Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1907)
- Date
- 1907-02-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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28. FeVruar 1907 Der JSraeltt. Ro. v. Seite 18. Damm» rmd Phintias 1« der I«de«gassr. Bon Arthur Kahn. 56} Nachdruck verboten. Korn stöhnte laut auf. Emma fuhr ruhiger fort: „Das ist ja der allgemeine Fluch, der auf uns Mädchen lastet. Der Mann, der das Weib heiratet, erleidet nach der allgemeinen Auffassung eine schwere Schädigung, wofür ihm als Schmerzensgeld,' eine Mitgift bezahlt werden muß. Er erleidet einen Nachteil dadurch, daß er, der schon mancherlei sittliche Uebertretungen von ftühester Jugend an begangen hat, ein sittenreines, unberührtes Mädchen gnädigst in fein Haus nimmt, damit es ihm wohl und behaglich geht und er lange lebt auf Erden. Und für diesen wohlüberlegten naturgemäßen Schaden und das große Leid, das'die Ehe natürlich nur ihm allein zufügt, läßt er sich, bevor den er nur ihn allein bedrohendenden Schritt tut, zuvor entschädigen. Dann wird das alte Berschen von Liebe, Zuneigung und Treue als Gewürz in den Teig mit hineingerührt, aber ohne Geld keine eeirat — das bleibt doch der Kardinalgrundsatz, ch wollte einmal sehen, wenn an der den terren Söhnen zugesagten Mitgift nur die älfte, nur ein Drittel, nur ein Achtel fehlte, wie schnell der Ring abgestreift und kühl zurückgegeben würde, trotz der solennen Verlobung und monatelang ausgetauschten schriftlichen und mündlichen Liebesversicherungen." Eine minutenlange, peinliche Stille folgte diesen überstürzt hervorgestoßenen Worten. Man hatte dasGefühl, daß ein tief unglückliches Wesen hier sich Luft machen wollte und nun die ganze Schuld auf einen Mitschuldigen wälzte. Die Brüder lernten plötzlich die Schwester von einer neuen, ihnen völlig bisher verschlossen gebliebenen Seite kennen, die sie in dieser harten Natur nicht geahnt hatten. Die Schwägerin war unruhig hin- und hergerückt und bewegte nervös ihr Lorgnon. „Und du hättest trotz der mißlichen Verhältnisse, den jungen Limbacher geheiratet?" frug sie mit. starkem Zweifel in der Stimme. „Ja," kam es bestimmt, laut, fast feierlich von Emmas zuckenden Lippen. „Und trotzdem sein Herz offenbar der Schneiderstochter zugewandt war?" frug wiederum eindringlich die Schwägerin. „Trotzdem!" beteuerte Emma in gleicher Weise. Verächtlich mit den Schultern zuckend fuhr sie fort: „Ich möchte denn doch bittenwerden denn die meisten Herren nicht von ihren Liaisons hinweg zur Verlobung geführt? Und Gustavs Liebelei war gewiß tausendmal unschuldiger geblieben in den verschiedenen Jahren, als die galanten Abenteuer der zukünftig erst sittenstrengen Eheherrn, die bis zur Hochzeit tausendmal gegen Treu und Liebe sündigen können. Wenn man ihnen dafür jedesmal etwas an der Mitgift abziehen wollte, bliebe für die Ehe denn doch sehr wenig übrig. Doch, was kann mir daran liegen? Für mich hat mein fürsorglicher Papa ja gut ausgesorgter kann sein Geld schön ausbewahren." Sie schöpfte tief Atem, wandte das Gesicht S den Vater und fuhr langsam, mit schneir Stimme fort: „Einen kleinen, aber recht wichtigen Punkt hatte mein Vater nicht in Betracht gezogen und das will ich hier auch noch erwähnen und dann soll der Tote endlich ruhen, ruhen wenigstens hier in diesen Räumen. Meine sogenannte Mitgift, die die Firma Nathaniel Korn meinetwegen verwenden mag wie sie will, hatte mein Papa vorher bei Limbacher reichlich verdient, sie hätte daher an ihn zurückfließen können." Erschrocken blickten die Anwesenden hinter den Ofenschirm. Korn schrie laut auf, schlug schallend die Hände vors Gesicht. „Schweig endlich," herrschte Simon, der erzürnt aufgesprungen war, die Schwester an. „Ich schweige schon," antwortete sie totenbleim, mit resigniertem Blick die Hände in den Schoß legend. Plötzlich stand Emil, der bisher in seiner stillen, nachdenklichen Art in einer fernen Ecke unbeachtet gesessen hatte, vor den betroffen den Vater anblickenden Geschwistern. Die dunklen Brauen hoch hinaufziehend, sodaß sie mit der kleinen Haarbrücke über der Nasenwurzel eine Linie bildeten, wandte er sich an die Schwester: „Du willst hier den Vater anklagen und doch bist Du die Schuldige, wenn es solche hier gibt. Was hatte der Vater getan? Gustav, der wirklich nun in Frieden ruhen sollte, war in die bekannte Kalamität geraten und kam erst so zur Besinnung über sein bis dahin nicht tadelloses Handeln. Nehmen wir an, die tragischen Umstände seiner letzten Lebensjahre, die ihn Dir vielleicht jetzt, wo er tot ist, liebenswerter erscheinen lassen, als wenn er noch heute unter den Lebenden wandeln würde, wären nicht eingetreten. Warum hast Du, als der Sinkende hierher kam, um durch eine Heirat mit Dir wied.r in geordnete Verhältnisse zu gelangen, nicht selber für Dich gesprochen? Waruck tratest Du nicht vor den Vater hin und erklärtest, ich heirate Gustav, trotz seiner abgetanen Liebelei, trotzdem er heute arm, noch mehr als das ist? Du hast doch sonst zu viel größeren Widersprüchen gegen den Vater Mut genug gehabt! Hast sonst vieles getan, was ihm mißfiel und gerade, wo es Dein eigenes Ich für immer galt, bliebst Du ruhig hier nebenan und blicktest ruhig vom Fenster aus dem Davongehenden, den Du doch zu lieben glaubtest, nach, ohne ihn zurückzurufen. Wo sehen wir da die große, allen Hindernissen in den Weg tretende Liebe, die mittragen, mitdulden, mitentbehren will, ohne den Stachel dieser Opfer zu empfinden? Du hast die Liebe der Männer soeben gegeißelt und vieles davon mag wahr sein und ist wahr. Aber was hast Du als Weib dagegen bewiesen? Wenn rs bei den Mädchen heißt, dieser oder jener Mann kann sich nur kümmerlich ernähren, er kämpft stets gegen Not, wo sind dann die Damen die ihn mögen? und wäre er der edelste und beste! Ich warte bis heute veraeblich auf einen Fall, wo die reichen Mädchen oen armen Mann suchen. Und Du, Du machst heue den Vater als Vater verantwortlich, wo er, wahrscheinlich ohne Ahnung Deiner Neigung als fürsorglicher Vormund für Dich entschied. O, welche kleine, ärurliche, kalte Liebe, die in der Stunde der Entscheidung keinen Entschluß, keinen Impuls findet! Nein, Emma, und tausendmal nein! Du irrst Dich über Deine eignen Gefühle, die erst klar-wurden als es zu spät war. Ich sage Dir, Du verleumdest unfern Vater, indem Du ihn für Deine Schuld verantwortlich machen willst, vielleicht vor Deinem Gewissen. Wie jämmerlich klein war Deine Liebe für den Lebenden, sonst konntest Du noch an den in Verbannung gezogenen gutmachen, was Du in jener unseligen Stunde unterlaffen hattest. Was durfte Dich abhalten, ihn zurückzurufen? Eine Liebe, die für sich egoistisch einen Unterschlupf sucht,, dieweil der Geliebte vom Orkan umbraust wird, die jahrelang tatlos abwartet und erst erwacht, wenn der Tod die Szenen ändert, ist nicht ächt und beruht auf Selbsttäuschung. Drum versage ich Dir, den Vater 311 schmähen und zu kränkener war tausendmal besser als Vater, als Du je als Tochter!" Emil war dicht vor die Schwester, die wie vernichtet dasaß, hingetreten und hielt drohend die Hand ausgestreckt. Siegfried und Simon schienen so verblüfft, daß sie kein Wort hervorbrachten. Dieser klar denkende, scharf urteilende und so energisch auftretende Mensch, jeder Zoll ein fester Mann, war ihr Bruder, den sie bis-» her für einen halbwegs Schwachsinnigen gehallten hatten. Was stürmte heute Abend nicht alles auf sie em! Nie zuvor waren sich diese vier Geschwister fremder und rätselhafter vorgekommen. Und ein halbes Leben lang hatten sie am selben Tisch gegessen, im selben Raum geatmet und eines kannte das andern nicht. Waren sie denn wirklich Geschwister? Am meisten war die Schwägerin von den erlebten Eindrücken berührt worden. Der fast dramatische Abschluß dieses Abends, an dem sie Emil zum erstenmale aufmerksam prüfend beobachtet hatte, seine edle Denkart, machten einen tiefen Eindruck auf sie. Als gebildete Frankfurter Patrizierin konnte sie nicht ohne innere Anteilnahme an das Erlebte bleiben und es tat ihrem für das Außergewöhnliche empfänglichen Gemüt so wohl, daß sie in dieser Familie von Larven Emils fühlende Brust entdeckt hatte. Sie vergaß seine plebejische, den Frankfurter aristokratischen Anschauungen zuwiderlaufenden Gepflogenheiten sich bei Schuster und Schneider wohlzusühlen und reichte chm beim Abschiednehmen sogar ihre ganze Hand, was ein Zeichen besonderen Wohlwollens ausdrückte. Der Anschluß zwischen Korn und Emil wurde immer inniger und fast immer gleichzeitig fanden sie sich am Bett der Mutter ein. Gemeinsam und zuletzt verließen sie nachts deren Stube und dann wandte sich Korn nochmals in der Türe um und sah mit einem herzlichen Gutenacht mit einem innigen Blick auf den Sohn. Der Wandel, der sich mit Korn vollzog, erfiillte die Leute mit immer größerer Verwunderung. Er gab reichliche Spenden in die Sammelbüchse, die täglich während des Nachmittaggebets umhergereicht wurde, er besuchte Kranke, lud Arme zu Tisch, ging pünktlich am Sabbat zum „Lernen", disputierte mit Niemanden herum und ließ sogar manche boshafte Bemerkung, auf die er sonst heftig reagiert hatte, stillschweigend über sich ergehen. Im Hause war es seit jenem merkwürdigen Abend Niedlicher geworden - eines wurde rücksichtsvoller gegen den andern wie früher. Es begann ein gegenseitiges heimliches Einanderbeobachten und ein wärmeres Jnteressenehmen für die kleinen Vorkommnisse und Wünsche. Bon Limbachers wurde nur noch selten gesprochen. lFortsetzung folgt.) Für des Inseratenteil ist die Redaktion sieht verantwortlich; Insbesondere Ist es ansschUessIleh Sache der Leser, die ha Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller waren oder sonstige Angaben rellglossgesetzllehen Charakters atf ihre Zuverlässigkeit znprlfes. Hotel Victoria, Karlsruhe L B. r gegenüber denn Hauptbahnhof Zur Abhaltung von,Hochzeiten* äufierst beliebt. Schöne hohe Slkle. Feinste Referenzen. , 6958 Besitzer: Lwll BAUSef. ' no£ by Planta nos 1N2 Bestes, gelbes, geschmeidiges Pflanzenfett, zu Milchu. Fleischspeisen verwendbar, übertrifft au Fettgehalt u. Haltbarkeit Butter und Gänseschmalz. Versandt in Eimern von 10, 30 u. 40 Pfd. k Pfund 65 Pf. franko gegen Nachnahme. Jeder Eimer ist mit 1V2- Plombe versehen. (6733) Arthur Beyer * Cie., Gelnhausen. Ref.: Sr. Ehrw, Herr Provinzialrabb. Dr» Barnberger in Hanau. Kapellenstrafie - 81 - KapefleostraSe - 81 — WIESBADEN Pensionat and Mbere TötMemMe von Hermlne Wollt. «nfnahsnr von s-glizge* rz jeder Jett. Prafpekte msd «eferenze» dnrch die «»rfleherin. (4540