des Mitgliederbestandes um hundert neue Mitgl eder, sowie günstige Kassenverhältnisse festst llte. Für die ausscheidenden drei Borslandsmitglieder wurden die Herren Raphael Ettlinger, Emil Jgersheimer und Bernhard Rosentchal neu gewählt. — In der Diskussion gelangte eine Reihe von Desiderien zum Ausdruck, deren Aufnahme darauf hindeutet, daß der Verein in Zukunft mit etwas größerer Entschiedenheit aufzutreten beabsichtigt. Frankfurt a. M., 4.März. Die Vereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauung (*QÜ ny*13) veranstaltete am Sonntag im großen Saale der Neuen Börse eine Purim feier, an der etwa 600 Personen teilnahmen. Es war ein rechtes Gemeinde fest, eine große Jahrecrevue über all die großen und kleinen Dinge, die im Laufe des Jahres die Gemüter bewegt, alles im Spiegel des Humors erschaut und doch durchdrungen vom Ernste echten jüd schen Gemeindewußtseins. Eine große Reihe junger Damen und Herren hatten ihre künstlerische Begabung in den Dienst der Veranstaltung gestellt, die denn auch in allen Teilen trefflich gelang. Zu bedauern bleibt nur, daß die schlechte Akustik des Saales den Genuß der Darbietungen stark beeinträchtigte. ««tßchtugen (Würtrbg), 4. März. Nach tinem eindruckAwllen und mit großem Beifall aufgenommenen Bortrag des Herrn Paul M. Aron aus Stuttgart konstituierte sich auch in hiesiger Gemeinde eine Ortsgruppe des „Verbandes der Sabbatfreunde", welcher fast sämtliche Gemetnbemi.tgtieder betraten. Auch in der Nachbargemeinde O l n h a u s e n gelang es den Bemühungen des Herrn Aron, eine Ortsgruppe ins Leben zu rufen. Mögen beide Zweigvereine den bei der Gründung in sie gesetzten Hoffnungen gerecht werden und auch ihr Scherflein beitragen, daß dem immer mehr um sich greifendem rDV durch zielbewußte Bekämpfung wirksam entgegengearbeitet werden kann. Memel, 2. März. Der Verein Tifereth Bachurim veranstaltete am 24. Februar wie alljährlich seine ordentliche Generalversammlung. Der Vorsitzende, Herr Berthold Jaffe, eröffnete dieselbe, erstattete Bericht über das verflossene Bereinsjahr, speziell über die Vorträge, und ersuchte um weitere Förderung des Vereines durch die Mitglieder. Ferner erstattete der Kassierer, Herr I. Werblowsky, den Kassenbericht, und wurde demselben nach Prüfung der Kaffe du ch die Revisoren die Entlastung erteilt. Dann wurde zu den Borstandswahlen geschritten und zwar wurden aewählt in den Vorstand : die Herren Markus Jaffe, Isidor Beermann, Jacob Werblowsky, Zahnarzt Jacobsohnferner zum ersten Vorsitzenden einstimmig wieder Herr Berthold Jaffe. Grostwardei«, 1. März. Die Großwardeiner *TQn ü"W hat am vergangenen tn* n""l ihren dvd D"WH wie gewöhnlich unter sehr starker Teilnahme abgehilten. Die Herren Oberrabbiner Fuchs, Bereinsrabbiner Jes ai as Pollak und Rabbiner Pinkas Z imetbaum hielten halachische Vorträge, welche die Anwesenden (nahezu 200) mit Spannung anhörten. Bereinspräses Sandor Nllmann verlas einen in hebräischer Sprache abgefaßteu Jahresbericht, der mit Beifall ausgenommen wurde. Das Bankett dauerte bei heiterer Stimmung bis in die späte Nacht. Personalien. Halberstadt, 5. März. Die nDDW/ die traute Begleiterin des Monats Adar, ist in unserer Gemeinde durch ein trauriges Krankenlager und einen überaus schmerzlichen Todesfall verdunkelt worden. Die Familie Joseph Baer betrauert den Heimgang ihres Sohnes und Bruders Siegfried, der noch nicht 21 Jahre alt, einem mehrjährigen Herzleiden erlegen ist. Ein edler Mensch wird mit dem Dahingeganaenen begraben werden und ein echter würdiger Sohn des Judentums - ein Jüngling mit dem Ernst und der Reife eines Mannes ging er bescheiden und anspruchslos durch sein kurzes Leben, das so rein und makellos gewesen. Es war kein leichter Weg, den er zu gehen hatte, aber er ging ihn unverdrossen - tief im Herzen die ewigen Gesetz .' seines Volkes, die Liebe zu Eltern und G schwistern und all m, was gut und schön ist. Selten nur offenbarte er die Innigkeit seines Wesens und nie sprach er von sich und seinem Können - still ging er durch die Reihen der Menschen und sein Blick sah oft' verträumt in die Ferne. Ob er wohl ahnte, daß seines Lebens Dauer nur so kurz sein würde?- In früher Morgenstunde nahm er von uns Abschied, ein Opfer des Morgens, in Reinheit dargebracht und von in Liebe angenommen. — Wir aber wollen zu dem Lenker unserer Geschicke beten, daß er den tiefgebeugten Eltern und Geschwistern und allen, die den so früh Vollendeten lieb gehabt, seinen re chen Trost geben möge, und daß er uns die Zeit erreichen lasse, da Er die Träne trocknet von jedem Angesicht. rfSSGn Amberg, 5. März. Am 7. Adar schied Herr Hein ich H ay mann von hier im Alter von 79Jahren aus dem Leben. Er ist der Gründer des an Sabbaten und Festtagen streng geschloffenen Bankhauses Hayma n, welches nun von den Söhnen in demselben Sinne w. itergeführt wird. Der Verblichene war wegen seiner aufrichtigen Frömmigkeit und seines Wovltätigkeitssinnes allgemein geachtet. Im nahen Sulzbach, woselbst er geboren ist und wo er bis vor 9 Jahren gewohnt hat. war der Verewigte 20 Jahre Kassier der dortigen Gemeinde und fungierte 48 Jahre lang an den hohen Feiertagen in trefflicher Weise als Borteter. Die Lücke, die durch seinen Tod in unserer Gemeinde entstanden, ist schwer auszufüllen. Möge Gott Trost senden in tie Herzen derer, die durch den Verlust ieses Mannes in schwer liehe Trauer versetzt wurden. n"DJGn- Nördlirtgen, 3. März. Sein 25 jähriges Jubiläuni als erster Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat Herr H öchstätter begangen. Seitens der Gemeinde wurde ihm ein silberner Poka überreicht, auf welchem die Ostfront der Evnagoge z seliert angebracht ist. Prestburg, 3. März. D.n Gedenktag 40 jähriger Wirksamkeit im Dienste unserer orthodoxen israelitisch-n Kultusgemeinde beging dieser Tage der hier gebürtige, in weiten .«reisen hochgeachtete Konto und Schächter Herrr Michael Kunstadt. Unter dem Vt idid 3HD — der ihm besonders zugetan war — begann er hier feine Tätigkeit. Er hat es verstanden, sich durch rastlose Pflichtreue und hingebungsvollen Eifer das Vertrauen und die Zuneigung der Mitglieder der Gemeinde wie des Vorstandes in reichsten, Maße zu erwerben. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, auch im wohlverdienten Ruhestand noch recht lange bei bester Gesundheit m unserem Kreise zu wirken.

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