Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1907)
- Date
- 1907-02-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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iiw FÄruar 1907 Sette 8. Der Mtaeltt. NL7, Unternehmungen in Palästina fordert. Von allen Seiten, so führte Dr. Weitzmann in feiner Begründung aus, wird über das Fehlen von realen -Leistungen des Zionismus geklagt. Er unterschätze nicht den Wert diplomatischer Tätigkeit, erber ohne praktische Resultate werde die Bewegung dabei zu Grunde gehen. Er glaube an Herzl und seine Politik* allein Charters fallen . nicht vom Himmel. Ein Charter kann nur als Folge der Arbeit im Lande erreicht werden. Das Resultat der Diskussion war die Annahme des Antrags Weitzmann mit einigen Abänderungen. Danach lautet derselbe: „I. Die Konferenz der .English Zionist Federation ist überzeugt, das die diplomatische Arbeit des Aktions-Komitees nur dann wirksam sein kann, wenn sie auf der Stärkung der jüdischen Position in Palästina, in wirtschaftlicher und kultureller Beziehung, basiert. II. Der nächste Zionistenkongreß soll in Palästina selbst ein Komitee für die Erforschung der Hilfsquellen des Landes einsetzen; das Komitee soll unter der Kontrolle des Aktions-Komitees stehen. IN. Die jüdische Arbeit in Palästina soll ermutigt werden durch die Gründung von Klubs und Vereinen,- besondere Aufmerksamkeit soll der Entwicklung der jüdischen Schulen in Palästina zugewendet werden; die wirtschaftliche Lage der jüdischen Arbeiter in Palästina soll gehoben werden. IV. Der achte Zionistenkongreß wird aufgefordert, Mittel §u beschaffen, mit denen jüdischen Kolonisten gegen Sicherheit Darlehen gewährt werden könnten." Aus den Wahlen zum Exekutiv-Komitee gingen Sir Francis Montefiore als Ehrenpräsident und . Dr. Gaffer als Präsident hervor. Nach Abschluß der Beratungen wurde abends eine öffentliche Versammlung, abgeholten, in der Dr. Gafter die Hauptrede hielt. Rußland. Warschau, 8. Febr. Die für Rußland und Polen erläßt einen Aufruf an die Führer und Rabbiner des gesestreuen Judentums in Galizien, Ungarn und Deutschland, worin gegen die Bestrebungen der Alliance Isradlite Universelle, auch im heiligen Land sich zum Vormund der geistigen Interessen der Juden aufzuwerfen, entschieden protestiert wird. Besonders wird in dem Auftuf Stellung genommen ' gegen das Verhalten des Herrn Antebi in Jerusalem bei der Wahl des Chachambaschi und an die leitenden Kreise des gesetzestreuen Judentums in Europa die Aufforderung gerichtet, dahin zu wirken, daß die Wahl des Rabbiners Jacob Meir von der türkischen Regierung nicht bestätigtwird. Petersburg, 11. Febr. Bei den Wahlmännerwahlen iif Kurland sind vier Juden gewählt worden. Palästina. Jerusalem, 3. Februar. Hebron, die an biblischen Erinnerungen so reiche Stadt, in der auch in den letzten Jahrhunderten stets eine jüdische Gemeinde anlässig war, ist in Gefahr vqn seiner jüdischen Bevölkerung verlassen zu werden. Aus ökonomischen und anderen Gründen vollzieht sich allmählich eine Uebersiedelung der jüdischen Einwohner nach Jerusalem und sonstigen Plätzen. Um nun die jüdische Gemeinde einigermaßen zu erhalten, wandten sich die Vorsteher an das seit 25 Jahren in Jerusalem bestehende Alt rsversorgungshaus Moschab Sekeuim mit d.m Ersuchen, in Hebron eine Abteilung dieses Instituts zu eröffnen^ damit durch die in dem nenen Asil .unterzubringenden alten Leute die jüdische Bevölkerung verstärkt werde. Die Verwaltung des Moschab Sekenim stimmte diesem Plane zu und mietete in Hebron passende Räume, in denen von ifK n/y1 an vorläufig 25 Greise, darunter auch Portugiesen, Wohnung nehmen werden. Die Vorsteher des Altenheimes hoffen, daß die Glaubensgenossen diesem humane Werk Beistand » leisten werden, da dessen Unterhaltung unter den gegenwärtigen Verhältnissen keine, leichte Aufgabe ist. Der Vorstand des 'Von V'j’p beabsichtigt, zu demselben Zweck in Hebron eine Jeschibah zu errichten,' ein reicher russischer Glaubensgenosse ist bereit, hierfür eine bedeutende Summe zu spenden. gtrottterefd}. Paris, 7. Febr. Im vergangenen Jahr wurde hier auf die Initiative des Baron Armand de Rothschild (eines Sohnes des Baron Edmond) und einiger anderer Philanthropen für mittellos ankommende russische Juden eine Arbeitsstelle errichtet, in der die Leute für die erste Zeit nach ihrer ANkunft hauptsächlich mit der Herstellung von Ansichtskarten - Albums beschäftigt werden sollten. In der Werkstätte können ständig 80 Personen Arbeit finden, die Entlohnung beträgt 2—2 a Frcs. pro Tag. Länger als drei Monate hat jedoch niemand Anspruch auf die Vergünstigungen des Etablissements,' nach Ablauf dieser Zeit sollen sich die Leute für andere Arbeitsgelegenheit gesorgt haben und weiteren Hilfsbedürftigen Platz machen. In diese Regeln können sich jedoch viele der unglücklichen Menschen nicht leicht fügen, und es kommt häufig vor, daß sie sich zu bedauerlichen Exzessen gegen die an den Statuten fefthaltende Verwaltung Hinreißen lassen. Gewiß läßt die furchtbare Lage, in der sich die Leute befinden — viele Industriezweige sind nämlich überfüllt, sodaß es schwer ist, Arbeit zu erlangen — gar manches in milderem Lichte erscheinen. Es ist aber aber auch schon mehrere Male vorgekommen, daß die Leiter der Werkstätte mit dem Revolver bedroht wurden, wenn sie pflichtgemäß die an sie gestellten Forderungen zurückwiesen. Die ärgsten Ausschreitungen sind am vergangenen Dienstag vorgekommen. Eine Schar von etwa 200 Arbeitslosen suchte sich mit Gewalt Zutritt irr die Werkstätte zu verschaffen und dieselbe zu plündern, und es gelang nur dem Eingreifen der Polizei, die Menge zu zerstreuen. HiKegetische Kiscellm. Bei der Herstellung des pia ist die Wiederholung des Befehls: „in die Lade das Zeugnis zu legen" (Kap. 25, 16 u. 21 ] auffällig Raschi bemerkt zu letzterer Stelle: dies wolle sagen 'ui nnm n^nn in*» n:6 1118 mm „Solange noch die Lade allein ist„ ohne den Deckel, gebe Moscheh das Zeugnis hinein", d. h. der nilDD solle niemals auf den p-|# gelegt werden, bevor das niiy darin sei, was uns wohl lehren dürfte, die heilige Bundeslade solle nicht riDlSO 8^2 leere Form ohne Inhalt sein. Wenngleich die Reihenfolge der beiden Halbverse nnil p8D b8l . . . mDDn N8 die entgegengesetzte Ansicht zuließe, daß man den niDD auf den p-|# legen dürfe, auch bevor bas niiy sich darin befinde, so scheint Raschi's Erklärung doch durch die Wortstellung des zweiten Halbverses unterstützt zu werden, indem es nicht heißt nnjl mm N8 11181 $8/ sondern pn J1181 ^81/ um durch die nachdrucksvolle Stellung des p-|j* an den Anfang zu sagen, daß in diesen, so lange er noch allein, das Zeugnis zu legen sei, also bevor der Deckel darauf gegeben werde. Der erstere Satz Kap. 25, 16 dürfte etwa eine allgemeinere Bedeutung haben und besagen: In den p-)8 soll das gesamte niiy, wozu nicht nur die nipiS sondern auch die mp gehört, gelegt werden. Aehnlich wird auch vor der Schilderung der heiligen Geräte durch 1tt>m pl Kap. 25, 9 befohlen, daß auch für späterhin alle zum Ersatz anzuschaffenden Gegenstände nach dem gleichen Modell herzuftellen seien (vgl Raschi's '-Q1 niir6)- So dürfte auch hier gesagt sein, daß die später dem Moscheh zu gebende min an dieselbe Stelle gelegt werden solle, der Vers also zugleich ein min!? 118, ein auch für spätere Zeit geltender Befehl sein. Damit wäre auch die Erklärung Raschi's begründet, der zu genanntem Verse (Kap. 25,16) das Wort niy mit min, in 'd Kap. 40, 20 aber dasselbe mit nim!? erläutert, da damals nur diese in den p-jj* für immer gelegt werden konnten, während diemin noch nicht vollständig bestand, sondern nur das in 'D Kap. 24,7 genannte nnDH 1DD/ und hier nur ans dieselbe hingewiesen wird. öenulrchter. Berlin, U. Febr. Der Hilfsverein der deutschen Zuden schreibt: Ein Mann namens Leib Weinstein aus Zeresowka, Bezirk Ananjov, Gouv. Cherson, ist im Sommer v. Js. ausgewandert. Er begab sich nach Rotterdam, wurde jedoch dort wegen Krankheit zurückgewiesen und nach Krakau zurückgesandt. In Krakau ist er jedoch nicht eingetroffen und jede Spur von ihm ist verloren gegangen.. Wir wenden uns daher an die Oeffentlichkett und bitten jeden, der von dem Verbleib des Leib Weinstein Kenntnis haben sollte, uns gütigst umgehend davon Mitteilung zu machen. Würzburg, 11. Febr. Herr Distrikts-Rabbiner Bamberger versendet nachstehendes Zirkular an zahlreiche Gemeinden Bayerns, Badens und Württembergs 7 „Wenn auch der Wohltätigkeitssinn Unserer Glaubensgenossen in letzter Zeit durch die Verhältnisse unserer russischen Glaubensvrüder besonders vielfach _ in Anspruch genommen worden, so macht es uns die bevorstehende Pessach-Zeit dennoch zur Pflicht, der Armen im heiligen Lande liebevoll zu gedenken. Ich"' richte daher auch in diesem Jahre die höfliche und dringendste Bitte an Sie, eine ammlung zu Mazzos in Ihrer Gemeinde vornehmen und das Ergebnis b a l d i g st anher einsenden zu wollen, damit diese penden rechtzeitig ihrer Bestimmung zugeführt werden können, worauf die öffentliche Rechnungsablage wie bisher erfolgt." Möge der Erfolg dieses Zirkulars ein recht guter sein. Prag 4. Febr. Das Prager j üd t sche Rathau s wird einen stattlichen Zubau erhalten. DaS Gebäude, ein Werk des Baumeisters Dienzenhofer, welches aus der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts stammt, genügt mit seinen bisherigen Räumlichkeiten nicht mehr der gesteigerten Agenda der isr. Kultusgemeinde-Repräsentanz und deshalb beschäftigte sich diese bereits seit längerer Zeit mit einer Erweiterung desselben. Das bisherige Gebäude wird ebenso wie sein Uhrturm, deffen „Ziffernblatt" bekanntlich statt Ziffern hebräische Buchstaben trägt, vollständig renoviert werden. Lomso, 8. Febr. Die von angeblichen Schülern der Jeschibah in Lomso im „Weg" veröffentllichte Notiz (s. No. 4 des Israelit S. 10) über die unter den dortigen Bachurim herrschende Not beruht, wie uns jetzt von authentischer Stelle mitgeteilt wird, in ihrem vollem Umfang auf Unwahrheit. Nicht nur zwei von den 60 bis 70 Zöglingen, sondern sämtliche Schüler der Anstalt empfangen Unterstützung. Auch ist es nicht richtig, daß viele derselben in Kellern und in den Räumen der Jeschibah übernachten müssen, vielmehr sind sie alle im Besitz ordentlicher Wohnungen. Die falsche Nachricht, die der „Weg" veröffentlichte, stammt wahrscheinlich von einigen Schülern, die wegen ihres ungehörigen Verhaltens die Jeschibah verlassen mußten, und sich dafür zu rächen versuchten. Jerusalem, 1. Febr. Die Verwaltung des Diskinschen Waisenhauses in Jerusalem erläßt einen Aufruf, in welchem sie angesichts der gegenwärtigen Notlage der Anstalt die europäischen Glaubensgenossen um wirkungsvolle Unterstützung bittet. Das Waisenhaus wurde vor 26 Jahren unter Mitwirkung anderer hervorragender Rabbiner von Rabbi Josua Löb Diskin V'üt begründet. Mehrere Hundert arme Waisen werden darin. e'zogen, mit einem gründlichen Thorawifsen versehen und zur Ausübung eines Gewerbes herangebildet. Die große Zahl tüchtiger Männer, die aus dieser Anstalt hervorgegangen sind, legt Zeugnis ab von dem segesreichen Wirken, das sie entfaltet. Das Diskinsche Waisenhaus verfügt nicht über feste Einkünfte, sondern ist auf die Beiträge der Glaubensgenoffen im In- und Ausland angewiesen. Während der beiden letzten Jahre mußten nun zahlreiche Kinder von dort eingewanderter Familien in die Anstalt ausgenommen werden, sodaß die Unterhaltungskosten auf das Doppelte gestiegen sind. Dazu kommt noch, daß gleichzettig die Beiträge aus Rußland viel geringer geworden sind. Die Verwaltung bittet daher dringend um die Hilfe der Brüder in allen Ländern, damit oer Bestand des bedeutenden Institutes nicht in Frage gestellt werde. öereiilsmsen. Frankfurt a» M, 5. Febr. Gestern abend hielt im hiesigen Verein für jüdische Literatur und Geschichte Herr Rabbiner Dr. Rosenthal aus Preuß.- Stargard einen Borttag über „die Psalmen und die Weltliteratur". Der Redner gab zunächst in großen Zügen ein Bild von der Wirkung, welche die Psalmen in der Weltliteratur ausgeübt haben. Er zeigte wie die Dichter geistlicher Lieder, vor allem Luther, teils von den Psalmen angeregt wurden, teils nur Umarbeitungen derselben geschaffen haben, wie Klopstock sie sich zum Vorbild, gewählt, wie Herder ihre Bedeutung in der Weltliteratur erkannt, wie schließlich heutzutage eine erstaunliche Fülle von wissenschaftlicher Arbeit dieses ein Gemeingut der ganzen Menschheit gewordene Buch zum Gegenstand hat. Der Redner verwies auch auf die intereffante Tatsache, daß sowohl Mendelssohn als auch Samson Raphael Hirsch nach dem Pentateuch zunächst die Psalmen b.handelt haben. Im zweiten Teil des Vortrags zog Herr Dr. Rosenthal eine Reihe von Parallelen zwischen einzelnen Psalmen und ideenverwandtcn Erzeugnissen der nichtjüdischen Literatur. Er ging bis auf die Poesie der Griechen und Römer zurück und machte dabei in feinsinniger Weise auf die das Wesen treffenden Unterschiede in der Durchführung ähnlicher Themata aufmerksam. Bor allem dürften die geistvollen Ausführungen über Parallelen zu Dichtungen von Goethe und Schiller Jntercffe erweckt haben. Rödelheim, 13. Februar. Der mit großenr Eifer werbende Verband der Sabbatfreunde hat nunmehr auch die alte jüdische Gemeinde Rödelheim in den Kreis seiner Wirksamkeit einbezogen. In einer unter dem Vorsitz des Herrn Heinrich Hammel am 10. d. M. dahier im „Park- Restaurant" stattgehabten '-Versammlung, die von etwa 30 Damen und Herren besucht war, sprach Herr Hermann Frankenthal von der Ortsgruppe Frankfurt a. M übe» das Thema: „Was will -er Verband, der Sabbatfreunde?" Die darauffolgende Aussprache, in welcher