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Der Israelit · 1907-02-14 · Heft 7 (14.2.1907) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 7 (14.2.1907)
Date
1907-02-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Klbruar 1907. Der JsraeUr. en- und Begräbniswesen, und in Gemeinmit dem früher auch Recht sprechenden ner, dieinneren Religionsangelegenheiten lteten. So hatte die jüdische Gemeinde in ien wie in ganz Deutschland bis zur Wende 3. Jahrhunderts, unberührt und unbeeinvon jeder fremdartigen Organisation, sich t, ihrem inneren Pflichtbewnßtsen und ihren n Bedürfnissen, die naturgemäße Norm für Entwicklung entnommen, während der Staat nner Macht höchstens den status quo schützte rhielt, ohne je in den inneren Organismus greifen und die einzelnen Zweige der jüt Religionsgemeinschaft durch eine übergeie Verwaltungsbehörde zusammenzufügen. — (Fortsetzung folgt.) . r wirtschaftliche Lage der odoxen Rabbiner in Ungarn. i Rabbiner Philipp Fischer in TSvavLnja. I. nen gar wunden Punkt der ungarischen doxie haben wir mit der in der Ueberschrift »neten Angelegenheit berührt. Einen gar m und der ungarischen Orthodoxie gewiß zur Ehre gereichenden Punkt. Doch nken wir — eine lebensgefährliche Krankheit 'einesfalls damit aus der Welt geschafft, daß sie verschweigt oder vertuscht. Im Gegen- Die Heilmittel können erst nach erfolgter eitsgemäßer Diagnose gesucht und gefunden n. Und noch eins. Der Schaden, den eine sbrunst angerichtet, läßt sich erst nach 'M Austoben des blindwütenden Elements feststellen. So wird man auch die tief» gen Folgen, welche gleichsam das düstere rgeleiteder geradezu bejammernswerten es weitaus größten Teiles der orthodoxen ner in Ungarn bilden, erst später zu fühlen men! Die kommende Generation erst wird ünden der Väter in ganzem Maße empfinüssen. oll heutzutage der Rabbiner in seinem hochzen Amt zum Heile seines Volkes wirken t; soll er das seiner Gemeinde sein, was lem traditionellen Wirkungskreis und dem seines Herzens gemäß sich bestimmt fühlen dann ist es notwendig, daß er eine genugesicherte materielle Existenz besitzt. Dieser ist ein Axiom, dem wohl niemand wider- :n wird noch kann. ie Erfolge eines Rabbiners, der in Bezug auf seine Existenzmittel stets vor dem Damoklesschwert der Machthaber in der Gemeindestube zu •jittern hat, dessen finanzielles Fortkommen von den wechselnden Launen seiner einzelnen Baale- Batim abhängig ist, — die Erfolge eines solchen Rabbiners sind in den meisten Fällen gleich . . . minus. Denn nur wenige sind zum Märtyrer geboren. Gar mancher drückt ein Auge zu, mitunter sogar zwei, um nur nicht den Zorn der allgewaltigen Herren in der Gemeindestube herauszufordern und auf .diese Weise seine ohnedies spärlichen Einkünfte noch mehr zu gefährden. Auch kann ein Rabbiner, der in Bezug auf seinen Lebensunterhalt teilweise auf die privaten Neigungen der Gemeindemitglieder angewiesen ist, nur in den seltensten Fällen die zu einer ersprießlichen Wirksamkeit so unumgänglich nötige Autorität behaupten. Auch stürmen die großen Sorgen gar gewaltig auf das Gemüt ein, und die zu heilgekrönter Wirksamkeit so notwendige Gemütsruhe und Berufsfreude ist meistens dahin! Wie steht es nun diesbezüglich mit dem orthodoxen Rabbinerstande in Ungarn? Wenigstens drei Viertel der 300 orthodoxen Rabbiner in Ungarn haben mit den größten Nahrungssorgen zu kämpfen. Das fixe Gehalt derselben macht nicht mehr als 5—600 fl. jährlich aus. Hierzu können wir vielleicht noch ein Nebeneinkommen von 100—200 fl. rechnen, das aber nicht ganz unabhängig ist von den Sympathien oder Antipathien der einzelnen Privaten in der Gemeinde. Und mit einem solchen Einkomnlen soll eine — in den meisten Fällen mit großer Kinderzahl gesegnete — Rabbiuersamilie anständig und standesgemäß leben können?! Oder bitteren Ironie! Wird nun aber auch durch künstliches Sparsamkeitsraffinement das finanzielle Gleichgewicht hergestellt, ein einziger unvorhergesehener Fall, Krankheit und dgl., reicht hin, dieses Gleichgewicht über den Haufen zu werfen. Hierzu kommt noch die sinnlose Zurücksetzung, welche die Rabbiner kleinerer Gemeinden vor ihren mit größeren Gemeinden beglückten Amtsgenossen zu erfahren. Eine Ueberhebung, die einem jüdischen Rabbiner wohl am wenigsten ansteht. Dunkel . . . Alles dunkel. Kein Lichtpunkt in dieser Finsternis. Im Gegenteil. Tag für Tag steigt der Kostenpreis der Lebensmittel und sinkt die Leistungsfähigkeit der kleineren Gemeinden. — ' Wir haben bisher immer bloß von der Lage der orthodoxen Rabbiner gesprochen, nicht aber von der der neologen. Nach dem Gesetze wird jedem Geistlichen, welcher Konfession immer, falls Vorfahren protestierte. Obzwar selbst Christ von aus, nahm er keinen Anstand daran, die jüdische mung Elie's zu betonen. Er erzählte weiter, daß ant Elie, von den Schrecken der Revolution ert, seine aussichtsreiche Carriere verlassen und sich :seille dem Handel gewidmet habe. Dem widerl allerdings andere Zeugnisse, die ihm eine erfolgailitärische Laufbahn zuschreiben. Schließlich ergibt;endes mit ziemlicher - icherheit: Ellie war 1789 ant beim Regiment der Königin — nicht bei den fischen Garden", wie behauptet worden ist. Das Ie Zweifel ausschließend, aus dem Militärjahrbuch 39 hervor, wo er sogar als Fahnenträger des Re > genannt wird. Das Regiment stand in Cherbourg, rt 14. Juli war Elie auf Urlaub in Paris Aus Zuche F o u r n e l' s über die„Männer vom 14. Juli" r wir: „In erster Linie bietet sich uns der lteutenant Elie dar . . ." Die weitere mili- Carrlere Elie's wird folgendermaßen geschildert: lommandierle er eine Division an der Ardennen- und erlitt vor Philippeville eine schwere Schlappe. 1797 in Lyon Platzkommandant und nahm bald seinen Abschied." Aber wie es sich mit diesen auch Verhallen mag, sicher ist, daß Elie bei der rg der Bastille nicht nur die führende, sondern : rühmlichste Rolle gespielt hat. Er war derjenige, rrnstlichsten Bemühungen unternahm, Blutvergießen neiden. Er regelte die Kapitulation mit dem Kommen De Launay, der ihn nach der Besetzung Ie, bevor er ihm seinen Degen und die Schlüffe! stille überreichte. Das vom berauschten Pöbel herigerichtete Gemetzel kann ihm nicht im Geringsten t gelegt werden. Die meisten zeiwenösstschen Ertimmen darin überein, daß Elie's Verhalten ebenso oie mutig gewesen ist." Dies stellt der Geschichtsder „Livre Paroli hier fest. Aber da fällt ihm ein, daß er einem Juden Lobesworte gespendet hat und er erschrickt, denn das wäre ja gegen seine „Grundsätze". Flugs dreht er mit antisemitischer Frechheit den Spieß um und erklärt: Der Lieutenant Elie hat wohl alle diese Tugenden besesien, aber — eben darum kann er schwerlich ein Jude sein, denn ein Jude ist weder loyal noch mutig. Man bewundere die wissenschaftliche Methode der anti-' semitischen Racenpsychologie! Daß die Juden ein mit all n Lastern behaftetes Volk sind, beweist man mit dem Hinweis auf die Verkommensten unter ihren Glaubensgenoffen. Sieht man sich aber auf Juden verwiesen, an deren menschlichen Tugenden kein Zweifel möglich ist, behauptet man dreist: Das sind keine Juden. Womit das verdammende Urteil gerettet ist. (S as jüdische Theater von New-Bork), das unter den 750,000 jüdischen Bewohnern der amerikanischen Metropole so großen Zuspruch findet, hat in Paris ein Gastspiel gegeben. Das Repertoire bestand aus jüdischen Stücken, ""die im Jargon von amerikanisch-jüdischen Schriftstellern geschrieben sind. Darunter befanden sich auch Bearbeitungen klastischer Stücke wie des „König Lear" und „Hamlet". Diese Umdichtungen zeigen natürtürlich die Helden der Shakespeareschen - tücke in einem jüdischen Milieu, den alten Lear als einen jüdischen König und Hamlet als den Sohn eines jüdischen Königs. Als intereffantes Experiment wurde auch ein modernes französisches Stück, „Medea" von Catulle Mendes, in einer wortgetreuen Uebersetzung ins „Jiddisch" vorgeführt.' Seite 5. Nr. 7. sein Gehalt keine 800 fl. beträgt, eine Ergänzung bis zu dieser Summe aus der Staatskaffe gewährt; dies aber nur dann, wenn der Betreffende über das Maturitätszeugnis eines Gymnasiums verfügt. Nun kommen die Zöglinge des neologen Rabbinerseminars in Budapest bereits in dieser Anstalt der erwähnten Bedingung nach. Aber selbst für solche Rabbiner in neologen Gemeinden, welche diese Voraussetzung nicht erfüllen, wird eine Unterstützung aus einem von Neologen zusammengebrachten Landessond bewilligt. Demgegenüber * befinden sich unter den orthodoxen Rabbinern Ungarns kaum einige, die das. Maturitätsexamen abgelegt haben. Und damit wird es auch schwerlich in Bälde anders werden, da man hierzulande — und wohl nicht mit Unrecht — von dem Gesichtspunkte ausgeht, daß der zukünftige Rabbiner die besten Jahre seiner Jugend hauptsächlich dem eingehenden Studium von D"r weihen muß, der Staat aber das Maturitätszeugnis nur dann anerkennt, wenn man sich dasselbe noch vor Beginn der theologischen Studien erworben hat, wie dies bei anderen Konfessionen und auch im neologen Rabbinerseminar in Pest geschicht. Nur in Parenthese sei daraus hingewiescu, wie deprimierend es auf die Massen wirken muß, wenn sie sehen, daß bei den Neologen selbst der letzte Rabbiner seine 800 fl. Fixum hat, während dies bei den Orthodoxen zu den Ausnahmen gehört ... Wir maßen uns die Kenntnis der Heilmittel für diese Krankheit nicht an. Der Ausgabe, die wir uns hier gesetzt, genügt es vollständig, eine wahrheitsgetreue Diagnose gestellt zu haben. Herrscht doch jetzt erfreulicherweise ein neuer Lebensgeist in der Zentralleitung der ungarischen Orthodoxie. Nun, so möge sich dieser neue Lebensgeist auch in positiver — nicht bloß in negativer, abwehrender — Tätigkeit, in produktiver Arbeit offenbaren und auch in der obigen Angelegenheit einen Wandel znm Besseren herbeiführen. Nur andeutungsweise will ich noch Folgen des hiuzufügen. Mögen auch die Orthodoxen einen Landesfond zur Subventionierung von Rabbinern in kleinen Gemeinden ins Leben rufen, wie es die Neologen getan. Darf man doch das Gute auch von ihnen lernen. Hiergegen können und werden auch die chaffidischen Elemente — die im Lause der letzten Jahrzehnte zum ausschlaggebenden Faktor in der ungarischen Orthodoxie geworden — keine Einwendungen machen. Denn gerade im Interesse des minn tid1? nach althergebrachter Weise dürfen sie dagegen nicht opponieren, da sich hie Zahl der Gemeinden mehrt, die wünschen, daß ihre Rabbiner anständig und standesgemäß sollen leben können, und die daher in Ermangelung eigener Mittel den Besitz eines Maturitätszeugnisses zur Vorbedingung einer Rabbinerwahl machen. Findet nämlich oieses Beispiel häufig Nachahmung, so wird das hingebungsvolle Tio1? minn, wie es in Ungarn seit langer Zeit betrieben wird und welches eben darin begründet ist, daß die Jugendjahre des künftigen Rabbiners dem Studium von p"nin geweiht werden, unberechenbaren Schaden erleiden Die Jeschibajünger werden sich in Gymnasien flüchten, um nach absolvierten Gymnasialstudien ein notdürftiges talmudisches Wissen zusammenzuhaspeln; das vielgerühmte nino*? der ungarischen Rabbiner aber wird bald zu einer schönen Legende aus alter Zeit geworden sein. Im Interesse von p"mn “HD2? möchten wir warnend und mahnend den Führern der ungarischen Orthodoxie das alles zur Beachtung vorlegen, gebe yn, daß unsere Stimme nicht ungehört verhallt.

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