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Der Israelit · 1907-02-07 · Heft 6 (7.2.1907) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 6 (7.2.1907)
Date
1907-02-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Der JSraeltt. Nr. 6. 7. Februar 1AV7 »wischen Ihnen und mir getroffene Uebereinkommen mit dem 1. Februar d. Js. auflösen zu wollen. Hochachtungsvoll Hermann Kaufmann Metzgerei, Wurst- und Fleischwaren Weverstraße 21. Köln, 29. Januar. Die Aula des jüdischen Lehrerseminars vermochte verflossenen Sonntag kaum die Zahl der Freunde zu'fassen, die der Kaisergeburtstagsfeier der Anstalt beiwohnen wollten. Die Darbietungen der Zöglinge befriedigten aber auch die weitgehendsten Ansprüche. Das Lehrerkollegium hatte ein Programm zusammengestellt, wie es wenige Anstalten aufzuweisen vermögen. Jnstrumentalvorträge, Deklamationen und Vorträge wechselten miteinander ab. Wie sachkundige Pädagogen versicherten, können diese Leistungen kaum von Schwesteranstalten überboten werden. Man konnte merken, daß das Kölner Seminar gewaltige Anstrengungen inacht, um den christlichen Lehrerbildungsanstalten auch in den Berechtigungen, nicht lediglich in den Verpflichtungen, gleichgestellt zu werden. Die deklamatorische Leitung lag in den bewährten Händen des ersten eniinarlehrers Gut; den musikalischen Teil leitete der neue Musiklehrer des Seminars Bredack. -In der Festrede behandelte Herr Semmarlehrer Dr. Frankfurter die Disputation zu Tortosa im Jahre 1417. Begeistert stimmte die dichtgedrängte Zuhörerschaft in das Kaiserhoch ein. Auf den gemeinsamen Gesang der Nationalhymne folgte das vortrefflich gespielte Konzert- , stück von Rinck. Um 5 Uhr hatte die zweistündige Feier ihr Ende erreicht. * Karlsruhe, 6. Febr. Die Großherzoginwon Baden hat von der'ihr anläßlich des goldenen Ehejubiläums von den Frauen Badens gewidmeten Spende von 140000 Mk. dem künftigen Hospiz für israelitische Kinder und minderbemittelte Erwachsene in Dürkheim 8000 Mk. überwiesen. Pol «, 1. Febr. Die Versteigerung einer Synagoge findet in den nächsten Tagen in Sandberg bei Gosthn statt, weil aus dem kleinen Ort alle jüdischen Einwohner ausgewandert sind. Im Volksmunde wurde Sandberg früher wegen der großen Anzahl der dort wohnenden Juden, die „Judenburg" genannt. Aus Württemberg, 5. Februar. Nach einer kürzveröffentlichten Statistik zählte Württemberg am 1. Suar 1906 2222 Schulorte mit 2317 Volksschulen. Die l der Lehrstellen betrug 5318. Davon waren 3675 mit protestantischen, 1619 mit katholischen und nur 24 mit jüdischen Lehrkräften besetzt. Der Grundgehalt eines definitiven Lehrers beträgt 1200 — 2400 Mk. Den Grundgehalt zahlten die Gemeinden, die Alterszulagen der Staat, die größeren Gemeinden haben meist eigene Gehallsstatute. Tmesvar, 3 Febr. Kürzlich hat die Kgl Kurie einen Rechtsstreit zwischen der Temesvar-Josesstädter israelitischen orthodoxen und der Temesvarer israelitischen Gemeinde entschieden, der lange Zeit hindurch mit seinen wechselnden Phasen die Gemüter der Beteiligten in Aufregung gehalten hatte. Eine ehemalige Temesvarer Jüdin, die in Wien zum Christentum übergetreten war, hat trotz dieses Glaubenswechsels in ihrem Testament der jüdischen Gemeinde ihrer Heimatsstadt ein Legat von 10,000 Kronen vermacht. Da in dem Testament eine nähere Angabe fehlte, welcher der in Temesvar vorhandenen Gemeinden das Legat zufallen solle, so erhoben beide genannten Gemeinden Anspruch darauf Der Temesvarer Kgl. Gerichtshof wies in dem sich hiernach ergebenden Prozeß die Josesstädter Gemeinde mit ihrem Begehren zurück, die Kgl. Tafel daselbst änderte jedoch das erste richterliche Urteil dahin ab, daß sie das Legat in drei Teile teilend je einen Teil den verschiedenen örtlichen israelitischen Gemeinden zuwies. In letzter Instanz hob jedoch die Kgl. Kurie diese Entscheidung auf und sprach das ganze Legat endgültig der israelitischen Kultusgemeinde zu. Warschau 1 Febr In Russisch-Polenwohnen jetzt unter einer Gesamtbevölkerung von 11,370,444 Personen 1,635,119 Juden, also 14,38"/» Riaa, 29. Jan. Der hier wohnende Schneider Friedmann war, weil er einen jungen Mann ohne Anmeldung zum Polizeiregister in seinem Hause geduldet hatte, ins Gefängnis gesetzt, worden. Dort wurde er während seiner achttägigen Haft so mißhandelt, daß er alsbald erkrankte und starb. Er hinterläßt eine Witwe und mehrere Kinder ohne jegliche Mittel. Ucrcin$we$en. Frankfurt a. M. 25. Jan. Am 21. ds. Mts. hielt Herr S. BerloWitz in der hiesigen zionistischen Bereinigung ein Referat über das Thema: „Die Entwickelung der Jto". Rest führte ungefähr Folgendes aus: Durch die neuesten Verlautbarungen der „Jto", die darauf hindeuten, daß man in deren Kreisen entschlossen sei, von Worten zur Tat überzugehen, ist die Territorialidee im zionistischen Lager wiederum aktuell geworden! Damit solle jedoch nicht gesagt sein, daß fie die Zionisten seither nicht beschäftigt hätte; vielmehr sei sie seit dem VI. Kongresie stets in dem Bereich ihres Interesses geblieben, in freundlicher oder gegnerischer Absicht. Und gerade der Umstand, daß sowohl hüben als drüben die Gemüter sich noch nicht völlig beruhigen konnten; ist dem Redner ein Beweis dafür, daß die beiden Organisationen zusammengehören. Die Auswanderer-Frage ist eine unumgängliche Notwendigkeit. Daher die Erbitterung der Territorialisten darüber, daß die Partei, welche vorgibt, die Repräsentantin des jüdischen Volkes zu sein, gerade in dieser Frage versagte; während man auf Seiten der Zionisten der „Jto" nicht vergeben kann, so scheint es, daß fie sich etwas gesichert hat, was dm Zionismus zu ' einer imponierenden Macht hätte werden lassen können: die lebendige Tat! Nicht zufällig kam das Ostafrikä- Projekt, die Wiege des Territorialismus, in die zionistische Bewegung; es war vielmehr, nach Lage der Dinige, eine Tat politischen Taktes und reifer Einsicht. Wohl vermeinen manche, Herzl wegen dieser Tat entschuldigen zu müssen, indem sie entweder behaupten, er habe dieses Projekt nur als politischen Schachzug gegen die Türkei verwenden wollen, oder, es sei nach den Ereignissen von Kischinew für Herzl eine moralische Unmöglichkeit gewesen das Angebot einer Rettungshafens auf eigene Verantwortung abzulehnen, er habe dies jedoch vom Kongresse erwartet. Nun, die Eröffnungsrede zum VI. Kongresse, in der es heißt, daß man im Leben leider so oft das Ziel nicht in der geraden Luftlinie erreichen kann, scheint nicht eben dieser Auffassung Vorschub zu leisten. Aber mögen diese Gründe auch mitgewirkt haben, die entscheidenden Faktoren sind im Zionismus selbst zu suchen. Die zionistische Bewegung konnte nicht länger ohne wirkliche Arbeitsgelegenheit gelassen werden, wenn nicht eine Krisis ausbrechen sollte. Deren erste Vorboten sind in dem Auftreten der sogen. Fraktion zu erblicken, die bestrebt war, die brachliegenden Kräfte mit Kulturarbeit zu befassen. Das Ostafrika-Angebot war dazu besttmmt aus dieser Schwierigkeit einen Ausweg zu bieten. In großem Jrrtume sind daher die befangen, welche dem Uganda- Projekt die Schuld an der schweren Krisis beimessen. Allerdings hat diese Frage dann, nachdem es kam, wie es nicht hätte kommen müssen, das, was früher latent war, akut gemacht. Allein cs gilt jetzt nicht über Vergangenes vergebliche Klage zu erheben. Die Frage. ist vielmehr: wie sollen wir unser Verhalten der „Jto" gegenüber einrichten, da sie jetzt zur Arbeit schreitet?- Natürlich wird derjenige, der mit dem Gesagten einigermaßen einverstanden ist, für ein recht freundliches Verhältnis stimmen. Und er wird es mit umso leichteren Herzen tun dürfen, weil es nicht die „Jto" ist, welche die fluchtartige Auswanderung verschuldet hat; sie ist es vielmehr, die die ''Auswanderung leiten will, damit sie nicht vor geschlossenen Toren an lange. Wenn nun die einen sich darüber freuen, andere es beklagen, daß die „Jto" mit dem Projette einer Ansiedelung von Juden in Texas ihrem nationalen Programm untreu geworden sei, so muß beiden gegenüber bemerkt werden, daß dasjenige, was jetzt geschehen soll, von Zangwil für den Fall der Zurücknahme des englischen Angebotes von vornherein, bei der Gründung der Organisation, als Möglichkeit angekündigt wurde, 2.ber auch wenn es den Nationalgesinnten in der „Jto" nicht gelänge, ihren Anschauungen zum Siege zu verhelfen, woran die Zionisten nicht zum geringsten Teile mitschuldig wären, auch dann verdienten die Leiter dieser Organisation unseren Dank, weil sie eine schwere Last auf ihre Schultern geladen haben, die unserer Ansicht nach in erster Reihe von den Zionisten hätte getragen werden müssen. Aber, wie gesagt, noch glauben wir nicht, daß die „Jto" nichts Besseres im Sinne hat, als unsere philanthropischen Gesellschaften. Daß aber die Bestrebungen der „Jto", auch außerhalb Palästinas jüdische Zentren zu schaffen, mit dem zionistischen Ideal absolut nicht im Widerspruche stehen, können wir aus einem leuchtenden Beispiel in -unserer Geschichte entnehmen. Rabbi Jehuda Halevi, der ruhmvolle Verfasser der unsterblichen „Zionide", war sicherlich ein guter Nationaljude, dem die Liebe „zu Zion" wie ein Feuer im Herzen brannte. Dennoch war er voller Freude, als ihm zu Ohren kam, daß irgendwo hnter den Bergen, im Chaz-u renreiche, ein kleines Völkchen lebe, das sich zum Jude-v tum bekenne und Herr seines Geschickes sei. Und merkwürdig, auch in diesem Chazarenstaate war die Liebe zu Zion rege! Ueberall da, wo jüdisches Leben sich frei entfalten darf, wird der alte Schwur: „Vergesse ich Dein, Jerusalem, so verdorre meine Rechte!" immer neu und in voller Kraft bleiben! Dem Referate schloß sich eine lebhafte Diskussion an. Herr Bermann bestreitet, daß nicht die Uganda-Frage die Krisis gebracht haben solle. Herr Lcvigart kennt Land und Leute in Texas und hält eine Kolonisation daselbst für aussichtslos. Herr Dr. Wilensky-Nikolajew spricht gegen den abstrakten politischen Zionismus und gegen die „Chowewe - Zion" alten Schlages; er ist für die Mittellinie. Herr Saly Geis ist mit der Forderung eines freundlichen Berhältniffes zur „Jto" mit dem Ref. einverstanden. Aber nachdem es sich gezeigt habe, daß die „Jto" ihr nationales Programm verlassen, kann er es nicht mehr bedauern, daß die Zionisten seinerzeit es abgelehnt haben, mit der Sache sich zu befassen. Herr Janson tritt für Arbeit in Palästina ein. Mit einer Erwiderung des Referenten schloß die Debatte. Berlin, 1. Februar. Der Verein „Jüdische Lesehalle und Bibliothek E. B." hielt gestern Abend 8 Uhr in den Vereinsräumen, Oranienburgerstraße 28, die 13. Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Dr. Max Ginsberg begrüßte die Erschienenen und erstattete den Jahresbericht. Die Bibliothek umfaßt 5719 Bände; 70 jüdische Zeitungen liegen im Lesesaal aus. Der Besuch des Jnstttutes war ein überaus reger, 24,017 Personen benutzten die Lesehalle im Jahre 1906. Bon den Bibliotheksbeständen waren 2619 Bücher — etwa 50°/o — entliehen. Der Gchatzmeister, Herr Benas Levy, erstattete den Kassenbericht, die Einnahmen betrugen Mk. 4449.89, die Ausgaben Mk. 4467.74. Er wies nachdrücklichst darauf hin, daß^dte laufenden Einnahmen des Vereins nicht genügen, um das Institut weiter ausbauen und um allen berechttgten Wünschen nackkommen zu können, deshalb müsse eine Vergrößerung der Zahl der jährlich betttagenden Mitglieder ersttebt werden. Bei den sodann folgenden Borstandswahlen wurden die bisherigen Mtglteder wiedergewählt. Personalien. Hamburg, 1. Februar. Herr Oberkantor N. I. Süßkind von der Deutsch-israel. Gemeinde in Hamburg ist kürzlich mit Rücksicht auf sein vorgerücktes Alter in den wohlverdienten Ruhestand getteten. Er hat vierzig Jahre hindurch in dieser Gemeinde seines Amtes, gewaltet. In einem Schreiben an den trefflichen Mann würdigt die Gemeindeverwaltung die hohen Gaben und Charaktereigenschaften Süßkinds und die Verdienste, die er sich um eine schöne Gestaltung des Gottesdienstes in der Svnagoge erworben hat. Ost owo, 1. Februar. Rabbiner Dr. Freund ist einstimmig zum Rabbiner in Hannover gewählt worden. Herr Dr. Frrund hat hieracht Jahre gewirkt. Kegetische Miscelkerr. Zu der Bemerkung zum 2. B. M. 18,11 in voriger Nummer möchte ich mir darauf aufmerksam zu machen gestatten, daß doch Stellen, wie 19,3 nSPDl oder 24,11 oder dort 13 O'pbitn IHt wo überall der Artikel mit ybp versehen ist, nicht von i"y sprechen. Vielmehr dürfte die Mechilta ihre Bemerkung dem einfachen Wortlaut entnehmen Wann nrp sagen kann nippen toö WP „Ich erkenne jetzt, das Gott größer als alle Gottheiten ist", dann muß er eben alle Religionssysteme studiert haben. Das 2>p^^> dagegen in 22,9 erhält seine Bedeutung als fy nur durch den Gegensatz der zweiten Vershälfte. B. Wolf. Berichtigung. In dem Artikel in No. 5 d. Bl. (S. 5) „Selbständigkeit und Originalität der Forschungen Samson Raphael Hirschs" von I. Talmido, muß es in der ersten Spalte in der 10. Zeile von unten statt: „in seinem Kommentar zum tPDP:" heißen: „in seinem Jeschurnn". Sabbat-Anfang u. Ausgang. '£n) D'BStPÖ ORT: 1 Anfang Datum Ausgang Uhr!Min. 1907 5667 Uhr!Min. Frankfurt a M 5 05!). Febr. 25. Sch'wat 6 20 Berlin - — — n ff 5 51 München -. . . 5 15 ff ff 6 05 Stratzbnrg . . 5 30 r, tt 6 20 Posen . . . . — — ff tt 5 37 Breslau ■ — — tf r/ 5 39 Nürnberg. . — — tt ff 6 05 Stuttgart 5 15 fr tf 6 12 Prag 1 5 20 tt tt 5 50 Für den Reklamenteil ist: die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene» Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters aus ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Kaiser Friedrich Quelle 6346) ——- ©ffenbach a. M. ■——- , „Gegen Gicht u. Rheumatismus bewahrt.“ # Natürlicher ' 'S Biliner Sauirbriiin diätetisches Tafelwasser erfrischend - wohlschmeckend - SilllttilSSDll reine nafurfüflung in 7i u. 7S ¥1. überall erhältlich. Hauptniederlage in (6687) j Frankfurt a.M.bei H.KölschHachf., Rebstock 1. Wie artig das Kind zur Schule geht! — W V M W Ja, und es ist eigentlich nie ttank. Hat eben eine kluge Mutter: die läßt das Kind nie ohne ein paar Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen zur Schule gehen, sie schützt damit also das Kmd gegen ungünstige Einwirkungen auf die Schleimhäute, gegen ttockene, staubige Schulluft. Fays ächte Sodener bekämpfen auch vorhandene Erkältungen gleich in den Anfängen. - in jed. ”

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