Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1907)
- Date
- 1907-03-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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»«;>£' - 5, kl K I: U. |tr AAEsth so überaus wirksamen Gefühlsinhalt verleiht. Wenn auch Laffalle das eherne Lohnqesetz ß. picht entdeckt, sondern nur zu einem populären Ägitationsmittel erhoben hat, so glaubte ich doch %■ yon einer Aufstellung dieses Gesetzes mit demselben Rechte reden zu dürfen, mit dem man auch sonst in der wissenschaftlichen Umgangs- K. spräche geschichtlichen Größen allerhand Leistungen > zuspricht, die ihnen nicht ihr Dasein, sondern ihre k" Neuverjünaung, ihre fruchtbare Verwertung, . ihre Auferstehung verdanken. In diesem Sinne ft; redete ich von einer Aufstellung des Lohnh f. gesetzes, das freilich lange vor Lastalle in den r volkswirtschaftlichen Schriften seiner Vorgänger f ein beschauliches Dasein führte. So hat Lastalle gi selbst bereits in der Bauernbewegung, einem Ereignis des sechzehnten Jahrhunderts, das erste % Auftvachen des deutschen Proletariats gefeiert und mit hellsehendem Auge in den damals aufge- .stellten bäuerlichen Grundrechten den ersten zaghaften Versuch der Formulierung eines sozialdemokratischen Programms erkannt. Trotzoem werde ich niemals Anstand nehmen, wie ich Lastalle den eigentlichen Aussteller des Lohnge- . setzes genannt habe, ihn als den Erwecker des deutschen Proletariats zu bezeichnen. „Eine völlige Verkennung der wirtschaftlichen Grundanschauungen Laffalles" konnte ferner Herr Loeb in dem Satze „Sein stürmisches Pathos im Kampfe gegen Lüge und Heuchelei «sw." nur deshalb konstatieren, weil er diesen Satz aus dem Zusammenhang mit den vorher- «henden Sätzen riß. Es heißt daselbst ausmKkkich, jede Agitation operiere mit ethischen Momenten, mit dem Aufruf zur und Anlehnung an die Moral, mit dem Gedanken -der Vollkommenheit der menschlichen Gesellschaft, die an sich arbeiten müsse, damit sie den Zweck ihres Seins in der Geschichte erreiche. Es liegt . doch in der Natur der Sache, daß ein Kamps gegen Lüge und Heuchelei vor allem moralische Mwresten im Auge hat. Das hat unmittelbar mit volkswirtschaftlichen Grundanschauungen nichts zu tun. Wenn Laffalle an den Willen der Gesellschaft appelliert, ihren Zustand zu verbessern und dabei von einer Fähigkeit dieser Gesellschaft ausgeht, ihre Lage zu verändern und mit stürmischem Pathos eine Aenderung dieser Lage fordert, weil eben ganze Klaffen von Menschen sich nicht anders ändern können, wenn /sich nicht vorher die Bedingungen ihrer Lage ändern, so ist dieses Anknüpfen an die den Menschen verliehene Freiheit und Möglichkeit der SelbMestimmung in tiefstem Gründe gleichbehWend mit einem Aufruf der Geselffchaft zur ÄrWbung einer sittlichen Tat. Die „moralischen Gebresten" hat Herr Loeb mit „unent- HHer, er aber weigerte sich und erkKrt-, er habe einen bösen Traum gehabt und müsse daher fasten. Da führte ihn der Wirt ln einen Saal, der voll war von Silverderfttot, dann in einen zweitm Saal, der voll war an Sold und Edelsteinen. . . . „Du willst bei uns weder .essen noch trinken," sprach der Wirt, „so nimm doch wenigst ns e ns von diesen kostbaren Gegenständen als Andenken mit." Aber unser Mann blieb st st und antwortete: „Ich nehme nichtsich habe zu Hause Gold Und Silber und Eoe steine genug." Hierauf führte ihn der Hausherr in einen Saal, dessen Wände von lauter Schlüsseln behängen waren, Als d.r Geizhabs die verschiebmen Schlüssel musterte, ward er sehr erstaunt, unter Mm einen Bund VM SchiLMn M gewahren, dir denen zu seinen Gelbschränken und Schatzkammern zum Verwechseln ähnlich warm. Da memte der Dausherr: „Siehe, ich zeigte dir.Gold mW Silber und Perlen und Edelsteine, und du wundertest dich nicht, und weshäW setzen dich denn diese Schlüssel so n Erstaunen?" — «Kh staune," erwiderte jener, „über diese Schlüssel hier, dir so ähnlich find dm Schlüsseln, die ich zu meinen GÄöschränken und Schatzkammern habe." — Da antwortete der Hausherr: „Wisse, ich bin das Oberhaupt der Schedtm, oie die Macht haben über die Reichtümer tmer Leute, die verurteilt find, baß von ihrem Bennöaen «eher fle noch andere irgend einen Nutzen haben. Da bu dich jeboch heute tapfer benommen hast, so fü-chte nichts und empfange deine Schlüssel aus meinm HÄwen!" — Als unser Mann na« Hause kam, ward « Hin ariderer Mensch, gewann die Macht über sein , nögm, unterstützte Arme, speiste Hungrige und starb Sewgt, als' «Mer Wohltäter beatmt im Kinzen id. . . DaS ist der Sinn des Ausspruchs unserer AAftn: Gott segne dich mit Reichtümern und schütze dich vor'bösen Geistern." s. - w & .i'k4 'k ' WÄWÄem. ZkrpttM iln Sinne dtzr Zuchthausvamgraphen Verstanden und deshalb auch in Diesem Punkte die Tendenz meines Artikels völlig verkannt. Zum Schluß noch ein kurzes Wort über die Liebesaffären und den Pistolenschuß. Herr Loeb bemüht sich an der Hand einer umständlichen Zitation an und für sich recht interessanter Dinge die Provokation dieses Zweikampfes aus Laffalles Gemütsverfaffung heraus psychologisch zu erklären. Zerrüttete Gesundheit, schlaflose Nächte, schlotternde Nerven, Ekel an der Politik und Gefängnisstrafen— das sind alles großartige Gründe, die den Entschluß eines assimilierten Juden, sich dem Pistolenschuß eines walachischen Gegners auszusetzen, ungemein erklärlich machen. Aber wohl- §emerkt — eines assimilierten Juden, in dessen eben „Liebesaffären nicht allzu selten" waren. Ich kann mir für einen assimilierten Juden keine charakteristischere Todesart denken, als diejenige, mit der Laffalle von der Erde schied. Physische und seelische Depressionen — wo wären wir heute, wenn sich unsere Alten durch leibliche Entkräftung und psychische Verstimmungen, die ihnen noch in einer ganz anderen Form beschieden waren, hätten bestimmen lassen, mit halber und deshalb so gut wie ganzer Freiwilligkeit, durch halben und deshalb so gut wie ganzen Selbstmord aus dem Leben zu scheiden, wenn nicht ihre gesunden jüdischen Instinkte Herr geblieben wären über alles, was ihnen das Leben zu verekeln strebte. Nicht seine zerrüttete Gesundheit — unsere Alten waren oft nicht viel gesünder — nicht schlaflose Nächte und Gefängnisstrafen — unsere Alten haben oft viel weniger geschlafen und in ganz anderen Gefängnissen geschmachtet als er — der Mangel eines gesunden jüdischen Instinkts ist die Ursache jener tragischen Kurzsichtigkeit, mit der Laffalle durch das Leben ging und mit der er schließlich aus dem Leben schied. Ausdrücklich heißt es am Schluffe meines Arttkels: „Effektvoller konnte Laffalle nicht dokumentieren, daß er als ein feiner jüdischen Wiege Entfremdeter durchs Leben ging und aus dem Leben schied, als indem er seine Brust der Kugel seines Gegners bot. Nicht nur in der Art des wissenschaftlichen Denkens zeigt sich so die Entfremdung des Assimilationsjuden. Nicht nur in der Gleichgiltigkeit und Feindseligkeit, die er seinem Stammhaus entgegenbringt, nicht nur in seinem gesellschaftlichen Verhalten im Gewoge des sozialen und geschäftlichen Verkehrs. Sonoern vor allem in den Instinkten seiner allgemein menschlichen Moralität." — Unentwegt hat mich so Herr Loeb bis zum Schluffe mißverstanden. Denn was er am Ende von dem Zusammenhang Laffalles mit der Ge-. (Gute «eMAEaäe gegen das jüdische St lert«m.> Das «Rote Kreuz" vom 3. März bringt unter der . Devise: „Uwer.Krtpsttlelknd Md Krüppelsürsorge" einen- Artikel aus der Feder üeS Herrn -Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Albert Hoffa in Berlin, in welchem folgende Behauptung vottommt: „Das Altertum und jdie Naturhölserj fanden sich mit den Zkrüppeln in e nfachster Weise ab, man stieß fie aus und vernichtete sie damit.-Bei den alten Juden waren die Krüppel aus der^Gemeinschast ausgestoßen und saßen als Bettler am Weg." —: . Warum hat Herr Professor Hoffa. nicht den Gewährsmann aNtzMbw,;von dem er dttft UMtz neue Botschaft hat. In der Bibel, die doch wohl als einzige maßgebende Quelle in. Judaicis gilt, steht das Gegenteil Da heißt es NI. B. M. 19, 14: Du sollst nicht den Tauben lästern und vor den Blinden nichts legest, worüber er straucheln önnte. Ebenso in V. 27,18: Verflucht sei, wer den Blinden irrelettet im Wege. Ferner emählt unS II. B. Samuel 4, 4 von dem lahmest Mephiboschet, Sohn des Jonatan, welcher zu den ständigen Taselgästen Davids gehörte, ebenda B, 7. Und als David vor dem Rebellen. Abfalom flüchten mußte und Mephiboschet als hilfloser Krüppel von seinem Diener Ziba zu Hause gelaffen wurde, konnte ihn dies« auf DcwtdS Frage, wo sein Herr geblieben sei, dahd» verleumden, daß er nicht kommen wollte, den König zu begleitm, da er die Hoffnung aussprach, wieder selbst zum KkMig gewäh t zu werdm. Ein ausgestoßenev Krüppel und doch König' Der Irrtum ist also so vollständig wie nur möglich - Wie man überhaupt der schon im A ltertum berühmten Humanität des Judentums eine derartige Grausamkeit zunntten kann, ist MbearrtfÜch. . Vielleicht gab die Verordnung dazu Anlaß,dcch Krtzppel nicht zmu Temp-el-, schichte der antisemitischen Bewegung erzählt/hat mit der Tendenz meines Arttkels nichts zu tun und kann deshalb unbesprochen bleiben. Ein Mißverständnis von der Art desjenigen, dem der Kerngedanke meines Artikels, vermutlich nicht nur bei Herrn Loeb, begegnet ist, wird auch in Zukunft nicht eher vermieden werden können, bis man sich nicht ernstlich daran gewöhnt hat, das Judentum als Gesetzesreligion nicht nur in Synagoge und Schule, sondern vor allem auf wiffenschaftlichem Gebiete, im Urteil über Menschen und Dinge, als absolut gültigen Maßstab zu verwenden. Die herkömmliche Art historischer Charakterzeichnung, wonach ein gründliches Befragen der sog. „Quellen" ausreicht, die Bedeutung und den Lebenszweck einer Persönlichkeit zu erschließen, darf nun einmal ffür die Würdigung jüdischer Typen in verallgemeinernder Uebertragung niemals herangezogen werdcn. NoMe88e oblige. An die heimatliche Scholle kettet der jüdische Geburtsadel seine. Angehörigen mit der Strenge eines Hausgesetzes, dessen Anforderungen auch Menschen von Laffalles Genialität sich nicht entziehen können. In diesem Sinne wird die Geschichte stets vmr einer j üdischen Mission Lassalles zu reden-haben. Lar Iuäenstage in Galizien und der Bukowina. (Schluß). Zur Rubrik: Kriminalität liefert die Stattstik folgende Daten: Auf 10000 Strafmündige entfielen im Durchschnitte der Jahre 1900 und 1901: Verurteilungen Westgalizien . . Ostgalizien . . . Bukowina . . . . Reichsdurchschnitt . Erwachsener. 23.52 18.— 25.60 19.89 Jugendl. v. 14—16 Jahren 10.8 6.3 10.0 10.6 16—20 Jahren 28.6 18.8 29.2 29.2 Der Prozentsatz aller Jugendlichen (11 bis 20 Jahre) unter den wegen Verbrechen und Vergehen verurteilten Personen betrug im Durchschnitt der Jahre 1901—1904 in Westgalizien 20,5 Prozent, in Ostgalizien 16,5, in der Bukowina 18,7, in dem ganzen Reichsgebiete 2 >,8 Prozent. Das charakteristische, bei weitem vorherrschende Verbrechen unter den Jugendlichen ist der Diebstahl, bei den Männern kommen in -er Altersstufe 16—20 Jahre noch Gewalttätigkeitsdelikte und -das Verbrechen der Unzucht häufiger vor. Hier fehlt leider sowohl die Differenzierung der einzelnen Kategorien der Verbrechen als auch bien ste zug.laffm werden sollen. Die wahrscheinlichen Beweggründe zu diesem Verbote find in HirfchS Pentateuch- KoMMeNtar ausführlich erörtert: (Juden und Türken.) Ueber den Roman in der Türkei plaudert im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel Ernst Schmersahl-Paris. Uns interesfiert in (einen Ausführungen das, was er über die BehandlMg Mt, die in den türkischen Romanen Juden und jüdisches Wesen erfahren: „Eine Üverttiebme Vorliebe für alleswas türkisch ober mindestens muselmanisch ist, und ein grotesker Widerwille gegen alles Europäische und Christ- Uchr — jedoch merkwürdigerweise nicht gegen Juden und Jüdisches — entstellen selbst die poettschsten und glänzendsten Zeugnisse der türkischen Profaöichtung." Vielleicht ist das Wohlwollen der türkischen Porste gegenüber dem Juden doch nicht so merkwürdig, wie der Verfasser meint. Das Verständnis für. jüdische Att ist eben bei dem ihrer Ursprungssptäre Eher stehenden Muselman M vielfacher Beziehung größer als bei dem Europäer. In derselben Weise findet natürlich umgekehrt auch die feindselige GestmmNg des Türken gegen die christliche Sitte ihre natürliche Erkläiamg. (S _ __ tie itt ArfiuoS) Eine interes sante Urkunde über die JudenkvloNie im ägyptischen Arstnoö hat Professor Dr. Wessely 4Mgst in den Akten deS 14. Zntervatstrnalen OrienwltfwnkongreffeS einer besonderen Untersuchung unterzogen. Es handelt sich um eine große Liste, die alle Gtärerpflichttgen der StMße „Latzer »es Apolkottios" Ser genannten griechisch-ltghptsschev Stadt ' mch' die -en WMrdm M