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Der Israelit · 1907-02-07 · Heft 6 (7.2.1907) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 6 (7.2.1907)
Date
1907-02-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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»s. S. Sette rs. Der Israelit. dev wissenschaftlichen Garaus machen. Än ihren Konsequenzen, die auf litterarischem Wege nicht beseitigt werden konnten, drohte das Judentum in unseren Gegenden lange Zeit hindurch zu ersticken. i m Hüchrrscha«. neue reliflionsmissenfdiaftlidie Literatur.*> Bvn Dr. L. A. Rosevthal in Pr. Stargard. HI. Die Schrist Erich Bischofs „Los von Gott" hat eineäußere Veranlassung. Dr. Horneffer hatte in Leipzig Bortrüge über die Begründung einer neuen Religion gehalten. Da dieser Gelehrte zu den Anhängern Nietzsches gehört, so kann man sich denken, welche Grundsätze,dem neuen Glauben zu Grunde gelegt werden sollten. Dagegen erhob /ich Bischoff, der fleißige, scharfsinnige und vielseitige Forscher, dem vielleicht gerade seine Bielseitiakeit in manchen Kreisen schadet, weil man die Gründlichkeit seines Vorgehens dadurch verkennt. In der Streitschrift „Los von Gott" sehen wir ihn in gauz neuer Gestylt vor uns. Er hat den Forschermantel abgelegt, man merkt ihm hier die Mühe der Schule nicht an. Er führt uns frisch in eine Versammlung hinein, wo sich ein neuzeitlicher Gottesgegner soeben hat hören lassen Cicero und Goethe sind auch dabei, aber nur als Zuhörer, ebenso Spinoza. Nun besteigt der berühmte Professor die „Bütt" und hält eine Donnerrede gegen Gott und Seele. Ein Sozialist überbietet ihn. Auch Vermittler sind dabei, die eine Religion in Auslese wollen. Homunkules ist allerdings nicht im Stande, mit großen Dichtern und Geistern zu fühlen — aber auch die Menschheit als Brüderschaft empfinden sie nicht. Ein junger Theologe führt Männer wie Schiller und Cartesius an und will die Anwesenden durch ihre Zweifel und den Weltschmerz hindurch zur Weltfreude tmd dadurch zur Gottheit führen, damit die Religion erlösend wirke. Der Gott der Väter, ein heiliges Vermächtnis, soll selbst errungen werden. Das lange anerkennende Schweigen der Anwesenden löst ein Budhist ab, der seine Religion ohne Gott empfiehlt. Der Vorredner entgegnet u. A., daß tatsächlich sich eine Gottesverehrung mit gottesdienstlichen Formen auch im Budhtsmus entwickelt hat. Der Jude, der selbständigste Geist, ist unentwegter Verkünder der Gotteseinheitder Christ geht trotz seiner Trinität auch imnier darauf zurück. *) v. Otto Pf leiderer. Professor an der Universität zu .Berlin: Religion und Religionen (IV.) und 249 Seiten. München. Lehmann. 1906, broschrert 4, geb. 5 Mk. Dr. Norbert Peters; Bibel und Naturwissenschaft nach den Grundsätzen der katholischen Theorie. Paderborn. Scköningh, 66 Seilen. Dr. Erich Bischof: Los von Gott? 52 Seiten. Leipzig. „Deutscher Kampf"-Berlag. (Daß der christliche Theologe seinem Glauben den Vorrang sichert, nehme ich ihm nicht übel.) Mitten in di« Beratungen zuckt mit ewem Mal ein Blitz hinein und als ein Redner gerade ruft: Los von —, da wird er getroffen, und die Freigeister überfällt nach dem horazischen parcus cleorum cultor eine Stimmung zum Beten. Es folgen dann die weiteren Entwickelungen, auf welche wir die Leser selbst verweisen müffen, da wir nicht das ganze Buch ausschreiben wollen. Die eigenartige Fornt, welche Bischoff seinen Darlegungen gegeben, wird man aus unseren Andeutungen schon im Stande sein zu erkennen. Wir empfehlen das Büchlein Jedem, der sich am Eifer eines Anderen für den Gottesgedanken erwärmen will und dabei doch Selbständigkeit genug besitzt, seine eigenen Gedanken sich zu bewahren und vom nderen das Gute anzunehmen. So sehen wir hier von verschie enen Seiten denBerftlch, die Kluft zwischen Glauben und Wiffen zu überbrücken. Die Zeit der Blüte von „Kraft und Stoff" ist dauernd vor. ber) der Gebildete pocht an die Pforten des Gotteshauses, das er einst verachtet hat, und der Vertreter des Gottesgedankens und der strengen Zucht des Glaubens tritt mutvoll für seine Sache ein. So geht die Religion trotz so vieler betrübender Zeichen der Zeit doch einer gedeihlichen Zukunft entgegen und mit ihr die Menschheit. n^DD/ Lebensführung der Redlichen von R. osche Chaim Luza tto mit deutscher Uebersetzung von OskarSachariasohn, Budapest, 1606. Verlag Osias Gehers Buchhandlung. Bor nicht langer Zeit brachte der „Israelit" eine ausführliche Besprechung der Uebersetzung des in der Ueberschrift genannten Werkes von Herrn Dr. Wohlgemut h - Berlin. Es ist bezeichnend für die ganze Richtung unserer Zeit, daß innerhalb eines kurzen Zeitraumes dasselbe Werk von zwei Autoren, die miteinander in gar keiner Verbindung stehen, zum Gegenstände eingehenden Studiums gemacht wird. Wir können hier eine „logische Kontinuität", da ja die „historische" ganz ausgeschloffen erscheint, beobachten, die vielleicht einen nicht unwesentlichen Beittag zur Charakteristik der religiösen S t, ömungen innerhalb des Judentums liefern dürfte. Daß zwei Männer gerade das Werk Luzattos für geeignet halten den religiösen Sinn unserer Zeitgenoffen einerseits zu heben und andererseits zu vertiefen, ist mehr als Zufall. Es scheint, daß ein gewisftr Ernst, ein inniges Bedürfnis nach einer Verinnerlichung der religiösen Gefühle, ein Drang nach Vertiefung des religiösen Erkennens und endlich eine vielleicht den Meisten unbewußte Sehnsucht nach dem Mystischen innerhalb des modernen Judentums wahrgenommen wird, die alle durch das Werk des großen italienischen Gelehrten befriedigt werden sollen. Und dieses Werk ist in der Tat wie kein zweites geeignet befruchtend auf das religiöse Leben zu wirken, religiöse Erkenntnis zu fördern, die religiösen Gefühle zu vertiefen, die Wahrheiten des Judentums seinen Bekennern wert und lieb zil machen. Als Symptom der Zeit begrüße ich daher freudigen Herzens auch die vorliegende Uebersetzung. Leider kenne ich die Uebersetzung des Herrn Dr. Wohlgemuth nicht und kann deshalb keine Parallele ziehen. Ich beschränke mich daher darauf die vorliegende Uebersetzung wärmstens zu empfehlen. Die Uebersetzung hält sich treu an den Text, ohne sich ftlavisch an das Wort zu klammern. Einem jeden Kapitel schickt der Uebersetzer eine kurze Inhaltsübersicht in hebräischer und deutscher Sprache voraus, die die Lektüre des Werkes wesentlich erleichtert. Zu sämtlichen Zitaten fügt der Uebersetzer eine genaue Quellenangabe hinzu. Die Ausstattung des Werkes ist eine vornehme und es sei daher allen Kreisen zum eingehenden Studium empfohlen. Dr. Klein, Kronstadt (Brasso). Get»iiieir ttttfr Gewissensfreiheit von Victor C a t h r e i n. (Glaube und Wissen, Heft 6, Münchener Bolksschriftenverlag.) . . geschrieben. äie vertEßt tle Lehret daß das Gewissem ein von Gott in die menschliche Brust gesenktes richtendes Gefühl ist, das als Führer im Leben dienen soll. Die Tatsache, daß Aeußerungen des Gewissens sich bei allen, auch auf niedrigster Kulturstufe stehenden, Völkern Nachweisen lassen, bezeugt, daß das Gewissen nicht etwas Anerzogenes, Angewöhntes ist, sondern daß es dem Menschen seiner Natur nach als mitgeborener Besitz eigen ist. Demgegenüber können die Versuche der materialistischen Auffassung, diese Tatsache in Abrede zu stellen, auf Billigung keinen Anspruch machen. Auch die Versuche, die Tatsache des Gewissens entwicklungsgeschichttich zu erklären, m. ffen als gescheitert bettachtet werden. Denn bei den Tieren^ bei denen man Ansätze zuni Gewissen wahrgenommen haben will, findet sich in der Tat nur Furcht vor Strafe, nicht aber jene eigentümliche Stimme der richtenden Seele, die den Menschen vor seinem besseren elbst erbeben macht, ohne jede Hinsicht auf eine Strafe. Es bleibt alsozur Erklärung der Tatsache des Gewissens nur die Annahme, daß es von Gott in die menschliche Brust gepflanzt, ein Attribut der Menschenwürde ist. Die weiteren Ausführungen des Verfassers über die Arten des Gewissens, über seine Autorität usw. find dein Zwecke des Buches entsprechend erbaulicher Natur undkönnen hier unberücksichtigt bleiben. Auch der polemische Teil des Schriftchens ist diesem Zwecke angepaßtindessen verweist der Verfasser auf ein größeres Werk, in dem er die in dieser Schrift nur oberflächlich 'geführten Beweise in stteng wissenschaftlicher Form behandelt. Eigentümlich berührt die Auffassung der Gewissensfreiheit, die ausschließlich für die katholische Kirche in Anspruch genommen wird, während die „falschen" Konfessionen, zu denen natürlich auch das Judentum gezählt wird, eigentlich — wenn die Welt nicht so schrecklich schlecht wäre — unterdrückt werden müßten. Da nun das Judentum von Rechts wegen unterdrückt werden sollte, kann es nicht. Wunder nehmen, daß der Verfasser die vielen Zitate aus dem „Alten Testament" als Lehren des Christentums hinstellt, ohne auch nur anzudeuten, daß diese Lehren vom Judentunte verkündet wurden — denn das Judentum soll, ja unterdrückt werden. A. KI. Citerariscber Sprecdraal. In dem Feuilleton „Der Baal Schem von Michelstadt" wird der Ruf tlep tlep auf die Anfangsbuchstaben von „Hierosolyma est perdita“ zurückgeführt. Diese Ableitung, wird vielfach als unrichtig bezeichnet. Mein Vater, der als Knabe vielfach in der Umgebung von R. Seckel Löbwar — und jene Zeit brachte den Spotttuf auf — leitete es von den Worten TyH3 □rn3^“' ab, deren Anfangsbuchstaben ergeben. Ich glaube auch, daß diese Erklärung der Wirklichkeit ant nächsten liegt. M. Sch. (Es dünkt uns mehr als unwahrscheinlich, daß die Judenfeinde ren fraglichen Schimpfruf von einem hebräischen Vers, und noch dazu solchen Inhalts, hergenommen haben sollten. Die Red.) euilleton. verkaal-Scdem von MicbelstaM. Bon JndSus. 22 Nachdruck verboten. Einen Augenblick sah der Rabbi mit seinen klugen, milden Augen dem Fremden in die verkümmerten Gesichtszüge. Es lag in diesem Blick so viel Güte und Vertrauen, daß sich die verstörten Mienen sofort aufhellten, und er begierig an den Lippen des Weisen hing. Dieser sprow nun ganz bedächtig: „Wißt Ihr auch, daß Ihr eine ganz besonders gescheite Frau habt und daß Eure Frau einen gescheiten Mann haben muß, weil Ihr ihrem Äat gefolgt seid und zu mir kamt? Eure Frau hat Recht, Ihr müßt wieder einen Schuttof (Compagnon) nehmen, und ich weiß Euch einen, der Geld hat, mehr wie Jbr braucht und der an Jaschronus (Redlichkeit und Billigkeit) nicht seines Gleichen hat, der sicher auf das Geschäft eingeht, wenn nur Ihr wollt. Also, wollt Ihr?" „Wie sollte ich nicht wollen, wenn der Rabbi hn für recht hält) wie heißt er?" „Halt, so rasch geht das nicht. Ich muß Euch noch eine Frage vorlegen: Wenn Ihr einsehen solltet, daß ich selber an der Befolgung dieses Rats ein großes, eigenes Interesse habe, werdet Ihr dann meinen Rat doch befolgen?" „Hier habt Ihr mein Tkias Kas (Handschlag), daß ich alles tun werde, was der Rabbi sagt," sprach der Fremde, indem er seine Hand zum Einschlagen hinreichte. „Nur gemacht, Tekias Kaf ist ein Schwur (Eid), damit wirft man nicht so um sich. Euer Wort ist mir genug, vielleicht freut Ihr Euch später selbst, daß Ihr nicht geschworen habt. Nun sagt mir aber zuerst, wie viel Geld habt Ihr noch?" Der Gefragte nahm ein ledernes Beutelchen aus der Tasche und legte es auf den Tisch mit den Worten: „Darin sind zwei und ein halber Gulden. Einen Gulden habe ich meiner Frau zurückgelaffen, das ist mein ganzes Vermögen." „Das ist vollkommen genug) ich habe Euch ja gesagt, für das Kapital wird der Schuttof aufkommen. Immerhin aber ist es gut, wenn Ihr etwas, wie eine Art Dreingabe ins Geschäft mitbringt Dazu will ich Euch zehn Gulden geben und zwar als Geschenk, nicht als Darlehen) es soll Euch. R.'assol und Brocho bringen. Und nun rate ich Euch, nehmt Haschem Jißborach (Gott, gesegnet sei erals Schuttof, der hat Geld und ist ehrlich, wißt Ihr einen Besseren? Ihr. werdet sehen, daß Ihr ganz ungewöhnlich gute Geschäfte machen werdet) aber Ihr müßt auch, ehrlich sein, und ehrlich die Hälfte von jedem verdienten Kreuzer zurücklegen für Euren großem Compagnon. Er hat zwar viel Geld, aber er braucht heutzutage auch sehr viel, denn die Armut ist groß. Ihr legt Euch eine besondere Kaffe an und schreibt darauf Kodesch Laha schem: (heilig für Gott). Da hinein legt Ihr gewissenhaft die Hälfte von allem was Ihr verdient und gebt's. den Armen. Und wenn Ihr dabei auch mich bedenken wollt, so nehm ich's recht gerne an. Ich bin nahezu an 2000 Gulden, schuldig, die ich für gute Zwecke bei meinen Freunden geliehen habe. Deswegen leihe ich Euch' die zehn Gulden nicht, damit's.kein Ribbis (Zins) ist, was Ihr mir später geben werdet. Und n un besinnt Euch nicht, denn wenn Ihr Euch jetzt: noch bedenken wolltet, sähe es aus, als zweiMt Ihr an Euerem Schuttof. Deswegen nehme ich' Euch bei Eurem Wort und gebe Euch sofort Ne zehn Gulden."

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