Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1907)
- Date
- 1907-02-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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mmm. ‘■v erscheinen, lvaS auch *V bald eintrat. Trotz des WiderHrüches des Vice- - > Oberlandesrabbiners Weyl huldtzte die preußische Staatsregierung diesem ihr willkommenen Gutachten; war ihr doch nach dem Religions-Edikt r von 1788 die jüdische Religionsgemeinschaft nur noch eine geduldete (genehmigte) Privatgesellschaft, die nach dem allgemeinen Landrecht nur verpflichtet war, ihren Mitgliedern „Ehrfurcht gegen die Gottheit, Gehorsam gegen die Gesetze, Treue gegen den Staat und sittlich-gute Gesinnung gegen ihre Mitbürger einzuflößen". - (§ 13.) So entstand das noch heute für die altpreußischeil Provinzen geltende Gesetz vom 23. Juli 1847, welches den nur als Privatgesellschafts-Beamten geltenden Rabbiner, seine Wirksamkeit wie seine Stellung wie kaum ein zweites ianoriert — es nennt ihn nicht einmal —, bezüglichen inneren Einrichtungen . yer Vereinbaisung des Vorstandes und der Re- Präsentanten überläßt, die staatliche Oberaufsicht GMnfatz zu früher Ikur auf die finanzielle ' - Verhaftung Außere polizeiliche Ber- . vronung beschränkt, die einzelnen Gemeinden mit n^mtreiben' behettL- Mhrend Her zuerst bestehende lng dertZugePriDA zw Gemetzlde^ inner^ des ShnagogMbezirkS spater durch das Ausigesetz von 1876 bei religiösen Bedenken auf- Sben wurde. Zweifellos mcüht der Schütz der vidualität, die Wahrung der Autonomie der einöe einen HauptvvHug dieses Gesetzes aus; für die Wahrung und Pflege des jüdischen Rer ftgionswesells bietet es allerdings eine sehr schwache Stütze, und selbst die einzige positive Verpflichtung des § 62, loonach jede Synagogengemeinde dafür zu sorgen hat, daß es keinem Kinde während des schulpflichtigen Alters an dem erforderlichen Religionsunterricht fehle, ist von geringer Bedeutung, weil es jedem Lehrer anheimgestellt ist, Maß und Wesen des erforderlichen Religionsunterrichtes nach Belieben zu bestimmen, ein Mißstand, der in der Praxis nur allzu oft zu beklagen ist. Einen andern, aber zugleichem Ziele führenden Weg nahm unter den 9 altpreußischen Provinzen — abfiesehen von dem kleinen Sigmaringen — die Verassungsgeschichte der Gemeinden Posens infolge der notwendigen Ueberleitung aus polnischen in preußische Verhältnisse. Das z. Zt. sehr freisinnige General-Juden-Reglement für Süd- und Neuostpreußen vomJahre 1797, das die Rabbiner nach Entziehung jeder Gerichtsbarkeit zu öffentlich zu besoldenden, landesherrlichen Offizianten, auch zur Beaufsichtigung des Schulwesens bestimmte, überhaupt einen Staatsbeitrag zur Besoldung der Synagogenbedienten verhieß, fristete infolge der napoleonischen Wirren nur ein sehr kurzlebiges Dasein, in vielen Punkten kam es überhaupt nicht zur Ausführung. Dauernd regulierte erst das Gesetz vom 1» Juni 18S6 die Posener Gemeindeverhältniffe durch Verleihung von Korparationsrechtenan die miteinander nicht verbundenen einzelnen Gemeinden, Einsetzung von Vorstehern und Repräsentanten, deren Berwaltungswirksamkeit ähnlich wie 14 Jahre später für das übrige Ältpreußen festgesetzt wurde, nur daß ihnen eine größere Fürsorge für die schulentlassene Jugend und den ausscheidenden Mitgliedern die Zahlung einer Summe zur Ablösung ihres Antells an denKorporations Verpflichtungen auferlegt wurde. (Fortsetzung folgt.) MtzMttÄli. __ ' - 21 fftfrfttttt Vtztz. Brüderlichkeit und Zusammengehörigkeit und der unzerstörbaren Eintracht. Die Begrüßungsschreiben wurden telegraphisch erwidert Mit ehrender Teilnahme wurde der dahingegangenen Freunde gedacht, namentlich des jüngst Heimgegangenen Ehrenmitgliedes des Centralkomitees Direktor Dr. Baerwald. Der Gesamtbericht des Präsidiums wurde durch die Einzelberichte der Vorsitzenden der Bezirks- und Landes-Comitees ergänzt. Der Arbeitsplan für das Jahr 1907, den der Vorsitzende entwickelte, fand allgemeine Zustimmung. Ferner wurde als einhelliger Ausdruck der Wünsche und des Willens der Deutschen Conferenzgemeinschaft festgestellt, daß die Organisation der Deutschen Conferenzgemeinschaft im Deutschen Bureau, Berlin, entgiltig zu zentralisieren ist, damit die einheitliche Tätigkeit überall desto kräftiger einsetzen könne. . Die von der Deutschen Conferenzgemeinschaft nach Paris zu richtenden Beiträge hatten die Allianceschulen und die Ausbildung der künftigen Allianceschullehrer zum Gegenstand. Das Zentral- Komitee hatte bereits Ende vorigen Jahres beschlossen, in Zukunft eine Anzahl von auf dem Lehrerseminar in Paris ausgebildeten künftigen Lehrern der Allianceschulen zur Erlernung der deutschen Sprache str einige Zeit nach Deutschland zu senden.. Die neuen Wünsche gehen dahin, daß der deutsche Sprachunterricht weiterhin ausgedehnt und da, wo er noch nicht erteilt wird, aber ein Bedürfnis hierfür vorliegt, eingeführt werde. Das gilt besonders für die Allianceschulen in Marokko. Eine andere Forderung geht dahin, daß namentlich für den deutschen Sprachunterricht geeignete Lehrkräfte nach tem Vorschlag des Präsidiums der Deutschen Konferenzgemeinschaft der Ä. I. U. angestellt werden sollen. Endlich wurde vorgefchlagen, das Zentral - Komitee der Alliance Jsraelite Universelle möchte darauf Bedacht nehmen, allmählich die Ausbildung einiger Allianeeschullehrer in Deutschland zu bewirken. Zu allseitiger Befriedigung wurde festgestellt, daß die Anhängerschaft der Alliance in Deutschland während des letzten Jahres eine Zunahme erfahren hat wie noch nie zuvor, daß die Zahl ihrer Mitglieder größer ist als sie je gewesen, weit größer als irgend eine Vereinigung sie besessen hat oder besitzt. Man war einig darin, immer und überall den universellen Charakter der Alliance und ihre Einheitlichkeit zu betonen und mit anderen Hilfsorganisationen, die ähnliche Ziele verfolgen, freundliches, auf Zusammenarbeiten gerichtetes Einvernehmen zu pflegen. E. B. Berli n, 10. Februar. Die heutige Sitzung der Repräsentantenversammlung der Israelitischen Synagogen-Gemeinde (Ad aß Jisröel) hatte eine reichhaltige Tages achrichten. Deutsches Reich. F r a n k f u rt a. M^. 19. Februar. Die Deutsche Honferenz gemeinschaft der Alliance Isr$61ite Universelle hat herrte unter dem Vorsitz der Herren Geheimrat Goldberger, Berlin, und Charles L. Hallgarten, Frankfurt a. M., im Saal der Frankfurt-Loge ihre vierte Tagung abgehalten, die aus allen Gauen des Reiches besucht war. Der erste Gegenstand der Tagesordnung war der von Herrn Geheimrat Goldberger erstattete Rechenschafts¬ und Arbeitsbericht des Präsidiums für das Jahr 1906. Der Berichterstattung, die das Aufblühen der Alliance in allen-Teilen Deutschlands, die Erweiterung ihres gesamten Arbeitsfeldes, die Ausgestaltung ihrer Tätigkeit im Geiste ihrer Stifter konstatierte, ging die Verlesung einiger Briefe voraus, die von den Nestoren der Alliance eingegangen waren. Präsident Leven in Paris, Sanitätsrat Dr. Nell mann in Berlin, I. M. Bielefeld in Mannheim — dieser hat cm der Wiege der Alliance gestanden — begrüßten die Deutsche Conferenzgemeinschaft im Geiste der deren in der Judengasse so manche lebten, seinm Purimgefühlen dadurch Ausdruck, daß er Nachmittags seiye weißen Sterbekleider als Domino benutzte, sich eine Maske vorband und mit einem roten Hut, von einem Haufen schreiender Menschen umgeben, durch die Straßen zog. Und wie des Tags über große und kleine Kinder über die Straßen und in die Häuser gingen, so kamen Abends Maskierte in die Häuser, in denen fich größere Gesellschaften zusammengefunden hatten. Das bot denn wieder Gelegenheiten, unter dem Schutze der Maskenfteiheit fich mehr oder weniger liebenswürdige Dinge zu sagen, die im Laufe des Jahres fich aufgespeichert hatten. Aber auch manch liebendes Herz nahm die Gelegenheit wahr, sein zartes Geheimnis in die Ohren der oder des Angebeteten ZU flüstern. So war der Purim und der übliche Mummen- Manz ein wirllicher Gelegenhritsmacher für Liebende. Auch das Theaterfpiel, das die jungen Leute am Purim £instalten pflegten, wobei die eigentlichen Helden des oder der Geschichte, Esther, Mordechei und Haman ifiert oder nach Lokalverhältnissen umgestaltet wurden, diente zuweilen dazu, Hindernisse den Liebenden aus dem Weg zu räumen. Denn in der Judengasse gab es zu allen Zetten Montecchis und Capuletts und es war nicht alles Liebe und Freundschaft zwischen den Nachbarn- und das Theaterfpiel war oft genug ein heroisches Mittel die Eltern nachgiebig zu stimmen. Anderseits wartete mancher auf den Purim, um dem lieben Freund und Nachbar einen «sttgen Streich zu spielen, wie einmal. Aronchen Moses dem schwer reichen, aber auch sehr geizigen Mosche Refohl. An einem Purimmorgen ertönte die Schelle des städtisch en ^Ausrufer : „Es wird hiermit bekannt gemacht, daß heute Herr Moses ... in feiner Behausung und in darunter gelegenen Keller bis zur einvrechenben heit allm Mitbürgern Purimkügelchen, Roulade und frei verabreichen läßt. Der Eingang kan» vom aus wie auch von der Haustüre in her Judengasse aus benützt werden." Obwohl die Mehrzahl der Einwohner sofort an einen Purimscherz dachte — die Juden und Christen leben in meiner Bäte, stabt in schönster Harmonie und feiern den den Purim gemeinsam — so waren dennoch viele Menschen bereit, die Probe auf das Exempel zu machen, besonders die arme Klasse. Und bald darauf fand eine wahre Bölkerwanderung zu Mosche Refohls Haus statt. Es mögen wohl 50V Hände an diesem Tage stellten Leckerbissen in Empfang zu nehmen. Dem verzweifelten reichen Mann blieb nichts anderes übrig, als des Nachmittags die Hülfe der Polizei anzurufen, denn der Knecht Quirin, der mit einer Peitsche cie Eindringlinge abhalten sollte, wurde derart ins Gedränge gebracht, daß er fich hinter das verschossene Hoftor flüchten mußte, was der Gassenjugend eine willkommene Gelegenheit bot, die Klingel nun erst recht in Bewegung zu halttn. Die Haustürklinget wurde mit einem Lappen verhüllt, um dem Geläute ein Ende zu niachen. An oer Straßenecke stand aber das lachende Aronchen und beteuerte den ungeduldigen Eindringlingen, unter ttmrC viele Maskierte waren, es hätten heute schon Hunderte von Leuten den versprochenen Purimwein, Rouladen und Kügelchen in Empfang genommen, fie sollten nur kräftig weiterläuten. Äußer Mosche Refohl lachte alles an jenem Purim. Heute mag man an solchen E Pässen wenig Freude mehr empfinden, dazumal aber ergötzte fich eine ganze Stadt daran, und wir Kinder nicht am wenigsten. Unsere auf eine verfeinerte Kultur gestimmten Vergnügen vermögen nicht mehr eine solch ausgelassene Freude ins uns zu erwecken, wie fie der Purim früherer Zeiten in die jüdischen Häuser t.ug. Tempora mutantur,fr, die Zeiten ändern fich und vielleicht find wir es gar nicht, die fich mit den Zellen ändern. Ich glaube, wir täuschen uns dar n recht gründlich, oder wir lassen uns täuschen. Wenn wir die Wrackstücke unseres Lebens von neuem zu einem Fahrzeug zusammenfügrn und nochmals mutig damtt hinausschwimmen ins Meer der Erinnerungen und Taten, dann empfinden wir kaum, büß w r alt geworden find, und wir möchten mit derselben Herzensfteude den Purim feiern, wie in längst vergangenen Tagen. Drum, lieber Leser, versuche mit verjüngten Sinnen und nach altjüdischem Brauche, ernste Gegenwart mit sonniger Vergangenheit zu einem Blütenstrauß der Freude zusammenzuwinden. Dann wirst du deinen Purim mit so früh ichen Herzen feiern, wie ich es, mit Gott, im Sinne habe. Arthur Kahn. Aasmann üder Sie kvnviclrlnngstdeorie. Die Berliner Intelligenz hat in den letzten Tmren ein ungewöhnliches wissenschaftliches Ereignis erlebt. Der bekannte Jesuitenpater Wasmann hielt am 13. d. Ms. in der Philharmonie einen Borttag über die Entwicklungslehre, dem am vergangenen Monrag eine öffentliche Diskussion folgte. An dieser Diskussion haben ficheine Reihe hervorragender Berliner Naturwissenschaftler beteiligt, — Professor Waldeher führte dm Vorsitz. Besonders die zweite Versammlung erfreute fich einer sehr starken Beteiligung, Tausende von Zuhörem hatten fich eingefunbm. Die Tatsache, baß zünftige Professoren, und obendrein Naturforscher, & m Borttage des Jesuitenpaters ein solches Interesse entgegenbrachten, verdient als sehr charakteristisch vermerkt zu werdm. Diese Tatsache ist vielleicht WiW als der Borttag und die Diskusfiptt selbst. Man war her daran gewöhnt, daß die Herren eS E i "