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Der Israelit · 1907-02-14 · Heft 7 (14.2.1907) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 7 (14.2.1907)
Date
1907-02-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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^WWWWWWWW idFebruar 1907; ü WMWWMWMM L>« JSraettt. des Talmud die Belehrung finden und erfahren, baß keineswegs der „Synagoge" etwa nach dem Beispiel der katholischen Kirche das Recht -er Dispensation zustehe, die auch die Aufhebung des Sabbats einmal aussprechen könne, sondern, daß unter besonderen Umständen bei großer Armut eine gewisse Einschränkung in -er sonst erforderten Ehrung des Sabbat in Speise, Trank und Kleidung gestattet wäre. Das Sinaiwort: „Gedenke des Sabattages, ihn zu heiligen" besteht auch heute noch mit seinem furchtbaren Ernste, das keine GestnnungSheuchelei oder ein Kompromiß duldet. Daher ist Ihre Behauptung, „daß Leute, die den Sonntag-Sabbat einsetzen, bessere Juden sein würden, als diejenigen, die den Sabbat gar nicht heiligen" vollständig irrig, fie sind beide Abtrünnig^ die einen aus Gleichgiltigkeit etwa, die anderen aus Sektirerei. Beide aber führen zum Untergange des Judentums. Wie gesagt, ich nehme keine Böswilligkeit bei Ihnen an, sondern Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse. Sie haben aber absolut keine Veranlassung, den Artikelschretber „boshaften und niedrigen Geistes" zu nennen. Es find nicht wenige, die ihm Dank wissen für die entschiedene Verteidigung der uralten, unantastbaren Wahrheiten des Judentums. Es ist ein sehr verdienstliches Werk, die zionistische öffentliche Meinung aufzuklären über die ungeheure Gefahr, die auch dem nationalen Bestände der Judenheit aus derartig irreführenden Anschauungen seiner leitenden Männer erwächst, ganz abgesehen von der Diskreditierung der zionistischen Bewegung. Die gesetzestreuen Zionisten jedoch werden mit ihrer ganzen Kraft gegen die zerstörende Tendenz der von Ihnen entwickelten Anschauungen im Sinne des altüberlieferten religiösen Judentums-kämpfen. Das Schicksal des Zionismus ist damit innig verbunden, und von diesem Gesichtspunkt aus möchte ich das Nordausche Wort dahin variieren: „Der Zionismus wird jüdisch sein, oder er wird nicht sein." Hochachtungsvoll Dr. Franck. . Von unserem Standpunkt aus müssen wir auf den Vorgang vor allem deshalb Hinweisen, weil er aufs neue die gefährliche Vorstellung berichtigt, als sei auf dem Boden des Nationaljudentums der religiöse Bestand ' des Judentums wenigstens in seinen Grundlagen gesichert. . Der Respekt vor der Sabbatidee und die Pietät gegenüber der Vergangenheit verbürgen noch lange nicht die Treue zum Sabbatgesetz, und Greenbergs Beispiel zeigt, wie nicht nur Assimilationsjuden, sondern auch erprobte und aesinnungstüchtige Nationaljuden um propagandistischer Vorteile willen leichten Herzens Fundamentalprinzipien der jüdischen Lehre preisgeben. Ein anderes hat Paulus aus Tarsus schließlich auch nicht gethan; eine Welt fiel ihm zu — aber es war nicht mehr das Judentum, das diese Welt erobert hatte. Wie weit und wie lange aber dem rein nationalen Zionismus überhaupt daran gelegen sein muß, die altjüdische Religion als Bestandteil seiner neuen nationalen Kultur zu dulden und zu pflegen, das ist eine Frage, über die unsere führenden zionistischen Geister höchst wahrscheinlich wesentlich anders denken wie wir und — wie Herr Dr. Franck. ver Sfan9 9er Einnmiröeningsfraae- Während es noch vor nicht langer Zeit den Anschein hatte, als ob sich in die Länder des englischen Sprachgebiets eine der Einwanderung mehr nnd mehr ungünstige Stimmung festznsetzen im Begriff sei, scheint sich jetzt unter dem Druck der wirtschaftlichen Interessen darin eine entschiedene Wandlung zu vollziehen. Zwar ist das Odium mit seiner Alien Bill ein böses Beispiel gegeben zu haben, noch immer nicht von England hinweggenommen. Aber in Amerika, das für die Immigration ja in erster Linie in Betracht kommt, hat sich, wenn wir die gegenwärtigen Vorgänge richtig deuten, tatsächlich ein Umschlag zum Besseren vollzogen. Nicht nur daß man von den Plänen einer weiteren Beschränkung der Einwanderung in den leitenden Kreisen der Union ganz abgekommen ist, man hat sich sogar veranlaßt gesehen, im Gegensatz zu den früheren Gepflogenheiten die bereits bestehenden Gesetze in einer recht weitherzigen und den Einlaß Begehrenden sehr günstigen Weise auszulegen. Der neue Handelsminister Oscar Straus hat die Behörden der verschiedenen Staaten ermächtigt, die Einwanderung in jeder möglichen Weise zu fördern, zu diesem Zweck besondere Agenten anzustellen und den sich zur Ueberfahrt nach Amerika bereit erklärenden Personen die Reisekosten zu bezahlenalles Dinge, die vor kurzem noch als dem Gesetz nicht entsprechend angesehen worden wären. Es ist selbstverständlich, daß es nicht die Rücksicht auf seine jüdischen Stammesbrüder war, die diesen Staatsmann zu den erwähnten Maßnahmen veranlaßte. Das warme Mitgefühl mit den Heimatlosen aus dem Osten, das Herr Straus immer bewiesen hat, wird doch einen Mann in seiner der Kritik so stark ausgesetzten Stellung nicht ohne weiteres zu Regierungshandlungen bestimmen können. Die Verhältnisse vieler Staaten der Union sind vielmehr selbst die Ursache dieser Wendung. Man kann eben nicht mehr ohne einen starken Zuwachs an Arbeitskräften auskommen, und in solcher Notlage wird der praktische Amerikaner gegenüber dem Wortlaut eines Gesetzesparagraphen niemals allzu bedenklich sein. Gleich erfreulich wie diese Situation ist die Haltung, die Australien seit einiger Zeit in der Einwanderungsfrage einnimmt. Man ist dort zu der Einsicht gelangt, daß man mit der früher geübten Fernhaltung neuer Bevölkerungselemente der Entwicklung des Landes sehr geschadet hat. Diese Erkenntnis ist in den Aeußerungen verschiedener australischer Staatsmänner, die vor kurzem in der Presse veröffentlicht wurden, sehr deutlich zum Ausdruck Sette S. 'kzs 7' gekommen, und es wurde dabei lebhaft für eine Abwanderung russischer Juden nach Australien Propaganda gemacht. Es zeigt sich hier, wie überaÜ, daß die Not am leichtesten den Irrtum ru überwinden vermaa. Die gescdicdtlicde Entwicklung der Uerfa$$ung$perl>ältni$$e der jiidiscben Gemeinden Preußens. Bon Rabbiner Dr. Leopold Wreschner in Samter. In der bekannten, jüngst wieder vergegenwärtigten Vision Secharjas werden die einzelnen Zweige des siebenarmigen Tempelleuchters gespeist und genährt durch zwei sie überragende Oelbäume. Wenn nun der Leuchter, der Träger des göttlichen Lichtes, als das Sinnbild der das Gotteslicht verbreitenden israelittschen Religionsgemeinschaft, die Zweige als Hinweis auf ihre einzelnen Gemeinden gelten dürfen, die beiden Oelbäume aber nach der dem Propheten gewordenen Deutung das weltlich politische Haupt und den priesterlich-geistigen Führer Israels bedeuten, so kann uns die Vision zugleich den idealen Urzustand der jüdischen Gemeindeversassung gegenwärtig halten in der Zeit, da die höchsten weltlichen Machthaber Israels in innigstem Bunde mit den ersten religiös-geistlichen Würdenträgern Wachstum, Blüte, uud Gedeihen der einzelnen Gemeinden nährten, beschützten und überwachten und ihnen das Sanhedrin, welches die vollendete Einheit von Staat und Kirche in Israel repräsentterte, als höchste Behörde übergeordnet war. Aber auch als die schwächsten Nachklänge dieser Zeit und ihrer idealen Einrichtungen verklungen, als der letzte Glanz des Patriarchats in Palästina schon längst erloschen, das das gesamte Exil geistig nährende Gaonat in Babylon und sein weltlicher Beschützer, das Exilarchat, ins Grab gesunken war, kurz, auch als jeder weltliche Arm, der das Judentum als solches liebevoll pflegte und schützte, der jüdischen Religionsgemein- - schüft und ihren einzelnen Zweigen fehlte, auch da hat die jüdische Gemeinde sich allenthalben auf dem festen Boden der Autonomie konstituiert und entwickelt, aus sich selbst heraus die bewährtesten Normen für die innere Entfaltung und Leitung geschaffen und gewahrt, ohne jeglichen Zwang von außen sich freiwillig der im Talmud und in den religionsgesetzlichen Kodizes sankttonierten Verpflichtung unterworfen, zur Erichtung eines gemeinsamen Bethauses, zur Anstellung von Jugendlehrern, und wenigstens für die hohen Festtage eines Vorbeters, später auch eines juchtsvollen Ausdruck an. Ich sprach ihm zu und flößte ihm Hoffnung ein mit dem Hinweis auf die Vielen, die auch ihre Familien hatten Nachkommen lassen können. Als wir an seiner Station anlangten, nahm er unter vielen Dankes- und Segensworten von mir Abschied. Mich selbst aber führte der Zug meinem nächsten Arbeitsziele zu, ftoh, daß ich einem halbverhungerten Glaubensbruoer meine Abendmahlzeit hatte abtteten dürfentraurig gestimmt durch die aus dem Munde eines Beteiligten soeben gehörte Tragödie, die sich in dem Reiche des Zaren in so vielen, vielen Fällen abgespielt hat. Die Juden von Tlorenz. Pas H-etta der atten Stadt. Im Jahre 1885 wurde die Niederreißung des Florentinischen Ghettos befohlen, und bald erhoben sich lufttge, gesunde Häuser in jenem Stadtteil, der noch vor kurzem aus dumpfen, lichtlosen Kasernenbauten bestanden batte. Das Ghetto von Florenz war überall bekannt, denn da es in neuerer Zeit seine Tore allen Judm geöffnet hatte, bildete es, gleich dem römischen Ghetto, eine Art Zufluchtsort und wurde auch von flüchttgen Durchwanderern häufig besucht. Das Ghetto lag im Zentrum der Stadt, dem erzbischöflichen Palaste gegenüber, kcmm hundert Schritte von der Kathedrale entfernt. Vielleicht gab es Altertumsforscher unter jenen gebeugten Gestalten, die bas Ghetto bewohnten. Sie waren es wohl, die die Besucher der ö amstagsnachmittagversammlungm darauf hinwtefen, baß auf dem Boden, dm fie betraten, einst baS turmgeschmückte Kapitol der römischen Stadt Florenz und später, in der lombardischen Periode das königliche Florum gestanden hatte. Sie ermuntertm fie in dem Gedanken, wie manche gefallme Größe dieser Bobm barg, und baß auch ihreUnterdrücker der Strom der Zeit einst hinwegschwemmen würde. Der Gedanke, daß spätere Generattonen eine glücklichere Zukunft erleben würden, hielt diese Männer aufrecht. Heute noch kann der Reisende über einem der ehemaligen Ghettotore die fast verblichenen Worte lesen, die Dante einst über das Tor der Hölle schrieb: „Lasciate ogni speranza“. („Die ihr hier etntretet, laßt alle Hoffnung schwinden.") Doch aus welcher Periode auch diese Inschrift stammen mag — vielleicht ist fie auch objekttv betrachtet dem Otte angemeffen gewesen — nie wurde fie von den Ghettobewohnern anenannt. Nie ließen fie die Hoffnung schwinden und hielten treu an dem Gedanken einer endlichen Erlösung fest. Die Geschichte der florentinischen Juden reicht nicht so weit zurück, wie die der römischm, noch ist fie so reich an Ereignissen, wie diese. Die florenttnische Gemeinde kann sich nicht gleich der römischm rühmen — wenn zweitausendjährige Leidm eine Sache find, derm man fich rühmen kann — daß ihr Stammbaum bis zur Zeit des Scipio und der Graechen zurückreicht. Die Florentiner konnten fich nicht rühmen, daß ein Abtrünniger ihrerGemeinbe die Papsteskrone getragen habe, gleich Anaklet II., der, obgleich kirchlich nicht anerkannt, Rom Jahre hindurch regierte, und den die Armee des deutschen Kaisers nicht zwingen konnte. Aber andererseits blieben ihnen auch die Demütigungen ihrer römischen Brüder erspart, die wie Pferdm und Eseln halbnackt auf dm Korsos zum Entzücken des Volkes wettlaufm mußten. Die Geschichte der florentinischen Judm ist kürzer und weniger schmerzlich. Im Jahre 1430 war ihnm vom Statthalter unter allm möglichen Borbehatten Einlaß gewährt wordm. Schon nmn Jahre später wurdm ihnen zwei Bankm übergeben. Die Zahl der Judm wuchs schnell, und ihre Geschäfte dehnten sich aus, besonders in jmer retchm, genußliebenden, verschwenderischen und jugendfrohen Zeit, die wir heute „Renmfsanee" zu nennm pflegen. Die ersten Medizäer, sowohl Cofimo als Lorenzo, duldeten fie gerne, bevorzugten fie sogar. Aber in der Zeit des BußvredigerS Girolamo Savonarola wandte fich wieder die BolkSwut gegen fie. Sie wurdm vertriebm, aber bald darauf nach dem Tode des Dominikaners r t. Marko wieder ausgenommen. Die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts war eine traurige Zeit für die Juden aller Länder. In Rom wütete der fanattsche Neapolitaner Papst Paul IV. gegen sie und seine Bulle schädigte fie auch in anderen Städten. Es liegt im Charakter jeder reakttonären Epoche, die Judm anzufetndm. Nicht lange nach dem Tode Pauls IV. öffneten fich dm florenttnischm Juden die Tore des Ghettos, und ein besonderes Merkmal an der Kleidung wurde sowohl für die Frauen als für die Männer eingeführt. Papst Paul hatte diese Maßregel zuerst für Rom erfunden - aber auch ' andere Machthaber jener Zeit fanbm fie nachahmenswert. Doch das Geschick der flormttnischm Judm milderte fich durch die Hilfe der schönen Benettanerin Bianka Capello und chres Gatten, des Großherzogs Franzesko. Bianka Capello erhielt wtchttge Zugeständniffe, die die Lage ihrer Schützlinge bedeutend befferten. Aber als sie und ihr Gatte durch Gift starbm, endete rasch die kurze glückliche Zeit für die Ghettobewohner. Tatsache ist, daß die Bedrückungm, die fie erduldeten, nie zu der Härte gelangten, mtter der die Judm in Venedig, Pisa, Ferrara oder gar in Rom litten. Die Ghettomauem umschlossen fie gleich einem Gefängniffe, doch auch gleich einem Zufluchtsort, und nie versuchte der florenttnische Pöbel das Ghetto zu stürmm und zu plündern, wie dies so oft in anderm Städten, zu beibm Seiten der Alpm, besonders in Rom, geschah. Wir hörm im Gegentell von energischen Maßnahmm, die die Machthaber S Schutze der Juden ergriffen. So verbannte ein tthalter einmal einen Franztskanermönch, der von dev Kanzel auS daSBolk gegm die Judm autzewiegelt

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