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Der Israelit · 1907-02-14 · Heft 7 (14.2.1907) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 7 (14.2.1907)
Date
1907-02-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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«r. 7. Seite 18. NßLME mük UWkÜÄts In der Ai^«WD«Ae. Bon Ar<V»r Kahn. 54-]' Nachdruck verboten. Der Sohn hatte den Vater, und dieser den Sohn gefunden. Nach langem Schweigen, währenddem Emil die Hand des Vaters festhielt, begann er wieder: „Vater, Du wolltest wirmch zu Limbachers Beerdigung reisen?" „Ich muß, mein Sohn, ich muß, damit es da drinnen ruhig wird.. Ich fühl' es, es läßt mir sonst nie mehr Ruhe, ich will an seinen Sarg treten und-—" Korn stockte und Emil ergänzte: „ihn um Verzeihung bttten." Der Vater ließ den Kopf sinken. Der Sohn hatte die Schuld erkannt, die den Vater plötzlich mit zermalmender Wucht niederdrückte. „Du könntest aber auf andere Weise besser gutmachen", wandte Emil ein, und „damit wir oeim Allernächsten bleiben, bitte ich Dich, statt Deiner mich zu Limbachers Begräbnis reisen zu lassen. Bedenke, welche strapaziöse Fahrt, jetzt im Winter und die Aufregungen eines Begräbnisses." Die Unterhaltung war allmählich lauter geführt und von Frau Korn gehört worden. Sie ahnte und begriff, daß sich in dieser Stunde Vater und Sohn endlich gefunden, sie, die sich bisher, obwohl unttr einem Dache lebend, an einem Tische speisend, fremder einander gegenübergestanden waren, als Menschen aus zwei verschiedenen Welten, obwohl sich Vater und Kind, weniger verstanden hatten als zwei wildfremde Menschen. Sie berührte leise die neben ihrem Tischchen stehende Glocke. Emil trat rasch ein. Frau Korn wünschte, daß auch der Vater hereinkomme. Bei dem winzigen Schein des Nachtlichtes saßen Vater und Sohn nun dicht am Bett der Kranken. „Laß doch Emil statt Deiner reisen", bat sie den Gatten. Anfangs lehnte Korn dieses Ansinnen ab, dann gab er endlich seine Zustimmung. Emil ging in sein Zimmer, um sich für die morgige Reise vorzubereiten. Es blieb nicht mehr viel Zeit zum Schlafen. Der erste Schnellzug, der benutzt werden mußte, ging schon kurz vor sechs Uhr ab. Korn fand keinen Schlaf in dieser Nacht. Die Ereigniffe der letzten wenigen Stunden waren zu mächttg gewesen; vergebens rang er nach Fassung. Er kam sich Plötzlich selber fremd vor,' ein anderer, ein neuer Mensch, der den bisherigen niederzwingen wollte. In chaottschen Bildern zog sein seitheriges Leben an seinem erregten Geiste vorüber. Was hatte er eigentlich von seinem ganzen Leben gehabt, dessen Faden immer kürzer wurde? Er hatte ein großes Vermögen erworben und damit den Namen der Firma Nathanjel Korn groß gemacht. In diesem ehrgeizigen Streben hatte er aber nichts für die übrige Menschheit gewirkt. Er hatte nichts gründen, nichts vergrößern helfen, was den Armen, Glücklosen hätte zugute kommen können. Wie er sich auch besinnen mochte, er hatte niemals durch eine große, edle Handlung einen Menschen glücklich gemacht Und wenn er jetzt starb, wie Limbacher nun gestorben war, so weinte kein Fernstehender ihm eine Thräne nach. Und seine Kinder — ob die ihn betrauern würden? Sein Herz begann heftig zu schlagen. Seine Kimier! Unzähligemal hörte er es von anderen sagen, hatte, er es selber gesagt, daß es das schönste sei, zugleich auch erste Pflicht, für die Kinder zu sorgw. Aber das „Wie", erschöpfte sich im Erwerben, Sammeln, Ersparen. Inzwischen schickt man sie in die besten Schulen, läßt sie Dinge kemen, zu denen sie Lust und OegabunH, oft genuaauch keine Begabung und keine Luft besitzen. Wenn man Mittags bei Tisch und Abends noch nach Tisch für kurze Stunden mit ihnen zusammen war, ist man schon ein guter Vater, ein nnWerhafter Familienvorstand. Wau aber das gh«ug gethan? Und die Liebe W -MKer wird , doch nicht allein befestigt durch das erwerbliche Arbeiten für sie. In der eigenen Lebensführung ein Beispiel geben, was die beste Erziehung ist, daran dachte er jahrelang nicht. Erziehung ist doch nur Beispiel, er aber war doch nur ein mangelhaftes Beispiel ,' denn das Herz der Kinder war leer dabei ausgegangen. Selbst seine religiöse Lebensweise war unecht gewesen. Die tausend kleinen religiösen Handlungen in und außer dem Hause sollten doch verinnerlichen, verttefen, zur Selbstlosigkeit, zum Altruismus, zur Nächstenliebe, zur freudigen Opferwilligkett führensie sollten die Menschen zur Selbstzucht und damit ^auch zur Hingebung an die hohen Ideale der gesamten Menschheit führen. Und was hatte er getan? Er hatte den äußeren Formen den edlen Inhalt genommen, und des wegen verstanden die Kinder nicht ihren Sinn, und begriffen sie nicht. Vergebens suchte Korn einen Ausweg aus diesen bedrückenden Selbstanklagen, er konnte ihnen nicht entfliehen. Nein, nein, das war nicht die echte Religiosität gewesen, die er bisher geübt. Kein Beispiel der Fürsorge für Arme, keine gabefreudige Liebe für Bedürftige, keine Opferwilligkeit für Freunde — und in schmählicher Habsucht hatte er einen alten Freund zu Falle gebracht, statt ihm zu helfen, ihn aufzurichten. Da fiel chm jener Schwuosnachmittag ein, wo er, vor einer Reihe von Jahren den Bibelabschnitt vom Zehnten gelesen. Korn dachte nach. Hätte er doch den Zehnten gegeben! Er wäre dann nicht in Versuchung geraten, unredliches Gut zu erwerben. Denn oarin lag ja der ttefe Sinn des göttttchen Gebotes. Das Berzehnten, das Abgeben vom redlich Erworbenen auf dem Altar der Nächstenliebe — er hatte es nie geübt, seine Kinder wußten überhaupt nichts davon. Was wußten sie denn überhaupt Großes, Gutes von ihm! Und so waren auch die Kinder darnach geworden. Emil, fteilich, der lebte eigentlich nur für seine Mutter, sonst außerhalb der übrigen Familie. Das ganze, was Familienleben bedeutete, war eigentlich nur ein Zusammenleben nebeneinander, nicht für einander - ohne innere Wärme und Weihe; ohne Blick nach außen, für andere. Keine hohe Woge der Begeisterung, kein Erglühen für etwas den nüchternen Alltag Ueberragenoes, die Seele Entflammendes, war von ihm in diesen Kreis, den er seine Familie nann e, hineingetragen worden; nichts Großes, wozu sein Reichtum ihn verpflichtete, und woraus man mit innerer Befriedigung zurückblickt, hatte er schaffen und aufrichten helfen und hinausgetragen ins Leben, wo es Segen gestiftet hätte. Kleine, armselige Almosen hatte er gespendet und auch diese ohne Liebe und Freundlichkeit. Für die Armen denken, für die Glücklosen gründen, dazu hatte er keine Zeit gefunden. Und nun hatte er über einen großen Reichtum zu gebieten, über diesen segenlosen Reichtum, der ihm nur die ärmliche Genugtuung bot, ihn zu besitzen. In den Händen vornehmer Naturen hat der Reichtum eine Würde und Rechte,' gemeine Naturen entweihen und entrechten ihn. Mit weit offenen Augen lag Korn sinnend, grübelnd, oft ttef aufseufz?nd auf seinem Lager. Die Nacht dünkte chm endlos lange. Leise, behutsam tappende Schritte im Hausflur rissen ihn aus diesem Chaos quälender Gedanken. Emil verließ jetzt das Haus. Korys Gedanken wurden jetzt dem jüngsten Sohn zugelenkt und eine matte, erlösende Ruhe kam über ihn. Ein unsägliches Glücksgefühl durchströmte ihn,' zugleich auch Scham darüber, daß er diesen edlen Sohn in seiner Jugend um die Vaterliebe gebracht. Und dieser, der jüngste, war doch das beste seiner Kinder. Ihm war, als halte Emil ihn wieder in seinen Armen, fest an seine klopftnde Brust gepreßt— ein Halt, eine Stütze, wo er innerlich zufammenbrach. Zum erstenmale, wo eine große Seelennot mit Wucht auf ihn niederdrückte, war Emil der einzige, der dieses Leid erkannte und Mit ihm tragen wollteder einzige von großer, mit überströmenden Kräften den Vater aufrichtender Liebe erfüllte Mensch—sein Sohn. Mer während, wie von einem Glorienschein umgeben, Emil vor seinen Augen stand, einem Glückstrahl gleich, der sein Leben noch erhellen konnte, erhob sich im Hintergrund Limbachers Gestalt, drohet neben ihm herschreitend. Da verlor sein Denken wieder seine Bahnen, in seinem Kopf und Hetzen schien alles auseinandergeriffen und verwirrt. Die vernichtende Erkenntnis, daß sein Leben, in Fortsetzung siehe nächste Seite.) Für den Reklamenteil ißt die Redaktion «icht verantwortlich; insbesondere ißt es ansschlietzttch Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene» Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstige «»- gaben religiousgesehlichen Charakters ans ihre Zuverlässigkeit za prüse». Kaiser Friedrich Quelle 6346) Offenbseh »Gegen Gicht u. Rheumatismus hew&hrt.“ Natürlicher X Biliier Saierlrm diätetisches Tafelwasser erfrischend - wohlschmeckend - läWltllllld reine nafurfüfiuno in 7i u.'/. ft. überall erhältlich. Hauptniederlage in (6687' Frankfurt a. M. bei H. Kftlsch IFaehff., Rebstmk 1. Eins-swf-acht-elf Entschuldigungen! I ü k Und alle wegen Erkältung. Karl hustet, Willi hat Halsschmerzen, Hermann ist heiser — und so geht eS fori die ganze Reihe hindurch, und Tag ür Tag. Wenn doch die Leute - ndlich einmal begreifen wollten, welche Wohltat ihnen mit FayS ächten Sodener Mineral Pastillen an d e Hand gegeben ist! Wenn die Kinder statt all der Leckereien, die ihnen doch > ur den Magen verderben, regttmätziger FayS ächte Sodener bekämen, hätten wir n ch en zehnten Teil der Erkrankungen. FayS ächte Sodener kauft man für 88 Mg. in allen Apotheken, Drogen- und Mineralwafferhandlungen. r Künstlichen, natürliche Mineralwasser > Aepfelwei» Flaschenbier Haus (6777) liefert frei ins H. Düssenbaum, Frankfurt a. M., Wollgraben 2. X-Telefon 5441.-— Noch lixgt Feld und Flur, Berg und Tal mit Schnee bedeckt, man zieht es immer noch vor, sich im trauten, wohldurch wärmten Zimmer aukuhalten, statt sich den eisig kalten Nordwind ins Gesicht peitschen zu laffen, und doch werden die Mischen Geister durch eine kurze Kalendernottz an die Vorboten des sich langsam nahenden LenzeS gemahnt. „Chamischo-ossor bischwat“ lautet diese einfache Kalenderbemerkung. Die Rawr hat ihr erstes Werk zur Erneuerung des Erdbodens Vollmacht. Die Bäume beginnen, neue Säfte m sich aufzunehmen. Langsam, fast unmerklich beginnt die Natnr ihr Winterkleid von sich zu schütteln. Die Nächte werden kürzer, die Tage länger und kaum haben wir uns vorgesehen, steht die Purimzeit vor unseren Türen. — „Purim" dies zweisilbige, jedoch für die jüdische Geschichte so vielbedeutende Wort, welch herrlich schöne Jugenderinnerung zaubert eS mir vor mein geistiges Auge. Ich sehe mich am frühen Morgen an der Hand meines lieben Vaters aus der Synagoge — wo die MeMa vorgelesen wurde — nach Hanse gekommen, nehme in aller Eile meinen Morgenimbiß zu mir, um ja nur das Zusammenstellen des „Schlach-monauß" nicht zu versäumen. Mit welcher wichtigen Umsicht wurde da das verschiedene Gebäck auf die dazu besttmmten Teller gelegt; es hieß da aufpaffen, um ein Vermischen der mllchige» und fleischigen Backwaren zu vermeiden. Unwillkürlich muß. ich zwischen der, ich möchte s ~" Zeit und dem sich heut Fortschritt, eine Parallele - .. schmackhaftes Gebäck bereiten, hieß es entweder mtt Wttttr, also milchig, oder mit animalischen Fetten» dann flerfchig backen. Wie anders und bequemer hat es heute drejüdische Küche» zumal» seinem es der Sana-Gesellschaft m. h. H. Eleve nach vielen Bersuchm gelungen ist „Tomor" zu fabrizieren, das sich in solch kurzer Zeit eine» Weltruf eroberte. Dreses „Tomor" ist, was ja schon der Name „Tomor" (Palme) sagt, em aus dem Fette der CocoSnuß hergestelltes Produkt, welches der Naturbutter sowohl in Bezug auf Geschmack, Aussehen ratb Aroma vollkommen ebenbürtig ist, dabei den imschätzbaren Borteil hat» daß eS sowohl für Milchals auch Ueffchspeffen verwendet werden darf und wird dieses .Tomor" unter ständiger Aussicht und Leitung eines von Sr. Ehrwürden RaMner Dr. B. Wolf in Köln angestellten streng religiösen Beamten he^estellt. — (Ueber da- Nähere, „Tomor^ betreffend, gestatte ich mir auf das in der heutigen Nummer veröffenürchle Inserat hm zuweisen. Möge sich selbst der strengste Jehudl mit ruhtgem Gewiffen das mit „Tomor"' bereitete Purungeback, speziell die unentbehrlichen Canums", sowohl bei milchigen als auch fleischigen Mahlzeiten recht gut nnmden laffen. 3 1 '4 1;££v,-

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