Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1907)
- Date
- 1907-02-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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M, die Wafferleitttttg besitzen, in Lomrfcher rzung auf. ihre zerplatzen Röhren und Pumpen sthauen. Die oben erwähnte Leitung Vom Salomonsteiche ist gänzlich eingefroren, und man soll versucht haben durch Unterlegen von Holzfeuern dieselbe austauen zu machen, was selbstredend nur den Erfolg hatte, daß die Röhren noch weiter platzten. Die Durchschnittsregentage - für Jerusalem sind im Okt. 1*/,, November 5 %, Dezember 9, Januar lO'la, Februar JO1/», März 8V«, April 5V«, Mai l1/«, im ganzen 52 Regentage, mit einer Regenmenge von 580,6 cm aufs Jahr. Da es aber bis Ende Januar, mit Ausnahme einiger Tropfen kurz nach Suckoth, gar nicht regnete, so hoffen wir mit G. H. noch auf recht schweren Regenfall; das kommende Jahr wird sonst ein trauriges sein — für den Kolonisten, wie für den Städtebewohner Palästinas. * * * Herr David Wolffsohn, der Präsident des Actionscomit6s der Zionisten besuchte von seiner Gemahlin begleitet, aus der Rückreise von einer Tour in Süd-Afrika, Jaffa und naheliegende Kolonien und dann Jerusalem, wo sie die verschiedenen Anstalten besichtigten. Die Reisenden besuchten auch Jericho und das tote Meer. Herr Wolffsohn hielt hier einige Ansprachen in welchen er auseinanderlegte, wie schwer es sei, jeden zufrieden zu stellen und die Hoffnung aussprach, daß fortan im Lager des Zionismus nicht mehr so viel geredet sondern mehr getan wird. Die Versammlung der Jungruffen, welche Herr und Frau Wolffsohn in Jaffa bewillkommten, wird mir von einem Korrespondenten in folgenden Worten beschrieben: „Man hörte dort erhitzte Reden von Manefestatie (gesprochen Manefestazje), Demonstratie, Federatie, Prolitariatie, Kapitalisatie, Emigratie, Kolonisatie, Abministratie, Bureaukratie, Demoralisatie, Authorisatie, Affignatie, Nationalisatie, u. s. w." 4- - * * . Es herrscht zur Zeit hier eine Epidemie von Masern unter den Kindern Jerusalems, die leider schon manche Opfer unter den Kleinen gefordert hat. * -i- * In letzter Zeit gab es zweimal und zwar in jüdischen Häusern größere Schadenfeuer, wobei diebetreffenden Häuser ganz abbrannten und nur die Außenwände stehen blieben. Das Feuer griff jedoch in keinem Falle auf Nebengebäude über. In Jerusalem gibt es weder freiwillige noch Berufsfeuerwehr, es sind weder allgemeine Spritzen und Leitern noch sonstige Löschgeräte vorhanden, ebensowenig Feuermelder und Hydranten. Einzelne Institute haben die bekannten Feuerlöschapparate mit Füllung.. Gottlob brennt es in Jerusalem sehr selten, und*dann sind mit nur ganz wenig Ausnahmen die Häuser massiv aus Stein gebaut, so daß das Feuer sich fast immer auf einen kleinen Zimmerbrand beschränkt, der von den Betroffenen selbst oder von. Nachbarleuten rasch und meist mit den primitivsten Mitteln gelöscht wird. Meines Wiffens sind Menschenleben bei einer Feuersbrunst in Jerusalem nie in Gefahr gewiesen. England. Her jUdifche Sdiülftreif In London. London, 5. Februar. Der Kampf, den der Führer der Federation of Synagogues gegen die Mitgliedschaft Claude Montefiores in der jüdischen Religionsschulver- „ waltung geführt hat, ist noch nicht zu Ende. Der treffliche Sir Samuel Montagu hat für sein mannhaftes Auftreten nicht nur bei den Juden des Londoner East End, sondern auch bei den Gesetzestreuen des Auslands lebhaften Beifall geerntet. Zwar hat Montefiore sich immer noch nicht zum Austritt aus dem Education Board veranlaßt gesehen, aber auch Sir Samuel ist nicht kampfesmüde geworden und verficht nach Wie vor feine gute Sache mit bewunderungswürdiger Energie. In der jüngst stattgehabten Versammlung der von ihm geleiteten Synagogenhat er in ausführlicher Rede seinen Standpunkt nochmals präzisiert und begründet. Wir. geben von der sehr bemerkenswerten Rede die wichtigsten Stellen hier wieder: Herr Montefiore, so begann Sir Samuel, hat geäußert^ er werde auch ferner so schreiben nnd sprechen, wie es ihm gefalle, und er habe ja auch nichts dagegen, daß die Kinder in den Religionsstunden solange in der alten Weise unterrichtet würden, bis er und seine Freunde eine andere Methode gefunden hätten. Unsere Wege aber find nicht die des Herrg Montefiore, unsere Wege find seit Tausenden von Jahren dieselben geblieben, wir wollen keine Neuerungen, besonders nicht in der Erziehung unserer Kinder. Wir haben die Pflicht, die Jugend in der Religion ihrer Väter zu erziehen, haben darauf zu achten, daß diese Religion in unverfälschter Weise gelehrt wird. Mr. Montefiore hat gesagt, er behalte feinen § itz im Education Board, weil die anderen Mitglieder sein Bleiben wünschten. Ich meine, wkt hätten ein Recht zu wissen, ob der orthodoxe Chief Rabbi, Dr. Adler, zu denen gehört, die diesen Wunsch ausgesprochen haben. Herr ontefiore ist einstimmig zum Bizeprästdent wiedergewählt worden und Herr Dr. Adler war zugegenes ist also anzunehmen, daß auch er den Freidenker zum Bleiben bewogen hat, den Mann, der die Authentizität der Zehngebote leugnet und sagt, Gott habe sie niemals gesprochen, und Moses habe wenig oder garnichts mit der Thora zu tun. Das Unlogische der Stellung Montefiores im Education Board muß jedem einleuchten. Die Philosophen und Literaten blicken zwar etwas verächtlich auf die „Cithleute" herab, aber ich meine, deren Pflichtgefühl — um keinen stärkeren Ausdruck zu gebrauchen — ist dem Montefiore s doch überlegen. Wenn ich zufällig Vorstandsmitglied einer Gasgesellschaft wäre, und als solches ein Pamphlet veröffentlichte, in der die Benutzung von Gas als thöricht und der Gebrauch von elektrischem Licht als viel vorteilhafter hingestellt würde, so wäre es mit meiner Mitgliedschaft im Vorstand bald zu Ende. Wenn Herr Montefiore die religiöse Ueberzeufiung auch nur eines Juden erschüttert hat, so wird es ehr schwer sein, den Schaden wieder gut zu machen, vorausgesetztdaß es überhaupt möglich ist - und wir müffen verlangen, daß der Chief Rabbi das berücksichtigt. Dr. Adler ist persönlich ein durchaus orthodoxer Mann; daran ist nicht zu zweifeln. Aber das genügt nicht bei einem Chief Rabbi. Der Chief Rabbi muß ein Vorkämpfer der Orthodoxie sein; er muß acht haben, wo etwa die gesetzestreuen Mitglieder seiner Gemeinde angegriffen werden, und muß fie verteidigen. Daß er aber einen Angreifer des orthodoxen Judentums zum Bleiben in der Schulverwaltung veranlaßt, das muß uns, die wir doch seine treuen Anhänger sein sollten und sein möchten, sehr befremden Einer meiner Freunde hat gesagt, der Board wünsche das Ausscheiden Montefiores darum nicht, weil der Verlust seiner materiellen Unterstützung sich sehr fühlbar machen würde. Wenn Herr Montefiore ein armer Mann wäre, so würde er gewiß von niemand zurückgehalten werden. Ich maße mir nicht an, die persönlichen Anschauungen Montefiore's an und für sich zu tadeln, aber, solange er in dem Education Board bleibt, werde ich immer sagen, daß er dazu kein Recht hat, wenn er gleichzeitig gerade die Ziele öffentlich bekämpft, deretwegen der Board gegründet wurde. Ich bedaure, daß ich nicht mehr Mitglied der Schulverwaltung binich würde sonst keine Sitzung vorübergehen lassen, ohne Herrn Montefiore zur Demission aufzufordern. In der Debatte, die sich über die Angelegenheit entspann, ergriff Sir Samuel nochmals das Wort, um zu erklären, daß er trotz seines Alters wieder in den Education Board eintreten werde, wenn Dr. Adler öffentlich erkläre, daß er Montefiores Mitgliedschaft nicht wünsche. Andernfalls werde er den Kampf unermüdlich weiterführen, und keine Rücksicht werde ihn hierin wankend machen. London, 15. Febr. Für englische Berhältniffe bezeichnend ist folgendes Schreiben, das Herr Ernest Gray an den jüdischen Kapitän Jeffel in der Angelegenheit der bevorstehenden Londoner Graffchaftswahlen gerichtet hat: „Lieber Jeffel! Der vom Londoner Grasschaftsrat für die Märzwahlen bestimmte Termin umfaßt einen großen Teil des jüdischen Sabbats. Diese Tatsache ist'Ihnen natürlich durchaus gegenwärtig. Aber ich möchte eine voraussichtliche Schwierigkeit erwähnen, die uns seitens der Juden in Hoxton zur Kenntnis gekommen ist. Einige derselben sagen, daß sie sich vor Sonnenuntergang überhaupt nicht an der Wahl beteiligen, d. h., daß sie vor Sonnenuntergang nicht abstimmen dürsten. Andere erklären, es sei ihnen verboten, ihre Stimmzettel auszufüllen. Ich bin sicher, daß sie der Führung einer anerkannten Autorität folgen würden. Sie wollen offenbar ihre Bürgerpflicht erfüllen, ohne doch dabei irgendwie von den Lehren ihrer Religion abzuweichen. Da ich keinesfalls irgendwie gegen die Weisung ihrer räigiöfen Lehrer sprechen möchte, so würde ich irgend eine Direktive, die Sie geben ober Mitteln könnten, willkommen heißen." Der Chief Rabbi hat daraufhin erklärt, daß, da die Wühl bis acht Uhr abends dauere, die jüdischen Bürger noch nach Sabbatausgang genügend Zeit zur Sttmmabgabe haben. Der Board ok Guardians hat dieses Jahr wiederum ein Defizit zu verzeichnen und zwar beträgt dasselbe insgesamt 12000 Pfd. Die Ausgaben haben die Einnahmen um 4000 Pfd. überftiegen; die Ausgaben haben nämlich die bisher unerreichte Höhe von 28000 Pfd. angenommen. Um aus der gegenwärtigen finanziellen Notlage herauszukommen, hat der Board beschloffen, Legate in Zukunft nicht mehr anzulegen, sondern solche auch für die laufenden Ausgaben zu verwenden. gtumänien. Bukarest, 7. Febr. Die Zöglinge des Lyceums in Verlad haben sich schon wieder eine Reihe von Gewalttätigkeiten und Ausschreitungen gegen Juden zu Schulden kommen lassen. Vor einigen Tagen hatten die Schüler ohne jeden Anlaß auf der Straße zwei jüdische junge Leute überfallen und mißhandelt und diese empörende Roheit hatte die Lyceumsleitung veranlaßt, über einige der schuldigen Schüler Disziplinarstrafen zu verhängen. Diese Maßregel erzeugt große Auftegung unter den Schülern, die sich vorgestern abend hinter dem Friedhofe „Eternitatea" unter freiem Himmel in aller Sttlle versammelten und dann gegen halb 10 Uhr nachts unter Lärmen und Schreien in die Stadt zogen. Die noch offenstehenden jüdischen Geschäfte wurden geschlossen, das aber hinderte die Schüler nicht, ihr Zerstörungswerk in geradezu vandalischer Meise durchzuführen. In den Straßen Carol, Strimba, Palada und Stefan-cel-Mare wurden unter tobendem Geschrei alle Scheiben und Türen an den von Juden bewohnten Häusern eingeschlagen, die Firmentafeln heruntergeriffen und die Magazine und'Wohnungen der Juden devastiert. Die Behörden erwiesen sich den aufrührerischen Burschen gegenüber vollkommen machtlos, bis es schließlich der Jnterventton des Staatsanwaltes, der den ganzen Polizeiapparat in Bewegung setzte, gelang, die Manifestanten auseinanoerzutreiben und gegen Mitternacht die Ruhe wiederherzustellen. Während der übrigen Stunden der Nacht sorgten Militärpatrouillen dafür, daß die Ruhe nicht weiter gestört wurde und dank der umfassenden behördlichen Sicherheitsvorkehrungen wurden tatsächlich weitere Exzesse verhindett. Die Inden bewahrten die ganze Zeit über eine reservierte und versöhnliche Haltung. — Die von den Schülern verwüsteten Stadtteile bietetr einen trostlosen Anblick dar. Mehr als 60 jüdische Familien haben großen Schaden erlitten, und die Schadensziffer dürfte eine sehr große sein. Gestrn wurde der Unterricht an den obern Klaffen des Lyceums suspendiert. Der Generalprokuror des Jaffyer Appellhofes Herr Tataru ist in Verlad eingetroffen, um persönlich die Untersuchung gegen, die Schuldigen und ihre Anstifterzu leiten. vermischter. K. Frankfurt a. M. Der Ressende, den fein Weg durch das freundliche Landstädtchen Diez a. d. Lahn 'ührt, sollte es nicht versäumen, das auf lustiger Höhe am Waldessaum gelegene Deutsch-Israel. Kinderheim zu besuchen. Er wird gewiß seine Freude an dem Etlichen Bau, an den bei aller einfachen inneren Ausstattung doch schönen luft- und lichtdurchfluteten Räumen, den prächtigen Gartenanlagen, vor allem aber an der blühenden Kinderschar haben, die das Haus belebt. An der Lust, die den Kindern aus den Augen leuchtet, wird er erkennen, daß fie eS hier gut haben und hier glücklich find. Und doch find es Kinder, die den Schichten des Elends und. des Jammers entstammen, hier haben fie ein schützendes Obdach gesunden, hier genießen fie eine treffliche Erziehung, hier werden fie mit Wissen und sittlich religiöser Kraft für das Leben ausgerüstet, daß fie einst im Leben eine ehrbare Existenz fich gründen können. Biele der bereits Entlassenen bezeugen durch ihr Leben, daß die Mühe und Sorgfalt, die für fie hier aufgewendet wurde, nicht unnütz verschwendet war. Eine solche Anstalt, die arme verlassene Kinder aus dem ganzen Deutschen Reiche ausnimmt und