Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1907)
- Date
- 1907-02-21
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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34 m. 8. W die Lehre fest und sicher gleich einem stehen, der von den Wogen des Meeres und umbrandet wird: Die Entwickelung ligen Lehre^ibrer Gesetze und Ueberliefernahm ihrenFortgang, nur wenig beeinvon den politischen Ereignissen, en Sitz dieser Entwickelüug bildete der in salem bestehende oberste Gerichtshof, Syn- »rium genannt. In ihm saßen die Weisen -Schriftgelehrten. Deren Aufgabe bestand Ji, Streitigkeiten zu schlichten, die Auslegung Gesetzes in einer für die Prvxis gültigen festzustellen, Urteile zu fällen, kurz, des s, wie es im Gesetze Mosis niedergelegt ie mit Treue zu pstegen. Dieses Synhedrium, Evessen Spitze nach altem Brauche zw ei Oberster standen, enthielt im Zeitalter des Herodes weitaus überwiegenden Teile Angehörige der rannten pharisäischen Richtung, das heißt Richtung, die auf eine sorgfältige Beobmg der mannigfachen Vorschriften und Ueberrgen bedacht war, indes den Sadduzäern, -stets „wie die Völker rings um sie her sein “ten" und in Lehre und Leven das überlieferte etz leugneten, damals jeglicher Einfluß auf 'Beschlüsse des Synhedriums versagt war. De bereits erwähnt, war die Pflege des Gesetzes fläj die verwirrten politischen Zustände nur Ng beeinflußt worden: und so blieb auch mitten bre Zerstörung, die sich gegen Personen, wie Einrichtungen wendete, der Sitz des Ge- Zstttdiums in seiner altererbten Würde be- Diese Tatsache berührt uns um so rrbarer, als Herodes dem Synhedrium Zwegs freundlich gesinnt war. Ein Ereignis, es noch vor seinen Regierungsantritt fällt, lg diese Gesinnung beleuchten. Herodes war von Antipater zum Statthalter Galliläa eingesetzt worden. Als solcher rahm er, lim sich bei den römischen Felderren in Gunst zu setzen, einen Kriegszug gegen ' Freischar des Ezekia; er machte den Häuptling Gefangenen und ließ ihn nebst seinen Gezffen hinrichten. Dies war ein Eingriff in die echte des Synhedriums, welches allein Todesteile zu fällen und zu vollstrecken befugt war, Eingriff, der um so peinlicher gefühlt wurde, Herodes bei seiner Tat völlig nach eigenem ltdünken, ohne jede königliche Vollmacht ge- >elt hatte. Er wurde vor den Richterstuhl 'Synhedriums geladen, um sich wegen der mmächtigen Hinrichtung des Ezekia und seiner chssen zu verantworten. Herodes folgte der forderurig) allein durch die Art, wie er dies verstieß er nicht nur gegen die jüdischen Geworschriften, verletzte ernicht nur die Würde des ichtshofes aufs Tieffte, sondern versetzte auch re Mitglieder in Angst und Schrecken. Er erschien ,in großer Uniform", mit einem Purpurmantel Jetan, selbst bewaffnet und von bewaffneten Trabanten umgeben, nicht wie ein Angeklagter, mdern herausfordernd wie ein Räuber. Da sank den Richtern der Mut, sie fürchteten für Leben, und keiner wagte es, den Mund zu ren. Endlich faßte sich ein Einziger, namens lameas'), den Mut, die verletzte Würde des ~ nchtshofes wieder herzustellen. Er erhob sich sprach: „Steht der auf den Tod Angeklagte nicht da, Mch uns selbst dem Tode zu weihen, sobald wir Schuldig über ihn aussprechen? Und denkann ich ihn weniger tadeln, als Euch, daß?r eine solche Schmähung der Gerechtigkeit ldet. So wisset denn, daß derselbe, vor dem ISP jetzt zittert, Euch alle einst dem Henkerbeil Überliefern wird." Der Mut aber, der auf diese Worte hin die 'Meisten wieder erflrllte, kam zu spät, die Sitzung Murde vertagt, und Herodes entzog sich den wei- Maßnahmen. Kennzeichnet dieses Vorkommnis zur . Genüge Geist, von welchem Herodes gegen das chedrium erfüllt war, so läßt es uns auch in . *) Einzelne wollen in diesem Sameas keinen anderen wen, als den Schemaja, den Genesen AbtaljonS, re Meder denken an Schammai. Der Israelit. dem mannhaften Auftreten des Sameas einen Einblick tun in den unerschütterlichen Gottesmut und die furchtlose Vertretung des Rechts und der Gerechtigkeit, davon manche Gesetzeslehrer beseelt waren. In Einem aber offenbarte er sich mit ganz besonderer Gewalt. Als sollte nämlich durch die Vorsehung den politischen Zuständen und Wirrnissen ein religiöses Gegenbild geschaffen werden, so hat das Zeitalter des Herodes einen Mann hervorgebracht, der für den festen und unerschütterlichen Bestand des Judentums die Grundlagen sicher stellte, für jenen Bestand, welcher durch die Ränke wie durch die Gewaltherrschaft des Herodes in Frage gestellt zu werden drohte. Dieser Mann war Hillel. (Fortsetzung folgt.) Die praktische €thik des Judentums und ihre Zukunft. (Fragmente aus den Sprüchen Salomos). (Fortsetzung.) Er entschuldigt es rrur durch das „weibliche Gefühl^. Er schätzt die Mutter nicht gering, aber er segnet sie auch nicht, er strebt nicht in ihrem Sinne weiter, sondern bringt ihr nur die Dankbarkeit für die körperliche Pflege und für eine allgemein menschliche eite der Erziehung des Wohlanstanbes und sdiner allgemeinen Brauchbarkeit als nützliches Mitglied der Gesellschaft entgegen. Aber die sittliche RichMng seines Denkens glaubt er anderen „danken" zu müsien. Seine natürliche Ethik und seine Bolksmoral, seine für das willenlose Tier mehr als für den freien Menschen sich eignende Sittengesetzgebung macht ihn zu einem gläubigen Mitglied der Gemeinde der planlosen Entwickelung, deren oberstes Dogma die Unfteiheit des Menschen ist. Der „Reinheits"-Begriff der Thora die eigentliche Uebersetzung für den freien Willen als Ursache der sittlichen Reinheit, ist ihnen fremd. Der Instinkt, das Produkt der (ärnergie des vom Staub genommenen und zum Staub zurückkehrenden Stoffes, ist ihnen SittliAeit, und dieses Sklaventum des Leibes dünkt ihnen Freiheit des Geistes. Sie find wie ein neugeborenes Kind, das mit Blut und Schmutz bedeckt ist, und das noch so lange die Empfindung hat in seiner bisherigen Umgebung zu leben, bis das Wasser, das Bild der ewigen Lebenskraft, es von dem Unrat befreit So hofften jene im Boden, aus der ihre Hülle gebildet ist, bis sie von der Unsterblichkeit des wahren menschlichen Seins überzeugt sind. Die Unsterblichkeitslehre bringt die Lehre vom freien Willen. Und ob dieser gar nicht würdigen Anschauung, würdig eines denkenden, fühlenden, sprechenden, erfindenden und entdeckenden, wiffenden und gestaltenden Wesens tragen sie noch stolz ihr Haupt, blicken verächtlich ihre Augen hernieder auf die „Zurückgebliebenen", „Rückständigen" und ihre Wimpern, die in fortwährender Bewegung rad. rpy ihren Gesichtsblick und Gesichtswinkel vergrößern und verkleinern, in fortwährendem Wechsel verändern, werden hoch getragen. Nun denn, an den Taten wollen wir sie erkennen. Welches Glück hat das praktische Resultat ihres Denkens in der Welt gestiftet? Schwerter find ihre Zähne geworden. Den Egoismus des leiblichen Selbsterhaltungstriebes haben sie mit solcher tragischen Nacktheit in die Welt gesetzt, baß der Menschen Zähne Schwerter geworden find, mit denen sie einander zerfleischen, wenn sie fürchten zu müsien wähnen, daß der eine oder andere zu viel weggenommen hat. Bis zur Unersättlichkeit ist die Habgier gesteigert. War man mit allmähligem „nagendem", bohrendem" Erfolg ()>pbr\D verwandt mit njbm) wie ein Wurm zuftieden, unter oer Herrschaft der Naturwetsen, nimmt man das Mesier und scheidet große und ganze Stücke in einem Male. Das eigentliche Kriterium aber bildet das Objekt das in dieser „sozialen" Welt am meisten „geschnitten" wird. Wäre wirklich die Sittlichkeit der Naturforschung ebenso sehr ein Nährboden für die soziale Entwickelung wie es das Gottesbewußtsein ist, woher denn stammte der soziale Kampf, wober denn verzehren die Großen »Die Gedrückten von der Erde weg," wird - in jeder Ehrenvertetlung der Arme ausgeschlossen aus der Mitarbeit an der „Entwickelung", in jedem Steuerprinzip gerade er am meisten belastet, schreckt alle Staatenleiter und alle Führer die Angst vor der eingebildeten Macht des Reichen, die er hat, weil man fle ihm andichtet. Die Krone aber dieses sozialen Elends ist die Ertötung seiner Menschenwürde. In seinem Willen und seiner Gewtffensäußerung wird er abhängig erhalten von dem Willen und dem Wunsch des Protzen, der durch Gewalt und List die Armen in seine Krallen zwingt, DIND DVYON) und so mit dem äußeren den tnnern Menschen sich zum Sklaven macht. Wir sehen: soziale Gewalt ist die Frucht der Gottesleugnung. Beides aber sind Ausgeburten irdischer Berfinnlichung. «Die Aluka hat zwei Töchter: gib, gib! Diese drei werben niemals satt Und vier sprechen nicht: genug! Der Scheol, Verschlossenheit des Mutterfchoßes Erde, die nicht des WafferS satt wird, , Und Feuer spricht nicht: genug!' Wir Nehmen „Aluka" im Sinne des Talm. Abod. Sar. 21; Februar 1SM 17a die „Selbsteinschläferung" Dljnj in die das Gewissen sich wiegt um sich zu betäuben, die die ganze Erde für s i ch in Anspruch nimmt, und den Menschen für die Erde und keinem andern Elemente daran Anteil läßt und den Menschen an nichts anderm Anteil gestatten will. ist nämlich der Gegensatz von p^n* Die Stimmen zweier Töchter, — so heißt es an der Talmudstelle — ruft aus dem. „Gehinom": „Auf dieser Welt bringe, bringe. Die Töchter aber find die Gottesläugnung und die Gewaltherrschaft Die Unersättlichkeit des Erdenreiches kennt nur einen Wahlspruch in oer Theorie und der Praxis. „Sich geben laffen" oder „Nehmen^. - Wie die Erde nicht des Waffers satt wird, nach dem sie, kaum getrunken aufs Neue lechzt, wie die Entbehrung überall verlangend macht, und die Uebersättigung den Anspruch immer steigert, so auch das Feuer sich nach Nahrung sehnt: Also wird der Mensch im Einzelnen und der Gesamtheit zum Mmmersatt, wenn er nur im Stoff der Elemente sein Leben wurzeln fühlt. Zwei Dinge sind es, die aber als Aequivalent solchen Lebensprinzips ihm die Dauer kürzen und seine Herrschaft streitig machen. Das eine Aequivalent erzeugt sie selber, das andere ist von Gott gegeben. Die Grausamkeit der Gewalttat geht von ihr aus, um sich gegen sie selbst zu richten. Die Liebe ist das andere Prinzip, das Gott zum Sieger in der sittlichen Welt bestimmt hat. „Ein Auge, das über seinen Pater spotten kann und verachten die Stumpfheit der Mutter, Das müffen die Raben im Tal ausbohren und fressen des Adlers Junge." Mit der ersten Bershälfte greift der Dichter auf B. 11 zurück, um zu rekapitulieren. Der schwarze, krähende Rabe dort unten in der Niedere ist der eben gezeichnete vertierischte Egoismus, der sich gegen die richtet, die ihn erdacht. Sein Leben ist aber vor allem darum nicht von ewigem Siege geleitet, weil aus den Höhen die Schwungkraft und der Höhenflug des Adlers die Welt zu ganz anderen Idealen emportraaen möchte. Zu V. 82,, „Wie der Adler weckt sein Nest" bemerken — z. St. von Raschi angeführt — die Weisen der Mechilta zu YVT»: „Wenn der Adler seine Jungen trägt, so nimmt er sie nicht zwischen die Krallen wie die übrigen Vögel. Die anderen Vögel fürchten sich vor dem Adler, der über ihnen fliegt, darum tragen sie ihre Jungen unter sich. Der Adler aber hat sich nur vor den Pfeilen des Menschen zu fürchten, daruni trägt er die Jungen auf seinen Fittigen; er denkt, besser ich sterbe, als mene Jungen." Die Völker alle sind der Vögel bunter Schar vergleichbar. Sie alle suchen krampfhaft ihre Jugend mit den Krallen festzubalten, denn über ihnen schwebt in ätherischen Höhen der Flug des Ideals aller Htmmelswahrheit, die in Zeitenflug herniederrauschend, die Jugend ihnen entreißen könnte. Zur Erde nieder wenden sie darum der Jugend Blick, damit der Aufblick zur pöhe nicht ihren'«Geist, erleuchte, ihre Schwungkraft erhöhe, und sie sich losr'eißen aus den „alten Krallen", die aus Furcht, sich verloren zu sehen, die Söhne nicht verlieren möchten. Doch das Judentum hat, ausgerüstet mit dem göttlichen Hebel seiner Kraft, einen höhern Flügelschlag, ein idealeres Aufwärtsstreben nicht zu fürchten - ihm drohen nur die Pfeile der nachstelllnben, feindlichen Menschheit. Diesen aber opfern die Aiten, opfert die Gegenwart sich gern, um nur die Zukunft dem Gottesresetz, das Gottesgesetz aus den Höhen gereicht, der Äugend zu erhalten „Sterben möchte ich selber den Tod den graden." Israel darf ruhig sein Leben htngebenes lebt doch weiter. „Und mein Ende sei wie seines." O. ahnten sie alle, wie der heidnische Seher, das Glück unserer unvergleichlichen Zukunft! Mitteilungen aus öen vereinen. Cölu, 18. Febr. Anläßlich der Errichtung eines Neubaues spendete die Firma N. Simons, Walzenmühlen in Neuß, dem Verein für die jüdischen Jntereffen Rheinlands 100 Mk. Das Mitglied des ri orstandes dieses Vereins, Herr Selig Cohn, Mülheim (Ruhr) stiftete am Tage der Hochzeit seiner Tochter mit Herrn Lehmann in Darmstadt 200 Mk. Den edlen Spendern sei hier nochmals der Dank für ihre hochherzigen Gaben ausgesprochen. Mögen dieselben recht viele Nachahmer finden. Briefkasten der Redaktion. N. N Holland. Selbstredend meinten wir in unserem Artikel „Trauungen" in voriger Nummer, daß urt.)eure uciu ^luiui^utu uiu^t \$u*u .Qwitu mit unu9 selben den eigentlichen ptP'np Akt erst jetzt vorzunehmen) zurückgegeben war. Wir meinen, daß sich nur diese Auffassung aus dem Zusammenhang ergeben konnte. Zu den exegetischen Miscellen in voriger Nummer ist Herr Dr. Deutsch in Fürth so freundlich gewesen uns eine Be stätipung der dort gegebenen Erklärung aus dem -non in» des R. Abraham S aba zugehen zu laffen, der z. St. bemerkt: ah mjn nr© rmo »irrao JOtP nJDJ ©V JQBTIBK rVQIKD ^3« JDfc ID« JQWn ft 1 -IDW. JQW3 ^3« 3jnn ’Ofr H. Der Kiddusch von Freitag Abend fleht doch in jeder Tefilloh. Es genügt natürlich nicht, die 7013 über den Wein allein zu sprechen. . . .