Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1907)
- Date
- 1907-02-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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21. Februar 1907. > ,;~ ordnung zu bewältigen. In. der letzten Sitzung war auf Antrag, des Herrn Prof. Barth eine Resolution angenommen worden, die den Vorstand ersucht, den Gemeindeangestellten für das laufende Jahr eine Teuerungszulage zu gewähren, deren Höhe dem Vorstande zu bestimmen überlassen bleiben s ollte. Wie der Vorstand in einem zur Verlesung gebrachten Schreiben mitteilt, ist er nicht in der Lage dieser Resolution beizutreten, da die finanziellen Verhältnisse der Gemeinde dies nicht angängig erscheinen und die persönlichen Verhältnisse der Beamten es auch nicht als erforderlich erscheinen lassen. Ueberdies bringe der neue Etat fast sämtlichen Beamten teilweise recht erhebliche Gehaltserhöhungen. Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr I. Rosenöl ü t h erläutert diese Darlegungen noch ausführlichst mündlich und bittet die Repräsentanten- Bersammlung diesem Beschlüsse beizutreten, was nach kurzer Debatte geschieht. - Herr David Struck hat für seinen frühzeitig dahingegangenen Sohn Georg V't eine Jahrzeitsstiftung zu Gunsten der Gemeinde in Höhe von Mk. 1000 unter den für solche Stiftungen vorgesehenen Bedingungen errichtet. Ferner ist von den ungenannten Stiftern der „Jacob- und Mathilde - Stiftung" zu den früher gespendeten Mk. 2000 ein weiterer Beitrag zum Grundstock in Höhe von Mt. 1000 itt 4% igen Hypotheken-Pfandbriefen der Gemeinde überreicht worden, mit der Bestimmung, daß der Zinsertrag ebenfalls dem „Krankercheim" der Chewrah Kadischa überwiesen werden soll.. Endlich hat Herr Pros. Berliner nach dem Ableben seiner Gattin n"y sein n"D mit silbernen und gestickten Mäntelchen der Synagoge überwiesen. Die Versammlung erklärt sich mit Dank an die Spender zur Annahme dieser Legate bereit. — Die vom Vorstände überreichte Schlußabrechnung für das Rechnungsjahr 1905/06 nebst Vermögensübersicht und Bergleichstabelle zum betr. Etat wird einer Revisionskommission, bestehend aus den Herren I. Levy, H. Feuchtwanger und H. Rosenbaum zur Prüfung überwiesen. — Sodann wird in der Etatsberatung für 1907/08 fortgefahren. Bei Pos. 6 (Synagoge) Al. I (Miete der Plätze Mk. 12000) gibt der Vorsitzende, Prof. Berliner seiner Freude darüber Ausdruck, daß diese Position eine steigende Tendenz zeige und damit den Schwarzsehern, die dem Neubau mit ängstlichen Befürchtungen gegenüberstanden, unrecht gebe. Dr. B i b e r f e l d wünscht, daß jungen Leuten, die nicht im Stande sind, die hohe Platzmiete zu erschwingen, möglichst entgegengekümmen werde. Namentlich empfiehlt er in dieser Hinsicht den: „Montefiore- Verein", der wesentlich aus diesen Rücksichten bisher stets all den Jomim ha-nauroim ein eigenes Minjan einrichtete, solche Erleichterungen zu gewähren. Der JSraeltt. Der Vorsitzende des Vorstandes sagt eventuellen Allträgen des genannten Vereins wohlwollendste Prüfung zu. — Zu Al. VIII (Synagogenchor) Ausgaben Mk. 4700 entspinnt sich eine lebhafte Debatte, in der Prof sBarth all den künstlerischen Leistungen des Chors scharfe Kritik übt. Dr. Biberfeld bekennt sich als prinzipiellen Gegner jedes Sängerchors und weist an der Hand der Aufwendllngen, welche die jüdische Gemeinde für ihre Chöre macht, nach, daß die Adaß Jisroel weder finanziell in der Lage sei, sich die ausreichenden künstlerischen Kräfte, noch überhaupt im Stande sei in religiöser Hinsicht ausgewählte Elemente sich zu sichern. Auf der anderen Seite findet der Chor an den Herren R o s e ll b l ü t h, Straus und Prof. Berliner warme Verteidiger und die Position wird schließlich gellehmigt. — Zu Pos. 9 (Friedhof) wird der fehlende Nachweis für die Ausgaben bemängelt und beschlossen den Vorstand zu ersuchen, dem nächstjährigeil Etatsentwurf denselben wie bisher beizufügen. — Zu Pos. 4 (Mikwah) bittet Dr. Biberfeld den Mängeln in der Heizung, die trotze Verbesserung bisher noch immer hervortreten, ständige Aufmerksamkeit zuzuwenden. Der Vorsitzende des Vorstandes sagt dies zu. — Pos. 11 (Gemeindehaus Grenadierstr. 27), das bisherige Schmerzenskind der Verwaltung, weist zum ersten Male ein ll Ueberschuß von Mk. 1200 auf. — Bei Pos. 16 (Dispositionsfond Mk. 777,75) ersucht Dr. Biberfeld den Vorstand diesen Fond recht ausgiebig für Armenzwecke dienstbar zu machen und auch vor einer Etatsüberschreiturlg hier nicht zurückzuschrecken. Auch regt' er an, der Frage der Ausbildung voil Mochelim resp. Entschädigung derselben für Auslagen und Zeitverlust ein Augenmerk zu schenken. In der Schlußabstimmung wird der ganze Entwurf, der in Mk. 108 814,25 balanziert, einstimmig angenommen. E. K^Berlin, 17. Februar. Vor Eintritt in die Tagesordnung der Repxäsentanten-Versanlmlung der jüdischen Gemeinde erbittet Herr Professor Geiger das Wort: „Meine Herren! In deni Augenblicke, in welchem wir hier sitzen, wird Herr Albert Wolfs in Dresden zur ewigen Ruhe geleitet. Derselbe hat seine ganze Büchersammlung bestehend aus bester Literatur und Seltenheiten insbes. religiösen Schriften, der Bibliothek der hiesigen jüdischen Gemeinde vererbt. Die Mitglieder der Bibliothekskommission waren leider verhindert, an der Beerdigung teilzunehmen. Mit Bewilligllng des Gemeindevorstandes haben wir unseren Bibliothekar, Herrn Dr. Stern, beauftragt, uns zll vertreten. Wir werdeil Herrn Albert Wolfs stets ein dankbares Andenken bewahren. Ich danke Ihnen meine uiuer ihrer wissenschaftlichen Würde erachteten, sich mit den Reden oder Schriften eines auf positiv religiösem Standpunkt stehenden Gelehrten eingehender zu befassen. Wenn mit diesen: Brauche in dem vorliegenden Fall gebrochen wurde, so mag dazu ein gut Teil der. Ruf, den sich Wasmann durch seine hervorragenden Arbeiten über das Leben der Ameisen bei den Zoologen errungen hat, beigetragen haben. Man kann aber wohl kaum umhin, zur Erklärung dieser Wandlung auch die jetzt häufig sich aufdrängende Beobachtung heranzuztehen, daß unter dem Druck der Zeitströmung selbst in den früher religionsfeindlichen Kreisen das Vorurteil gegen die religiös Gesinnten einigermaßen an Macht verloren hat. Was die Stellungnahme Wasmanns zu der Entw cklungslehre selbst anlangt, so ist zu bemerken, daß er kein Gegner dieser Theorie an und für sich ist. Er bekämpft jedoch chre Nebertreibungen und macht ferner auf die großen Lücken in: Beweismaterial aufmerksam. Die Entwicklungslehre ist ihm lediglich eine naturwissenschaftliche Hypothese, Heren man sich zur Erkläruni gegebener Erscheinungen bedient. Bor allem muß die Behauptung, daß sämtliche Typen des Tierreiches aus einer einzigen Urform hervorgegangen seien, alsjein Traum ohne naturwissenschaftlichen Beweis bezeichnet werden. Die Entstehung des Lebens in der anorganischen Materie und die Entstehung der menschlichen Vernunft kann die Entwicklungstheorie niemals erklären. Hier i t ein Erklärungsversuch ohne Gott so wenig möglich, wie bei der Frage nach der Schöpfung der Materie selbst. Die so eingeschränkte Entwicklungslehre hält Wasmann, für keineswegs mit der Bibel im Widerspruch stehend. Man kann den Wasmann'schen Vortrag wohl als eine Entgegnung auf die im vorigen Jahr ebenfalls in Berlin gehaltenen Vorträge Häckels betrachten. In dieser Begehung dürfte der Bortrag des Jesuitenpaters, seine WiÄstmg nicht verfehlt haben, denn ,elbsr im Feuilleton der ^frankfurter Zig., das koch auf Häckes. nicht gerne etwas kommen läßt, wird in einem sonst allerdings nicht gerade Wasmann freundlichen Bericht Beranassung genommen, auch einmal von „den gelehrten Vertretern der Häckel'schen Orthodoxie" zu sprechen. Im übrigen wird unseren Lesern über die Ausführungen Wasmanns, die den ersten Teil eines ganzen Vortragszyklus darstellen, noch von fachkundiger S.jte eingehend berichtet. Eine altüdiscbe Parabel. (Frei nach den: Midrasch Schochar tob, Thehillim 7, zitiert im Jalkut Schimeoni.) Als Noah damit beschäftigt war, die einzelnen Pärchen in die Arche einzulaffen, kam zu ihm auch die Läge und begehrte Einlaß. „Ich kann L)ich nicht hereinlaffen", sprach Noah. „Ich kann nur Paaren Aufnahme gewähren, damit, die Fortpflanzung der Art gesichert bleibe, suche D kleinen Gatten, mit dem Du Dich fortpflanzen kannst uno Eurem Emlaß soll dann nichts im Wege stehen." Die Lüge begab sich. daraufhin zun: Herrn des Weltalls und verlangte von ihm einen Gattener aber weigerte sich dem Wunsche der Lüge zu willfahren, er sagte: im Plane meiner Weltenschöpfung liegt der endliche Sieg der Wahrheit, ich will deshalb der Lüge nicht zur Fortpflanzung verhelfen. Vergeblich suchte die Lüge klar zu machen, daß ohne sie die Welt nicht bestehen könne und wie schlimm es sein würde, wenn in Zukunft jeder die Wahrheit bekennen müßte. Es nützte ihr nichts und betrübt schlich« sie von hinnen. Da begegnete ihr der Satan, der sie um den Grund ihrer Trauer befragte Weiter'hast Du keine Sorge'? sagte der.Minderer, da weiß ich Dir Rat. Nimm Dir zum Gatten den Schein der Wahrheit, dann wird Dich Noah nicht zurückweisen. Sie tat also und mit den: Schein der Wahrheit gepaart, hat sich die Lüge bis auf. den heutigen Tag erhalten, immer neue Lügen gebärend. / _ Sette 5. Nr. 8 Herrerr, daß Sie sich von Ihren Sitzen erhoben haben." — Herr Salo Cassirer hat zur Begründung einer Natalie Cassirer-Stiftung der Älterversorgungsanstalt 12000 Mk. überwiesen, Herr Moritz Marheimer an das Krankenhaus zur Vergrößerung der Moritz und Bertha Manheimer goldene Hochzeits-Stiftung 5000 Mk. Zur Verwaltung einer zu errichtenden Joseph und Simon Löwenthal-Stiftung sollen der Gemeinde 200000 Mk. überwiesen rverden, um jüdischen Ka::flenten, welche den Nachweis führen, daß sie durch Konkurrenz in Konkurs geraten sind, Unterstützung zu gewähren. Da dieser Beweis schwer zu führen sein dürfte, beautr agt der Vorsitzende, Herr Louis Sachs eine andere Fassung und bittet über diese Arrgelegenheit nochmals beraten zu wollen. Bei Punkt 5, Errichtung einer Synagoge im Nordwesten Berlins entsteht eine lebhafte Debatte, welche die Form einer Seeschlange anzunehmen droht. Bei dieser Gelegenheit erklärt Herr Geheimrat Blumenthal, es sei eine Schmach für das Judentum, daß in den von der Gemeinde subventionierten kleinen Synagogen Beamte angestellt sind, die rveder einen moralischen Halt, noch geeignete Kenntnisse besitzen Er bittet der» Borstand bei der Wahl der Beamten sich das Recht der Bestätigung vorzubehalten. < 3 & . s Berlin, 16. Febr Am 2. März findet in Berlin die diesjährige ordentliche Generaly Versammlung des Vereins zur Ab- | wehr des Antisemitismus statt. Dr. Theod. Barth wird üb^r das Thema „Unsere Stellung zum Antisemitismus in und nach den ’l Reichstagswahlen" referieren. ' (i Breslau, 15. Febr. Die hiesige Handelskammer war vorn Magistrat zur Äbgabe eines Gutachtens über die Petition betr. weiterer Ausdehnung der Sonntagsruhe aufgesordert worden. Die Handelskammer hat sich nun einstimmig gegen eine Erweiterung der Sonntagsruhe ausgesprochen und wird diesen Beschluß in einer ausführlicher: Darstellung begründen. Nürnberger vrlek. (Von unserem Korrespondenten.) Nürnberg, 18. Februar. Ihr Blatt hat schon in der letzten Nummer die Nachricht von dem Hinscheiden unseres Rabbiners Dr. Ziemlich gebracht und die Persönlichkeit des Dahingeschiedenen in warmen und herzlichen Worten gewürdigt. Es erscheint aber angesichts der durch diesen Todesfall eingetretenen Vakanz berechtigt, diese moderne liberale Großgemeinde ein wenig näher zu betrachten. Nicht als ob man die Hoffnung hegen dürfte, die Gemeinde könnte einen orthodoxen Rabbiner wählenein. wirklich konservativer Rabbiner könnte unter keinen Umständen das Rabbinat in einer Gemeinde bekleiden, in welcher sich Indifferenz und Radikalismus die Hand reichen, in deren Vertretung nur darum einige Konservative (nach sorgfältiger Auswahl) sitzen, damit der allewaltige Vorstand mit einem Schein des Rechtes beaupten kann, daß alle religiösen Richtungen in der Repräsentanz der Gemeinde vertreten seien. Es ist für die Entwicklung dieser Gemeinde außerordentlich bezeichnend, daß wie der verstorbene Rabbiner in seiner Gedenkschrift zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen der Synagoge ausführlich erzählt, es fünf Jahre brauchte, bis die in Nürnberg (seit 1847) wohnenden Juden sich dazu verstanden, einen Gottesdienst einzurichten, daß es nahezu weiterer fünf Jahre bedurfteehe diese sich zu einer Gemeinde zusammenschloffen, und daß sie weitere siebzehn Jahre gebrauchten, un: zu einen: eigenen Gotteshause zu gelangen, nachdem sie „schon" zwei Jahre vor> her, also rund 25 Jahre nach dem Ei^rg dM ersten Juden in die Stadt,' einen Rabbiner und' zwar radikalster Richtung*) gewählt hatten. Daß in einer solchen Gemein de-mit den notwendigsten Einrichtungen nicht geeilt wwtA, HKsteht sich von selbst, und wenn auch unters Dr. Z. war der zweite Rabbiner der Gemeinde-^ MYI '5-