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Der Israelit · 1907-02-28 · Heft 9 (28.2.1907) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 9 (28.2.1907)
Date
1907-02-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Bisher ftrib drei Juden gewählt worden und zwar Abramsohn in Kowno, Rabbinowitz in Jekaterinoslaw und der Zionist Schapiro in Mitau. Odessa, 22. Febr. Während der hieranläßlich des viertägigen Festes der Fahnenweihe der „Echt-Ruffen" gegen die Juden verübten Progrome wurden 250 Personen verwundet. Der jüdische Selbstschutz wurde von der Polizei verhaftet. Odessa, 20. Febr. Zum Abgeordneten für die Reichsduma wurde der Kandidat der Kadetenpartei Pergameent ein Israelit, mit 44 Stimmen gegen den Sozialisten Miliatowitsch gewählt, der 33 Stimmen erhielt. Frankreich. Paris, 22. Febr. Das Journal officiel veröffentlicht Auszüge aus den Akten betr. die Uebertragung von Kirchengütern an die Kultusvereine auf Grund des Artikel 4 des Gesetzes vom 9. Dezember 1905. Danach kommen 62 jüdische Kultusvereine, auf die Nebertragungen stattgefunden haben, in Betracht. Die meisten früheren Gemeinden haben sich darauf beschränkt, lokale Vereinigungen zu bilden. Nur wenige haben sich mit anderen Gemeinden zu Verbänden zusammengeschloffen. itumättten. Bukarest, 24. Februar. Die Lorbeeren * ihrer Kollegen in Craiova und Verlad haben die Schüler des Lyceums in Bacau nicht schlafen lassen, und sie haben es, wenn auch in verwäfferter und abgeschwächter Ausgabe, gleichfalls zu antisemitischen Straßenkundgebungen gebracht. Den Anlaß dazu bildete die Tatsache, daß das Lokal des „Athenäums" in Bacau an eine israelitische Theatertruppe vermietet worden war, die daselbst Vorstellungen veranstaltete. Die Schülezfanden sich dadurch in ihrem Nationalgefühle gekränkt, durchzogen randalierend und unter den Rufen „Hoch Jorga", „Nieder mit den Juden!" die. Stadt und veranstalteten vor dem Theatersaale eine feindliche Kundgebung. Das Publikum verließ gus Furcht den Theatersaal und die Kaufleute sperrten ihre Läden. Die Behörden trafen die umfassendsten Vorkehrungen, um die Ruhe wieder herzustellen, und auf diese Weise gelang es, ernste Ausschreitungen zu verhindern. Es wurden einige Verhaftungen vorgenommen. Bukarest, 24. Februar. Zahlreiche russische Judenfamilien flüchten aus Kischine ff an die rumänische Grenze, weil Wiederholungen der grausamen Metzeleien befürchtet werden. Viele Juden wollen sich in Jassy oder Galatz ansiedeln. Palästina. Jerusalem, 14. Febr. Eine aus Rußland eingewanderte reiche jüdische Familie, die aus zwei Brüdern, deren Schwager und ihren Hausgenossen besteht, hat von einem türkischen Essendi das 2V» Stunden von Jerusalem entfernte Gut Lin 8ivjb (in hebr. Sprache nitr')*) auf. zehn Jahre gepachtet. Eni Sinje liegt an der nach Naplus (prs?) führenden Straße, umfaßt eine Dampfmühle, 600 Fruchtbäume, 6 Wasserquellen und ein großes Terrain, das sowohl für den Ackerbau wie auch für die Baumzucht geeignet ist. — Der Schritt dieser Familie ist um so bemerkenswerter, als dieselbe sich früher niemals mit Ackerbau beschäftigt hat. Sie gehörte vielmehr zur Intelligenz einer großen Stadt in Südrußland und der eine der beiden Brüder war Redakteur der bekannten Tageszeitung „Odeski Listok" in Odessa. Dennoch haben sich die Pächter rasch in ihre neuen Verhältnisse eingelebt. *) nai rpn na nny *i:dd rraa nmi» nju n:ts” nai Chron. ii, Kap. ia, 19. Tunis. Tunis, 25. Januar. Anläßlich des Bairamfeftes haben die wegen ihrer Angriffe auf die Juden bekannten Tirailleurs wiederum Sara,das jüdische Viertel, inAufregrkng versetzt. ine Bande dieser arabischen Soldaten zogen nach der Hara und nähmen eine drohende Haltung an. Nur dadurch, daß die jüdischen Kaufleute alle Wünsche der Araber ohne Zögern befriedigten, gelang es Schlimnieres abzuwenden. Amerika Philadelphia, 25. Febr. Das Einwanderungsgesetz, das in der kommenden Session des Kongresses zur Beratung gelangen wird, beginnt jetzt die Gemüter lebhaft zu beschäftigen. Der Senat hatte bekanntlich die von den Einwanderungsfeinden gewünschten weiteren Beschränkungen ohne weiteres angenommen, das Repräsentantenhaus versagte jedoch den beiden einschneidendsten Bestimmungen der Vorlage, wonach jeder Einwanderer ein Bildungszeuqnis beibringen sollte und die Einwanderungstaxe bedeutend erhöht wurde, seine Zustimmung. Das so abgeänderte Gesetz beschäftigte nun inzwischen das Konferenzkomitee aus beiden Häusern und wird erst in der kommenden Sitzungsperiode zur Erledigung durch den Kongreß gelangen. Infolge der mißlichen Geschäftslage des Repräsentantenhauses gegen Ende der vorigen Session ist eine weitere einschränkende Bestimmung nicht zur Diskussion gekommen und infolgedessen noch im Gesetzentwurf stehen geblieben. Dieselbe verlangt, daß jeder Immigrant, der von schwacher physischer Konstitution zu sein scheint, zurückgewiesen wirdder mit der Untersuchung beauftragte Arzt hat allein zu beurteilen, ob dies der Fall ist oder nicht, und gegen die Entscheidung des Arztes gibt es keinerlei Berufung. Wenn man bedenkt, welche Strapazen und Entbehrungen der größte Teil der Auswanderer während der Reise auf dem europäischen Kontinent und auf dem Meer durchzumachen hat, so ist -es klar, daß von dieser Bestimmung sehr viele Auswanderer betroffen werden würden, die nur vorübergehend ein schlechtes Aussehen zeigen, deren Gesundheit aber nichts zu wünschen übrig läßt. Dem vorigen Kongreß waren von etwa 70 der Einwanderung feindlich gesinnten Vereinigungen Petitionen zugegangen, die die Annahme des Gesetzes wünschen. Demgegenüber entfaltet jedoch jetzt die Jmmigrationsliga eine eifrige Agitationgegen jegliche weitere Erschwerung der Einwanderung. In Philadelphia hat sich eine jüdische Abteilung dieser Liga gebildet, die die Organisationen unserer Glaubensgenossen itt den Vereinigten Staaten zur Arbeit gegen das Gesetz vereinigen will. Da die Mehrheit der Kongreßmitgliederdemselben nicht günstig gesinnt sind, so.ist zu hoffen, daß es abgelehnt werden wird. llermiscdles. Berlin, 20. Febr. Als der jüdische Kaufmann M. vor einiger Zeit starb, hinterließ er eine evangelische Frau und zwei Kinder, welche mit dem Einverständnisdes Ehemannes M. evangelisch getauft waren. Als die älteste Tochter das schulpflichtige Alter erreicht hatte, bat die Mutter das Vormundschaftsgericht um die Erlaubnis, ihre Tochter in der christlichen Religion erziehen zu dürfen. Die Mutter betonte, daß ihr Ehemann gewünscht habe, die Kinder sollten in der christlichen Religion erzogen werden. Das Amtsgericht und Landgericht waren aber der Ansicht, daß die Kinder in der jüdischen Religion zu erziehen seien, welcher der Vater angehört hatte. Auf die Beschwerde des evangelischen Geistlichen entschied aber b.is Kammergericht, daß die beiden Kinder, welche mit Zustimmung beider Eltern getauft waren, bis zum 14. Lebensjahre in der christlichen Religion zu erziehen seien. In der Begründung wurde u. a. ausgeführt, noch im Jahre 1854 habe das Obertribunal angenommen, daß eine Ehe zwischen Christen und Juden gesetzlich nicht gestaltet sei, wie aus § 36, IL, I. des Allgemeinen Landrechts gefolgert werden müsse. Die Vorschriften der Deklaration, betreffend dm den Kinder aus Ehen zwischen Personen verschiedener Glaubensbekenntniffe zu erteilenden Religionsunterricht können daher nicht schlechthin auf Kinder aus Ehen zwischen Christen und Juden anaewenvet werden. Di ithin müsse angenommen werden, daß Kinder einer Christin und eines Juden, welche mit Zustimmung des jüdischen Vaters die christliche Taufe erhalten haben, nach Ableben ihres jüdischen Vaters während der Zeit, wo ste religionsunmündig setm, in der christlichen Religion erzogen werden müffm. Die Erziehung der Sinder im jüdischen Glauben entspreche auch nicht dm allgemeinen Rechtsanschauungen und dem Rechtsgefühl des Volkes. Dresden, 17. Febr. Am 15. Februar.starb hier Herr Albert Wolf, der die schönste und reichhaltigste Sammlung von Kunst- und historischen DenkmÄern des Judentums besaß. Ueber 50 Jahre sammelte der Verstorbene mit g ößtem Fleiß und tiefem Verständnis, sodaß seine Zusammenstellung jüdischer Münzen. Urkunden, Kultusgegenstände, Bilder etc. einen sehr hohen Wert besitzt. Die ganze Sammlung schenkte der Verstorbene auf Veranlassung des Buchhändlers Louis Lamm, B rlin, der Berliner jüdischen Gemeinde, die nunmehr das reiche Erbe antritt. Auch schriftstellerisch ist Albert Wolf mit großem Erfolg hervorgetreten. Seine Abhandlungen über jüdische Künstler, jüdische Münzen etc., die in angesehenen Zeitschriften erschienen, find in jeder Beziehung mustergiltig. Eine Reihe von Arbeiten blieben unvollendet. . Hohensalza, 18. Februar. In der jüngst abgehaltenen gemeinschaftlichen Sitzung der vereinigten Gemeindekörperschaften der hiesigen Synagogengemeinde wurde beschlossen, zum Neubau derhiefigen Synagoge ein Baudarlehn im Betrage von 170,000 Mark aufzunehmen. Hattstadt, 20. Febr. Trübe Zustände herrschen in der jüdischen Gemeinde Hattstadt. Weder Vorstand noch Synagogendiener ist vorhanden. Das Schlimmste aber ist, daß seit Aufhebung der israelitischen Schule die Kinder jeglichen Religionsunterrichtes entbehren. Das Konsistorium, an das man sich gewandt hat, tut keMen Schritt in der Sache, ebensowenig der zuständige Rabbiner. Buttenwieseu, 20. Febr. Am Freitag den 8. Febr., beging die hiesige jüdische Gemeinde die Feier des 50jährjgen Bestehens ihrer Synagoge. Bor 50 Jahren war die alte Synagoge nach 200-jährigem Bestand einem Brand zum Opfer gefallen und die gegenwärtige an ihrer stelle errichtet worden. Anläßlich der Feier war die Synagoge durch Herrn Lammfromm in finniger Weise geschmückt worden. Die gesamte jüdische Gemeinde sowie ein großer Teil der katholischen Mitbürger versammelten sich in dem Gotteshaus, wo nach einem Einleitungsgescma und dem Minchagebet Herr Rabiner Dr. Cohn- Jchenhausen die Festpredigt hielt, in der er die Bedeutung des Tages würdigte. Am p"wo vereinigte sich - die Gemeinde zu einem Bankett, auf welchem Herr Lammfromm in einer Ansprache einen Rückblick auf die Vergangenheit warf und Herrn Dr. Cohn und dem bereits 30 Jahre amtierenden Herrn Vorsteher Sal. Ullmann für ihr segensreiches Wirken dankte. Ein Telegramm, das man an den Prinzregenten absandte, wurde in wohlwollender Weise erwidert. Herr Pfarrer H elmstäd t, der außer einigen anderen Herren noch das Wort ergriff, drückte den Wunsch aus, daß die Eintracht zwischen den Konfessionen wie bisher weiter erhalten bleiben möge, er werdet hierzu stets das Seinige beitragen. Der unterhaltende Teil der Veranstaltung, der dann folgte, hielt die Anwesenden bis in die frühen Morgenstunden zusammen. Ittma, 22. Februar. Die israelitische Volksschule wurde im Jahre 1906 von 13 Schülern besucht. Der Zuschuß aus der Stadtkasie für die israelitische Volksschule betrug im Rechnungsjahre 1904 1955 Mk. und stellt fich für das Jahr 1907 auf 2344 Mk. Das einzelne Schulkind erforderte als Zuschuß aus der Stadtkasse im Jahre 1904 1-22 Mk. 22 Pfg., welcher Betrag fich für das nächste Rechnungsjahr aus 180 Mk. 31 Pfg. erhöht. W en, 20. Febr. Der Minister für Kultus und Unterricht empfing am 18. ds. Mts. eine Abordnung des böhmischen Rabbinerverbandes, die in einer dem Minister überreichten Petition um Regelung der Verhältniffe der Rabbiner Böhmens bat. Die Besoldung der Rabbiner ist in den Gemeinden außerhalb Prags eine außerordentlich niedrige, was denn auch zur Folge hat, daß vielfach gänzlich ungenügend vorgebildete Personen für dieses Amt erwählt werden. Auch die Anstellungs- und Kündigungs-Berhältniffe liegen sehr im Argen. Der Minister nahm die Beschwerden der Deputation auf das Wohlwollendste entgegen und versicherte, daß das Mögliche zu ihrer Beseitigung geschehen werde. Am gleichen Tag erschien in Audienz beim Minister eine Deputation jüdischer und protestantischer Religionslehrer an Gymnasien und Realschulen, die um Gleichstellung mit den katholischen Kollegen in Ansehung der, Gehaltsverhältnisse bat. Auch hier stellte der Minister Berücksichtigung des Verlangens in Ausficht. Krakau, 20.Febr. Der verstorbene ehemalige ReichsratSabgeordnete Dr. Edler von Rapof>ort hat letztwillig 400,000 Kronen für humanitäre Zwecke der Juden in Galizien testiert. Jerusalem, 17. Febr. Am Dienstag, 12. Adar Indet die Grundsteinlegung zu dem Neubau des großen Diskin-Auerbach'schen Waisenhauses statt. Jraukfurt a. M., W. Febr. Die Verwaltung des Gumpertzschen Siechenhauses versendet den Geschäftsbericht für das Jahr 1906. Die Frequenz der Anstalt hat sich im letzten Jahre auf der gleichen Höhe gehalten wie im vorigen Jahre. Die Betten waren stets belegt, und vielen Gesuchen konnte aus Mangel an Raum nicht entsprochen werden. Im abgelausenen Jahr wurden verpflegt 12 männliche und. 30 weibliche Personen.' Die Gesamtzahl der Pflegetage betrug 11,828 gegen 11/499 im Borjahre. Außerdem wurden noch drei Personen mit 1045

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